Die Herren von Pessna (auch von Pezen, Peczen, Peschen, de Pessene, Plesna) waren ein sächsisches Adelsgeschlecht. Ihr Stammsitz war Pezne, jetzt Großpösna. Urkundliche Belege über dieses Geschlecht finden sich für die Zeit um 1190 bis 1638. In der überwiegenden Anzahl der Regesten treten deren Mitglieder als Zeugen auf. Für die Zeit von 1280 bis 1534 finden sich auch für Schlesien und Mähren Regesten,Regesten vom 16. Juni 1295, in C. Grünhagen, Regesten zur Schlesischen Geschichte Nr. 2359, 2363 (s. Literaturangabe)Schles. Reg. Nr. 2599, 3188, 4284, 4350 und 5477 in Konrad Wutke, Die Inventare der Nichtstaatlichen Archive Schlesiens (s. Literaturangabe) in denen Allodien des Geschlechtes mit Abgaben belegt, von Abgaben befreit oder veräußert werden.
Name Der Geschlechtername Pesna, Pesne ist slawischen Ursprungs. Pesna bedeutet demnach: Ort auf sandigem Boden. Leipzig und dessen Umland waren vom 7. bis zum 9. Jahrhundert Siedlungsgebiet slawischer Stämme. Erst um 1300 verblasste der Gebrauch der sorbischen Sprache in diesem Gebiet. Gerhard Joachim Richter: Keltische Wurzeln in europäischen Sprachen, Seite 94. 3. veränderte Auflage 2010, ISBN 9783839136225
Geschichte Die Herren bzw. Grafen von Pessna lassen sich durch urkundliche Aufzeichnungen über einen Zeitraum von 165 Jahren, von 1190 bis zum Jahre 1355M. Johann Jacob Vogeln, Leipziger Annales, Druck: F. Lancksches sel. Erben, 1714. S. 45, Regest aus 1355, Zeuge: Domini Nicolai de Pesna (s. Literaturangabe) nachweisen. Erstmals genannt wurde 1190 ein Wulferus de Pessene auf dem Herrensitz zu Pezne in Sachsen. Mitglieder dieser Familie wurden im 13. Jahrhundert bereits als schöffenbarfrei angesehen und in diversen Urkunden unter den Edlen (Layci nobiles) Zeugen aufgeführt; sie standen nachweisbar Edlen im Range voran.Otto v. Zallinger, Die Schöffenbarfreien des Sachsenspiegels, Innsbruck, 1887. Seiten 144, 204, 210, 215, 216 u. 217 (s. Literaturangabe) Sie gehörten zu den Vasallen-Geschlechtern der Markgrafen zu Meißen und der Landgrafen zu Thüringen.Clemens Freiherr von Hausen: Vasallen-Geschlechter der Markgrafen zu Meißen, Landgrafen zu Thüringen und Herzoge zu Sachsen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. - In: Vierteljahrsschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie vol. 17 (1889) S. 345. In Urkunden der Markgrafschaft Meißen und der Landgrafen von Thüringen wird unter No. 140/1209 Wulferrus de Pezne als Zeuge genannt. Hierin übereignen die Burggrafen Johannes und Walther von Giebichenstein ihre Burg zu Zpurnc dem Bischof Engelhard von Naumburg. In Urkunden aus der Zeit von 1211 bis 1216 trat Hermanno de Pecenich für Landgraf Hermann von Thüringen als Zeuge auf, 1218 Uvolferus de Pesne als Zeuge für Markgraf Dietrich. Dieser bestätigte 1220 dem Kloster Buch einen Besitz, wobei u. a.Wolfinus de Cice und Wolfherus frater eus de Pesne als Zeugen auftraten.
