mini|Gedenktafel für Martin und Sala Kochmann am Haus Gipsstraße 3 in Berlin. Martin Kochmann (geboren am 30. Oktober 1912 in Wongrowitz, Provinz Posen; gestorben am 8. September 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Arbeiter und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er wurde als Angehöriger der Herbert-Baum-Gruppe ein Opfer der NS-Kriegsjustiz.Seite 140 bei Margot Pikarski: Jugend im Berliner Widerstand. Herbert Baum und Kampfgefährten. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1978.
Leben und Wirken Kochmann war der Sohn des Fleischers Michaelis Kochmann (1872–1944)Michaelis Kochmann auf mappingthelives.org und der Schneidermeisterin Therese geborene Kochmann (1877).Therese Kochmann, geborene Kochmann auf mappingthelives.org Er hatte zwei ältere Geschwister, Siegfried (1908), der später nach Südafrika auswandern konnte, und Margarete (1911).Margarete Kochmann auf mappingthelives.org Von 1919 bis 1928 besuchte er Realschulen (seit 1921 in Berlin). Anschließend absolvierte er eine kaufmännische Lehre, die er 1931 abschloss.
In den Jahren 1931 bis 1935 arbeitete Kochmann als kaufmännischer Angestellter, danach als Zuschneider (im Betrieb seiner Mutter), als Dreher, Bau-, Transport- und Lagerarbeiter. Politisch war Kochmann seit seiner Jugend kommunistisch orientiert: 1929 schloss er sich der Deutsch-Jüdischen Jugendgemeinschaft an und 1931 trat er in den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) ein, in der er als politischer Schulungsleiter aktiv war.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten engagierte Kochmann sich in der kommunistischen Untergrundbewegung. Am 8. August 1934 wurde er wegen illegaler kommunistischer Betätigung verhaftet und am 11. August 1934 zur Untersuchungshaft ins Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert. Am 11. September 1934 wurde er vor dem Kammergericht in Berlin angeklagt, schließlich aber am 17. November aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Am 20. Januar 1938 heiratete Kochmann Sala Rosenbaum.
Während des Zweiten Weltkrieges schloss Kochmann sich zusammen mit seiner Ehefrau der von seinem Schulfreund Herbert Baum organisierten Widerstandsgruppe gegen die NS-Herrschaft an. Diese sogenannte Herbert-Baum-Gruppe war im Wesentlichen kommunistisch ausgerichtet und versuchte, die Anstrengungen der alliierten Mächte – und unter diesen insbesondere der Sowjetunion – zur militärischen Niederwerfung des nationalsozialistischen Staates durch innerhalb der deutschen Grenzen betriebene Untergrundaktivitäten (vor allem antinazistische Propaganda und Sabotage) zu unterstützen.
Nach dem Brandanschlag auf die NS-Propagaausstellung „Das Sowjetparadies“ am 27. Mai 1942 wurde Kochmann am 7. Oktober 1942 im Zuge der Zerschlagung der Herbert-Baum-Gruppe verhaftet. Er wurde vor dem Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt, für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Am 8. September 1943 wurde er während der sogenannten Blutnächte in der Strafgefängnis Plötzensee durch den Erhängen hingerichtet.Martin Kochmann auf gedenkstaette-ploetzensee.de Seine Ehefrau Sala Kochmann war bereits im Vorjahr exekutiert worden.
Seine Eltern wurden am 3. Oktober 1942 aus Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert,Kochmann, Michaelis Signatur 36A (II) 19772 In: BLHA Potsdam wo sein Vater am 8. Juni 1944 zu Tode kam, während seine Mutter den Holocaust überlebte. Seine Schwester Margarete wurde am 29. November 1942 aus Berlin in das KZ Auschwitz deportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet.
Ehrungen
Am 1. Oktober 1979 wurde das Feierabendheim am Weinbergsweg 14 in Berlin-Mitte nach Sala und Martin Kochmann benannt.Feierabendheim wurde Ehrenname verliehen In: Neues Deutschland am 2. Oktober 1979 auf Seite 8
Gedenken miniatur|Der Berliner Gedenkstein im Lustgarten
Heute erinnern zwei Gedenktafeln und ein Gedenkstein in Berlin namentlich an Martin Kochmann und seine Frau Sala.
Eine Gedenktafel in Berlin auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee (Eingang: Markus-Reich-Platz) am Ehrengrab von Herbert Baum.Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Gedenktafeln in Berlin, abgerufen am 9. August 2026. Eine Gedenktafel in Berlin am Haus Gipsstraße 3, dem letzten Wohnsitz von Martin Kochmann und seiner Frau Sala.Sala und Martin Kochmann Gedenktafeln in Berlin, abgerufen am 9. August 2026. Ein von dem Bildhauer Jürgen Raue gestalteter Gedenkstein wurde 1981 im Auftrag des Magistrats von Berlin (Ost) ohne nähere Informationen über die Widerstandsaktion im Lustgarten aufgestellt.Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Gedenktafeln in Berlin, abgerufen am 12. Juni 2024.
Literatur Hans-Joachim Fieber, Lothar Berthold, Michele Barricelli: Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945: Ein biographisches Lexikon. Bd. 4, 2002, S. 112. Regina Scheer: Im Schatten der Sterne: eine jüdische Widerstandsgruppe. Aufbau, Berlin 2004. ISBN 3-351-02581-5
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Hingerichtete Person (NS-Opfer) Kategorie:Hingerichtete Person (Berlin-Plötzensee) Kategorie:Person der Widerstandsgruppe Baum Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann