mini|240px|Sitz in Warschau
PKP Intercity ist ein polnisches, auf den nationalen und internationalen Personenfernverkehr spezialisiertes Eisenbahnverkehrsunternehmen mit Sitz in Warschau. Das zur PKP-Gruppe gehörende Unternehmen betreibt die Zugkategorien Express InterCity Premium (EIP), Express InterCity (EIC), InterCity (IC) und Twoje Linie Kolejowe (TLK) sowie internationale EuroCity- und EuroNight-Verbindungen. Zum Angebot gehören auch Schlaf- und Liegewagen.
Im Jahr 2025 beförderte PKP Intercity 89,2 Millionen Fahrgäste. Das entsprach einem Anteil von 20,32 % am polnischen Schienenpersonenverkehr. Gemessen an der Verkehrsleistung erreichte das Unternehmen mit 19,5 Milliarden Personenkilometern einen Marktanteil von rund 63,5 %.
Geschichte PKP Intercity wurde 2001 als Tochtergesellschaft der PKP gegründet. Eine auf 50 Jahre erteilte Konzession ermöglichte die Aufnahme des woiwodschafts- und grenzüberschreitenden Personenverkehrs am 1. September 2001. Zu Beginn beschäftigte das Unternehmen rund 1500 Mitarbeiter.Marek Rabsztyn: 75 lat PKP. Od Drogi Żelaznej Warszawsko-Wiedeńskiej do PKP S.A. In: „Technika Transportu Szynowego“. 10/2001, S. 14. . (polnisch) Am 28. April 2005 übernahm PKP Intercity eine Mehrheitsbeteiligung am Schlaf- und Speisewagenbetreiber WARS.Karol Trammer: Skok na pospieszne. In: „Z Biegiem Szyn“. 3/2008, S. 6–7. . (polnisch)
Anfang 2008 wurde PKP Intercity in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Dezember desselben Jahres übernahm sie den Fernverkehrsbereich von PKP Przewozy Regionalne. Dabei gingen ein Teil des Wagenparks, 4070 Beschäftigte von Przewozy Regionalne und weitere 1850 von PKP Cargo an PKP Intercity über. Die Zahl der beförderten Fahrgäste stieg dadurch von 14,7 Millionen im Jahr 2008 auf 51,7 Millionen im Jahr 2009.Ryszard Piech: (polnisch). Nach der Übernahme schrieb das Unternehmen Verluste; zugleich gingen die Fahrgastzahlen bis 2014 zurück. (polnisch). (polnisch).
Im Dezember 2010 führten zahlreiche witterungsbedingte Zugausfälle und Verspätungen zu öffentlicher Kritik. In der Folge verloren der stellvertretende Verkehrsminister Juliusz Engelhardt, der Vorstandsvorsitzende der PKP-Gruppe Andrzej Wach und der damalige Vorstandsvorsitzende von PKP Intercity Grzegorz Mędza ihre Ämter. (polnisch). (polnisch).
Am 21. Februar 2011 schloss PKP Intercity mit dem Infrastrukturministerium einen auf zehn Jahre angelegten Vertrag über gemeinwirtschaftliche Fernverkehrsleistungen. Dafür waren staatliche Zahlungen von insgesamt 4,5 Milliarden Złoty vorgesehen.
In den frühen 2010er Jahren stand PKP Intercity im preisgünstigen Fernverkehr insbesondere mit den Interregio-Zügen von Przewozy Regionalne sowie mit Fernbusunternehmen im Wettbewerb. Das Unternehmen änderte daraufhin sein zuvor stark degressives Tarifsystem.
Seit 2015 steigen die Fahrgastzahlen wieder. Im Jahr 2024 nutzten 78,4 Millionen Fahrgäste die Züge des Unternehmens, 2025 waren es 89,2 Millionen. Dies entsprach gegenüber dem Vorjahr einem Zuwachs von 13,8 %.
Personenfernverkehr mini|InterCity Krakus (2002)
In der Anfangsphase betrieb das Unternehmen die Zugkategorien Express, InterCity, EuroCity und EuroNight.Andrzej Żurkowski: Nowa jakość w przewozach kwalifikowanych. In: „Technika Transportu Szynowego“. 10/2001, S. 27–28. . (polnisch) 2002 kam die Nachtzugmarke Nocny Express hinzu.Karol Trammer: Nowa oferta – Tanie Linie Kolejowe. In: „Technika Transportu Szynowego“. 4/2005, S. 12. . (polnisch) Zwei Jahre später folgte InterRegion für Schnellzüge. Am 4. April 2005 wurden beide Kategorien unter dem Namen Tanie Linie Kolejowe (TLK) zusammengefasst. Im selben Jahr entstand der Express InterCity aus dem Zusammenschluss der Kategorien Express und InterCity. Im Dezember 2014 führte PKP Intercity die Kategorien Express InterCity Premium und InterCity ein.
Im Jahresfahrplan 2025/26 bietet PKP Intercity außerhalb der Sommersaison 527 und im Sommer bis zu 555 nationale und internationale Verbindungen an.
mini|Businessabteil im EIC
Express InterCity Premium
Die Marke Express InterCity Premium besteht seit dem 14. Dezember 2014. Sie wird ausschließlich mit den siebenteiligen Triebzügen der Baureihe ED250 bedient. Im planmäßigen Verkehr erreichen die Züge bis zu 200 km/h. Sie verfügen über Klimaanlage, Bistrobereich, Fahrradstellplätze und WLAN. Seit November 2019 sind sämtliche Pendolino-Züge mit WLAN ausgestattet.
Express InterCity
Express-InterCity-Züge verkehren im nationalen und internationalen Fernverkehr. Sie werden überwiegend aus klimatisierten Reisezugwagen des höheren Komfortsegments gebildet und führen je nach Verbindung einen von WARS bewirtschafteten Speise- oder Barwagen. Ein Teil der Wagen besitzt Businessabteile, Fahrradstellplätze sowie Plätze für Reisende mit eingeschränkter Mobilität.
InterCity Die Kategorie InterCity wurde mit dem Fahrplanwechsel 2014/15 eingeführt. Sie bildet den größten Teil des innerpolnischen Fernverkehrsangebots. Zum Einsatz kommen modernisierte Reisezugwagen sowie Elektrotriebzüge der Baureihen ED160, ED161 und ED74. Ausstattung und gastronomisches Angebot unterscheiden sich je nach Verbindung und eingesetztem Fahrzeug.
Twoje Linie Kolejowe mini|Wagen der Gattung TLK (2009)
Die Zugkategorie TLK entstand im April 2005 zunächst als Tanie Linie Kolejowe (). Am 1. Januar 2011 wurde sie in Twoje Linie Kolejowe () umbenannt. TLK ist die preisgünstige Kategorie von PKP Intercity und wird überwiegend mit lokomotivbespannten Reisezugwagen betrieben. Zu ihr gehören auch Nachtverbindungen mit Schlaf- und Liegewagen.
mini|Berlin-Warszawa-Express
Internationale Verbindungen PKP Intercity betreibt internationale Tages- und Nachtverbindungen, teilweise gemeinsam mit ausländischen Bahnunternehmen. Im Fahrplanjahr 2025/26 verkehren 57 internationale Züge täglich; gegenüber dem vorherigen Fahrplan kamen 17 Züge hinzu. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach Deutschland, Tschechien, Österreich, Ungarn, in die Slowakei und nach Litauen. Die Züge verkehren als EuroCity, EuroNight, EIC, IC oder TLK.
Intercity Bus mini|Intercity Bus
Unter der Marke Intercity Bus setzte das Unternehmen Busse als Schienenersatzverkehr bei Streckenmodernisierungen ein. Zeitweise ergänzten Buslinien auch das touristische Angebot.
Wagenpark mini|EP09 von PKP Cargo mit Wagen der PKP Intercity mini|Werkstatthalle für den Pendolino
Nach der Gründung von PKP Intercity stellte die Muttergesellschaft dem Unternehmen 1300 Reisezugwagen bereit. Dazu gehörten Reisezugwagen der Bauarten UIC-X und UIC-Z sowie Gepäck-, Speise-, Liege- und Schlafwagen. Letztere gingen vollständig an PKP Intercity über. Da das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt keine eigenen Lokomotiven oder Triebwagen besaß, wurden diese je nach Bedarf von PKP Cargo ausgeliehen. Im weiteren Verlauf erweiterte die Gesellschaft sukzessive ihren Wagenpark. Zwischen 2001 und 2003 kamen 17 fabrikneue Reisezugwagen des Typs 154AaIn: Andrzej Etmanowicz. Pierwsze wagony bezprzedziałowe 1 klasy standardu Z1 na PKP typu 154A/154Aa. „Świat Kolei“. 10/2008, S. 22–27. . (polnisch) und sieben Wagen des Typs 152Aa hinzu.In: Andrzej Etmanowicz. Pierwsze wagony bezprzedziałowe 1 klasy standardu Z1 na PKP typu 152A/152Aa. „Świat Kolei“. 7/2008, S. 22–27. . (polnisch)
Neu angeschafftes Wagenmaterial ermöglichte es, den internationalen Zug Jan Kiepura wieder als EuroNight einzustufen.In: Andrzej Etmanowicz. Wagony sypialne PKP standardu Z1 typu 305Ad. „Świat Kolei“. 5/2008, S. 12–16. . (polnisch) Die Höchstgeschwindigkeit auf deutschem Gebiet konnte dadurch auf 200 km/h angehoben werden.In: Andrzej Etmanowicz. Modele wagonów PKP z miejscami do leżenia typu 134Ab firmy A.C.M.E. „Świat Kolei“. 11/2012, S. 57. . (polnisch) PKP Intercity beschaffte dazu zehn Schlafwagen des Typs 305Ad und ließ vier Reisezugwagen des Typs 152A zu 152Az-Wagen (Sleeperette) umbauen.In: Andrzej Etmanowicz. Wagony „sliparetki“ typu 152Az. „Świat Kolei“. 3/2008, S. 16–21. . (polnisch)
