mini|alternativtext=|Sabine Heymann, 2021 Sabine Heymann (* 17. Dezember 1951 in Hamburg) ist eine deutsche Kulturjournalistin, Theaterkritikerin und Übersetzerin. Von 2001 bis 2017 war sie Geschäftsführerin des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU).

Leben Bereits 1970, also noch während ihrer Schulzeit am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium in Gießen, begann Sabine Heymann, journalistisch zu arbeiten: als freie Mitarbeiterin in der Lokalredaktion der Gießener Allgemeinen Zeitung, wo sie nach dem Abitur von 1971 bis 1973 ein Redaktionsvolontariat absolvierte und bis zum Beginn des Studiums als Redakteurin im Feuilleton tätig war. Von 1974 bis 1980 studierte sie Germanistik und Romanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Während des Studiums machte sie Praktika beim NDR und beim hr (Theaterverfilmung Käthchen von Heilbronn, Regie: Peter Beauvais), schrieb Kultur- und Theaterkritiken für die Frankfurter Rundschau und produzierte Hörfunk- und Fernsehbeiträge für Kultursendungen des Hessischen Rundfunks. 1981 übernahm sie die Regieassistenz bei Peter Beauvais für den Fernsehfilm Der Kunstfehler.

1981 begann Sabine Heymann ihre Arbeit als Kulturkorrespondentin in Rom für die Frankfurter Rundschau, Theater heute und Die Deutsche Bühne sowie die Radiosender hr, WDR und Deutschlandfunk. 1995 kehrte sie nach Deutschland zurück und ging an die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, wo sie bis 1996 als Kuratorin von Begleitprogrammen zu den Ausstellungen Sarkis, Im Lichte des Halbmonds, Moderna Museet Stockholm, Claes Oldenburg, Future Garden arbeitete. 1996–1998 war sie Persönliche Referentin des Präsidenten der Justus-Liebig-Universität in Gießen, 1998–2001 als Medienreferentin maßgeblich am Aufbau des dortigen Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) beteiligt, dessen Geschäftsführerin sie seit der Gründung von 2001 bis 2017 war. Über die Gründungs- und Aufbauzeit dieses Forschungszentrums gibt sie Auskunft in dem ZMI-Video Drei Fragen an Sabine Heymann. Ihre publizistischen Aktivitäten setzte sie auch nach der Rückkehr aus Italien fort (Theater heute, Der Tagesspiegel und Frankfurter Rundschau).

Sabine Heymann übersetzt Theatertexte, Belletristik und Sachbücher aus dem Italienischen, Französischen, Spanischen und Englischen. Als Kennerin der Theaterszene in Italien und China hat sie bei zahlreichen internationalen Festivals, Projekten und Tagungen als wissenschaftliche bzw. künstlerische Beraterin und Dramaturgin mitgewirkt. Lehraufträge und Vorträge führten sie u. a. an die Università di Napoli L’Orientale, die FU Berlin, die Universitäten Mainz, Frankfurt/Main, Osnabrück, Marburg sowie die Institute für Germanistik und Angewandte Theaterwissenschaft der Universität Gießen, die Universität von Pavia, die Shanghai Theatre Academy, die Konfuzius Institute Hamburg und Frankfurt, mehrfach an das deutsch-italienische Zentrum für europäische Exzellenz Villa Vigoni (Comer See), an Goethe-Institute, Theaterakademien und Theater in Deutschland, Europa, USA und China. Im April 2017 gab Sabine Heymann, gemeinsam mit Cao Kefei und Christoph Lepschy, das Buch Zeitgenössisches Theater in China heraus, das einen umfassenden Einblick in das chinesische Theater der Gegenwart gibt.

Nachdem Sabine Heymann im Oktober 2019 noch einen Vortrag an der FU Berlin/Institut für Theaterwissenschaft zum Thema „Lampedusa, die Balkanroute und Europa: die Flüchtlingsproblematik in der italienischen Gegenwartsdramatik“ gehalten und im November 2019 mit dem Vortrag „Kassengift? Die prekäre Situation der italienischen Gegenwartsdramatik“ am Romanistentag in Kassel teilgenommen hatte, stellten nach Beginn der Corona-Pandemie alle Wissenschafts- und Kulturinstitutionen auf reinen Digitalbetrieb um. Auch die Ringvorlesung „Der Text und seine Übersetzer. Zur Theorie und Praxis des literarischen Übersetzens“ an der Universität Jena fand im Online-Format als Webkonferenz statt. Im Januar 2021 hielt Sabine Heymann in diesem Rahmen ihren Vortrag „Die unsichtbaren Dritten. Handwerk und Rahmenbedingungen des Übersetzens für das Theater.“ Die Referenten der Ringvorlesung gehörten zu einer Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des inzwischen etablierten Masterstudiengangs „Literarisches Übersetzen in Theorie und Praxis“. Im März 2022 stellte Sabine Heymann im Rahmen der „Contemporary Theater Art“ Seminar Series der Universitäten Göttingen und Nanjing Anna Stechers Buch „Die Konjunktur der Komödie im China der Gegenwart vor“. Im Jahr 2022 wurde Sabine Heymann vom Goethe-Institut Neapel als Kuratorin mit der Recherche, Vorauswahl und Adaption der deutschsprachigen Texte für das Festival Racconti per Ricominciare (Geschichten für den Neuanfang) beauftragt, das vom 26. Mai bis zum 12. Juni 2022 in Neapel „unter dem Vesuv“ stattfand.

