mini|Der Leopoldsprudel im Kurpark,das Wahrzeichen Bad Salzuflens. Die Bad Salzufler Thermal- und Mineralquellen dienten ursprünglich der Salzgewinnung und sind heute mit noch neun vorhandenen Quellen und Brunnen ein wesentlicher Bestandteil des Kur- und Bäderbetriebes der Stadt Bad Salzuflen im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe in Deutschland.
Definition Wasser, das mindestens 14 Gramm gelöster Stoffe pro Liter enthält, wird als „Sole“ (aus spätmittelhochdeutsch sul, sol für „Salzbrühe“) bezeichnet. Wenn Sole mit mehr als 20 °C an die Erdoberfläche gelangt, wird sie als „Thermalsole“ bezeichnet.
Geologie und Hydrogeologie Die Thermal- und Mineralquellen von Bad Salzuflen sind an ein tektonisches Störungssystem im Salzetal gebunden. Die Gegend gehört regionalgeologisch zum tektonisch stark gestörten Randbereich des Westfälisch-Lippischen-Keuper-Berglandes. Entlang der Tiefenstörungen dringen mobilisierte Tiefengrundwässer an die Oberfläche. Im Untergrund löst Kohlensäure salinare Gesteine des Zechsteins, Röts sowie Mittleren Muschelkalks und transportiert die Lösungsfrachten entlang der tiefreichenden Störungen. Bei einigen Quellen vermischt sich das salinare Tiefengrundwasser mit Süßwasser, so dass die Quellen durch unterschiedliche hydrogeochemische Charakteristik gekennzeichnet sind.
Messwerte Erfasst wurden bei den Analysen von 1955 bis 2021 die wichtigsten Anionen (elektrisch negativ geladene Ionen) und Kationen (elektrisch positiv geladene Ionen): Anionen Bromid-Ion (Br−), Chlorid-Ion (Cl−), Fluorid-Ion (F−), Hydrogencarbonat-Ion (HCO3−), Iodid-Ion (I−), Nitrat-Ion (NO3−), Nitrit-Ion (NO2−) sowie das Sulfat-Ion (SO42−)
Kationen Ammonium-Ion (NH4+), Calcium-Ion (Ca2+), Eisen-Ion (Fe2+), Kalium-Ion (K+), Lithium-Ion (Li+), Magnesium-Ion (Mg2+), Mangan-Ion (Mn2+), Natrium-Ion (Na+) und Strontium-Ion (Sr2+)
Geschichte Mitte des 11. Jahrhunderts werden die Siedlung „Uflon“ und eine dort befindliche Salzstätte erstmals schriftlich erwähnt. „Uflon“ kommt aus dem Altsächsischen und bedeutet so viel wie „unterhalb der Wälder“ (uf = unter; lôh, Plural lôhun = Hain, lichter Wald, Gehölz).
Der Blomberger Pfarrer Johannes Piderit (1559–1639) beschrieb in der von ihm im Jahr 1627 verfassten „Lippischen Chronik“ (Chronicon Commitatus Lippiae), der ersten Darstellung der lippischen Geschichte und des Hauses Lippe, die Entdeckung der Salzufler Salzquelle wie folgt:
Bis zum Verkauf des Salzufler Salzwerks an die Fürstliche Kammer im Jahr 1766, befand sich dieses im Besitz des Salzkollegiums bzw. der Salzgewerken. Das Salz wurde – ohne Gradierung – durch Kochen in großen Pfannen gewonnen.
Erstmals wurde der Salzgehalt, bzw. die Löthigkeit der Sole in einem Schreiben von 1766 mit „12“ angegeben, doch ist dieser hohe Wert mangels fehlender weiterer Angaben zu bezweifeln. 1825 gab der salzburgisch-bayerische Beamte und Geograph, Joseph Ernst von Koch-Sternfeld, in seiner Beschreibung 57 deutscher Solequellen einen Wert von „6½ Procent für die Uflensche Quelle“ an.
Johann Wilhelm Constantin (J.W.C.) Trampel (1765–1833), Sohn des Salineninspektors Johann Christian Trampel (1737–1800), der 1779 die Aufsicht über die Salzufler Saline übernommen hatte, gibt 1794 in seinem zweiten Heft des „Beytrags zur Verbesserung der Salzwerke für Salzkundige und Cameralisten“ den Solegehalt des das Gradierwerk versorgenden Brunnens wie folgt an: Die Brunnensohle dieses Werks enthält in zwey Pfunden oder 24 Unzen: 671 Gr. reines Kochsalz. 40 –– fließbares Salz. 31¼ –– Selenit. 6½ –– Kalkerde. 3 –– Bittersalzerde. = Summe 75 1¾ Gran. Nach der hiesigen Salzspindel wiegt sie 9½ Grad.; abgerufen am 2. Februar 2022.
Am 15. Juli 1817 richtete der Stadtphysikus und spätere Medizinalrat Heinrich Hasse die Eingabe „Über die Anlage einer Badeanstalt bey hiesiger Saline“ an die Detmolder Rentkammer: „In neueren Zeiten wurde man durch die Gleichheit der Bestandteile des Meerwassers und einige Salzsoolen auf die Idee geleitet, letztere so wie die Soolbäder anzuwenden, und man fand, daß sie die gleichen heilsamen Wirkungen hervorbrachten. Auch das Wasser hiesiger Salinen (…) ist schon mit vielen Nutzen angewandt worden. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß (…) an der Quelle Einrichtungen zum Baden getroffen werden.“
1836 berichtet der königlich-bayerische Legationsrat Ritter von Koch-Sternfeld in seinem Buch über die deutschen Salzwerke, dass sich die „jährliche Production des Salzufler Soolbrunnens auf 18000 Centner“ beläuft.
Die Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde beschrieb 1889 für Salzuflen zusammen mit einer genauen Analyse „eine vierprocentige Soole, die zum Baden und durch Zusatz von Süsswasser zum Trinken benutzt wird.“Albert Eulenburg (Hrsg.): Stichwort Salzuflen, in: Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde, Verlag Urban & Schwarzenberg, 2. Auflage, Band 17, Wien / Leipzig 1898, S. 223.
In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wurden von der Fürstlichen Saline zu Salzuflen folgende Mengen Salz produziert:Ulrich Volkhausen: Jahresberichte 1894 bis 1899 des Physikus für das Physikat Salzuflen in: Wolfgang Bender: „Die Hand am Puls der Zeit – Lippische Alltagsgeschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts im Spiegel amtsärztlicher Berichte“, Lippische Geschichtsquellen, ISBN 3-923384-15-7, Detmold, 2000, S. 21 bis 156. mini|hochkant=3|Fürstlich Lippisches Regierungs- und Anzeigeblatt: Angebot von Düngesalz und Dornstein-Gyps Jahr 1839 1893 1895 1896 1897 1898 Speisesalz (kg) 742.600 1.030.600 957.725 1.128.075 948.975 Badesalz (kg) 37.750 50.400 41.575 41.890 Viehsalz (kg) 50.200 55.200 49.300 64.700 63.200 Düngesalz (kg) 136.100 136.200 181.250 170.000 182.500 konzentrierte Mutterlauge (l) 2.500 4.000 2.500 3.000 1.300 gesamt (kg) 900.000
Während der Regierungszeit der Nationalsozialisten wurde im Dezember 1936 folgende Meldung veröffentlicht:
Die Sage vom Riesenfräulein Bergtraut Im Vierenberg lebten die letzten Riesen. Und so umsichtig und menschenfreundlich sie auch waren, passierte es doch eines Tages, dass Bergtraut, das Riesenfräulein, eine Gruppe von Kindern erschlug, als sie gedankenlos einige »Steinchen« aus ihren Sommersandalen schnippte. Mit mächtigen Gepolter rollten die für Menschen riesigen Felsstücke den Abhang hinunter. Das sanftmütige Riesenfräulein war untröstlich ob ihres Missgeschicks, vergoss bittere, vielmehr salzige Tränen und erst einer guten Fee gelang es auf recht geschickte und einfallsreiche Weise, sie mit ihrem Unglück auszusöhnen: »Ich will deinen Tränen Wunderkraft verleihen, sie sollen als heilkräftige Quellen für immerdar im Tal zum Vorschein kommen. Wer darin badet oder davon trinkt, soll gesunden, wenn er krank ist. So werden deine Tränen vielen Menschenkindern das Leben retten und deine Schuld ist getilgt.« Bald ging die Kunde von den Zauberquellen durch das ganze Land. Die Kranken kamen, tranken von den Quellen, tauchten in die salzige Flut und wurden frisch und gesund. So sind Bergtrauts Tränen ein Segen für die Menschen geworden.Infotafel „Sagenhaft - Wie die Sole nach Bad Salzuflen kam“ am Gustav-Horstmann-Sprudel im Bad Salzufler Landschaftsgarten; 15. November 2025.
