mini| Orgelprospekt in der Abteikirche Tholey (Roman Benedikt Nollet, 1736 und Jean-Fréderic Verschneider, 1835)

Die Orgellandschaft Saarland beschreibt die Orgeln im Bundesland Saarland. Sie geht in ihrem heute erhaltenen Bestand bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die ältesten Belege für Orgeln in der Region des heutigen Saarlandes reichen bis ins 3. Jahrhundert n. Chr.

Nähere Details zu den erhaltenen Werken finden sich in der Liste von Orgeln im Saarland.

3. bis 18. Jahrhundert mini|Mosaik in der römischen Villa in Nennig (3. Jahrhundert) mini|Sötern, Evangelische Kirche (Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm, 1765)

Die älteste bildliche Darstellung einer Orgel findet sich im Mosaikteppich der römischen Villa in Nennig in der Gemeinde Perl. Sie stammt aus dem 3. Jahrhundert nach Chr. und zeigt eine einfache Hydraulis, die im Stehen gespielt wurde.

Der älteste Beleg für die Existenz einer Orgel ist eine Rechnung von 1465, in der die Dienste eines Organisten in der Wendalinusbasilika in St. Wendel genannt werden.Matthias Thömmes: Orgeln in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Trier 1981. S. 214. Aus dem Jahr 1519 liegt eine Rechnung für den Bälgetreter, den bleßer zu der Orgel ebenfalls in St. Wendel vor. Der erste belegbare Neubau einer Orgel stammt aus dem Jahr 1610, als – wiederum in St. Wendel – ein Vertrag mit den beiden brabantischen Orgelbauern Florentinus Hocque und dessen Bruder Nicolas, die auch die heute noch erhaltene Orgel der Kathedrale von ’s-Hertogenbosch (Niederlande) zur Reparatur einer offensichtlich noch älteren Orgel geschlossen wurde. 1615 wurde eine neue Orgel in der Schlosskirche in Alt-Saarbrücken eingeweiht. Des Weiteren sind bis zum Ende des 17. Jahrhunderts Instrumente in Ensheim (1680), in der Lutherischen Kirche Ottweiler (1691), in der Benediktinerabtei Tholey (1693) und in der nicht mehr erhaltenen Kirche St. Sebastian in Blieskastel nachgewiesen.

Wie in anderen linksrheinischen Gebieten setzten sich nach den Eroberungen durch Ludwig XIV. im Reunionskrieg (1683–1684) und im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) für mehr als 150 Jahre französische Einflüsse im Orgelbau durch. Diese zeigten sich u. a. in Gehäusegestaltung, Werkanordnung, Vorliebe für die Zungenregister Vox humana und Krummhorn, hochgebänkten Kornetten und Mixturzusammensetzung.

1734 wurde durch den Trierer Orgelbauer Roman Benedikt Nollet in der Abteikirche Tholey eine Orgel errichtet, deren barocker Prospekt noch erhalten ist und zu den schönsten Orgelprospekten der Region zählt. Die Instrumente hinter diesem Prospekt haben jedoch leider mit der Zeit gewechselt. Zurzeit befindet sich in dem Gehäuse ein Werk der Firma Hugo Mayer OrgelbauOrgel in Tholey, St. Mauritius, abgerufen am 11. Juni 2015. aus dem Jahr 2020 mit III/37. Die einzige noch erhaltene Orgel von Nollet befindet sich in der Kirche von Irsch (Trier-Irsch) in Rheinland-Pfalz.Orgel in Trier-Irsch, abgerufen am 11. Juni 2015. Nollet war auch zwei Jahre zuvor in der Wendalinusbasilika St. Wendel tätig, wo er 1732 ein Instrument mit II/20 errichtete, das wiederum 1781 durch ein Werk der bedeutenden Orgelbauerfamilie Stumm ersetzt wurde. Der historische Prospekt ist bis heute erhalten und beherbergt nun eine viermanualige Klais-Orgel aus dem Jahre 1934.

Von Johann Georg Geib, dem bedeutendsten Orgelbauer des 18. Jahrhunderts auf dem Gebiet des heutigen Saarlandes, sind nur Instrumente in Lothringen und der Pfalz erhalten. Von seinem Neffen Ludwig Geib ist jedoch ein Gehäuse in Güdingen von 1791 erhalten.

Die ältesten Orgeln im Saarland stammen aus dem 18. Jahrhundert: Die Orgel der evangelischen Kirche in Sötern kommt aus der Werkstatt Stumm und wurde 1765 erbaut; die Orgel im Privatbesitz, die seit 2013 in der Martin-Luther-Kirche St. Ingbert aufgestellt ist, soll nach Einschätzung von Sachverständigen in der Zeit um 1700 entstanden sein;Barockpositiv in St. Ingbert, abgerufen am 5. April 2021. die sich ebenfalls im Privatbesitz befindende italienische Orgel im Gut Königsbruch in Homburg-Bruchhof, die 2017 dort aufgestellt wurde, soll um 1740 erbaut worden sein.Orgel im Gut Königsbruch, Homburg-Bruchhof, abgerufen am 5. April 2021.