2008 wurde ein Teil der Lokomotiven von der Güterverkehrssparte PKP Cargo übernommen. Am 8. April 2008 schloss PKP Intercity einen Vertrag mit H. Cegielski – Poznań über die Lieferung von 17 Reisezugwagen (HCP Z1) für die Verkehre der Zugkategorien EIC und EC ab. Wegen Verspätungen wurde der Lieferumfang auf 14 Stück reduziert. Im selben Jahr folgte ein Auftrag an Siemens Mobility über die Lieferung von zehn Mehrsystemlokomotiven der Baureihe Siemens ES64U4, welche die Baureihenbezeichnung EU44 Husarz erhielten.In: Marek Graff, Krzysztof Rutkowski. Wielosystemowe lokomotywy Siemens dla PKP IC. „Świat Kolei“. 9/2008, S. 4. . (polnisch)
Zusammen mit der Übernahme der Schnellzugverkehre am 1. Dezember 2008 kam PKP Intercity in Besitz von Lokomotiven der Baureihen EU07, EP07, SU45, Elektrotriebwagen vom Typ ED74 Bydgostia und 1830 Personenwagen. Nach dem Beitritt Polens in die Europäische Union bot sich im Rahmen von Strukturfonds die Möglichkeit zur Teilfinanzierung von Neuanschaffungen. Für den Zeitraum von 2009 bis 2012 plante man den Kauf von 20 Hochgeschwindigkeitszügen, 36 Triebwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und ein 360 Reisezugwagen umfassendes Modernisierungsprogramm.
Am 30. Mai 2011 schloss PKP Intercity mit Alstom einen Vertrag über die Lieferung von 20 siebenteiligen Hochgeschwindigkeitszügen der Baureihe ED250. Der Auftrag sah ebenfalls den Bau einer Instandhaltungshalle in Warschau vor. Alstom verpflichtete sich zur regelmäßigen Wartung dieser Züge über einen Zeitraum von 17 Jahren. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2.110 Mio. Złoty. Für die Zugbeschaffung und die Instandhaltungsanlage wurden 317 beziehungsweise 28 Mio. Złoty aus dem Förderprogramm POIiŚ bereitgestellt. Einen fünfzigprozentigen Zuschuss lehnte die Europäische Kommission ab. Die für den Pendolino übliche Neigetechnik wurde nicht bestellt, obwohl die Bahnstrecke zwischen Danzig und Warschau dafür ausgelegt ist. Als Begründung nannte das Unternehmen einen angesichts der Mehrkosten zu geringen Fahrzeitgewinn.
2011 führte die Firma ZNTK Oleśnica im Auftrag der PKP Intercity eine komplexe Modernisierung der Lokomotive EU07 durch. Durch asynchrone Motoren konnte die Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h auf 160 km/h angehoben werden. Der gleiche Hersteller erhielt im Juni 2013 den Auftrag, zwei weitere EU07-Lokomotiven auf die Plattform EU07A umzubauen.
Am 23. Juli 2012 schloss PKP Intercity einen Vertrag über die Modernisierung von 68 Reisezugwagen, die für die Strecke Przemyśl – Wrocław – Szczecin vorgesehen waren. Folgende Unternehmen gewannen Teillose: H. Cegielski – Poznań (20 Wagen), ein Konsortium bestehend aus Pesa und ZNTK „Mińsk Mazowiecki“ (38 Wagen) sowie Newag (10 Wagen). Pesa und ZNTK „Mińsk Mazowiecki“ erhielten im August des gleichen Jahres den Auftrag zur Modernisierung von 115 weiteren Reisezugwagen; im Folgemonat wurde er um 35 Wagen erweitert. Insgesamt wurden 218 Reisezugwagen zur Modernisierung in Auftrag gegeben. Der Gesamtwert betrug 594 Mio. Złoty und umfasste außerdem zehn Instandhaltungsfahrzeuge. Davon wurden 320 Mio. Złoty von der EU getragen. Am 18. Oktober 2012 bestellte PKP Intercity von H. Cegielski – Poznań 25 fabrikneue Wagen des Typs Z1 für den Verkehr zwischen Wrocław und Gdynia. Der Auftragswert betrug 164 Mio. Złoty; 84 Mio. Złoty wurden aus einem Fonds der Europäischen Union beigesteuert.
Im September 2013 gab PKP Intercity der Firma Newag in Auftrag, 20 Diesellokomotiven der Baureihe SM42 zu modernisieren. Sie waren für Verkehre auf nichtelektrifizierten Bahnstrecken sowie für Rangierfahrten vorgesehen. Der gesamte Auftragswert betrug 77 Mio. Złoty. Davon trug die EU 44 Mio. Złoty.