Das Kloster Kaisheim, auch Kaisersheim (), ist eine ehemalige Abtei der Zisterzienser im Markt Kaisheim (bei Donauwörth) im Bistum Augsburg in Bayerisch-Schwaben. Das reichsunmittelbare Kloster wurde mit der Säkularisation 1802/3 aufgehoben und beherbergt heute die Justizvollzugsanstalt Kaisheim.
Geschichte mini|links|Tor zur Klosteranlage mini|hochkant|links|Klosterkirche mini|hochkant|links|Orgel
Gegründet wurde das Kloster in den Jahren 1133 oder 1135 vom Grafen Heinrich II. von Lechsgemünd († 11. März 1142) und seiner Gemahlin Liukardis. Die königliche Bestätigung der Klostergründung erfolgte noch 1135. Papst Eugen III. bestätigte die Stiftung 1147 und 1185. Der erste Konvent kam aus der Zisterze Lützel (Lucelle) im Elsass, die selbst eine Tochtergründung der Zisterzienserabtei Bellevaux aus der Filiation der Primarabtei Morimond war. Kaisheim seinerseits gründete im Jahr 1273 das Stift Stams im Tiroler Inntal. Im Kaisheimer Konvent sind im 14. Jahrhundert Einflüsse der schwäbischen Mystik und der Gottesfreunde nachweisbar.
Die Abtei tat sich zudem auf den Gebieten der Geschichtsschreibung, der Literatur und der Buchmalerei hervor.Otto Kuchenbauer, Reinhard Maria Libor: Kaisheimer Buchmalerei im ehemaligen Zisterzienserkloster und Reichsstift zu Kaisheim. Hrsg. aus Anlaß der 850-Jahr-Feier der Klostergründung im Jahre 1984 vom Rotary-Club Donauwörth. Das bis ins 14. Jahrhundert dauernde Anwachsen des Klosterbesitzes führte jedoch zu Konflikten mit der Stifterfamilie, die sich später von 1321 bis 1656 mit den Inhabern der Klostervogtei, den Herzögen von Bayern-Ingolstadt bzw. Pfalz-Neuburg fortsetzten. Dabei ging es um die bei den Zisterziensern ordensübliche Vogtfreiheit und die Landeshoheit. Obwohl Kaisheim schon 1363 von Kaiser Karl IV. (1346/55–1378) formell die Reichsunmittelbarkeit verliehen wurde, dieser 1370 auch die Vogtfreiheit der Abtei bestätigte und der Status eines Reichsstiftes zudem aus den Reichsmatrikeln seit 1521 ersichtlich ist, musste das Kloster de facto lange um seinen Status ringen. Erst 1656 und nochmals 1757 konnte das Kloster seine Reichsunmittelbarkeit gegen die Pfalzgrafen von Neuburg gänzlich durchsetzen. Spätestens seit dieser Zeit erlangte der Abt den Rang eines Reichsprälaten und das Kloster nannte sich seither meist Kaisersheim. Durch die Reichsfreiheit stieg das barock-herrschaftliche Repräsentationsbedürfnis an. Ferner führte der Kaisheimer Abt als Vaterabt die ordensinterne Aufsicht über eine Reihe von schwäbischen und bayerischen Frauenklöstern, darunter die Augsburger Zisterzienserinnenabteien und das nahe Kloster Niederschönenfeld. Seit 1656 gehörte auch Kloster Pielenhofen als Subpriorat zur Abtei Kaisheim.Art. Pielenhofen. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 8, Sp. 286–287. An Weihnachten 1778 weilte Wolfgang Amadeus Mozart als Gast des Reichsprälaten Cölestin Angelprugger, den er in Mannheim kennengelernt hatte, im Kloster, das 1802 mit der Säkularisation aufgelöst wurde.
Die Klosteranlage wurde zunächst von der Bayerischen Armee besetzt. Anschließend diente Kaisheim als Zentral- oder Aussterbekloster der aufgelösten Bayerischen Ordensprovinz der Franziskaner. Ab 1816 wurden die Gebäude vom Freistaat Bayern als Strafarbeitshaus und Zuchthaus genutzt. In den Gebäuden befindet sich heute die JVA Kaisheim. Im Ostflügel, dem sogenannten Kaisersaalflügels, ist seit 1989 die Dauerausstellung Hinter Gittern im Bayerischen Strafvollzugsmuseum untergebracht.
Von besonderer baulicher Bedeutung sind neben der ehemaligen Klosterkirche der Kaisersaal und der Bibliothekssaal. Die um 1730 gefertigte Einrichtung des Bibliothekssaals, eine reich dekorierte zweigeschossige, an drei Seiten umlaufende Emporenanlage, wurde im Jahr 1804 in die frühere Provinzialbibliothek (jetzt Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau) verbracht und dort im ehemaligen Kongregationssaal eingebaut.
Die Sommerresidenz der Kaisheimer Äbte befand sich einige Kilometer entfernt in Schloss Leitheim.