Quellen und Brunnen Gustav-Horstmann-Sprudel rechts|251px rechts|251px Ehemals: NeuthermalsprudelHeimatland Lippe, Nr. 4, Juli 1969, S. 140 Erbohrt: 1919 bis 1927; 1969 Tiefe: 1.018 Meter Geologie: bis 4 Meter: Alluvium bis 69 Meter: Diluvium bis 70 Meter: Oberer Keuper bis 308 Meter: Mittlerer Keuper bis 330 Meter: Unterer Keuper und Störungszone mit Gesteinen des Oberen Muschelkalks bis 376 Meter: Mittlerer Muschelkalk bis 492 Meter: Unterer Muschelkalk bis 664 Meter: Oberer Buntsandstein (Röt) bis 1020 Meter: Mittlerer Buntsandstein bis 1023 Meter: Unterer Buntsandstein Schüttung: 90.000 Liter je Stunde Temperatur: 31,9 / 37,5 / 38,0 °C (2010/2003/~1968) pH-Wert: 6,6 (2010) Summe gelöster Stoffe: 126.369 / 123.558 Milligramm je Liter (2010/2003) Gelöstes freies Kohlendioxid (CO2): 2.867 Milligramm je Liter (2010) Verwendung: Bäder Hydrogeochemische Charakteristik: Eisen- und fluoridhaltiger Thermal-Sol-Säuerling Koordinaten:
Das untere Foto zeigt den Neuthermalsprudel 1927; im Hintergrund sind Häuser an der Wüstener – und der Alten Vlothoer Straße zu sehen.
Die tiefste, teuerste, salzhaltigste und wärmste Quelle ist der am Ende des Landschaftsgartens gelegene Gustav-Horstmann-Sprudel, benannt nach dem Salzufler Kurdirektor Gustav Horstmann. 1913, noch vor dem Ersten Weltkrieg, begannen die schwierigen Bohrarbeiten durch quarzitische Bänke von hoher mineralischer Härte, bis in 375 Metern Tiefe eine kohlensäurehaltige Solequelle ermittelt wurde. Im April 1921 erreichte die Bohrung in einer Tiefe von 800 Meter den Quellhorizont. Der Druck der Kohlensäure und des Wassers war aber so stark, dass das Bohrgestänge zerbrach und die Bohrung nur unter großen Schwierigkeiten stabilisiert werden konnte. Bei einer Sanierung im Jahre 1967 wurde das Bohrloch mit den härtesten Bohrmeißeln der Welt, eigens aus den USA eingeflogen, aufgewältigt. Der Gustav-Horstmann-Sprudel liefert 90.000 Liter pro Stunde mit einem Mineralgehalt von 10,9 Prozent bei einer Auslauftemperatur von 37,5 Grad Celsius und einem Kohlendioxid-Gehalt von 2.867 Milligramm pro Kilogramm. Die Quelle kommt aus einer Tiefe von 1.018 Metern und speist heute die Thermalsolebecken der VitaSol-Therme. Besonderheit ist die durch eine Plexiglaskuppel freie Sicht auf den Quelltopf. Die ergiebige Thermalquelle ist an den Kreuzungsbereich zweier tektonischer Störungen – die Salzetalzone und Asentalstörung – gebunden.
