Fehraltorf ist eine politische Gemeinde im Bezirk Pfäffikon des Zürcher Oberlands im Kanton Zürich in der Schweiz.

Wappen Blasonierung: Gespalten von Blau und Silber mit einer Lilie verwechselter Farbe, bewinkelt links von zwei silbernen Rosen, rechts von zwei blauen Sternen Das Wappen wurde 1930 eingeführt, es beruht auf einer älteren Darstellung von 1815 mit einer roten Rose mit grünem Stiel im Schildfuss und zwei Sternen mit verwechselten Farben im Schildhaupt. Von 2014 bis 2019 verwendete die Gemeinde für ihren Onlineauftritt ein Logo mit einer in Hellblau tingierten Variante des Wappens.Peter Ziegler: Fehraltorf. In: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich (= Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Band 49). Berichthaus, Zürich 1977, ISBN 978-3-85572-022-4, S. 49 (archiviert in E-Periodica der ETH Zürich). Auf das Jahr 2020 wurde unter dem Motto «Ein dynamisches Logo für eine dynamische Gemeinde» ein abstrakteres, aber immer noch auf dem Wappenbild beruhendes Logo eingeführt.Alice Kueng: In: Zürcher Oberländer. 4. Dezember 2019.

Geographie Das Strassendorf liegt im Kempttal nordwestlich von Pfäffikon im Zürcher Oberland. Die Landschaft ist flach, mit eingestreuten Hügeln, sogenannten Drumlins. Von der Gemeindefläche dienen 50,9 % der Landwirtschaft, 27,6 % sind mit Wald bedeckt, 14,6 % sind Siedlungs- und 5,9 % Verkehrsfläche, 0,6 % sind Gewässer und 0,3 % unproduktive Fläche (Stand 2018).Gemeindeporträts. Fehraltorf. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf im Reitenbachholz Richtung Rumlikon, der tiefste Punkt auf beim Übertritt der Kempt unterhalb der Abwasserreinigungsanlage in die Gemeinde Illnau-Effretikon.

Geschichte In der Gegend um Fehraltorf zeugen archäologische Funde von der späten Bronzezeit ausgehend auf eine durchgehende Besiedelung hin.

In den 530er-Jahren kam Fehraltorf zusammen mit der Nordschweiz zum Merowingerreich; davon zeugen Grabbeigaben in den 57 Gräbern, welche 2015 freigelegt wurden.Frühmittelalterlicher Friedhof in Fehraltorf ausgegraben. Baudirektion des Kantons Zürich, 14. Januar 2016 (Medienmitteilung).

Mindestens seit 745 bewohnten die Alemannen das Gebiet. Die Burganlage Rüti, von der um eine aufgeschüttete Burgstelle in der Burgwies noch Wälle und Gräben zu sehen sind, kann als eine der frühen Adelsburgen gedeutet werden, wie sie ab etwa 1000 n. Chr. auch im Oberland entstanden: zum Teil hölzerne Turmbauten auf künstlich aufgeschütteten Erdhügeln im ebenen Gelände oder als Höhenburgen auf natürlichen Bergspornen oder Hügeln.

Im Mittelalter wurde die Siedlung Altorff bzw. Altdorf oder Rüeggisaltorf bzw. Rüedgersaltorf genannt; der Name Fehraltorf (fehr = fern) entstand zur besseren Unterscheidung gegenüber Mönchaltorf, welche beide dem Kloster Rüti zinspflichtig waren. Im 15. Jahrhundert kam die Gerichtsbarkeit unter der Landvogtei Kyburg in den Besitz der Stadt Zürich.

1787 war ein Viertel der ansonsten vor allem Ackerbau betreibenden Bevölkerung in der Baumwoll-Heimarbeit beschäftigt. Die industriell betriebene Streichholzfabrikation vergab eine Zeit lang Aufträge an Heimarbeitende zur Herstellung von Schwefelhölzern: die Chemische Zünd- und Fettwarenfabrik G. H. Fischer in Fehraltorf. Gesundheitliche Gefahren im Umgang mit Phosphor und Schwefel setzten aber neue gesetzliche Grenzen und der Heimarbeit mit Streichhölzern ein Ende.

1798 wurde Fehraltorf Hauptort eines gleichnamigen Distriktes, über Umwege gehört das Dorf seit 1831 zum Bezirk Pfäffikon. Der Einfluss der Industrialisierung blieb vergleichsweise gering.

Mit dem in den 1960ern beginnenden Bauboom wuchs Fehraltorf immer enger mit dem Grossraum Zürich zusammen und gewann an Bevölkerung und wirtschaftlicher Bedeutung.

Bevölkerung mini|300px|Historisches Luftbild von 1920, aufgenommen von Walter Mittelholzer + Bevölkerungs­entwicklungQuellen: 1467–1733: HLS, 1850–1950: Eidgenössische Volkszählungen, danach: Gemeindeporträts. Fehraltorf. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2000–2022. Jahr Einwohner1467 1901634 3411733 8001850 8331900 9381950 11362000 46312005 49522010 58852015 62922020 65732022 6793

Politik Der Gemeinderat besteht aus Anton Muff (Demokratischer Gemeindeverein Fehraltorf, DGF, Gemeindepräsident),Behörden. Gemeindepräsident. Website des Demokratischen Gemeindevereins Fehraltorf (DGF). Markus Bachofner (SVP), Christof Bögli (FDP), Carmen Evangelisti (FDP), Verena Hubmann (DGF) und Fritz Schmid (parteilos). Gemeindeschreiber ist Marcel Wehrli.Gemeinderat. Website der Gemeinde Fehraltorf.

Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Fehraltorf: SVP 33,98 % (+0,12), SP 13,97 % (+2,11), FDP 13,60 % (−0,38), glp 12,45 % (−2,58), Mitte 10,24 % (+4,52), Grüne 6,71 % (−5,29), EVP 2,95 % (−1,12), EDU 2,26 (+0,84).

Verkehr Öffentlicher Verkehr Die Gemeinde ist seit dem 3. Mai 1876 mit der Eröffnung der Bahnstrecke Effretikon–Hinwil durch die Eisenbahngesellschaft Effretikon–Pfäffikon–Hinwil (EH) durch den Bahnhof Fehraltorf an das schweizerische Eisenbahnnetz angeschlossen. Die S-Bahn Zürich bedient den Bahnhof mit der Linie . Zusätzlich fährt seit dem 13. Dezember 2015 die zu Stosszeiten durch Fehraltorf. An Wochenenden fährt im ZVV-Nachtnetz auch die .

Der Verein Flugsportgruppe Zürich Oberland betreibt den Flugplatz Speck-Fehraltorf.

Individualverkehr Fehraltorf liegt an der Hauptstrasse 345 Eschenbach SG–Illnau–Grafstal mit Verbindung zum Anschluss Effretikon an die A1. Fehraltorf ist zugleich Kreuzungsort mit der Hauptstrasse 354 Hegnau ZH–Tägerschen TG, die nach Westen mit Volketswil und Uster und mit der Oberlandautobahn A15 verbunden ist und nach Nordosten mit Russikon und dem Tösstal. Diese Verbindung schafft zugleich den Anschluss an die Höhenstrasse auf der Längsachse der Allmenkette Kyburg–Bäretswil–Bachtel.

Schulen In der Gemeinde Fehraltorf befinden sich 8 Kindergärten, eine Primarschule und eine SekundarschuleWebsite der Schulen in Fehraltorf. sowie eine Schule mit Internat und Therapieabteilung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen (Ilgenhalde). Die Anzahl der Schüler hat sich seit 1960 verfünffacht (1960: 157; 1990: 575; 2012: 640; 2017: 741; 2019: 781; 2021: 793).Theo Altorfer, Anatol Pante: Gemeinde- und Volkswirtschaftsentwicklung. Schüler. In: Gemeinde Fehraltorf. Finanzplan 2022–2026. Gemeinde Fehraltorf, 15. September 2022 (PDF; 1,1 MB).

Sportvereine Fehraltorf ist die Heimat des 1930 gegründeten Fussballvereins FC Fehraltorf, dessen höchstklassierte Mannschaften in der 3. Liga spielen.FC Fehraltorf. Fussballverband Region Zürich. Das Herrenteam der Handball-Spielgemeinschaft Pfäffikon-Fehraltorf tritt in der 4. Liga an.HSG Pfäffikon-Fehraltorf. Schweizerischer Handball-Verband. Im Turnsektor gibt es unter anderem den Turnverein Fehraltorf.Website des Turnvereins Fehraltorf.

Zudem gibt es noch den Tennisverein und viele andere.Vereine. Website der Gemeinde Fehraltorf.

Persönlichkeiten

Heinrich Bachofner (1828–1897), Pädagoge, Sozialpolitiker, Gründer der Schweizerischen Anstalt für Epileptische (heute Schweizerische Epilepsie-Stiftung) Emil Briner (1867–1929), Kunstmaler Hermann Brüngger (1888–1958), Pädagoge, Lokalhistoriker Salomon Corrodi (1810–1892), Landschaftsmaler, Aquarellist und RadiererSalomon Corrodi auf archive.org/stream (abgerufen am 31. Dezember 2016). Muriel Grässli (* 1987), Volleyballspielerin Rudolf Hospinian (1547–1626), evangelischer Geistlicher und Theologe in Zürich Wilhelm Johannes Fischer (1892–1977), Ornithologe, Botaniker, Gymnasiallehrer und Sachbuchautor in Stuttgart Heinrich Weiss (1789–1848), Regierungsrat ab 1831 für die Liberal-Radikalen

Sehenswürdigkeiten

Pferdestatue vor abstrahiertem Drumlin auf dem Verkehrskreisel an der Ortseinfahrt Kempttalstrasse, Abzweigung Russikon symbolisiert Fehraltorfs Verbundenheit mit Landwirtschaft, Pferdesport und glazialer Landschaftsformung.

Literatur Hermann Brüngger: Fehraltorf im Wandel der Jahrhunderte. Buch- und Kunstdruckerei A. Peter, Pfäffikon 1933. Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Fehraltorf (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 66). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1978, ISBN 978-3-7643-0991-6, S. 56–75 (Digitalisat). Fehraltorf: Ein kultureller Querschnitt. Hrsg. Gemeinde Fehraltorf. 1984. Beat Frei: Fehraltorf im Umbruch 1900–2000. Fehraltorf 2000.

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Fehraltorf Statistische Daten der Gemeinde Fehraltorf

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde