mini|Alfred de Zayas in Potsdam (2005)

Alfred-Maurice de Zayas (* 31. Mai 1947 in Havanna, Kuba) ist ein US-amerikanischer Völkerrechtler, Historiker, Sachbuchautor und ehemaliger UN-Beamter. Von Mai 2012 bis April 2018 war er Unabhängiger Experte des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung.Independent Expert on the promotion of a democratic and equitable international order, UNHCHR

Leben Alfred-Maurice de ZayasAlfred-Maurice de Zayas In: Pen Center Swiss Romand wurde auf Kuba geboren und wuchs in Chicago auf. Seine Eltern waren José Maria Enrique Víctor Zayas y Portela, ein Rechtsanwalt aus Kuba, und Agustina Rozos y Arnaldo aus Asturien.Rafael Nieto y Cortadellas, Genealogías Habaneras, Vol. 2, S. 254. Er ist ein Urenkel des vierten Präsidenten der kubanischen Republik, Alfredo Zayas Alfonso.Los Expertos Internacionales en la Jurisprudencia de los Derechos Humanos. In: Zeitschrift SIGLO XXI vom Cuban Committee for Human Rights (CCPDH), 30. März 2000 () Nach dem Studium der Philosophie und Geschichte an der Fordham Universität in New York City schloss er 1970 an der Fakultät für Rechtswissenschaften der Harvard-Universität, der Harvard Law School, sein Jura-Studium ab. 1971 ging er als Fulbright-Stipendiat nach Tübingen. Dort wurde er Mitglied des Corps Rhenania.„A Fulbrighter joins a German fencing fraternity“, Chapter 5, in: Arthur Dudden (ed.), The Fulbright Experience 1946–1986, Transaction Books, Oxford, 1987, S. 69–75.Kösener Corpslisten 1996, 133, 1350. 1974 immatrikulierte er sich an der philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Er studierte dort mittelalterliche und Neuere Geschichte und wurde 1977 am Institut für Völkerrecht und Europarecht (Göttingen) mit einer von Dietrich Rauschning betreuten Arbeit über Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen zum Dr. phil. promoviert.

Berufliche Laufbahn Seit 1970 ist er Mitglied der Anwaltskammern in New York und Florida. 1970/71 und 1972–1974 arbeitete er als Anwalt in der New Yorker Anwaltskanzlei des späteren US-Außenministers Cyrus Vance (Simpson Thacher). Bis 1979 war er als wissenschaftlicher Assistent am Göttinger Institut für Völker- und Europarecht tätig, wo er unter anderem eine Arbeitsgruppe für Kriegsvölkerrecht leitete. Ab 1980 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg und im Stab der Encyclopedia of Public International Law. 1981 arbeitete er am Zentrum für Menschenrechte der Vereinten Nationen in Genf, später bis 2003 im Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte, u. a. als Sekretär der UN-Menschenrechtskommission und Chef der Beschwerde-Abteilung im Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte. Zudem wirkte er im UN-Menschenrechtsrat, im UN-Ausschuss gegen Folter und im UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung.

2003 ging er in den vorzeitigen Ruhestand, um seine akademische Laufbahn wieder aufzunehmen. Im Jahr 2003 war Zayas Gastprofessor für Völkerrecht an der University of British Columbia in Vancouver, 2004 Gastprofessor am Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien. Seit 2005 ist Zayas Professor für Völkerrecht an der Geneva School of Diplomacy and International Relations. Seit 2003 hielt er als Lehrbeauftragter Vorlesungen u. a. an der DePaul University in Chicago, an der Schiller International University in Leysin, an der Universidad de Alcalá de Henares in Madrid, der Académie internationale de droit constitutionnel in Tunis, der National University of Ireland, am Raoul Wallenberg Institute der Universität Lund und an der Universität Trier.Vortrag Alfred de Zayas: Die amerikanische Besetzung von Guantánamo In: ssoar.info Als Gutachter und Berater für Menschenrechtsfragen war er an der Santa Clara University und am Institut des droits de l'homme in Straßburg tätig.

