Saint-Avold [] (, lothringisch Sänt Avuur) ist eine französische Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2016 Lothringen). Sie liegt im Arrondissement Forbach-Boulay-Moselle und im Kanton Saint-Avold. Die Einwohner von Saint-Avold nennen sich Naboriens oder Saint-Avoldiens.
Geographie Die Stadt liegt in Lothringen am rechten Ufer der Rossel und an der Straße von Metz nach Saarbrücken, 19 Kilometer südwestlich von Forbach.
Geschichte 509 erbaute der irische Mönch Fridolin von Säckingen auf dem Gebiet des heutigen Saint-Avold ein kleines Gotteshaus, bevor er später das Kloster Säckingen gründete. Sigebald, Bischof von Metz, ließ um 720 hier eine Abtei errichten. Am 24. August 765 brachte sein Nachfolger Chrodegang, Minister von Karl Martell und Pippin dem Kurzen, Reliquien der Heiligen Nabor und Felix in die Abtei. In der Folge entwickelte sich um die Abtei St. Nabor (lat. „Monasterium Sancti Naboris“), die als Wallfahrtsort besucht wurde, eine Siedlung, die den Namen der Abtei übernahm. Infolge von Namensabschleifung wurde im lokalen rheinfränkischen Dialekt aus „Sankt Nabor“ „Santerfor“, was im Französischen später zu „Saint-Avaux“ wurde. Ab dem Jahr 1750 wurde daraus die amtliche Rechtschreibung „Saint-Avold“.André Pichler et Pascal Flaus: Histoire de Saint-Avold par ses monuments religieux (Societé d’Histoire du Pays Naborien), Merzig 2015, S. 15.
Mit der Vogtei über Homburg und Sankt Avold waren seit etwa 1160 die Grafen von Saarbrücken belehnt. Die Stadt entwickelte sich zu einem blühenden Handelszentrum. Um 1300 wurde eine gotische Kirche erbaut. 1313 wurde das erste Krankenhaus eröffnet. 1327 wurde die Stadt befestigt. 1534 übernahmen die Bürger die Stadtverwaltung.
mini|hochkant|links|Saint-Nabor-Statue mini|Place de la Victoire um 1920 mini|Place de la Victoire während des Sitzkriegs vor der deutschen Besetzung, März 1940 Im Jahr 1572 verkaufte der Metzer Fürstbischof Sankt Avold, Homburg und zugehörige Liegenschaften für 38.000 Gulden an den Herzog von Guise, und dieser verkaufte es 1581 für 280.000 Livres tournois an Herzog Karl von Lothringen. Der Dreißigjährige Krieg setzte Sankt Avold stark zu: 1656 wurden nur noch 18 Einwohner gezählt (gegenüber 1800 im 16. Jahrhundert). Nachdem die lothringischen Fürsten seit 1633 in kriegerische Auseinandersetzungen mit Frankreich verwickelt worden waren und die Stadt mehrfach unter französische Kontrolle geraten war, wurde im Frieden von Rijswijk 1697 das Herzogtum Lothringen wiedererrichtet. Es folgte noch der Vertrag von Paris 1718, bis schließlich im Frieden von Wien 1738 vereinbart wurde, dass durch einen Gebietstausch ganz Lothringen Frankreich einverleibt werden solle.Eugen H. Th. Huhn, 1875, ebenda, S. 38 ff. (online).
1751 wurde die Stadt der Bailliage Boulay zugeschlagen. Im Jahr 1794, während der Französischen Revolution, wurde die Stadt im Gefolge antikirchlicher Tendenzen in Rosselgène (dt. Rosselquelle) umbenannt.André Pichler et Pascal Flaus: Histoire de Saint-Avold par ses monuments religieux (Societé d’Histoire du Pays Naborien), Merzig 2015, S. 44f. 1814 richtete General Blücher sein Quartier in Saint-Avold ein. Bis 1818 war Saint-Avold von bayerischen Truppen besetzt.
