Das Meeresmuseum Stralsund, zuvor auch Museum für Meereskunde und Fischerei, Aquarium und Deutsches Meeresmuseum, ist der älteste Standort der Stiftung Deutsches Meeresmuseum in Stralsund; daneben gibt es mit dem Ozeaneum, dem Nautineum und dem Natureum drei weitere Standorte der Stiftung.
Das im Jahr 1951 eröffnete Museum bietet in seinen Ausstellungen Informationen zur Fischerei, zum Umwelt- und Meeresschutz, zur Meeres- und Ozeanforschung, zu Flora und Fauna der Meere sowie in Aquarien lebende Meerestiere, darunter Meeresschildkröten und Südseefische. Das Museum nutzt die Halle der ehemaligen Katharinenkirche und weitere Gebäude im Stadtgebiet Altstadt. Nach einer Komplettmodernisierung ab Ende 2020 wurde das Meeresmuseum am 17. Juli 2024 wieder eröffnet.
Geschichte Natur-Museum ab 1951 und Museum für Meereskunde und Fischerei ab 1957 Das Museum im Katharinenkloster wurde am 24. Juni 1951 als Natur-Museum von seinem Gründer Otto Dibbelt eröffnet. Zu sehen waren Terrarien mit heimischen Amphibien und Reptilien sowie Aquarien mit Tieren aus der Ostsee und den Bodden.
Ab 1957 wurde das Natur-Museum zum Museum für Meereskunde und Fischerei umgestaltet und wesentlich erweitert. Sonnfried Streicher als Nachfolger des Museumsgründers Otto Dibbelt konzipierte und leitete den Umbau. mini|Das Gebäude des Meeresmuseums (2012) mini|Modell des Stralsunder Meeresmuseums im gotischen Katharinenkloster (Zustand 2012)
Bezirksnaturkundemuseum ab 1958 und Meereskundliches Museum Stralsund ab 1966 Ab Jahr 1958 hieß das Museum Bezirksnaturkundemuseum, ab 1965 wurden meeresbiologische Ausstellungen aufgebaut. Im Jahr 1966 bekam es mit Meereskundliches Museum Stralsund einen neuen Namen.
Im Jahr 1968 wurden erste Teile des Meeresaquariums im Keller aufgebaut.
Die ehemalige Klosterkirche wurde in den Jahren 1972 bis 1974 instand gesetzt und zur Ausstellungshalle umgebaut und dabei ein stählernes Strebewerk eingezogen, das in der Halle Etagen schuf.
Meeresmuseum – Museum für Meereskunde und Fischerei ab 1974 Im Jahr 1974 wurde das Meeresmuseum – Museum für Meereskunde und Fischerei eröffnet und 1975 die Meeresaquarien in der Katharinenhalle. Zur 750-Jahr-Feier der Gründung der Stadt Stralsund wurde im Jahr 1984 der Erweiterungstrakt des Meeresaquariums mit einem 50.000 Liter und einem 30.000 Liter fassenden Aquarium eröffnet.
Das Dachgeschoss wurde im Jahr 1986 ausgebaut und beherbergt seitdem das Depot für die wissenschaftlichen Sammlungen des Museums. Der erste Teil der Ausstellung Mensch und Meer im Obergeschoss wurde im Jahr 1989 eröffnet. Im selben Jahr wurde ein Besucherraum mit 15 Aquarien sowie das Museumscafé eröffnet und der Erweiterungsbau für die Aquarientechnik fertiggestellt. Am 4. November 1993 wurde die Ostseeabteilung im Meeresaquarium wiedereröffnet.
Das bis dahin städtische Meeresmuseum wurde 1993/1994 in die Stiftung Deutsches Museum für Meereskunde und Fischerei überführt. Im Jahr 1995 wurde eine wissenschaftliche Versuchs- und Zuchtanlage gebaut und die Präparationswerkstätten wurden modernisiert. Im selben Jahr übernahm Harald Benke die Leitung des Museums.
Deutsches Meeresmuseum, Museum für Meereskunde und Fischerei. Aquarium ab 1998 Die Stiftung hieß ab Oktober 1998 Deutsches Meeresmuseum, Museum für Meereskunde und Fischerei. Aquarium. Am 16. Juli 1999 wurde das rekonstruierte und neu gestaltete Nordseeaquarium wiedereröffnet. Am 30. Januar 2004 wurde auf dem Besuchshof ein Mehrzweckgebäude eröffnet, in dem das 350.000-Liter-Aquarium für die Meeresschildkröten untergebracht ist. Am 17. Juli 2009 wurde das Mittelmeeraquarium eröffnet.