Der Ursprung der Orgel in Bübingen liegt im Unklaren: Sie besitzt ein Gehäuse aus dem Jahr 1709, eine Windlade, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut sein dürfte, und vier Register, die ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammen dürften.Orgel in Bübingen, abgerufen am 25. Februar 2021. Sie wurde 1881 von Oberlinger nach Bübingen transferiert.

Die 1842 von John Gray in einer Privatkapelle des Buckingham Palace in London aufgestellte Orgel soll noch Teile einer nach 1780 von Samuel Green erbauten Orgel enthalten. Das Instrument wurde mehrfach umgebaut und steht seit 2008 in der Saarbrücker Deutschherrenkapelle.Orgel der Deutschherrenkapelle, abgerufen am 5. April 2021.

Als 1793 französische Revolutionstruppen in der Region einfielen, wurden viele Orgeln in Mitleidenschaft gezogen. Nach Auflösung der Klöster wurden die noch intakten Orgeln verkauft. So kam Medelsheim 1801 in den Besitz einer Orgel mit zwei Manualen und 21 Registern aus dem Augustinerkloster Saarlouis, die 1939 verbrannte. Die 1732 von Nollet für den St. Wendeler Dom erbaute Orgel, die 1784 in die Homburger Franziskanerkirche gekommen war, wurde nach 1793 in die katholische Kirche in Zweibrücken in Rheinland-Pfalz transferiert, ist aber ebenfalls nicht erhalten. Bereits 1788 erwarb die Kirchengemeinde Gros-Réderching die 1739 von Joseph Le Picard aus Metz für das Kloster Gräfinthal erbaute Orgel. 1947 wurde das Instrument abgebaut, um die Kriegsschäden zu reparieren. Danach verlieren sich seine Spuren.ASSECARM (Hrsg.): Orgues de Lorraine. Moselle. A à G. Metz 1994, S. 667–672.

19. Jahrhundert mini|Wolfersheim, Protestantische Kirche (Gustav Schlimbach, 1857)

Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts bekamen vermehrt Dorfkirchen eine Orgel. Dazu gehört zum Beispiel die 1834 erbaute Stumm-Orgel der evangelischen Kirche in Wolfersweiler,Stumm-Orgel in Wolfersweiler, abgerufen am 11. Juni 2015. die jedoch aufgrund mehrerer Eingriffe durch Oberlinger nicht original erhalten ist. Auch die Stumm-Orgel der katholischen Kirche OmmersheimOrgel in Ommersheim, abgerufen am 11. Juni 2015. von 1838 wurde mehrmals verändert. Wie in Wolfersweiler steht auch in Ommersheim eine Rückführung auf den Ursprungszustand noch aus. In der katholischen Kirche RappweilerOrgel in Rappweiler, abgerufen am 11. Juni 2015. in der Gemeinde Weiskirchen steht seit den 1930er Jahren ein Instrument, das von Christian Roetzel 1844 für eine Kirche in Radevormwald erbaut worden war.

In der ersten Hälfte des Jahrhunderts wurden einige Instrumente durch Jean-Frédéric Verschneider aus Puttelange-aux-Lacs in Lothringen erbaut, dessen Vater bereits im 18. Jahrhundert in einigen Kirchen tätig gewesen war. Von seiner Orgel in Wadern ist nur das Gehäuse – wenn auch verändert – erhalten.

Bis 1870 sind fast alle Instrumente hinsichtlich Disposition und Technik dem klassischen Orgelbau verpflichtet. So besitzen sie in der Regel mechanische Schleifladen und sind in ihrer Disposition an der Frühromantik orientiert. Für viele Orgelbauer ist das Festhalten an der Bass- und Diskantteilung charakteristisch. Auch der klassischen mechanischen seitenspieligen Anlage sowie dem kurzen Pedalumfang blieben viele Orgelbauer lange treu, wie beispielsweise Heinrich Wilhelm Breidenfeld aus Trier bei der 1884 erbauten Orgel in Nennig.Orgel in Nennig, abgerufen am 11. Juni 2015.

Weitere bedeutende Orgelbauer des 19. Jahrhunderts waren Gustav Schlimbach aus Speyer und Carl Wagner aus Kaiserslautern, die jeweils zahlreiche Dorfkirchen im Saarpfalz-Kreis und im östlichen Saarland belieferten, sowie die Gebrüder Oberlinger aus Windesheim.

