Das Konzentrationslager Helmbrechts war ein Außenlager des KZ Flossenbürg in Helmbrechts. Helmbrechts ist eine Kleinstadt im oberfränkischen Landkreis Hof, zwischen Kulmbach und Hof. Das Frauen-KZ bestand erst ab 19. Juli 1944 und wurde am 13. April 1945 mit der sogenannten „Evakuierung“ und dem darauf folgenden Todesmarsch der Gefangenen nach Zwodau von der SS aufgelöst.Außenlager Helmbrechts. Website KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, abgerufen am 17. März 2025.
Gründung des Außenlagers Helmbrechts Im Juli 1944 wurde das Konzentrationslager Helmbrechts als ein Außenlager des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück gegründet; jedoch wurde es bereits nach kurzer Zeit dem Konzentrationslager Flossenbürg untergeordnet. In den nach Helmbrechts verlagerten Produktionsanlagen der Nürnberger Rüstungsfabrik Kabel- und Metallwerke Neumayer wurden bereits vorher Zwangsarbeiterinnen eingesetzt. Zusammen mit weiblichem SS-Gefolge (KZ-Aufseherinnen) und männlichen Wachposten trafen die ersten 179 gefangenen Frauen aus dem KZ Ravensbrück am 19. Juli 1944 im Außenlager Helmbrechts ein. Die ersten weiblichen Häftlinge wurden zunächst in den stillgelegten Werkhallen des Textilunternehmens Witt WeidenWitt-Gruppe Unternehmensgeschichte bei witt-gruppe.eu; abgerufen am 11. Juni 2015. untergebracht, in denen sie auch arbeiten mussten. Mit Fertigstellung des Barackenlagers wurden die Häftlinge dorthin umquartiert.
Aufbau des Lagers Gelände Das KZ-Außenlager befand sich am damaligen Stadtrand von Helmbrechts südlich der Kulmbacher Straße, der heutigen Neubausiedlung Weichselweg/Oderstraße. Die Häftlinge selbst bewohnten drei von insgesamt elf im August 1944 fertiggestellten Holzbaracken. Neben den Häftlingsbaracken gab es auch eine Revierbaracke. In ihr befanden sich eine Waschküche, eine Unterkunft für eine sowjetische Häftlingsärztin, deren Helfer und eine Krankenstube, in die invalide Gefangene gebracht wurden. Zwischen der Revierbaracke und den Baracken für die Häftlinge befand sich der ca. 45 mal 30 Meter große Appellplatz. Diese vier Baracken wurden mit dem Appellplatz von einem zwei Meter hohen Stacheldrahtzaun umschlossen. Allerdings war dieser nicht, wie in anderen Konzentrationslagern üblich, elektrisch geladen oder beleuchtet. Den restlichen Teil des Lagers nahmen eine Küchenbaracke mit einer angrenzenden Kantine für die Wachposten und einer Nähstube sowie mehrere größere Baracken zur Lagerung von Kleidung und Lebensmitteln ein. Eine Waschstube und Unterkünfte für das nach Geschlechtern getrennte Wachpersonal befanden sich in der Waschbaracke. Die gesamte Anlage wurde von einem einfachen Zaun begrenzt, an dem Warnschilder mit der Aufschrift „Sperrzone“ oder „Sperrgebiet – Es wird ohne Anruf geschossen“ angebracht waren.Klaus Rauh, S. 4.
Organisation Der damalige „Kommandoführer“ und somit Leiter des Lagers war SS-Unterscharführer Alois Dörr. In der Rolle der Erstaufseherinnen sind drei Namen zu nennen: Martha T., Irmgard H. und Hertha H. Die Wachmannschaft setzte sich aus 14 bis 21 männlichen Wachposten und 20 bis 23 weiblichen SS-Aufseherinnen zusammen. Die mit Gewehren und scharfer Munition bewaffneten Wachposten hatten die Häftlinge auf dem Weg zur Rüstungsfabrik und das Lager von außen zu bewachen. Die Bewachung der Häftlinge innerhalb der Fabrik und auf dem KZ-Gelände oblag den Aufseherinnen, die mit Gummiknüppeln, Stöcken oder Ähnlichem bewaffnet waren.
Verpflegung bekamen die Häftlinge zunächst von der Werkküche der Firma Witt geliefert. Allerdings war die Versorgung durch die allgemein problematische Ernährungslage gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und die sowieso gering portionierten Gaben für die Häftlinge schlecht.