Im Oktober 2016 wurde ein Konzept zur Umgestaltung des Meeresmuseum vorgestellt. Danach sollte das Museum das Leben in den Ozeanen anhand eines „Rundgangs“ entlang des Äquators erlebbar machen. Für den Umbau der Ausstellungen waren 30 Millionen Euro geplant. Nach einem Architektenwettbewerb im Jahr 2017 sollten im September 2019 die Bauarbeiten beginnen und das Museum nach einer Schließung ab Frühjahr 2020 dann im Mai 2022 wiedereröffnet werden.Ostsee-Zeitung Stralsund, 30. September 2016
Schließung und Modernisierung ab 2020 Von Ende 2020 bis ins Jahr 2024 wurde das Meeresmuseum komplett modernisiert und durch diverse Anbauten wie ein externes Großaquarium ergänzt. Während der Modernisierung blieb das Haupthaus geschlossen. Eine Ausstellung im Burmeister-Haus informierte über den Stand der Arbeiten.www.meeresmuseum.de
Im November 2017 war aus 13 Wettbewerbsarbeiten ein Entwurf der Stuttgarter Reichel Schlaier Architekten ausgewählt worden. Die Kosten für die Baumaßnahme sollten rund 40 Millionen Euro betragen. Je etwa die Hälfte der Gesamtkosten sollten das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern tragen und die Stadt Stralsund ein Grundstück im Wert von knapp 70.000 Euro stiften. Das Museum will vier neue Ausstellungsbereiche über die Entstehung des Lebens und die Vielfalt im Meer, den Einfluss des Menschen auf die Ozeane, Fischerei früher und heute sowie eine Aquarienlandschaft zu den Meeren entlang des Äquators präsentieren.www.meeresmuseum.de, „Bundesinnenministerium, Land Mecklenburg‐Vorpommern und Hansestadt Stralsund ermöglichen Modernisierung des MEERESMUSEUMs“, 3. Juni 2020, abgerufen am 5. Januar 2021 Geplant waren ein Eingangsfoyer, raumhohe Vitrinen, Installationen von Meerestieren in Originalgröße in den Ausstellungen sowie ein Großaquarium mit Riff. Die Aquarien im Gewölbekeller sollen vollständig überarbeitet werden. Besonders beliebte Exponate wie die Lederschildkröte Marlene und das Finnwalskelett im Chor der Katharinenhalle werden ebenso wie das 350.000-Liter-Aquarium der Meeresschildkröten auch nach der Modernisierung zu sehen sein. Beim Umbau sollten energetische Aspekte beachtet werden; drei Gebäudeteile sollten neu entstehen. Während der Bauarbeiten wurden im Juli 2021 bei der Aushebung der Baugrube für das neue Großaquarium Skelette gefunden. Der große drehbare Globus, der seit 1974 im Eingangsbereich stand, wurde im Februar 2023 abgebaut, ebenso wurde das Strandboot BREG 13 aus der Ausstellung entfernt.www.meeresmuseum.de, „Globus und Strandboot verlassen die Katharinenhalle“, 17. Februar 2023, abgerufen am 4. Juli 2023 Die Kosten des Umbaus, die ursprünglich 40 Millionen Euro betragen sollten, wurden im Juli 2023 mit elf Millionen Euro zusätzlich veranschlagt.www.ndr.de, „Stralsund: Umbau des Meeresmuseums elf Millionen Euro teurer“, 4. Juli 2023, abgerufen am 4. Juli 2023
Meeresmuseum ab 2024 Am 17. Juli 2024 fand die Wiedereröffnung statt.www.ostsee-zeitung.de, „Erste Besucher strömen wieder ins Stralsunder Meeresmuseum: „Es ist überwältigend““, 17. Juli 2024, abgerufen am 18. Juli 2024 Dabei waren die Aquarien zunächst noch nicht zu besichtigen, da sich die Fertigstellung verzögert hatte. Die Gesamtkosten der Umbauarbeiten liegen bei mehr als 50 Millionen Euro.www.ostsee-zeitung.de, „Haie, Eisbären und Quallen: Das ist neu im Stralsunder Meeresmuseum in Stralsund“, 17. Juli 2024, abgerufen am 18. Juli 2024 Im Mai 2025 wurde auch der Bereich mit den Aquarien für Besucher zugänglich gemacht.www.ostsee-zeitung.de, Meeresmuseum Stralsund öffnet endlich Aquarienkeller: „Haben den Tag herbeigesehnt“, 5. Mai 2025, abgerufen am 5. Mai 2025
Gestaltung und Konzeption mini|hochkant|Medieninstallation Sardinenschwarm mit Jägern (2025) Gestaltung seit 2024 Eingangsbereich Im Eingangsbereich wird ein von originalgroßen Jägern wie Brydewal, Bronzehaien, Delfinen und Kaptölpeln umringter Sardinenschwarm medial inszeniert, diese Installation erstreckt sich über die drei Stockwerke der eingebauten Trägerkonstruktion. Gezeigt wird auch ein Modell des historischen Klosterkomplexes, dazu Funde aus archäologischen Untersuchungen im ehemaligen Dominikanerkloster.
Ausstellungen Die Ausstellungen sind in vier Themenbereiche unterteilt: „Evolution“, „Mensch & Meer“, „Vielfalt“ sowie „Fischerei“.
Ausstellung „Evolution“ Die Ausstellung „Evolution“ im Erdgeschoss der Katharinenhalle zeigt die Entstehung des Lebens aus dem Meer. Digital werden die verschiedenen Erdzeitalter präsentiert. Gezeigt werden Stammbäume verschiedener Tiergruppen, Originalpräparate, Fossilien, Exponate von Haien und Rochen sowie das Modell der Lederschildkröte Marlene.
Im Chor der ehemaligen Katharinenkirche sind Skelette von Finnwal (→Finnwalskelett von 1825 im Meeresmuseum Stralsund), Eisbär, Seekuh, Seeotter und Robbe zu sehen. Ein etwa zwei Meter im Durchmesser großes Megalodon-Gebiss bildet den Abschluss dieser Ausstellung.
Ausstellung „Mensch & Meer“ Dem Thema „Mensch & Meer“ gewidmet, zeigt dieser Ausstellungsbereich im Zwischengeschoss der Katharinenhalle in Vitrinenbändern die Wechselwirkungen zwischen Mensch und dem Meer. Zu sehen sind auch Modelle des Segelschiffs Towarisch (heute: Gorch Fock) und anderer Schiffe und Tiefsee-U-Boote.
Durch Öffnungen in den Geschossebenen sind die Modelle der Ausstellungen zu sehen, so ein Weißer Hai und ein Walhai.
Ausstellung „Vielfalt“ Über die biologische Vielfalt der Meeres informiert diese Ausstellung im Obergeschoss der Katharinenhalle mittels vieler Präparate, so über die Lebensräume der Antarktis mit ihren Kaiserpinguinen, der Subantarktis, des offenen Ozeans, von Kelpwald, Sargassosee, Helgoländer Lummenfelsen und Arktis.
Ausstellung „Fischerei“ Der Fischerei war das Museum von Beginn an verbunden. Die Ausstellung „Fischerei“ in einem an die Katharinenhalle anschließenden Gebäude informiert über Fischfangmethoden und zum Thema Nachhaltigkeit. Gezeigt werden darin auch Netzmodelle.
Die Aquarien Der Bereich der Aquarien wurde seit 2020 ebenso neu gestaltet und weist 31 Aquarien auf. Im Mai 2025 wurde auch dieser Bereich für Besucher geöffnet.
In diesem Bereich des Museums werden die Lebensräume Karibik, Pazifik und Indischer Ozean präsentiert.
Aquarium „Karibik“ Die Lebenswelt des Karibischen Meers weist das mit 700.000 Litern Wasser gefüllte größte Aquariumbecken des Museums auf mit einer 80 Quadratmeter großen, geneigten Scheibe. Im Aquarium, das auf drei Ebenen zu besichtigen ist, wird ein Riff dargestellt mit Nachbildungen von Korallenarten.
In den anderen Becken sind karibische Lebensräume wie die Seegraswiese, die Sargassosee und Mangroven zu sehen.
Aquarium „Pazifik“ Der Pazifische Ozean, kurz Pazifik, ist Thema dieses Bereichs. Gezeigt werden hier die in den kalten Gewässern vor Kalifornien vorkommenden Kelpwälder mit Anemonen, Hornhaien und Kelpfischen.
Ebenso sind das Hawaii-Becken mit seinem 25 Grad warmen Wasser sowie die Unterwasserwelt der Fidschis in Aquarien zu sehen. In einem Becken mit 85.000 Litern ist das Rainbow Reef, auch Great White Wall, dargestellt. Korallenriffe, Rotfeuerfische und Kugelfische sowie Langusten leben in den Aquarien dieses Bereichs.
Aquarium „Indischer Ozean“ Der Indische Ozean ist Gegenstand dieses Aquarienbereichs im Meeresmuseum Stralsund mit Korallen, Fischen, Reptilien und Meeresschildkröten.
Gestaltung bis 2020 Die ehemalige Klosterkirche ist mittels einer Raumstabwerkkonstruktion in drei Ebenen unterteilt. Im Erdgeschoss befand sich ein Modell (Schnitt) der ehemaligen Kirche mit seinem stählernen Stabwerk.
Räumlich war das Museum bis zur Umgestaltung im Jahr 2020 unterteilt in den von einer Mauer und den Museumsgebäuden umgebenen Vorplatz, die dreigeschossige Ausstellungshalle (ehemalige Klosterkirche), die Ostseeausstellung im Mittelbau (ehemals Winterrefektorium und Kapitelsaal), die im Kellergeschoss befindlichen Meeresaquarien, den Museumsladen im Westflügel (ehemalige Ordensschule), das Meeresschildkrötenaquarium im Neubau sowie in Räumlichkeiten zur Präparation der Ausstellungsgegenstände, das Gebäude der Direktion, technische Versorgungseinrichtungen, Arbeitsräume der Wissenschaftler und das „Forum Meeresmuseum“.
Vorplatz mini|hochkant|Kutter "Adolf Reichwein"