Im Juli 2022 hielt Sabine Heymann an der Universität Marburg den Vortrag „Bleierne Zeit und anni di piombo. Der Terrorismus der 1970er Jahre in Italien auf der Bühne“. Im Rahmen der Ausstellung „Die Lust am anderen Theater“ führte Dorothea Volz am 13. Juli 2022 im Deutschen Theatermuseum München unter dem Titel „Breaking down the walls …“ ein Gespräch mit Sabine Heymann und Axel Tangerding über die Theaterrebellion der 1960er und 1970er Jahre. Im Rahmen des Literarischen Zentrums Gießen (LZG) hat Sabine Heymann seit 2022 Lesungen mit Daniel Schreiber („Allein“), Steffen Mensching („Hausers Ausflug“) und Kristoff Magnusson ("Apokalypse Miau" und "Ein Mann der Kunst") moderiert. Am 2. Mai 2023 nahm sie am Deutschen Schauspielhaus Hamburg an der Podiumsdiskussion schmerzgrenze teil, bei der es um das Übersetzen von Gewalt für das Theater ging. Moderiert von der Literatur-Übersetzerin und Celan-Preisträgerin Annette Kopetzki diskutierte sie mit Corinna Popp, die aus dem Französischen übersetzt und dem Englisch-Übersetzer Henning Bochert über den Umgang von Übersetzern mit Gewaltthemen wie Krieg, Terror, Flucht, Migration, organisierte Kriminalität, häusliche Gewalt, Femizid, die zunehmend das zeitgenössische Theater beherrschen. Im November 2024 fand am Burgtheater Wien/Akademietheater die Uraufführung von Stefano Massinis Stück „Manhattan Projekt“ in der Übersetzung von Sabine Heymann statt. Regie führte Burgtheaterintendant Stefan Bachmann, die Rolle des Oppenheimer spielte Max Simonischek.

Auszeichnungen (Auswahl) Sabine Heymann wurde im Dezember 2020 für die Kategorie 5 des PREMIO INTERNAZIONALE IVO CHIESA nominiert. Die Kategorie geht an Wissenschaftler, Essayisten und Übersetzer. Zum 100. Geburtstag von Ivo Chiesa hat das Teatro Nazionale di Genova einen internationalen Theaterpreis ausgelobt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Chiesa 45 Jahre lang Direktor des Teatro Stabile von Genua, ein bedeutender Theatermann: Autor, Kritiker, Gründer der Theaterzeitschrift Sipario. Der Preis wird in sieben Kategorien vergeben. Für die Übersetzung von Enrico Bernards Theatertext La Voragine (Die Grube) aus dem Italienischen ins Deutsche gewährte der „Kulturfonds der Société Suisse des Auteurs (SSA)“ Sabine Heymann im Dezember 2018 ein Stipendium. Stefano Massinis Stück 7 Minuten. Betriebsrat („7 minuti. Consiglio di fabbrica“, Lauke-Verlag) wurde in der Übersetzung von Sabine Heymann und der Regie von Carole Lorang (Ko-Produktion des Théâtre des Capucins Luxemburg und des Staatstheaters Mainz, dort Premiere am 4. November 2017) von nachtkritik.de für das nachtkritik-Theatertreffen 2018 als eine der wichtigsten Inszenierungen des Jahres 2017 nominiert. Massinis 7 Minuten. Betriebsrat erhielt in der genannten Übersetzung von Sabine Heymann und der Inszenierung von Werner Schretzmeier am Theaterhaus Stuttgart bei den Privattheatertagen 2018 in Hamburg den Monica Bleibtreu-Preis für die Kategorie zeitgenössisches Drama. Stefano Massinis Drama Eine nicht umerziehbare Frau („Donna non rieducabile“, Lauke-Verlag) erreichte in der Übersetzung Sabine Heymanns aus 70 Einsendungen aus 22 Ländern Platz 1 der EuroDram-Finalisten des Jahres 2015. Der Theatertext Variationen über das Kraepelin-Modell oder Das semantische Feld des Kaninchenschmorbratens von Davide Carnevali (Rowohlt Theater) erhielt in der Übersetzung von Sabine Heymann beim Theatertreffen Berlin 2009 (Stückemarkt) den Hörspielpreis von Deutschlandradio Kultur. Der Text wurde 2010 als Hörspiel gesendet. Das Sachbuch Die Geheimnisse Roms (Osburg Verlag, Berlin 2009) von Corrado Augias wurde in der Übersetzung von Sabine Heymann von der Jury der Süddeutschen Zeitung und des NDR im Juli 2009 zum Sachbuch des Monats August gewählt.

