Der Familientausch Kekich und Peterson zwischen den beiden Pitchern des Baseballvereins New York Yankees, Mike Kekich und Fritz Peterson fand Ende 1972 statt. Er wurde im Frühjahr 1973 von den Medien der Vereinigten Staaten aufgegriffen und zu einem Skandal für die New York YankeesJoe Capozzi, , 26. Januar 2013, Palm Beach Post, in Englisch und zum wichtigsten Thema im Baseballsport des Jahres 1973.Tony Manfred, Meet The Wife-Swapping New York Yankees Of 1972, 27. Juni 2011, Business Insider, in Englisch Er erreichte weltweite AufmerksamkeitDennis D'Agostino, Keepers of the Game: When the Baseball Beat was the Best Job on the Paper, ISBN 978-1-59797-870-5, Potomac Books (University of Nebraska Press), 2013, in Englisch und wird zu den Vorgängen gezählt, die den vormals in der Öffentlichkeit weitgehend skandalfreien und familientauglichen Baseballsport in den 1970er Jahren beschädigten.Dan Epstein, Big Hair and Plastic Grass: A Funky Ride Through Baseball and America in the Swinging '70s, ISBN 978-0-312-60754-8, Thomas Dunne Books (St. Martin's Press), New York 2010, in Englisch

Geschichte mini|Fritz Peterson (vordere Reihe, ganz links, mit Brille) im Arlington High School-Baseballteam während seines Seniorjahres dort Tausch Fritz Peterson war bereits seit 1966 bei den New York Yankees unter Vertrag. Mike Kekich wechselte 1969 von den Los Angeles Dodgers zu den Yankees und freundete sich nach seiner Ankunft mit Peterson an. Die beiden Spieler wurden in den Folgejahren enge Vertraute und beide Familien verbrachten ihre Freizeit miteinander. Beide Paare waren seit Mitte der 1960er Jahre verheiratet und hatten je zwei Kinder.Dave Anderson, The New York Times (Hrsg.): The New York Times Story of the Yankees: 382 Articles, Profiles and Essays from 1903 to Present, ISBN 978-1-60376-370-7, Leventhal, 2012, S. 315, in Englisch

Nach einem gemeinsamen Kinobesuch im Sommer 1972 besprachen die zwei Paare einen möglichen Partnertausch. Bei einem kurze Zeit später stattfindenden Fest des Sportjournalisten Maury Allen am 15. Juli 1972 vereinbarten die beiden Frauen, dass sie beim jeweiligen Ehemann der anderen übernachten würden. Bis Oktober 1972 hatten die Männer ihre angemieteten Häuser getauscht und waren bei der Familie des anderen eingezogen.Major League swingers: NY Yankees Fritz Peterson and Mike Kekich swap families, 1972, 9. April 2013, Dangerousminds.net, in Englisch Bestandteil des Tausches war die Übernahme der Kinder, die bei den Müttern bleiben sollten, und der Hunde – ein Terrier bei den Kekichs und ein Pudel bei den Petersons. Kekich informierte den Spielermanager der Yankees, Lee MacPhail, über den Vorgang. Bis März 1973 wusste von den Mitspielern nur Mel Stottlemyre von dem Tausch.Matthew Silverman, Swinging '73: Baseball's Wildest Season, ISBN 978-0-7627-9323-5, Rowman & Littlefield, 2013, S. 22ff.

Bekanntgabe Bis zum Frühjahr 1973 war von dem Tausch nichts bekannt geworden. Das ist wahrscheinlich auf eine Anweisung des Vereinseigentümers George Steinbrenner zurückzuführen. Da nun aber Informationen durchsickerten, beschloss man, die Presse offiziell zu informieren. Im Frühlingstrainingslager der Yankees in Fort Lauderdale hielten die beiden Spieler am 4. März 1973 getrennte Pressekonferenzen ab. Kekich stellte sich den Journalisten um 10 Uhr morgens, Peterson um 16 Uhr. Beiden Spielern war es wichtig, den Tausch nicht als „sex thing“, sondern als Lebensentscheidung im Interesse aller zu erklären:

Resonanz Die Nachricht war eine Sensation im sich damals bei solchen Themen noch schamhaft zurückhaltenden Nordamerika.Mike Kekich & Fritz Peterson Not Happy About Ben Affleck/Matt Damon Wife-Swap Film "The Trade", 25. Februar 2011, OK! Magazin, in Englisch Die Medien waren aber nicht länger willens, private Affären und andere Indiskretionen im Sport zu übergehen: „The Kekich-Peterson wife swap became a national story.“John Rosengren, Hammerin' Hank, George Almighty and the Say Hey Kid: The Year That Changed Baseball Forever, ISBN 978-1-4022-3031-8, Sourcebooks, Inc., 2008, S. 25 in Englisch Die Berühmtheit des New Yorker Baseballclubs trug zur schnellen Verbreitung der Neuigkeit bei. Die großen Zeitungen des Landes nahmen das Thema auf den Titelseiten auf.Frank Foster, The Family Swap: The Bizarrely True Story of Two Yankee Baseball Players Who Decided to Trade Families, siehe LiteraturverzeichnisMarty Appel, Pinstripe Empire: The New York Yankees from Before the Babe to After the Boss, ISBN 978-1-62040-047-0, Bloomsbury Publishing, 2012, S. 390, in EnglischShocking moments in baseball history, Page 2, ESPN, in Englisch

Der Tausch wurde für die Yankees zu einem moralischen Skandal und wirkte sich auf den Baseballsport des ganzen Landes aus.Roger Rubin und David Lennon, The Great New York Sports Debate: Two New York Sportswriters Go Head-to-Head on the 50 Most Heated Questions, ISBN 978-1-101-21331-5, Penguin Books, 2006, S. 68 u. 69 Einflussreiche Sportjournalisten wie Milton Richman (1922–1968) von United Press International, Sal Marchiano von WABC-TV (American Broadcasting Company) oder Sheila Moran von der New York Post reisten zu den Pressekonferenzen an und berichteten umgehend von dem Vorfall.Jean Hastings Ardell, Breaking Into Baseball: Women and the National Pastime, ISBN 978-0-8093-2627-3, Southern Illinois University Press, 2005, S. 203 Der bekannte Sportjournalist der New York Daily News, Dick Young, verurteilte den Tausch als unmoralisch. Auch der Moderator Paul Harvey berichtete davon am Tag der Bekanntgabe in seiner populären Nachrichtensendung auf ABC Radio.

In Folge waren beim Frühjahrstraining die Fernsehsender ABC und NBC sowie das Team von 60 Minutes anwesend und berichteten.Ron Blomberg und Dan Schlossberg, Designated Hebrew: The Ron Blomberg Story, ISBN 978-1-58261-987-3, Sports Publishing, 2006, S. 128, in Englisch Das Time Magazine („Switch Partners“) wie auch Newsweek brachten Artikel.Randy Jones und Mark Bego, Macho Man: The Disco Era and Gay America's "coming Out", ISBN 978-0-275-99962-9, ABC-CLIO, 2009, S. 52, in Englisch

Der damalige Vorsitzende der Major League Baseball, Bowie Kuhn, war über den Vorgang entsetzt, sah aber keine Möglichkeit, einzuschreiten. Später gab Kuhn an, in der Angelegenheit mehr Briefe bekommen zu haben als bei der kontrovers diskutierten Einführung der Designated-Hitter-Regelung. Einer der wenigen Offiziellen, die den Tausch als Privatsache ansahen und keine Auswirkungen auf das Spiel der Yankees sahen, war der Vereinsmanager Ralph Houk. Die meisten Mitspieler lehnten den Tausch aus ethischen Gründen zwar ab, betrachteten den Vorgang aber ebenfalls als nicht den Verein betreffend.Christopher Devine, Thurman Munson: A Baseball Biography, ISBN 978-0-7864-8334-1, McFarland, 2001, S. 70

Spätere Entwicklung Kekich und seine neue Partnerin Marylin trennten sich bereits einige Wochen nach der Pressekonferenz vom 4. März 1973. Marylin zog daraufhin mit ihren beiden Söhnen nach New Jersey und heiratete später erneut. Kurze Zeit später wurde Kekich von den Yankees an die Cleveland Indians verkauft, in Folge spielte er in raschem Wechsel bei den japanischen Hokkaidō Nippon Ham Fighters, den Texas Rangers und den Seattle Mariners.Chris Smith, Yankee-Panky, 14. Januar 1991, Zeitschrift: New York, S. 24 Nach eigener Aussage litt seine weitere Laufbahn als Baseballspieler unter dem Skandal. 1977 endete seine Spielerkarriere und er arbeitete als Versicherungsgutachter.Fran Zimniuch, Going, Going, Gone!: The Art of the Trade in Major League Baseball, ISBN 978-1-4617-0316-7, Taylor Trade Publishing, 2008, S. 176 Später heiratete er wieder und hat aus dieser Ehe eine Tochter.