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/1871 ermöglichte einen ungehinderten Zugang von lothringischen und elsässischen Orgelbauern im Saarland. Dies konnte jedoch nur von Dalstein & Hærpfer aus Boulay in Lothringen genutzt werden, die im Raum Saarlouis tätig waren.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden häufiger Orgeln von überregional tätigen Orgelbauern errichtet, so von Eberhard Friedrich Walcker in Mimbach (1860), Webenheim (1873) und Hoof (1879), von Friedrich Ladegast in St. Ingbert (1865) und von H. Voit & Söhne in Kirkel (1890), Bexbach (1892) und St. Ingbert (1894).

20. Jahrhundert 1900–1919 mini|Biesingen, St. Anna (G. F. Steinmeyer & Co., 1913)

Mit der Jahrhundertwende etablierte sich die bedeutende Orgelbauerfamilie Mamert Hock, die in Saarlouis ihre Werkstatt hatte und viele in dieser Zeit neu erbauten Kirchen mit pneumatischen Kegelladenorgeln belieferte. Heute noch erhaltene Werke stehen unter anderem in Niedaltdorf (St. Rufus, 1901) und Kostenbach (Herz Jesu, 1910).Orgel in Kostenbach, abgerufen am 11. Juni 2015. Die größte erhaltene Orgel der Firma Hock in Reimsbach (St. Andreas, 1904)Orgel in Reimsbach, abgerufen am 11. Juni 2015. besitzt 25 Register auf zwei Manualen und Pedal, davon alleine in den Manualen elf labiale 8′-Register und steht ganz in der Tradition der Spätromantik. auf Trierer-Orgelpunkt.de

Mehr und mehr kamen überregionale Orgelbauer im Saarland zum Zuge, so unter anderem Johannes Klais in Beckingen (St. Johannes und Paulus, 1912),Orgel in Beckingen, abgerufen am 11. Juni 2015. Scheuern (St. Katharina, 1920)Orgel in Scheuern, abgerufen am 11. Juni 2015. und Lockweiler (St. Michael, 1929)Orgel in Lockweiler, abgerufen am 11. Juni 2015., Steinmeyer in Blieskastel (1912) und Biesingen (1913) und Friedrich Weigle in Altenkessel (1913).

1920–1939 mini|Die mit 68 Registern größte Orgel des Saarlandes in der Christkönigkirche Saarbrücken (Hans Klais, 1933/1960) mini|Urexweiler, St. Franziskus (Klais, 1939)

Das Saarstatut von 1920 blieb für Auswahl und Auftragsvergabe an Orgelbauer praktisch ohne Folgen. Neben Mamert Hock kamen weiterhin fast nur deutsche Orgelbauer zum Zug. So trat seit den 1920er Jahren verstärkt die Orgelbaufirma Späth im Saargebiet in Erscheinung. Von Späth wurde 1925 in St. Michael in SaarbrückenOrgel in St. Michael Saarbrücken, abgerufen am 11. Juni 2015. ein großes orgelbewegtesDie Einschläge der frühen Orgelbewegung sind u. a. erkennbar an den Registern Rauschquinte II, Quinte und Terz im Positiv sowie den vielen Zungen.Bernhard H. Bonkhoff: Historische Orgeln im Saarland. Regensburg, 2015. S. 214. Instrument erbaut, das mit vier Manualen und Fernwerk über dem Gewölbe ganz dem Typus ihrer Zeit entsprach und zu dieser Zeit die größte Orgel im Saarland war. Das Instrument ist im Großen und Ganzen erhalten, wurde jedoch in den 1980er Jahren durch Hugo Mayer umdisponiert und mit einem neuen dreimanualigen Spieltisch versehen. Das vierte Manual (Fernwerk) wurde aufgegeben, da es im Zweiten Weltkrieg beschädigt und geplündert worden war. Die Orgel besitzt keinen Prospekt, sondern nur einen grünen Holzverschlag, und zählt zu den bedeutendsten Instrumenten der frühen Orgelbewegung im Saarland.

Ab Ende der 1920er Jahre wurden die ersten elektropneumatischen Instrumente im Saarland erbaut.

Späth erweiterte 1933 die Voit-Orgel in St. Josef in St. Ingbert auf 52 Register, womit sie die zweitgrößte im Saarland war. Ebenfalls 1933 wurde von der Bonner Orgelbaufirma Klais in der Wendalinusbasilika St. WendelOrgel der Wendalinusbasilika St. Wendel, abgerufen am 11. Juni 2015. eine viermanualige Orgel mit elektropneumatischen Kegelladen und 48 Registern hinter dem Prospekt von Stumm erbaut. Die Manuale II und IV sind Positive, die im Klais-typischen Freipfeifenprospekt der Zeit links und rechts des Stumm-Gehäuses hinzugefügt wurden. Die Orgel wurde mehrfach umgebaut und in ihrer Disposition geringfügig umgearbeitet, ist jedoch zum Großteil erhalten. In den 1970er Jahren erhielt sie einen neuen Spieltisch durch die Erbauerfirma.