Oberspreewald-Lausitz: Hier besaß Seifried v. Peschen in Zschornegosda um 1474 eine ab 1449 zum Ritterlehen Senftenberg gehörende Hufe. Bewirtschaftet wurde die Hufe von 2 Halbhufnern, die ortsansässig als Peschenbauern benannt wurden.L. Grundmann – D. Hanspach: Der Schraden, eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Elsterwerda. Böhlau Verlag, Köln, 2005, Kaptl. C 1.
Oberlausitz: Um 1530 erwerben die v. Peschen von Franz v. Schreibersdorf Anteile an dem Ort Dreiweibern (nördlich v. Lohsa) und an Königswarthe. 1540 kauften die Gebrüder v. Peschen zu Dreiweibern von Franz v. Schreibersdorf zwei Bauern zu Kolpen. 1539 kaufte Jacob v. Peschen einen Bauern zu Dreiweibern und den halben Kretscham zu Lohsa. 1546 erhält Haug v. Peschen zu Königswarthe drei Güter zu Dreiweibern zu Lehen. 1558 kauft Friedrich v. Peschen zwei Anteile von Königswarthe von Valentin Hennigke hinzu. 1565 wird bei einer Erneuerung aller Lehen durch Kaiser Max II. nur noch Jacob v. Peschen auf Königswarthe erwähnt. Dessen Söhne, wohl Hans u. Friedrich v. Peschen, werden 1567 nach seinem Tod mit diesem Gut belehnt. Friedrich v. Peschen starb um 1597.Dr. Hermann Knothe: Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter vom XIII. bis gegen Ende des XVI. Jahrhunderts. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1879. 5. Oktober 1628; Hier tritt der Rittmeister Siegismund von Peschen und Trochau auf. Er kauft die Stadt Reichenbach/O.L. mit Oberdorf und Oelisch von Hans Georg von Warnsdorf für 17.000 Thaler und 100 Thaler Schlüsselgeld. Peschen stirbt um 1637. Seine Erben verkaufen die Allodien am 21. Januar 1638 an Herrn Gottfried von Sander.Bürgermeister Richter: Chronik der Stadt und Parochie Reichenbach O./L. Druck im Selbstverlag des Verfassers, Reichenbach, 1867
Siegel mini|Siegel des Jenchinus dictus de Peczan von 1324 mini|4 Siegel der Herren v. Pessna aus der Zeit zwischen 1393 und 1446 Das kleine Wappensiegel des Ausstellers Jenchinus dictus de Peczan von 1324 zeigt einen Helm mit zwei nach innen gebogenen Büffelhörnern. Abgebildet bei Pfotenhauer, Schlesische Siegel / Adelssiegel, Tafel V, Nr. 38Dr. phil. Paul Pfotenhauer: Die Schlesischen Siegel von 1250 bis 1327, Adelssiegel, Tafel V, Nr. 38. Druck: Breslau, Josef Max & Komp., 1879
4 Wappensiegel der Herren v. Peschen aus der Zeit von 1393 bis 1446.Otto Posse: Die Siegel des Adels der Wettiner Lande bis zum Jahre 1500. Dresden, Verlag des Apollo, 1903. S. 12, Nr. 11a, 12, 13, 14.
Ausbreitung in Schlesien mini|Siegel der Stadt Freystadt/Kożuchów mit Abbildung der Burg mini|Stadtmauer
Mit dem Ritter Dietrich (Theodoricus) de Pesna trat 1287 erstmals ein Vertreter der Pessna in schlesischen Urkunden auf. Auch 1289, 1291Regest Nr. 2185 vom 2. März 1291, in C. Grünhagen, Regesten zur Schlesischen Geschichte. und 1292Regest Nr. 2232 vom 29. Mai 1292, in C. Grünhagen, Regesten zur Schlesischen Geschichte., hier für Heinrich VI., Herzog von Breslau. In der Urkunde Nr. 2185 wird Dietrich von Pessna als Kastellan von „Cosuchow“, dem späteren Freystadt bezeichnet, das damals zum Herzogtum Glogau gehörte. Dort besaßen die Grafen von Pessna entsprechend einer Urkunde aus dem Jahre 1295 die Allodien Nieder-Siegersdorf, Windisch-Bohrau, Döhringau und Netschütz. Der Breslauer Bischof Johann III. Romka bestätigte hierin Donationen aus diesen Gütern an kirchliche Einrichtungen.Regest vom 16. Juni 1295, in C. Grünhagen, Regesten zur Schlesischen Geschichte 1298 traten zwei Söhne des Dietrich, Herrmann und Johann gen. Peschan in einer Schenkungsurkunde für den Schweidnitzer Herzog Bolko I. auf (Reg. 2527).