Äbte von Kaisheim Als erster Abt gilt Udalrich (Ulrich I.), der von 1133 bis 1155 das Amt ausübte. 1698–1723 amtierte Rogerius Röls (Bruder des Augsburger Weihbischofs Johann Kasimir Röls), der die durchgehende Barockisierung der gesamten Klosteranlage veranlasste. Unter Cölestin I. Meermoos (Abt 1739–1771) wurde die Reichsunmittelbarkeit des Klosters gegen die Pfalzgrafen von Neuburg gänzlich durchgesetzt. Letzter Abt war Franz Xaver Müller (1783–1802). 1802 wurde er seines Amtes enthoben und verbrachte seinen Ruhestand im nahegelegenen Schloss Leitheim.
Baubeschreibung Klostergebäude Das ehemalige Zisterzienserkloster wird in der Liste der Baudenkmäler in Kaisheim folgendermaßen beschrieben:
Umfangreicher, sich aus dem Konventsgebäude, Torturm und den Wirtschafts- wie Verwaltungsgebäuden zusammensetzender Komplex, älteste Niederlassung des Ordens in der Diözese Augsburg, 1135 gegründet, 1656 reichsunmittelbar, 1802 säkularisiert, 1816 Umwandlung in ein Strafarbeitshaus, seit 1863 Strafanstalt, daneben vielfältige Nutzung der einzelnen Gebäude; sämtliche historische Gebäudeteile mit Ausstattung; Ehemaliges Konventsgebäude, jetzt Strafanstalt und Museum, unmittelbar an Süd- und Ostseite der Kirche angebauter, geschlossener Komplex mit zwei Binnenhöfen und einem nach Norden geöffneten Hof östlich des Chores, dreigeschossige Satteldachbauten mit Putzrustika, Putzrahmung um die Fenster, Gurt- und Traufgesimsen, im Ost- und Südflügel vortretende, um ein niedriges Geschoss erhöhte Eck- und Mittelrisaliten mit Eckrustizierung, Putzrahmen um die Fenster und Walm- bzw. Mansardwalmdächern, Pilaster- bzw. Lisenengliederung und ädikulagerahmten Portalen, auf den Mittelrisaliten Dachreiter, im östlichen der Kaisersaal, im südlichen ehemals die Bibliothek, von Franz Beer errichtet, 1716 ff. Kloster- und Gartenmauern, ehemals vollständige Ummauerung des Klosterkomplexes erstreckte sich im Westen und Norden von Hauptstraße 23 bis 65, dann bis zur Hafenreuter Straße und im Süden auf der Höhe südlich hinter Abteistraße 23, freistehende Reste der ehemals die gesamte Klosteranlage umgebenden Ringmauer mit Stichbogenblenden und Wehrgang sowie geringe Reste der Gartenmauern mit Wappenstein (bezeichnet) vor allem im Norden (Hauptstraße 63) und im Süden (Abteistraße 23) erhalten, im Kern mittelalterlich, Mauerzone im Osten und Norden im 18. Jahrhundert bis nach 1900 mit Giebel- und Walmdachhäusern überbaut
Klosterkirche Maria Himmelfahrt
1352 wurde der Grundstein der jetzigen Kirche gelegt. Die gotische Basilika dient seit der Säkularisation 1802/03 als katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und gleichzeitig als Gotteshaus der Justizvollzugsanstalt Kaisheim, die seit dem 19. Jahrhundert in den Klostergebäuden untergebracht ist. Nach Kriegsschäden erfolgte eine Gesamtrestaurierung bis 1965.
Grablegen Das Kloster Kaisheim war die Grablege des Grafenhauses Lechsgemünd-Graisbach und einiger seiner Ministerialenfamilien, wie u. a. den von Pappenheim, von Wemding, von Schweinspoint, von Schepach, von Rechenberg und Schenk von Geyern.Johann Adam Graf von Reisach: Geschichte der Grafen von Lechsmund und Graisbach, München 1813, S. 26 Digitalisat
In der Klosterkirche und im Kreuzgang sind noch zahlreiche Grabdenkmäler erhalten. Besonders sehenswert, ist das Hochgrab des Stifters Heinrich I. von Lechsgmünd im Mittelschiff der Kirche, sowie die figürlichen Steine des Ritters Georg von Wemding († 1551) und seiner Frau Margarethe († 1549) neben dem Westportal.
Wegen der Justizvollzugsanstalt Kaisheim wurde in den 1920/30er Jahren der Kreuzgang bis auf einen kleinen Teil abgebrochen und ist somit heute nicht mehr zugänglich. Einige Grabdenkmäler aus dem ehemaligen Kreuzgang wurden in die Klosterkirche verbracht.Auskunft JVA Kaisheim, Kaisheim 15. September 2020.
