Hakenrichter waren zwischen 1700 und 1900 in Estland Bezirksrichter,Hakenrichter. In: Adelung die auch als Vogt oder Dorfrichter bezeichnet werden können.

Wortherkunft Die Wortherkunft Hakenrichter geht auf das Flächenmaß Haken zurück.

Wahl, Funktion und Aufgabenbereiche Das Hakengericht in den Gebieten von Livland, Estland und Kurland war die unterste Instanz der Polizeiverwaltung sowie der Gerichtsbarkeit, sie geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Der für einen bestimmten Bezirk eingesetzte Hakenrichter hatte die Entscheidungen über die Ansprüche auf sogenannte LäuflingeLäuflinge waren Personen aus dem Bauernstand, die ihren Wohnsitz (ihre Scholle bzw. ihr Haken) unerlaubt verlassen hatten. Die Wiederergreifung und Bestrafung der Läuflinge oblag den Ordnungsgerichten. Die Bauernbefreiung um 1816 hob die Schollenpflicht nach und nach auf durchzusetzen. Nur in Estland hielt sich die Bezeichnung Hakenrichter, während in Livland entsprechende Beamte als Ordnungsrichter und in Kurland die Hauptmannsrichter eingesetzt wurden. Sie wurden von der livländischen, estländischen und kurländischen Ritterschaft für den Zeitraum von drei Jahren gewählt und durch das Oberlandgericht des Gouvernements vereidigt. Das Amt des Hakenrichters war ein Ehrenamt zu ihren gerichtlichen Aufgaben gehörten weitere umfangreiche Tätigkeiten, hierzu zählten Aufgaben der polizeilichen Aufsicht, Sicherheitsaufgaben, Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Wohlfahrtsbelange. Sie fungierten als Untersuchungsrichter, sicherten Nachlässe, Grenzzeichen setzen und die Gestellung der Rekruten überwachen.

Zu ihren weiteren Zuständigkeiten zählten allgemeine Vollstreckungsaufgaben, in der russischen Zeit war der Hakenrichter auch Chef der Kreispolizei und übte die Dienstaufsicht über die Guts- und Gemeindepolizei aus. In Bezug auf Gerichtsverfahren konnten die Hakenrichter als Beisitzer an dem Niederlandgericht.Die Kompetenz des Niederlandgerichts lag bei der Verhandlung gegen Adlige, Geistliche, Beamte und Advokaten bis zu einem Streitwert von 60 Rubel Es stand den Hakenrichtern frei in besonders gelagerten Fällen zwei adlige Gutsbesitzer zur Beurteilung einer Sache hinzuzuziehen. Der Streitwert, den die Hakenrichter verhandeln konnten, lag bei 15 Rubel. Die Hakenrichter entschieden jeweils im summarischen Verfahren.Summarisches Verfahren. wirtschaftslexikon.gabler.de

Bezirke der Hakenrichter Die ersten Hakenrichter-Bezirke in Estland waren die Kreise Harjumaa und Virumaa (Wierland). Später folgten die Kreise Järvamaa und Läänemaa. Die Anzahl der Hakenrichter, die aus dem Adligenstand kommen mussten,Siehe zum Beispiel: Johann Herrmann Gressel: Land-Rolle des ehstländischen Gouvernements. (1840) einschließlich des Vermerks „Hakenrichter“ erhöhte sich ab 1798 in den vier Kreisen Estlands auf elf, es bestanden folgende richterliche Bezirke:Struktur der richterlichen Hakenrichter-Bezirke in Estland bis 1888/89. eha.ee Allentakscher Hakenrichter (1802–1888) Ost-Harrischer Hakenrichter (1656–1884) Süd-Harrischer Hakenrichter (1797–1889) West-Harrischer Hakenrichter Ost-Jerwenscher Hakenrichter (1800–1886) Süd-Jerwenscher Hakenrichter (1824–1828) Land-Wiekscher Hakenrichter (1700–1889) Strand-Wiekscher Hakenrichter (1712–1889) Strand-Wierländer (Ranna) Hakenrichter (1712–1889) Land-Wierländer (Virumaa) Hakenrichter (1807–1888) und Insular-Wiekscher Hakenrichter (1763–1886).

Siehe auch Ordnungsrichter in Livland Hauptmannsgericht in Kurland

Literatur Vom Hakenrichter und dessen Amte. In: Johann Philipp Gustav Ewers: Des Herzogthums Ehsten Ritter- und Landrechte – Sechs Bücher mit erläuternden Urkunden und ergänzenden Beilagen. Meinshaufensche Buchhandlung, Dorpat 1821, books.google.de Instruction für die Hakenrichter des Ehstländischen Gouvernements. Ehstländische Gouvernements-Typograph, Reval 1866. Digitalisat University of Tartu; abgerufen am 11. Juni 2015

Weblinks Baltisches Rechtswörterbuch S. 111 Staatsrecht des Herzogtums Estland der Jahre 1721 bis 1918 (Die Landespolizeibehörden)

Einzelnachweise

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