Im 19. Jahrhundert profitierte Sankt Avold von der einsetzenden Industrialisierung. Dennoch wanderte ein Großteil der Bevölkerung aufgrund von Epidemien und Hungersnöten nach Amerika aus, vor allem in den Jahren 1818, 1849 und 1866. 1851 wurde die Eisenbahnverbindung nach Metz (Forbacher Bahn) eröffnet, 1852 nach Saarbrücken. Bei Carling wurden große Kohlevorkommen entdeckt, 1862 nahm das erste Bergwerk seinen Betrieb auf. Erneut begann eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Von 1871 bis 1918 gehörte Sankt Avold zum Deutschen Reich. Die Stadt lag im lothringischen Kreis Forbach und wurde preußische Garnison: Dort war ab 1886 das Ulanen-Regiment Nr. 14 stationiert. 1890 kam das Feld-Artillerie-Regiment Nr. 33 hinzu, 1899 durch das Feldartillerie-Regiment Nr. 69 abgelöst. 1897 wurde das Infanterie-Regiment Nr. 173 mit Garnison St. Avold aufgestellt. 1908 fand hier das Kaisermanöver zwischen dem XV. und dem Gardekorps vor dem obersten Kriegsherrn statt. Kurz vor Ausbruch des Weltkriegs kam noch das Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 12 hinzu.
1910 hatte Sankt Avold 6400 Einwohner, davon 2500 Soldaten. Im Ersten Weltkrieg war St. Avold auch Ausbildungsstandort für z. B. das 1. Ersatz-Bataillon des Infanterie-Regiments 173. (s. „Der kleine Adolf – Die Geschichte(n) meines Großvaters“ von Achim Amme.)
Auch nach 1918 blieb Sankt Avold Garnisonsstadt. Ab 1928 wurde in unmittelbarer Nähe die Maginot-Linie errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde Saint-Avold 1940 vom Deutschen Reich besetzt und wieder Sankt Avold benannt. Es gehörte zum faktisch annektierten CdZ-Gebiet Lothringen, hier erhielt es den Status einer Kreisstadt (Landkreis Sankt Avold). Am 27. November 1944 nahm die unter General Patton kämpfende 3. US-Armee Sankt Avold ein. Der Cimetière militaire américain von Saint-Avold ist der größte US-Soldatenfriedhof in Europa mit den Gräbern von 10.489 US-Soldaten.
Nach 1945 erfolgte dank der Kohle ein rascher Wiederaufbau. Zwischen 1945 und 1966 wuchs die Bevölkerung von 7000 auf 18.000. In Carling siedelte sich erfolgreich die petrochemische Industrie an. Dort wurde auch das Kohlekraftwerk Émile-Huchet (1873 MW installierte Nennleistung) errichtet, das inzwischen auch zwei gasgetriebene Kraftwerksblöcke hatInformationen der E.ON France zum Kraftwerk Emile Huchet; eingesehen am 26. April 2011. Die 1971 fertiggestellte A 4 zwischen Metz und Saarbrücken trug zum Aufschwung bei.
Wappen Das Stadtwappen von Saint-Avold (Departement Moselle) geht auf die "vollen Lothringer Herzogswaffen" zurück, die der Stadt nach der Rückkehr des Herzogtums unter Leopold I. von Lothringen (Ende 17./Anfang 18. Jh.) als Zeichen der Treue verliehen wurden.
Es entspricht den komplex gevierteten "vollen" Herzogswaffen von Lothringen (mit dem lothringischen Mittelschild: golden mit rotem Schrägbalken, belegt mit drei silbernen Alérions), wie sie in der Neuzeit als gesamt-dynastische Darstellung der lothringischen Ansprüche geführt wurden. Die Stadt nennt diese Übernahme explizit als Gnadenbezeigung des Herzogs; die acht Felder des Schildes die Duchés und Königstitel der lothringischen Dynastie repräsentieren.