Kaisersaal mini|links|Kloster Kaisheim, Kaisersaal, Tugendzyklus (1718–1723)
Den glanzvollen baulichen Höhepunkt bildete neben dem Bibliothekssaal der Kaisersaal innerhalb der barocken Klosteranlage. Im Mittelrisalit des Ostflügels liegt der Kaisersaal, dessen Dekoration vermutlich 1718–1723 entstanden ist. mini|Kloster Kaisheim, Kaisersaal, Régence-Stuckierung (1718–1723) Die Ausstattung des Saales im Régence-Stil, der den Übergang zwischen schweren spätbarocken Formen und dem geschmeidigen Rokoko bildet. Ein besonderer Glücksfall war, dass der Saal – im Gegensatz zur Bibliothek – nahezu im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist. Neben der gotischen Kirche vermag deshalb nur noch dieser prachtvolle Saal mit den anschließenden Räumen der Prälatenwohnung von der einstigen Bedeutung der Zisterzienserabtei Zeugnis abzulegen.
Bei der Orientierung der Kaisheimer Künstler an dem neuen Ideal der Französischen Régence scheinen die Ornamentstiche von Jean Bérain und Paul Decker eine Vermittlerrolle gespielt zu haben.
Der prunkvolle Saal ist oberhalb eines marmorierten Sockels mit farbig gefassten Stuckaturen ausgestattet, welche die Wände und die Muldendecke völlig überziehen. Die Wände sind durch flache Doppelpilaster, Felder mit Teppichmustern und stuckierten allegorischen Motiven aus Kunst und Wissenschaft gegliedert. Ebenso werden Themen aus der Antike und dem Fernen Osten behandelt (Chinoiserien). Bedeutende Plätze nehmen die Wappen von Orden, Stifter, Konvent, Abtei und des Abts Rogerius I. Röls ein. Über dem schweren Doppelgesims mit Girlanden bildet eine Blendbalustrade mit Scheinarchitektur den Rahmen der stuckierten Deckenfelder. Die großen Eckfelder zeigen ebenfalls allegorische Darstellungen. Die fünf mit Ornamentik gefüllten Deckenfelder werden durch einen breiten Stuckrahmen gegliedert. Diese Felder wiederum sind unterteilt in stuckgerahmte Bildflächen. Besonders sehenswert sind die Vogel- und Greifenfiguren. Erst die Betrachtung aus der Nähe vermittelt das außerordentliche Können der Künstler.Festschrift zur Restaurierung des Kaisersaals 1979–1989.
Der Kaisersaal wird heute für Konzerte und Empfänge genutzt.Kurzbeschreibung mit Bildern und Landkarte. →Kloster Kaisheim / Kaisersaal
Strafvollzugsmuseum „Hinter Gittern“ Im Foyer und angrenzenden Räumen des Kaisersaals der ehemaligen Abtei Kaisheim beschreibt die Dauerausstellung „Hinter Gittern“ die Entwicklung des Strafvollzugs im Verlauf der Jahrhunderte.Museum Hinter Gittern auf Museen-in-bayern.de, abgerufen am 20. Juli 2024
Exponate, Fotografien und Nachbauten verdeutlichen die unterschiedlichen Lebensbereiche der Häftlinge und dokumentieren die Wandlung im Gefängnisalltag von damals bis heute. Grafiken und Texte führen an einzelne Ausstellungsthemen heran und werden durch „kuriose Basteleien“ der Gefangenen abgerundet.Strafvollzugsmuseum „Hinter Gittern“ – Dauerausstellung.
Werke aus der Abtei Annales Caesarienses, hrsg. von Georg Leidinger in: Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Phil.-hist. Klasse, 1910. Bernolds Formelbuch für Zisterzienserklöster „Prsaici dictaminis“ von 1312. Johann Knebel: Kaisheimer Chronik von 1531.
Siehe auch Kaisheimer Haus (Ingolstadt) Kaisheimer Pfleghof (Esslingen am Neckar)
Literatur
Johann Wolfgang Melchinger: Geographisches, statistisch-topographisches Lexikon von Baiern, oder, Vollständige alphabetische Beschreibung aller im ganzen Baiernschen Kreis liegenden Städte, Klöster, Schlösser, Dörfer, Flekken, Höfe, Berge, Thäler, Flüsse, Seen, merkwürdiger Gegenden u. s. w., Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1796, S. 5–7. Franz Dionys Reithofer: Die letzten 31 Jahre von Kaisersheim. Ein Denkmal der Dankbarkeit, dieser ehemaligen berühmten Cistercienser-Reichs-Abtey. München 1817 (Digitalisat). Martin Schaidler: Chronik des ehemaligen Reichsstiftes Kaisheim. Nördlingen 1867. Digitalisat Luitpold Reindl: Geschichte des Klosters Kaisheim, Selbstverlag, o. J. 1913. Karl Huber: Die Zisterzienserabtei Kaisheim im Kampf um Immunität, Reichsunmittelbarkeit und Souveränität. Diss., Erlangen 1928.