Veröffentlichungen (in Auswahl) Bücher / Buchbeiträge Kassengift? Die prekäre Situation der italienischen Gegenwartsdramatik - eine unendliche Geschichte. In: Christiane Müller-Lünenschloß und Rolf Lohse (Hrsg.), Dramatik, Postdramatik und intermediales Spiel. Theatertendenzen in der Romania. Verlagslabor Bonn 2022, ISBN 978-3-7543-4379-1

„Es gibt kein Wenn im Leben…“. – Nick Rongjun Yu „Zu Gast im eigenen Haus“. In: Anna Stecher/Xu Jian (Hrsg.), Die Konjunktur der Komödie im China der Gegenwart. Stücke und Zugänge, München: Utz, 2022, ISBN 978-3-8316-4845-0 Konzept und Wort. Luca Ronconis Methode der „Zweigleisigkeit“ bei der Inszenierung von übersetzten Texten. In: Olaf Müller und Elena Polledri (Hrsg.), Theateradaptionen. Interkulturelle Transformationen moderner Bühnentexte. Winter Verlag Heidelberg, 2020, ISBN 978-3-8253-4785-7 Zwei Länder – zwei Theaterkulturen. Gegenwartsdramatik auf italienischen und deutschen Bühnen. In: Heinz Georg Held, Donatella Mazza und Laura Strack (Hrsg.), Akustische Masken auf dem Theater. Text – Sprache – Performanz, ISBN 978-3-515-12494-2. Reihe: Impulse – Villa Vigoni im Gespräch. Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2020 Revolution ist kein Galadiner … Xiqu-Künstler und die Kulturrevolution: Interviews mit Zeitzeugen. In: Zeitgenössisches Theater in China. Alexander Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-89581-346-7 Zeitgenössisches Theater in China. Hrsg. Cao Kefei, Sabine Heymann, Christoph Lepschy. Alexander Verlag, Berlin 2017, ISBN 3-476-01524-6 Artikel „Antonio Gramsci“, in: Ansgar Nünning (Hrsg.), Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Stuttgart, 4. Auflage 2008, ISBN 978-3-476-02241-7 Jagdszenen aus Hessen und anderswo. Die Autorin Melanie Gieschen, in: STÜCK-WERK 3. Neue deutsche Dramatik. Arbeitsbuch Theater der Zeit. Hrsg. von Christel Weiler, Harald Mueller, Berlin 2001, ISBN 3-934344-06-2 Geld Anfassen Arschgeigen Herzen&Küssen Geschlechtsverkehr. Die Autorin Sibylle Berg, in: STÜCK-WERK 3. Neue deutsche Dramatik. Arbeitsbuch Theater der Zeit. Hrsg. von Christel Weiler, Harald Mueller. Berlin 2001, ISBN 3-934344-06-2 Dramenartikel zu Dario Fo, Franca Rame: „Bezahlt wird nicht“ und „Offene Zweierbeziehung“; Eduardo De Filippo: „Die Kunst der Komödie“ und „Filumena Marturano“; Jacques Audiberti: „Das schwarze Fest“ und „Der Lauf des Bösen“; Alessandre Dumas fils: „Die Kameliendame“; Henri Millon de Montherlant: „Das Land, dessen König ein Kind ist“; Aimé Césaire: „Die Tragödie des Königs Christophe“; Carlo Gozzi: „König Hirsch“. Autorenartikel über Dario Fo, Franca Rame, Jacques Audiberti, Henri Millon de Montherlant, Alessandre Dumas fils, Eduardo De Filippo, Aimé Césaire und Carlo Gozzi, in: Klaus Völker (Hrsg.), Bertelsmann Schauspielführer. Gütersloh 1992, 2. Auflage 2001, ISBN 3-570-01620-X. Teatri Uniti: Mario Martone, Toni Servillo, Enzo Moscato. Enzo Moscatos „Rasoi“ und Molières Il Misantropo. Arbeitsbuch Theater der Zeit – Theater der Welt, Berlin 1999, ISBN 3-9805945-6-4 Nachdenkenskondensate, Tageslicht und Zauberei. Elmar Goerdens „Das Meer war groß“ und Wider den schleichenden Prozeß der Verniedlichung. Andreas Kriegenburgs „Ohne Titel“. Theater der Zeit, Programmbuch zum Festival Theaterformen, Berlin, Juni 1998, ISBN 3-923854-90-0