mini|hochkant=1.25|Ein früher Auto-Carrier, das wichtigste und erfolgreichste Produkt von Autocars and Accessories, Limited Autocars and Accessories, Limited (auf Deutsch sinngemäß: haftungsbeschränkte Gesellschaft für Automobile und Zubehör), kurz A. and A., Ltd., war ein englisches Unternehmen der Kraftfahrzeug-Branche zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Gebräuchlich sind auch die Langform Autocars & Accessories, Limited (mit dem Et-Zeichen „&“ statt des Bindewortes „and“) sowie die Kurzform A & A, Ltd.Zum Firmennamen: In der (Fach-)Literatur und auf Internetseiten finden sich mehrere Varianten des Firmennamens: Autocars … (mit -s, Mehrzahl) und Autocar … (ohne -s, Einzahl), mit dem Bindewort „and“ oder dem Et-Zeichen „&“, in der Kurzform verkürzt auf jeweils „A.“ (mit Punkten) oder „A“ (ohne Punkte), in der Kurzform mit dem Bindewort „and“ oder dem Et-Zeichen „&“ sowie einem durch Komma getrennten oder unmittelbar angefügten Rechtsform-Zusatz.

Als Lemma wurde hier Autocars and Accessories gewählt: Nur die Schreibweise mit -s ist historisch korrekt, wie sich aus zeitgenössischen Verkaufsbroschüren, Presseerklärungen und Werbeanzeigen des Unternehmens ergibt, wie sie vor allem im Archiv des AC Owners’ Club zusammengetragen sind (vergleiche auch die Aufschrift auf dem Auto-Carrier, wie er zu Ausstellungs- und Werbezwecken von A. and A. eingesetzt wurde (abgebildet unter anderem auf der ), und die Werbeanzeige in der Zeitschrift Commercial Motor vom 18. Oktober 1906, Seite 24 (Digitalscan hier)).

Das Unternehmen selbst scheint sowohl die Variante mit dem Bindewort „and“ als auch diejenige mit dem Et-Zeichen „&“ verwendet zu haben, wohl auch abhängig von der Verfügbarkeit im Zeichen- und Drucksatz. Für die Langform wurde hier die damals wie heute gebräuchlichere Variante mit dem Bindewort „and“ gewählt. Das Unternehmen wurde Anfang 1904 gegründet und hatte seinen Sitz in London.John Mclellan: Classic ACs: From Auto-Carrier to Cobra, Sutton Publishing Limited, Thrupp, Stroud, Gloucestershire, Vereinigtes Königreich, 2000, ISBN=978-0-750-92042-1, Seiten 1 und 174

Betätigungsfelder waren der Karosseriebau, ferner – wie schon der Firmenname nahelegt – der Verkauf von Automobilen sowie Betriebsstoffen und Zubehör und schließlich die Herstellung eigener Kraftfahrzeuge.John Mclellan: Classic ACs: From Auto-Carrier to Cobra, Sutton Publishing Limited, Thrupp, Stroud, Gloucestershire, Vereinigtes Königreich, 2000, ISBN=978-0-750-92042-1, Seiten 1 und 2Trevor Legate: Cobra: The First 40 Years, Touchstone Books Limited, St. Paul, Minnesota, USA, 2006, ISBN=978-0-760-32423-3, Seite 14 Der wichtigste (und in vielen Quellen einzig genannte) Unternehmensgegenstand war der Auto-Carrier, ein offener Dreiradtransporter der Tricar- beziehungsweise Cyclecar-Klasse; ihn hatte der Mitgesellschafter John Weller auf Vorschlag und mit finanzieller Unterstützung seines Kompagnons John Portwine entworfen.John Mclellan: Classic ACs: From Auto-Carrier to Cobra, Sutton Publishing Limited, Thrupp, Stroud, Gloucestershire, Vereinigtes Königreich, 2000, ISBN=978-0-750-92042-1, Seiten 1 bis 3

Konzeptionell ungewöhnlich war ferner das A. and A. Light Delivery Car mit der A. and A.-Patent-Karosserie. Es gehört zu der Kategorie der damals gebräuchlichen Convertible Cars und wurde auf Chassis anderer Hersteller aufgebaut. Der obere Karosserieteil konnte einfach und schnell ausgetauscht werden, so dass das Automobil wahlweise für den Transport von Personen oder als Nutzfahrzeug für den Transport von Gütern eingesetzt werden konnte.

Der Geschäftsbetrieb unter der Firmierung Autocars and Accessories, Limited endete 1907 im Zuge einer Umstrukturierung: Der Karosseriebau auf Fahrgestellen anderer Hersteller und der Handel mit fremdgefertigten Automobilen wurden aufgegeben, der Bau des wirtschaftlich Erfolg versprechenden Auto-Carrier hingegen ausgeweitet und unter der neuen Firmierung Auto-Carriers Limited fortgeführt.John Mclellan: Classic ACs: From Auto-Carrier to Cobra, Sutton Publishing Limited, Thrupp, Stroud, Gloucestershire, Vereinigtes Königreich, 2000, ISBN=978-0-750-92042-1, Seite 174

Die Geschichte von A. and A. ist eng verbunden mit derjenigen des 1899 gegründeten Kraftfahrzeugunternehmens Weller Brothers. Dieses existierte zeitweilig parallel und wurde maßgeblich ebenfalls von John Weller und zuletzt John Portwine geleitet.John Mclellan: Classic ACs: From Auto-Carrier to Cobra, Sutton Publishing Limited, Thrupp, Stroud, Gloucestershire, Vereinigtes Königreich, 2000, ISBN=978-0-750-92042-1, Seite 1

Automobilhistorisch bedeutsam ist Autocars and Accessories als – je nach Sichtweise – Ursprung, Vorläufer oder eine wichtige Durchgangsstation der traditionsreichen englischen, inzwischen über einhundert Jahre alten und weiterhin aktiven Automobilmarke AC. Der von A. and A. entwickelte und gebaute Auto-Carrier lieferte mit der Abkürzung von A.-C. über A.C. zu AC neben dem neuen Markennamen auch die technische Grundlage für das erste AC-Modell, das in verschiedenen zwei- und dreisitzigen Ausführungen gebaute Cyclecar AC Tricar beziehungsweise AC Sociable.John Mclellan: Classic ACs: From Auto-Carrier to Cobra, Sutton Publishing Limited, Thrupp, Stroud, Gloucestershire, Vereinigtes Königreich, 2000, ISBN=978-0-750-92042-1, Seiten 2 bis 3

Auch nach der Umstrukturierung arbeiteten Portwine und John Weller noch bis 1922 gemeinsam in leitender Funktion für den Kraftfahrzeughersteller Auto-Carriers Limited mit seiner Nutzfahrzeugmarke Auto-Carrier und der Personenwagenmarke AC; letztere erzielte in dieser Zeit erste Motorsport-Erfolge.John Mclellan: Classic ACs: From Auto-Carrier to Cobra, Sutton Publishing Limited, Thrupp, Stroud, Gloucestershire, Vereinigtes Königreich, 2000, ISBN=978-0-750-92042-1, Seiten 2 bis 25 In den Folgejahren bis 1928 stieg AC zu einer der wichtigsten britischen Automobilmarken aufDie Geschichte der Automobilmarke AC auf der Website von AC Automotive, abgerufen am 7. Juni 2015, abgerufen am 7. Juni 2015 (englisch) und wurde unter dem Kleinserienhersteller AC Cars Limited in den 1950er- und 1960er-Jahren mit Sportwagen wie dem AC Ace und der AC Cobra bekannt., abgerufen am 7. Juni 2015 (englisch)

Die Hintergründe 1903 stand der endgültige Durchbruch des Automobils noch bevor. Es gab eine Vielzahl kleiner und kleinster Kraftfahrzeughersteller, die oft nur lokale oder regionale Bedeutung erlangten. Die meisten verfügten nicht über ein eigenes Händler- und Servicenetz. Um einen größeren Kundenkreis zu erreichen, waren sie deshalb – über den Verkauf und die Wartung im Herstellerwerk hinaus – auf selbständige externe Händler und Werkstätten angewiesen.