Im Jahre 1300 stiftete Ritter Theodoricus de Pesno, Kastellan in Freystadt, der dortigen Pfarrkirche St. Marien einen Altar zu seinem, seiner Vorfahren und seiner Gattin Seelenheil.Schles. Reg. Nr. 2599 vom 1. Juni 1300, in Konrad Wutke: Die Inventare der Nichtstaatlichen Archive Schlesiens Jenschin (Johann?) v. Peschen bezeugt 1302 (Reg. 2709). 1304 trat Dietrich von Pesna als Zeuge für den Glogauer Herzog Heinrich III. auf.Schles. Reg. Nr. 2819 vom 26. November 1304, in Konrad Wutke: Die Inventare der Nichtstaatlichen Archive Schlesiens
Ritter Theodoricus (Dietrich) de Pesna, Kastellan von Freystadt, verstarb im Februar des Jahres 1311. In einer entsprechenden Urkunde der Stadtoberen vom 23. Februar d. J. wird auf dessen Ableben hingewiesen und beurkundet, dass seine Söhne Heinrich und Bruder für ihn eine tägliche Votivmesse gestiftet haben.Schles. Reg. Nr. 3188 vom 23. Februar 1311, in Konrad Wutke: Die Inventare der Nichtstaatlichen Archive Schlesiens Um 1323 erwarb Peter Unglowbe, Patrizier zu Sagan, Teile der Allodien von einem der Söhne, (vermutlich Johann) des Ritters und Burggrafen von Freystadt, Dietrich von Pesna. Dieser Kauf ist daher in diesen Zeitraum zu legen, da mit Datum vom 2. September 1323 Herzog Heinrich VI. seinen Getreuen Johann v. Plesna, Sohn des Dietrich, u. a. auch für Sighardisdorf (Siegersdorf) von allen Abgaben und allen Lasten für alle Zukunft befreite.Schles. Reg. Nr. 4284 vom 2. September 1323, Pfarrarchiv zu Freistadt, in Konrad Wutke: Die Inventare der Nichtstaatlichen Archive Schlesiens Somit lässt sich der Erwerb von Nieder-Siegersdorf durch Peter Unglowbe auf den Zeitraum um oder nach 1323 festlegen. Jenichin v. Peschen (Pessna), verkaufte 1324 dem Abt Heinrich II. Camerarius von Grüssau die Scholtisei in Gerhardi villa mit dem Patronatsrecht. 1321 und 1333 trat Jenichin (Johann?) erneut als Zeuge auf. Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1349 stiftete auch Peter Unglowbe dem Spital vom Heiligen Geist zu Freystadt Einkünfte aus diesen Allodien zu seinem und seiner Familie Seelenheil.Urkunde Nr. 1 vom 30. September 1349, in Konrad Wutke: Die Inventare der Nichtstaatlichen Archive Schlesiens Das neben der Heilig-Geist-Kirche von 1273 bestehende Hospital wurde um 1280 erbaut und dem Deutschen Orden übertragen. In einer Urkunde vom 11. Juli 1405 wird für Nieder-Seghardisdorf (Nieder-Siegersdorf) und Reichenau der Freistädter Bürger Johann Frankinfurt in der Nachfolge der Unglaube als Eigentümer vermerkt. Mit dieser Urkunde gab er die vorgenannten Allodien weiter an Philipp Unrwen (Unruh), Sohn des Jakob Unrw (Unruh).
