Victor Schily, oder Viktor Schily (geboren am 7. September 1811 in Prüm; gestorben am 15. November 1875 in Paris), Deckname Fischer, war ein deutscher Rechtsanwalt und Revolutionär 1848/49.

Leben Victor Schily war Sohn des Schreibers am Friedensgericht Carl Caspar Schily (geb. 1770) und der Margarethe Schily, geb. Müller. Sein älterer Bruder war Johann Leonhard Wenzelaus Schily (1808–1869),Eberhard Klopp: Geschichte der Trierer Arbeiterbewegung. Band 1, Éditions Trèves, Trier 1984, S. 182. später Notar in Trier. Victor Schily besuchte die Schule in Prüm und wechselte dann an das Gymnasium Athenäum in Luxemburg. Er studierte Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn von 1831 bis 1834. Neben seinen juristischen Vorlesungen besuchte Schily auch Vorlesungen von Schlegel.Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. phil. Hans Lülfing am 24. Nov. 1966 (= Zentralblatt für Bibliothekswesen. Beiheft; 83). Bibliographisches Institut, Leipzig 1966, S. 39. Er diente als Einjährig-Freiwilliger und war Sekondeleutnant der Landwehr. 1836 bis 1838 war er Auskulator und 1839 bis 1843 Referendar am Landgericht in Trier. Seit 1843 war er dort als Advokat niedergelassen.

Am 16. April 1848 unterzeichnete er gemeinsam mit Ludwig Simon, Karl Leopold Wencelius,Heinz-Günther Böse: Wecelius, Karl Leopold. In: Heinz Monz (Hrsg.): Trierer biographisches Lexikon. Landesarchivverwaltung, Koblenz 2000, ISBN 3-931014-49-5, S. 500. Karl Ludwig Otto,Eberhard Klopp: Otto, Karl Ludwig. In: Heinz Monz (Hrsg.): Trierer biographisches Lexikon. Landesarchivverwaltung, Koblenz 2000, ISBN 3-931014-49-5, S. 332. Peter Junk,Heinz-Günther Böse: Junk, Peter. In: Heinz Monz (Hrsg.): Trierer biographisches Lexikon. Landesarchivverwaltung, Koblenz 2000, ISBN 3-931014-49-5, S. 205–206. Ludwig Josef BleserTheresia Zimmer: Bleser, Ludwig Josef. In: Heinz Monz (Hrsg.): Trierer biographisches Lexikon. Landesarchivverwaltung, Koblenz 2000, ISBN 3-931014-49-5, S. 34. und anderen das „Volksprogramm“, in dem die Republik gefordert wurde.Dieter Dowe: Die erste sozialistische Tageszeitung in Deutschland. Der Weg der „Trierischen Zeitung“ vom Liberalismus über den „wahren Sozialismus“ zum Anarchismus (1840–1851). In: Archiv für Sozialgeschichte. 1972, S. 93, Anm. 259. Er wurde zum stellvertretenden Mitglied der Preußischen Nationalversammlung gewählt,„Bei der so eben stattgehabten Wahl eines Stellvertreters für Berlin ist Advokat Schily mit 27 (unter 31) Stimmen gewählt worden.“ In: Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen (Vossische Zeitung). Nr. 276 vom 25. November 1848. (https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb10505449_01149_u001?page=8,9&q=Schily) wo er der Linken angehörte.So war er Mitunterzeichner der „Adresse der demokratischen Partei in der Volkskammer“. „Berlin, den 15. März 1849“ (Abgedruckt in: Karl Obermann: Flugblätter der Revolution. Eine Flugblattsammlung zur Geschichte der Revolution von 1848/49 in Deutschland. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1970, S. 382–384.) Auf dem ersten Rheinischen Demokratenkongreß (13./14. August 1848) wurde Schily, der als Vertreter des Demokratischen Vereins Trier anwesend war, zum Präsidenten gewählt.Der Bund der Kommunisten. Band 1, Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 828 ff. und S. 838. Er war Teilnehmer der Volksversammlung auf der Frankfurter Pfingstweide im September 1848. Mit der Einsetzung des Ministeriums Brandenburg am 9. November 1848 sollten die demokratischen Kräfte endgültig zurückgedrängt werden. Schily rief im Namen der Trierer Wahlmänner dazu auf: „Für die gefährdete Volksfreiheit auf den Kampfplatz zu treten, die Nationalversammlung mit Gut und Blut zu schützen“.Neue Rheinische Zeitung, Nr. 144 vom 16. November 1848, S. 1, Spalte 3.

Schily erlangte Bekanntheit durch den so genannten Prümer Zeughaussturm. Am 18. Mai 1849 stürmten etwa 100 Revolutionäre aus verschiedenen Orten, angeführt von dem Advokaten Schily und Peter Imandt, die im Zeughaus Prüm befindliche preußische Waffenkammer.Ausführlich geschildert von Erhard Kiehnbaum: Peter Imandt – Eine Biografie. Karl Dietz Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-320-02030-7, S. 65 ff.

1849 kämpfte Schily auf pfälzischer Seite im pfälzisch-badischen Aufstand unter August Willich. Ende Mai wurde durch die Badische Revolutionsregierung eine gemeinsame Gesandtschaft Badens und Rheinbayerns in Paris verabredet. Schily soll, nach dem Zeugnis von Karl Blind, mit ihm (Blind) einer der Gesandten gewesen sein.Karl Blind: Die badisch-pfälzische Gesandtschaft in Paris im Jahre 1849. Erinnerungen aus der Sturm- und Drangzeit. In: Die Gartenlaube. 1902. In Obermoschel organisierte er im Juni das „erste Bataillon der Pfälzer Volkswehr“.Johann Philipp Becker, Christian Esselen: Geschichte der süddeutschen Mairevolution des Jahres 1849. Genf 1849, S. 306 (Digitalisat).

Nach der Niederlage floh er in die Schweiz. In GenfMaria Imandt an Peter Imandt, 8. August 1849. In: Kurt Koszyk, Karl Obermann (Hrsg.): Zeitgenossen von Marx und Engels. Ausgewählte Briefe aus den Jahren 1844 bis 1852. Van Gercum, Assen 1975, ISBN 90-232-1293-2, S. 264 f.Friedrich Engels an Jenny Marx, 25. Juli 1849. In: Marx-Engels-Werke. Band 27, S. 502 (Digitalisat). lernte er Sigismund Ludwig Borkheim kennen.Heinrich Gemkow: Sigismund Ludwig Borkheim. Zwischen dem 18. und 28. September hielt sich Friedrich Engels in Genf auf, wo er mit Borkheim, Schily und mit Wilhelm Liebknecht zusammentraf.Michael Knieriem: Engels als politischer Flüchtling in der Schweiz im Sommer 1849. In: Jahrbuch des IMSF 6. Frankfurt am Main 1983, S. 367–375 (Digitalisat). In Trier wurden er und Simon 1850 wegen Desertion zu 1.000 Talern Geldstrafe verurteilt,Friedrich Rang (Hrsg.): Anzeiger für die politische Polizei Deutschlands auf die Zeit vom 1. Januar 1848 bis zur Gegenwart. Ein Handbuch für jeden deutschen Polizeibeamten. Liepsch & Reichardt, Dresden 1855, S. 228 (Digitalisat). außerdem wurde er 1850 in Zweibrücken in Abwesenheit zum Tode verurteilt.Der Bayerische Landbote, Nr. 307 vom 13. Oktober 1850 (Digitalisat). Im Februar 1851 wurde in Genf eine Gemeinde des Sonderbundes des Bundes der Kommunisten (Fraktion Willich/Schapper) gebildet, der u. a. Johann Philipp Becker, Moses Hess, Schily und Imandt angehörten.Georg Eckert: Aus der Korrespondenz des Kommunistenbundes (Fraktion Willich/Schapper). In: Archiv für Sozialgeschichte. Band 5, Hannover 1965, S. 277. Im Sommer 1852 wurde er aus der Schweiz ausgewiesen.Schily’s Ausweisung aus der Schweiz. In: Karl Marx: Herr Vogt. London 1860, S. 175 ff. (Digitalisat). Er wandte sich nach London, dann fand er in Paris als Rechtsberater und Übersetzer sein Auskommen ab 1854.Seine Visitenkarte lautete: „Cabinet de Droit International. Schily, anc - Advocat á la cour d’ Appel de Cologne [sic!]. Consulitations de Droit Français et Etranger […]“. Am 20. Februar 1856 wurde Heinrich Heine auf dem Friedhof Montmartre beerdigt. Schily nahm am Begräbnis teil.Rolf Hecker, Angelika Limmroth (Hrsg.): Jenny Marx. Die Briefe. S. 200. Hess und Schily waren im November 1859 Mitorganisatoren des Schillerfestes in Paris.Edmund Silberner: Moses Hess. Geschichte seines Lebens. Brill, Leiden 1966, S. 378. Hauptredner war Ludwig Kalisch.Discours prononcé au Festival de Schiller. Aubusson et Kugelmann, Paris 1859.

1860 unterstützte er Karl Marx für dessen Buch Herr Vogt. Mit der Familie Marx pflegte er einen intensiven Briefverkehr.Die Briefe von Karl und Jenny Marx an Schily sind bisher noch nicht aufgefunden worden mit Ausnahme des Briefes von Marx an Schily vom 30. November 1867. (Marx-Engels-Werke, Band 31, S. 573–574.)

Schily trat der Pariser Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) bei.Götz Langkau: Die Deutsche Sektion in Paris. In: International Review of Social History. Band 17, Ausgabe 1, April 1972, S. 103–150. In der Sitzung des Generalsrats der IAA vom 14. Februar 1865 schlug Marx unterstützt von Friedrich Leßner vor, dass Schily und Victor Le Lubez gemeinsam die Streitigkeiten dieser Sektion lösen sollten.Documents of the First International. 1864–1866. Lawrence & Wishart, London o. J., S. 74. Schily war französischer Delegierter auf der Londoner Konferenz der IAA, die vom 25. bis 29. September 1865 in London tagte.Documents of the First International. 1864–1866. Lawrence & Wishart, London o. J., S. 231–250.

1868 gehörte Victor Schily zu den Empfängern der Erstausgabe des Kapitals.„Die beiden Ex. an Schily sind vor 5 Wochen abgesandt“ (Otto Meißner an Marx. 16. März 1868. In: Rolf Dlubek, Hannes Skambraks: „Das Kapital“ von Karl Marx in der Deutschen Arbeiterbewegung 1867/1878. Dietz Verlag, Berlin 1967, S. 134.); Rolf Hecker, Larisa Mis’kevič: Das Kapital mit Widmungen von Marx und Engels. In: MEGA-Studien 1994/1. Hrsg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung, Dietz Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-320-01826-4, S. 111. Seit 1869 war er ständiger Mitarbeiter der sozialdemokratischen Zeitung Der Volksstaat.Heinz-Günther Böse: Schily, Viktor. In: Heinz Monz (Hrsg.): Trierer biographisches Lexikon. Landesarchivverwaltung, Koblenz 2000, ISBN 3-931014-49-5, S. 401.

Johann Philipp Becker beschrieb gegenüber Friedrich Adolph Sorge Schily 1870: „Was dagegen unseren zweimal zum Tode verurteilten, fast über alles Maß bescheidenen Freund Schily betrifft, so kenne ich ihn so genau wie meinen Bruder und schätze ich niemand auf der Welt höher als ihn. Alles was gegen Schily geschieht, nehme ich auf der Welt höher als ihn. Er ist übrigens einer der intimsten Freunde von Marx, Engels usw.“Becker an Sorge, 1. August 1870. In: Briefe und Züge aus Briefen von Joh. Phil. Becker, Jos. Dietzgen, Friedrich Engels, Karl Marx u. A. an F. A. Sorge und Andere. J. H. W. Dietz Nachfolger, Stuttgart 1906, S. 15 (Digitalisat).Karl Marx an Sorge, 1. September 1870: „Schily ist nicht nur einer meiner ältesten und intimsten Freunde: er ist eins der tüchtigsten, tapfersten, zuverlässigsten Mitglieder der Partei.“ In: Marx-Engels-Werke. Band 33, S. 140 (Digitalisat). Während der Pariser Kommune besuchte Schily Leó Frankel im April 1871 und teilte Marx mit, „daß die Kommune nicht mehr lange vorhält.“Karl Marx, Friedrich Engels: Tagebuch der Pariser Kommune. Dietz Verlag, Berlin 1971, S. 202. Im April 1871 besuchte Reinhold Rüegg den kranken Schily in Paris. „Hunger und Kälte hätte ihn ungleich minder betrübt, als der giftige Chauvinismus, der plötzlich bei jenen Franzosen aufzügelte, deren zweites Wort sonst die Solidarität der Völker gewesen. Diesen jähen Umschwung, diese häßliche Verleugnung der Prinzipien konnte er den Parisern nicht verzeihen […].“Reinhold Rüegg: Aus Briefen an Johann Phillipp Becker. In: Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. 6(1888), Heft 12, S. 558–569, hier S. 567 (Digitalisat).