Kekich erklärte später, dass die Absprache zwischen den beiden Spielern, wonach der Tausch bei Unzufriedenheit einer Seite rückgängig gemacht werden sollte, von Peterson nach dem Scheitern der Kekich/Marylin-Beziehung gebrochen wurde. Peterson antwortete, diese Absprache hätte nur bis zum 14. Dezember 1972 gegolten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die neuen Familien zwei Monate miteinander gelebt und alle Beteiligte nach einer kurzen Phase der Rückkehr zu der alten Familie eine endgültige Entscheidung getroffen.

Die Beziehung zwischen Peterson und Kekichs ehemaliger Ehefrau war stabiler. Das Paar heiratete 1974 und blieb zusammen. Wie bei Kekich wirkten sich auch auf Petersons sportliche Leistungen die negative Kritik an dem Frauentausch aus; er konnte nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen.Dan Epstein, Big Hair and Plastic Grass: A Funky Ride Through Baseball and America in the Swinging '70s, ISBN 978-1-4299-2075-9, Macmillan, 2010, S. 81, in Englisch Nach Beendigung seiner Baseballkarriere 1976 war er als Versicherungsmakler, Bibelverkäufer und Lehrer tätig. Das Paar hatte vier gemeinsame Kinder.

Rezeption Medien Der Vorgang des Jahres 1973 ist bis heute ein Thema in US-amerikanischen und ausländischen Medien: In seinem Buch The 100 Greatest Days in New York Sports listete Stuart Miller 2006 den Frauentausch auf den vierten Platz der Negativliste „Bad Behavior on the Road“.Stuart Miller, The Yankees take up wife-swapping, March 5, 1973, ISBN 978-0-618-57480-3, Houghton Mifflin Harcourt, 2006, S. 494 f. Im September 2009 besprach die New York Times das Peterson-Buch „Mickey Mantle Is Going To Heaven“ (Outskirts Press), in dem der Frauentausch thematisiert wird.Joe Lapointe, In His Book, Fritz Peterson Discusses Pranks, Teammates and Swapping Wives, 18. September 2009, The New York Times, S. B15 (Ausgabe: New York), in Englisch

David Fischer nahm den Skandal 2012 in sein Buch 100 Things Yankees Fans Should Know & Do Before They Die auf.David Fischer, 100 Things Yankees Fans Should Know & Do Before They Die (Make sense of the Peterson-Kekich Swap), ISBN 978-1-60078-669-3, Triumph Books, 2012, S. 169, in Englisch ESPN setzte den Tausch auf den sechsten Platz der Liste „Shocking moments in baseball history“. Auch der Fernsehsender Fox Sports (Fox Broadcasting Company) listete den Tausch in der Liste Biggest sports sex scandals von 2012.Biggest sports sex scandals, 26. Januar 2012, Fox Sports, in Englisch Im Jahr 2013 wurde der Skandal dann auf Platz 6 der Liste der „The 50 Craziest Sex Scandals in Sports History“ von Complex.com gesetzt.Sean Evans und Gus Turner, The 50 Craziest Sex Scandals in Sports History, 3. Juli 2013, Complex.com, in Englisch Und ebenfalls 2013 nahm auch die hochauflagige, indische Tageszeitung Deccan Chronicle den Vorgang im Jahr 2013 in die Aufstellung „Sex scandals that rocked the sports world“ auf.Sajal K Patra, , 8. September 2013, Deccan Chronicle (Online-Ausgabe), in Englisch

Musik und Film Die US-Supergroup The Baseball Project (Peter Buck, Mike Mills, Scott McCaughey, Steve Wynn und Linda Pitmon) veröffentlichte den Song „The Ballad of Mike Kekich and Fritz Peterson“ auf den Alben Volume 1: Frozen Ropes and Dying Quails (2008; als Online-Bonus-Track) und The Broadside Ballads (2011).The Baseball Project, baseball-reference.com, in Englisch