Ausbreitung in Mähren Um 1400 lassen sich die Pessna auch in der Markgrafschaft Mähren nachweisen. Stibor von Pecze erwarb im Dorf Weischowitz, Kreis Olmütz, einen Hof von Jaroslaw von Senitz und verkaufte diesen 1412 an Almusch von Kunkowitz. Um 1490 war Niklas Pecze von Tuleschitz Eigentümer der Güter Tuleschitz und Kniebnitz. Tuleschitz ging 1520 an die von Rechenberg. Kniebnitz im Jahre 1500 an den Herrn Johann Stietinsky von Kostnik. Niklas von Pecze war bis 1534 auch Besitzer von Gut Niklowitz. Als Nacheigentümer folgte dann Niklas Szilaud von PalowitzFranz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. Wien, 1794. Seiten 325, 370, 419 u. 614..
Regesten 1190, Wulferus de Pessene auf Gut zu Peszne (Großpösna). 1209, Wolferus de Pezne.Otto von Zallinger: Die Schöffenbarfreien des Sachsenspiegels. Innsbruck, 1887. Seiten 144, 204, 210, 215, 216 u. 217. 1211–1216, Hermanno de Pecenich. Reg. 233. Böhm Chronik: Zur Siedlungsgeschichte im Gebiet von Landeshut vor 1350 1218, Wolfer v. Pesne bzw. Uvolverus de Pesne.Otto v. Zallinger: Die Schöffenbarfreien des Sachsenspiegels. Innsbruck, 1887. Seiten 144, 204, 210, 215, 216 u. 217. 1218, Oktober 28 , Waltherus de Pessne.Clemens Freiherr von Hausen: Vasallen-Geschlechter der Markgrafen zu Meißen, Landgrafen zu Thüringen und Herzoge zu Sachsen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. - In: Vierteljahrsschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie vol. 17 (1889) S. 345. 1219, Vvlfer v. Pesne.Otto v. Zallinger: Die Schöffenbarfreien des Sachsenspiegels. Innsbruck, 1887. Seiten 144, 204, 210, 215, 216 u. 217. 1220, Wolfw[inus]. Pref. de Cice et Wolth. fr. eius de Pesne.Otto v. Zallinger: Die Schöffenbarfreien des Sachsenspiegels. Innsbruck, 1887. Seiten 144, 204, 210, 215, 216 u. 217. um 1222, Wolfne de Pesne und sein Bruder Wolfwinus bvrchgr. de Valkenh.CDS II 4 Nr. 390. 1224, Dez. 1 Wolferus de Pesne.Otto v. Zallinger: Die Schöffenbarfreien des Sachsenspiegels. Innsbruck, 1887. Seiten 144, 204, 210, 215, 216 u. 217. 1233, Aug. 21 WIferus de Pesne, Reg. 399.Codex Diplomaticus im Auftrage der Königlich Sächsischen Staatsregierung, Е. G. Gersdorf, K. Fr. von Posern-Klett. Zweiter Haupttheil. IV. Band. Leipzig, Giesecke & Devrient, 1873 1287, April 28, Ritter Dietrich gen. de Pezna, Reg. 2019.Colmar Grünhagen: Regesten zur Schlesischen Geschichte. Regest Nr. 2019 vom 28. April 1287 1289, März 29, Graf Dietrich de Plesina, Reg. 2105.Colmar Grünhagen: Regesten zur Schlesischen Geschichte. Regest Nr. 2105 vom 29. März 1289 1291, März 2, Dietrich Kastellan von Cosuchow, Reg. 2185.Colmar Grünhagen: Regesten zur Schlesischen Geschichte. Regest Nr. 2185 vom 2. März 1291 1292, Mai 29, Dietrich von Pessna, Reg. 2232.Colmar Grünhagen: Regesten zur Schlesischen Geschichte. Regest Nr. 2232 vom 29. Mai 1292