Häftlinge Herkunft und Gründe für die Gefangenschaft mini|hochkant|Kennzeichnung der Häftlinge in den Konzentrationslagern Von den anfangs 670 bis 680 nichtjüdischen Häftlingen stammten viele aus Polen oder Russland, einige auch aus Frankreich und den Niederlanden, etwa 25 waren Deutsche von 18 bis ungefähr 30 Jahren. Während des dreitägigen Transports von Ravensbrück nach Helmbrechts erhielten die Frauen, die meist ohne Gerichtsurteil inhaftiert waren, keine Nahrung. Gründe für die Inhaftierung waren „Sabotage“, „Judenbegünstigung“, „Umgang mit Kriegsgefangenen oder ausländischen Arbeitern“ oder „Führerbeleidigung“. Gängige Kennzeichnungen im Konzentrationslager waren rote Dreiecke für politische Gefangene, grüne Dreiecke für „Berufsverbrecher“ und schwarze Dreiecke für „Asoziale“. Dazu kam eine Kennzeichnung mit den Buchstaben „P“ für Häftlinge aus Polen, „T“ für tschechische Gefangene und „R“ für Insassinnen aus Russland.
Leben und Arbeit Angekommenen Häftlingen wurde sofort Arbeit im Lagerbereich oder in der Rüstungsfabrik zugewiesen. Im Lager mussten Arbeiten wie Schnee räumen oder Reinigung der Baracken und des Geländes verrichtet werden. Der monotone Tagesablauf war durch einen genauen Zeitplan geregelt. Während der Arbeit, die in zwei Schichten zu je 12 Arbeitsstunden eingeteilt war, war es den Insassen strengstens verboten, persönliche Gespräche zu führen. Anfangs führte ein geringster Nachlass der Arbeit bereits zu Misshandlungen durch Schläge. Später wurden diese verboten, da sie die anderen Frauen zu sehr von der Arbeit ablenkten. Bestrafungen, die oftmals auch zu Bewusstlosigkeit und zum Tod führten, waren unter anderem auch das Spritzen von Säure ins Gesicht, stundenlanges Stillstehen ohne Essen auf dem Appellplatz bei allen Witterungsverhältnissen oder das Erhängen nach einem Fluchtversuch. Bei guter Arbeit gab es „Bezahlung“, wie zum Beispiel Essenszulagen oder „Scheine“, die in Papier, Bleistifte oder Ähnliches eingelöst werden konnten. Vor und nach der Arbeit gab es einen zehnminütigen Zählappell aller Insassen auf dem Appellplatz sowie einen täglichen Appell um 7 und um 19 Uhr. Die geringe Verpflegung, die die Häftlinge erhielten, stammte aus Münchberg und Helmbrechts und wurde in der Werksküche zubereitet. Unterkünfte waren hölzerne Baracken mit übereinanderliegenden Bettstellen. Die meist über 100 Frauen pro Baracke schliefen in Säcken, die mit Heu oder Stroh befüllt waren. Die Baracken konnten mit Kohleöfen beheizt werden, allerdings war nur unzureichend Brennmaterial vorhanden. Die Waschräume waren in kalten Monaten oftmals vereist und somit unbenutzbar. So traten aufgrund der Enge und mangelnder Hygiene häufig Infektionskrankheiten und Läusebefall auf. Eine ebenfalls inhaftierte russische Ärztin war für erkrankte Häftlinge zuständig, Medikamente und medizinische Geräte fehlten jedoch weitestgehend. Bei sehr schweren Erkrankungen bot der stark überlastete Privatarzt Dr. Durst, der aus Helmbrechts stammte, Aushilfe.
Jüdische Häftlinge Am 6. März 1945 kamen 621 gefangene jüdische Frauen in das Außenlager Helmbrechts. Überwiegend waren es polnische Jüdinnen, die nach der Besetzung Polens 1939 in Ghettos leben mussten, aber auch einige ungarische Jüdinnen. Die polnischen Frauen unter ihnen waren schon 1943 ins Außenlager Grünberg des KZ Groß-Rosen deportiert worden, die ungarischen erst 1944. 1945 wurden die Frauen dann zu Fuß vom Außenlager Grünberg in Schlesien nach Helmbrechts getrieben. Von den ursprünglich 1000 Häftlingen überlebten nur 621 Frauen den Weg nach Helmbrechts, da viele an Erschöpfung gestorben oder, sobald sie nicht mehr mithalten konnten, von Wachposten getötet worden waren.