Bereits 1899 hatte der Konstrukteur John Weller (* 28. November 1877; † 31. August 1966) gemeinsam mit seinem älteren Bruder Harry das Unternehmen Weller Brothers, Engineers als kleine Automobil- und Motorrad-Werkstatt in West Norwood gegründet, einem Vorort im Süden Londons. Die Brüder befassten sich zunächst vor allem mit De Dion-Bouton-getriebenen Fahrzeugen. Spätestens im März 1901 begannen sie, inzwischen unterstützt durch zwei weitere Weller-Brüder, motorisierte Fahrzeuge nach eigenen Entwürfen zu bauen. Neben leichten, teils innovativen Kraftfahrzeugen mit zwei, drei und vier Rädern entwickelten sie insbesondere einen Personenwagen der Oberklasse, den Weller Four Seat Tourer. Finanzielle Unterstützung erhielten sie durch den erfolgreichen Geschäftsmann John Portwine (* 4. Quartal 1866; † 21. Mai 1958). Dieser war gelernter Metzger und leitete als Teilhaber die Fleischerei-Kette London and Suburban Meat Stores mit mehreren Filialen in London und Umgebung. Er stellte den Weller-Brüdern Kapital zur Verfügung, wurde auch dort Teilhaber und übernahm schließlich die Geschäftsführung. Parallel wurde das Unternehmen 1902 in eine Limited Company umgewandelt, eine nicht börsennotierte, haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft nach britischem Recht.

Durchaus angesehen, jedoch wenig profitabel waren die leichten, vergleichsweise unterhaltsgünstigen Weller-Motorräder mit fahrradartigen Rahmen, zusätzlichem Pedalantrieb und zahlreichen fortschrittlichen Details wie dem hauseigenen Motor, der Federung, den Bremsen und den Bedienelementen.

Die Entwicklung des Four Seat Tourers erwies sich hingegen als zeit- und vor allem kostenaufwändig. Zwar konnten zwei Prototypen mit hauseigenen Zwei- und Vierzylindermotoren von Januar bis Februar 1903 auf der ersten British International Motor Show gezeigt werden, der ersten britischen Kraftfahrzeugmesse der SMMT (Society of Motor Manufacturers and Traders) (in Deutschland vergleichbar mit der Internationalen Automobil-Ausstellung – der IAA – in Frankfurt am Main); es fand sich jedoch nicht der erhoffte zusätzliche Geldgeber für die Weiterentwicklung des Modells zur Serienreife und die Aufnahme einer Kleinserienfertigung. Insbesondere entschied sich der Geschäftsmann und Automobilhändler Charles Rolls gegen eine Unterstützung des Weller-Modells; stattdessen ging er kurz darauf eine Kooperation mit dem konservativeren Automobilpionier Henry Royce ein, woraus das Unternehmen Rolls-Royce entstand.

John Weller wechselte daraufhin noch 1903 – wie sich herausstellen sollte: nur kurzzeitig – als Vorstandsmitglied, angestellter Chefzeichner und Mitkonstrukteur in das Unternehmen Hitchon Gear and Automobile Company Limited, das der Automobilpionier Alfred Hitchon in Accrington in der Grafschaft Lancashire im Nordwesten Englands gegründet hatte. Schon im Folgejahr kehrte Weller jedoch wieder dauerhaft nach London zurück,John Mclellan: Classic ACs: From Auto-Carrier to Cobra, Sutton Publishing Limited, Thrupp, Stroud, Gloucestershire, Vereinigtes Königreich, 2000, ISBN=978-0-750-92042-1, Seite 2W. B., in: MotorSport (Zeitschrift), Forgotten Makes – The Weller, Oktober 1993, Seite 79 f., wiedergegeben hier nach einer Quelle noch vor April 1904.W. B., in: MotorSport (Zeitschrift), Forgotten Makes – The Globe, April 1993, Seite 72, wiedergegeben hier

Die Firmengeschichte Die Quellenlage zur A. and A., Ltd. ist vergleichsweise schlecht, eine geschlossene Darstellung fehlt bislang. Wichtige Informationen ergeben sich vor allem aus Veröffentlichungen zur Geschichte der Automobilmarke AC sowie zeitgenössischen Zeitschriften, die im Zuge fortschreitender Digitalisierung wieder leichter zugänglich sind. Vor diesem Hintergrund finden sich zu mehreren Aspekten der A. and A.-Firmengeschichte in Printmedien auch falsche oder widersprüchliche Angaben, die von Internetquellen teils ungeprüft übernommen werden.Zu fehlerhaften Darstellungen in der Firmengeschichte: Fehler betreffen neben dem Firmennamen häufig das Gründungsjahr, den Firmensitz, das Auflösungsjahr sowie die zeitlichen Abläufe im Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Bau des Auto-Carrier. Eine häufige Fehlerursache ist die Vermischung der Firmengeschichte von Autocars and Accessories, einerseits in der Anfangsphase mit derjenigen von Weller Brothers in West Norwood, andererseits in der Endphase mit derjenigen von Auto-Carriers Limited in West Norwood beziehungsweise später Auto-Carriers (1911) Limited in Thames Ditton.

Die Anfänge in Long Acre