Ehrenamtliches Engagement Seit 1989 ist de Zayas Mitglied im PEN International und setzt sich regelmäßig für inhaftierte Schriftsteller ein. Von 2006 bis 2009 und wieder von 2013 bis 2017 war er Vorsitzender der P.E.N.-Sektion für die französischsprachige Schweiz. De Zayas ist außerdem Gründungsmitglied der United Nations Society of Writers, eines privaten Vereins von UN-Mitarbeitern in Genf, die sich als Schriftsteller betätigen und literarische Veranstaltungen in der UNO organisieren.s. UNSW-Website unter Weblinks Er ist seit 1990 der Herausgeber der jährlich erscheinenden Zeitschrift Ex Tempore, die mehr als 30 Mal publiziert wurde. Neben der Verfassung eigener Gedichte und Kurzgeschichten betätigte sich de Zayas als Übersetzer und veröffentlichte die erste englische Übersetzung von Rainer Maria Rilkes Larenopfer,Red Hen Press, Los Angeles 2005, 90 Gedichte über Rilkes Heimat Böhmen und Prag mit historischem Kommentar 2. ergänzte Ausgabe 2008 mit einem Vorwort von Ralph Freedman, sowie Übersetzungen anderer Gedichte von Rilke, Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff ins Englische, Französische und Spanische. Er schrieb auch politische Antikriegsgedichte.„Beatitudes“ in Sam Hamill (Hrsg.) Poets Against the War, Nation Books, New York, 2003, S. 57–58.Poets Against The War: BEATITUDES In: LewRockwell.com mini|Alfred de Zayas (April 2003)

De Zayas ist Mitglied von Amnesty International, Points Coeur und Millennium SolidarityMillennium Solidarity: und sitzt im Kuratorium der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte sowie der International Human Rights Association of American Minorities. 2005 gehörte er zu den Unterzeichnern des Appel de Blois, der generell jeden staatlichen Eingriff in die historische Forschung ablehnt, insbesondere sich aber gegen das französische Loi Gayssot, das die Leugnung des Holocaust unter Strafe stellt, richtet.Andere Unterzeichner sind Elie Barnavi (Tel-Aviv), Etienne François (Berlin), Timothy Garton Ash (Oxford), Carlo Ginzburg (Bologna), José Gotovitch (Brüssel), Eric Hobsbawm (London), Jacques Le Goff (Paris), Karol Modzelewski (Warschau), Sergio Romano (Mailand), Henri Wesseling (Den Haag), Heinrich August Winkler (Berlin), Guy Zelis (Löwen); HSOZKULT: Appell de Blois, 15. Oktober 2008.

Er ist Mitglied der spanischen Menschenrechtsorganisation Asociación Española para el Derecho Internacional de los Derechos Humanos (AEDIDH) und Unterzeichner deren Erklärungen von Luarca vom 30. Oktober 2006 und Bilbao vom 24. Februar 2010 zum Menschenrecht auf Frieden. Auch ist er Beiratsmitglied des Zentrums gegen Vertreibungen des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Berlin. Er plädierte 2009 dafür, dass auch die Vertriebenenfunktionärin und Bundestagsabgeordnete Erika SteinbachErika Steinbach ist Anfang 2017 aus der CDU ausgetreten. im Stiftungsbeirat einen Sitz erhalten soll.Zentrum gegen Vertreibungen: Menschen an unserer Seite„Alles andere wäre sinnlos.“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Februar 2009, S. 10.

Alfred de Zayas engagiert sich in der International Bill of Rights Association, einer internationalen Initiative von Völkerrechtlern, die weltweit Unterschriften für eine aktualisierte internationale Menschenrechtserklärung sammeln, die insbesondere die Einrichtung eines internationalen Menschengerichtshofs vorsieht.Sign the International Bill of Rights (PDF; 784 kB), Broschüre auf der Homepage von Alfred de Zayas, abgerufen am 20. Juli 2012 (englisch), abgerufen am 20. Juli 2012 (englisch)

Auch im Ruhestand äußert de Zayas sich noch vor UN-Gremien zu Menschenrechtsfragen. Im Dezember 2009 wurde de Zayas in eine UN-Arbeitsgruppe über das Menschenrecht auf Frieden berufen. Seine Ausführungen sind im Bericht des UN Hochkommissars für Menschenrechte enthalten.Report of the Office of the High Commissioner on the outcome of the expert workshop on the right of peoples to peace (PDF; 102 kB) Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen ernannte ihn im März 2012 auf Empfehlung seiner Präsidentin, Botschafterin Laura Dupuy (Uruguay), gemäß seiner Resolution 18/6HRC Resolution 18/6 für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren ab Mai 2012 zum unabhängigen Experten für die Förderung einer demokratischen und gerechten Weltordnung. Das Mandat wurde im September 2014 und im September 2017 um jeweils drei weitere Jahre verlängert. In seinem letzten Bericht im Auftrag des Menschenrechtsrats befasste er sich mit der Situation in Venezuela und dem mitbetroffenen Nachbarland Ecuador.UN-Menschenrechtsrat: Report of the Independent Expert on the promotion of a democratic and equitable international order on his mission to the Bolivarian Republic of Venezuela and Ecuador, August 2018 Er nahm darin Stellung zur Wirkung der Wirtschaftssanktionen, die er als Wirtschaftskrieg bezeichnete, mit mittelalterlichen Belagerungen verglich und für massenhaften Tod durch Mangelernährung, fehlende Medikamente und medizinische Geräte verantwortlich machte. Anfang Mai 2018 übergab de Zayas das Amt an Livingstone Sewanyana.Independent Expert on the promotion of a democratic and equitable international order auf der Webseite des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, abgerufen am 15. August 2018 (englisch) Im März 2018 gab die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung bekannt, dass sie Alfred de Zayas in das Kuratorium der Stiftung berufen habe.

De Zayas’ Forderung nach Aufhebung der Sanktionen gegen Venezuela wurde von der Hohen Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Michelle Bachelet, und anderen UN-Berichterstattern, darunter Idriss Jazairy, Alena Douhan und Hilal Elver, unterstützt.

Im Februar 2021 besuchte Alena Douhan, UN-Sonderberichterstatterin für einseitige Zwangsmaßnahmen, Venezuela auf einer offiziellen Mission. Ihre vorläufigen Ergebnisse bestätigen die Analyse des Zayas-Berichts und dokumentieren die negativen Auswirkungen der US-Sanktionen auf die Menschenrechte. Am 16. Februar 2021 wurde Zayas von der italienischen Journalistin Geraldine Colotti über den Douhan-Bericht interviewt. Er hob dabei die Professionalität der Mission hervor.

Werke De Zayas hauptsächliches Betätigungsfeld als Wissenschaftler sind die Vertreibungen in Europa im Zeitraum von Anfang des 20. Jahrhunderts bis dato, von denen die folgenden Bevölkerungsgruppen betroffen waren: Polen, Tschechen, Slowaken, Russen, Serben, Kroaten, Slowenen, Ukrainer, Juden, Roma, Armenier, Griechen, Zyprioten, Deutsche und Österreicher.Alfred de Zayas: 50 Thesen zur Vertreibung, Verlag Inspiration Un Limited, München und London 2008, ISBN 978-3-9812110-0-9, S. 7.

Er veröffentlichte wissenschaftliche Studien über die ethnischen Säuberungen im ehemaligen Jugoslawien, die US-Marinebasis Guantánamo Bay, CIA-Gefängnisse, den Genozid an den Armeniern, April 2005. und die türkische Invasion Zyperns.A Constitutional Convention for Cyprus:

Flucht und Vertreibung De Zayas, der neben Englisch, Französisch und Spanisch auch fließend Deutsch spricht, begann seine wissenschaftliche Karriere mit dem Grundsatzartikel International Law and Mass Population Transfers,Harvard International Law Journal 1975. der alsbald in deutscher Übersetzung in der AWR-Festschrift 1975Massenumsiedlungen und das Völkerrecht. In: Abhandlungen zu Flüchtlingsfragen. Band X, Wilhelm Braumüller, Wien, S. 55–96. erschien. In dem Artikel postulierte de Zayas ein Recht auf Heimat für alle Völker.