Bei der Ankunft in Helmbrechts befanden sich die noch lebenden Frauen in einem äußerst schlechten Gesundheitszustand. Sie litten an Unterernährung, Erfrierungen und/oder Darm- und anderen Erkrankungen, insbesondere Ruhr und Noma. Bei den an Noma leidenden Frauen zerfielen das Mundschleimhaut- und das Wangengewebe als Folge der Unterernährung, die sichtbar werdenden Wangenknochen bedeuteten den sicheren Tod.
Im Lager selbst wurde streng zwischen Juden und Nichtjuden getrennt, es herrschte sogar ein Sprechverbot. Jüdische Häftlinge wurden in den hinteren beiden Baracken untergebracht, wo sie keine Schlafgelegenheiten vorfanden. Nachts wurden die Baracken zugesperrt. Im Winter froren die Waschanlagen zu, als Ersatz dafür waren Blecheimer vorgesehen. Das hatte die Verunreinigung der Baracken durch Durchfall, Gestank und somit neue Infektionen zur Folge. Medikamente oder medizinische Betreuung erhielten kranke Jüdinnen nicht. Auch ihre Essensportionen waren sehr rationiert. So gab es zum Beispiel die „Judensuppe“, eine mit Wasser verdünnte Suppe. Außerdem waren jüdische Häftlinge aufgrund von kleinen Missgeschicken, Hunger, Durchfall oder anderen Krankheiten die häufigsten Opfer von Bestrafungen. Sie mussten Schläge, unbekleidetes Stillstehen und Misshandlungen über sich ergehen lassen. Arbeiten mussten Jüdinnen nicht. Ihre einzige Hilfe war eine Entlausungsaktion, bei der zwar ihre Kleidung entlaust wurde, sie trotz Vorrat jedoch keine neue Bekleidung zugeteilt bekamen. So trat die Läuseplage durch schlechte sanitäre Verhältnisse sehr schnell wieder auf. Zwischen dem 6. März und dem 13. April 1945 (Räumung des Konzentrationslagers) starben etwa 40 bis 50 jüdische Häftlinge. Den toten Frauen wurde die Kleidung ausgezogen, um eine Identifizierung zu erschweren, bevor sie in eine Holzkiste gelegt wurden. Es wurden auch Jüdinnen eingegraben, die noch schwache Lebenszeichen von sich gaben. Da die Zivilbevölkerung von all dem so wenig wie möglich mitbekommen sollte, wurden die Beerdigungsstellen nicht gekennzeichnet. Die Totenscheine, die nach Flossenbürg gesandt wurden, wurden von Erstaufseherin Hertha H. mit erfundenen Todesursachen aufgesetzt und von Dr. Durst ausgestellt. Die Toten wurden später durch die Amerikaner exhumiert und würdig bestattet.
Flüchtlinge aus dem Lager Nach geflohenen Häftlingen wurden Suchtrupps ausgesandt, die aus männlichem und weiblichem Wachpersonal, Polizisten sowie Mitgliedern der Hitlerjugend und des Jungvolks bestanden. Die im Konzentrationslager verbliebenen Häftlinge mussten strammstehen. Wurden die Geflohenen gefunden, so wurden sie zur Abschreckung und Warnung auf den Appellplatz in den Kreis der anwesenden, strammstehenden Häftlinge gebracht. Dort wurden ihnen als übliche Schikane für wiedereingefangene Häftlinge die Haare abgeschnitten, bevor sie pausenlos misshandelt und vor weiteren Fluchtversuchen gewarnt wurden. Zudem wurden sie mit kaltem Wasser überschüttet und in die ungeheizte Waschküche in der Revierbaracke gebracht, wo sie auf dem Fußboden zurückgelassen wurden. Falls sie überlebten, wurde ihnen ein roter Kreis auf die Kleidung genäht. Dieser war als Zielscheibe für das Wachpersonal zu sehen und bedeutete „fluchtgefährdet“. Ein Beispiel eines Fluchtversuchs ist die Flucht der russischen Ärztin. Obwohl jene unter den Gefangenen noch am besten behandelt wurde, floh sie gemeinsam mit zwei weiteren Frauen am 5. Februar 1945. Die Ärztin und eine weitere Frau wurden wieder eingefangen, erstere starb in der Nacht infolge der erlittenen Misshandlungen. Im Totenschein wurde als Todesursache Herzversagen angegeben.
Auflösung des Lagers Evakuierung und Todesmarsch