mini|rechts|alt=Hände öffnen eine verkohlte Verpackung mit einem gegarten Neuenburger Saucisson.|Auspacken eines Neuenburger Saucissons nach dem Garen unter der Glut.

Die Torrée, auch Torée geschrieben, ist eine kulinarische Tradition des Schweizer Jurabogens, die besonders mit dem Kanton Neuenburg verbunden ist. Der Begriff bezeichnet eine Mahlzeit im Freien, bei der die Speisen unter der Asche und Glut eines Holzfeuers gegart werden.

Im Kanton Neuenburg steht der Neuenburger Saucisson im Mittelpunkt dieser Zubereitung. Er wird eingewickelt, bevor er unter der Glut gegart wird.

Die Torrée ist für die Kantone Neuenburg, Jura und Bern in der Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz verzeichnet.

Bezeichnung und Geschichte

Die Base de données lexicographiques panfrancophone belegt das Wort «torrée» für 1867 im Sinne von dichtem Rauch und für 1881 als Bezeichnung für ein Hirtenfeuer oder ein im Freien entzündetes Feuer. Später bezeichnete der Begriff auch die Mahlzeit und das Zusammenkommen. Er gehört zur Wortfamilie des lateinischen torrere.

Die Schreibweise «torée» mit einem einzelnen r ist ebenfalls belegt, kommt aber seltener vor. Im weiteren Sinn kann das Wort auch ein Picknick oder Grillieren im Freien bezeichnen, bei dem ein Feuer entzündet wird. Für die Tradition wird auch die französische Bezeichnung «feux de berger» verwendet, auf Deutsch «Hirtenfeuer».

Der genaue Ursprung der Praxis ist nicht gesichert. Das Dossier des Bundesamtes für Kultur nennt als mögliche Erklärung einen Zusammenhang mit der Pflege von Waldweiden: Bauern hätten die Feuer, in denen sie Schnittreste verbrannten, zum Garen ihrer Mahlzeit genutzt. Die Entwicklung der Torrée zu einer Freizeitaktivität wird darin vorsichtig um die 1920er-Jahre angesetzt.

Verbreitung und Jahreszeit

Die Torrée ist besonders in den Neuenburger Bergen verbreitet, rund um Le Locle, La Chaux-de-Fonds und die umliegenden Dörfer. Sie wird auch im Kanton Jura und im Berner Jura gepflegt.

Übliche Orte sind Weiden und Waldränder. Neuchâtel Tourisme nennt unter anderem den Communal von La Sagne, den Mont Racine und Pouillerel als beliebte Plätze. Traditionell findet die Torrée im Herbst statt, nachdem die Herden die Weiden verlassen haben. Sie ist jedoch nicht auf diese Jahreszeit beschränkt.

Zubereitung

mini|rechts|alt=Mit Schnur verschnürte Zeitungspakete liegen in der Asche einer mit Steinen eingefassten Feuerstelle.|In Zeitungspapier eingewickelte und verschnürte Neuenburger Saucissons, bevor sie mit Glut bedeckt werden.

Der Neuenburger Saucisson wird vor dem Garen verpackt. Eine dokumentierte Methode besteht darin, ihn mit Kohlblättern, anschliessend mit Metzgerpapier und Zeitungspapier zu umhüllen. Das Paket wird angefeuchtet und mit Schnur zusammengebunden.

Das Holzfeuer muss eine Schicht aus Asche und Glut gebildet haben. Die Pakete werden in die Feuerstelle gelegt, in die Asche und Glut eingebettet und bedeckt. Nach dem Garen werden sie herausgenommen und ausgepackt.

Die Art der Verpackung variiert; beispielsweise kann zusätzlich Aluminiumfolie verwendet werden. Die Garzeit hängt von der Grösse des Feuers, dem Wind, der Verpackung und der Tiefe ab, in der die Pakete liegen.

Weitergabe und kulturelle Bedeutung

Die Weitergabe der Kenntnisse und Handgriffe erfolgt hauptsächlich innerhalb der Familien. Die Torrée bringt auch Freunde, örtliche Vereine und Arbeitskollegen zusammen. Das Dossier des Bundesamtes für Kultur beschreibt unter anderem die Torrées, mit denen in Le Locle neu zugezogene Einwohner begrüsst werden.

Im Jahr 2023 gehörte eine grosse Torrée auf dem Communal von La Sagne zum Programm des 175-jährigen Bestehens der Republik und des Kantons Neuenburg. Die Veranstaltungsankündigung sah fünfzehn von Forstpersonal betreute Feuerstellen sowie Verpflegung mit Neuenburger Saucisson IGP vor.

Siehe auch

Saucisson neuchâtelois und Saucisse neuchâteloise Schweizer Küche Immaterielles Kulturerbe

Weblinks

Torrée (Grillfest im Freien) beim Bundesamt für Kultur Torrée neuchâteloise bei Neuchâtel Tourisme (französisch) Hirtenfeuer – Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer (1882), auf Wikisource

Einzelnachweise

Kategorie:Essen und Trinken (Veranstaltung) Kategorie:Essen und Trinken (Schweiz) Kategorie:Immaterielles Kulturerbe (Schweiz) Kategorie:Kultur (Kanton Neuenburg)