Mineralgehalt des Gustav-Horstmann-Sprudels Alle Angaben in Milligramm je Liter gemäß Kontrollanalyse im Jahr 2021, 2018, 2010 bzw. 2003Heilwasser.Kontrollanalyse der Thermalsole 2018 bei www.vitasol.de, abgerufen am 24. April 2020. Anionen Bromid Chlorid Fluorid Hydrogencarbonat Jodid Nitrat Nitrit Sulfat 2021201820102003 24,420,1k. A.k. A. 73.50069.30069.70070.500 1,501,111,102,44 2.1371.8662.3412.313 0,0810,0620,0700,070 6,005,803,507,76 0,107< 0,005< 0,005< 0,005 5.8205.2605.6185.786 Kationen Ammonium Calcium Eisen Kalium Lithium Magnesium Mangan Natrium Strontium 2021201820102003 12,711,49,811,1 1.7671.7801.7821.873 34,022,626,735,3 494455446465 k. A.k. A.k. A.6,8 865855868869 0,250,210,250,31 46.80044.10042.72044.465 35,835,642,034,5
Inselbrunnen rechts|251px Erbohrt: 1936 Tiefe: 52,4 Meter Geologie: Schilfsandstein Schüttung: 300 Liter je Stunde Temperatur: 12,4 / 12,6 °C (2010/2003) pH-Wert: 6,6 (2010) Summe gelöster Stoffe: 9.019 / 6.370 Milligramm je Liter (2010/2003) Gelöstes freies Kohlendioxid (CO2): 353 Milligramm je Liter (~1968) Verwendung: Trinkkur Hydrogeochemische Charakteristik: Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Wasser Koordinaten:
Als Ergänzung der Sophienquellen kam 1936 der Inselbrunnen hinzu. Er wurde auf der Insel im großen Kurparksee in 52,4 Metern Tiefe abgeteuft und gelangt unterstützt durch ein Pumpenwerk auch direkt in den Brunnenausschank der Wandelhalle. Er erschließt ein Mineralwasser, das aus dem Schilfsandstein stammt.
Mineralgehalt des Inselbrunnens Alle Angaben in Milligramm je Liter gemäß Kontrollanalyse im Jahr 2003 bzw. 2010 Anionen Chlorid Fluorid Hydrogencarbonat Jodid Nitrat Nitrit Sulfat 20102003 4.0172.550 < 0,200,25 477396 0,010< 0,005 < 0,5< 0,5 < 0,005< 0,005 1.3191.224 Kationen Ammonium Calcium Eisen Kalium Lithium Magnesium Mangan Natrium Strontium 20102003 0,290,27 626535 3,603,66 11,409,33 k. A.0,21 11495 0,180,13 2.4361.547 14,709,14
Leopoldsprudel rechts|251px rechts|251px
Erbohrt: 1904/1906 Tiefe: 534,5 Meter Geologie: bis 1,2 Meter: Alluvium bis 9,0 Meter: Diluvium bis 228,0 Meter: Mittlerer Keuper bis 288,0 Meter: Unterer Keuper bis 321,0 Meter: Oberer Muschelkalk bis 407,0 Meter: Mittlerer Muschelkalk bis 525,0 Meter: Unterer Muschelkalk bis 534,5 Meter: Oberer Buntsandstein Schüttung: 1.500 bis 2.000 Liter je Stunde Temperatur: 21,7 °C Summe gelöster Stoffe: 79.123 Milligramm je Liter