Vor dieser Verleihung führten die städtischen Siegel ein Kreuz als Hauptmotiv: Ein Stadtsiegel von 1483/84 zeigt einen mit einer Kreuz-Schild ausgestatteten Amtsträger. Ein weiterer, in der heraldischen Literatur genannter Siegelfund von 1586 bestätigt die Kreuztradition. In der einschlägigen Zusammenstellung Armorial de France wird außerdem überliefert, dass ein bei der Trauerfeier für Herzog Karl III. (1608) geführter Stadtwappenschild eine Kreuzpattée (Kreuz mit erweiterten Armen) zeigte – ein Motiv, das mit der örtlichen Benediktinerabtei Saint-Nabor in Verbindung gebracht wird. Im Zuge des Armorial général de France (Heraldische Erfassung unter Ludwig XIV.) wurde Saint-Avold 1701 ein künstlich zugewiesenes Wappen "Argent au pal d’azur chargé d’une billette d’argent" (Silber, darin ein blauer Pfahl, belegt mit einer silbernen Billette) eingetragen. Wie häufig bei solchen "Armes d’office" blieb diese Variante ohne städtische Verwendung.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 1793 2900 Saint Avold – statistische Angaben der Arbeitsgruppe für Demographie und Geschichte der École des hautes études en sciences sociales (EHESS), Frankreich 1806 2726 1821 2972 1841 3146 1861 3288 1866 2925 Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 4 (online). 1871 2561 ohne die Garnison (282 Mann), auf einer Fläche von 4096 ha, in 383 Häusern mit 654 Familien, davon 64 Evangelische, sechs Mennoniten und 99 JudenGeorg Lang (Hrsg.): Der Regierungs-Bezirk Lothringen. Statistisch-topographisches Handbuch, Verwaltungs-Schematismus und Adressbuch, Metz 1874, S. 131–132 (online).Eugen H. Th. Huhn: Deutsch-Lothringen. Landes-, Volks- und Ortskunde, Stuttgart 1875, S. 395–397 (online).Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung, Band II, Grg. Ferd. Otto Müller, Berlin 1874, S. 562–563 (online) 1872 2840 am 1. Dezember, in 383 HäusernC. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 73 und S. 73. 1880 3087 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 3159 ha, in 373 Häusern, davon 2235 Katholiken, 727 Evangelische und 120 JudenStatistisches Büro des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 126, Ziffer 1518 (online). 1885 3374 nach anderen Angaben 2943 Einwohner 1890 3374 mit der Garnison (907 Mann), in 399 Häusern mit 670 Haushaltungen, davon 2241 Katholiken, 998 Protestanten, drei sonstige Christen und 132 JudenStatistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Die Bewegung der Bevölkerung in Elsaß-Lothringen, Druck von M. DuMont-Schauberg, Straßburg 1893, S. 116–117, Ziffer 17 (online). 1905 7979 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 173, vier Schwadronen Ulanen Nr. 14 und ein Feldartillerieregiment Nr. 69), meist katholische EinwohnerLexikoneintrag zu Sankt Avold, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1909, S. 556 (Zeno.org) 1910 6400 auf einer Fläche von 3163 haSankt Avold, Landkreis Forbach, Elsass-Lothringen, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Sankt Avold) Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2019Einwohner 15.247 16.280 17.955 16.485 16.533 16.925 16.611 15.415
Sprachen Auf dem Gebiet der Stadt Saint-Avold werden mehrere Sprachen verwendet. Die wichtigsten sind: Französisch (Amtssprache) Deutsch oder Hochdeutsch in Publikationen, Gottesdienstsprache und -gesang Der rheinfränkische Ursprungsdialekt St. Avolds und seiner Umgebung ist aktuell stark rückläufig und im Aussterben begriffen. Im Jahr 1794 verbot ein Gesetz jede Amtshandlung in einer anderen Sprache als Französisch. In St. Avold wurde von diesem Gesetz allerdings nicht durchgängig Gebrauch gemacht. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die französische Sprache zunehmend, während die Gottesdienste und der Religionsunterricht deutschsprachig blieben. In der Oberschicht St. Avolds wurde der rheinfränkische Dialekt zugunsten der französischen und deutschen Hochsprache tendenziell abgelehnt. Somit sank das Rheinfränkische zur Sprache der einfachen Leute und des Alltags herab.