mini|Siegel von Ulrich II. von Treffen. Siegel-Inschrift: + (V)ODALRICU DEI GRA SCE AQILEGENSIS ECCLE PATRIARCHA. Die Nachbildung des Siegels befindet sich im Rathaus von Treffen (Kärnten) mini|Friesacher Pfennig im Internet Archive von oenb.at. Abgerufen am 10. Juni 2015. um das Jahr 1190 mit Darstellung Ulrich II. von Treffen; 1161–1181 Patriarch von Aquileia. Vorderseite: AQVILEGIA P; Ulrich II. in Bischofsrobe mit halbmondförmigem Halsausschnitt, Krummstab und Buch. Rückseite: Kirchenfassade ohne Trennstriche zwischen den Simsringeln.
Ulrich II. von Treffen († 1. April 1182) auch genannt, war von 1161 bis 1181 Patriarch von Aquileia in Norditalien. Zunächst unterstützte er Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) in seinem erfolglosen Kampf um die Vorherrschaft über die nördlichen italienischen Staaten und das Papsttum. Dabei war er in einen Streit mit dem Patriarchen von Grado involviert, in dem er letztlich erfolgreich war. Beim Friedensschluss 1177 zwischen Kaiser Friedrich I. und Papst Alexander III. war er vermittelnd tätig. Ulrich starb am 1. April 1182, nachdem er zwanzig Jahre, sieben Monate und sieben Tage dem Patriarchat vorstand.Karl August Muffat: Die Grafen von Treffen in Kärnthen als ein Zweig des alemannischen Dynastengeschlechtes der Grafen von Veringen-Alshausen. München 1855, S. 583, 598 (books.google.de).
Abstammung und Herkunftsfamilie Ulrich war der Sohn des Grafen Wolfrad II. von Treffen (Abensberg) und Ratenstein, Vogt von Isny. Der Vater entstammte dem schwäbischen Dynastengeschlecht der Grafen Altshausen-Veringen. Bekanntester Vertreter dieses Geschlechtes ist Hermann der Lahme (Hermannus Contractus, Hermann von der Reichenau), Autor einer ersten Weltchronik mit der Datierung nach Christi Geburt und der mutmaßlicher Autor des Salve Regina. Dieser ist in einem Fresko der Stiftskirche Ossiach dargestellt. Hermann selbst führte seine Abstammung bis auf den Heiligen Ulrich von Augsburg († 4. Juli 973) zurück.
Ulrichs Mutter Hemma war die Tochter von Graf Weriand (bis 1130 Vogt von Gurk / Kärnten), ein Nachkomme von Graf Askuin, ein Verwandter der bedeutenden Gräfin Hemma von Gurk. Von ihr stammte auch der Besitz der Herrschaft Treffen (Kärnten) mit der Burg Treffen (Kärnten) und dem Titel Graf von Treffen sowie die Burg Tiffen.
Ulrichs Schwester Willbirg (erste Erwähnung 1169, † vor 1212) war mit dem Grafen Heinrich von Lechsgemünd-Matrei und Mittersill verheiratet (erste Erwähnung 1169, † ca. 1207).
Amtsantritt mini|Innenansicht der Basilika von Aquileia Über die geistliche Laufbahn Ulrichs ist nichts bekannt. Als am 8. August 1161 Patriarch Piligrim (Peregrin) aus dem Kärntner Herzoggeschlechte der Sponheimer starb, gelangte Ulrich, sein Verwandter, zur Nachfolge im Hochstift und leistete Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) am 29. September 1161 die Huldigung.
Ulrich von Treffen wurde in einer schwierigen Zeit zum Patriarchen von Aquileia berufen. Nach dem Tod von Papst Hadrian IV. war durch den Zwist über die Wahl seines Nachfolgers der Kampf um die Vorherrschaft zwischen Kaiser und Papst in ein neues Stadium getreten. Es verschärften sich die Streitigkeiten zwischen dem Stauferkaiser Friedrich I. und Papst Alexander III. Dabei standen Venedig und das Patriarchat von Grado (Aquileia Nova), das schon lange mit Aquileia konkurrierte, dem Kaiser und seinen Anhängern feindlich gegenüber. Während die kirchlich Gesinnten Papst Alexander III. als rechtmäßigen Papst anerkannten, ließ Kaiser Friedrich I. dessen Wahl verwerfen und das Edikt ergehen, dass Viktor IV., den seine Partei entgegengesetzt hatte, als Papst anzuerkennen sei. Wer es wagen sollte, sich für Alexander III. einzusetzen, würde mit dem Tode bestraft werden. Daraufhin beantwortete Alexander III. diese Befehle mit dem Bannfluch über Friedrich I. und Viktor IV. sowie deren Anhänger.
Um die weltliche Investitur zu erlangen, war Ulrich am 8. September 1162 von dem kaiserlichen Notar Burchard begleitet nach Cremona an Friedrichs I. Hoflager gegangen. Der Kaiser erteilte ihm die Regalien jedoch nur gegen das Versprechen, dass er dem (Gegen-)Papst Viktor IV. gegenüber gehorsam sei und sich gleich zu ihm begeben werde.RI IV,2,2 n. 994, regesta-imperii.de abgerufen am 9. Juni 2015. Darauf verließ Ulrich das kaiserliche Hoflager, täuschte jedoch unterwegs Unwohlsein vor und setzte seine Reise fort, ohne sich Papst Viktor IV. vorgestellt zu haben, der gerade in Reggio weilte. Der Notar Burchard, der mit Ulrich gegangen war, um ihn in den Besitz der Regalien des Patriarchates von Aquileia zu bringen und ihn in das Bistum Belluno einzuführen, widersetzte sich gemeinsam mit Herzog Heinrich von Kärnten diesem Vorgehen. Die beiden konnten sich jedoch Ulrich gegenüber nicht durchsetzen.
Burchard setzte dennoch die Reise mit dem Patriarchen fort, um die von Ulrich zugesagte Kriegsrüstung zu unterstützen und gleichzeitig alle Unternehmungen Ulrichs gegen den Papst zu verhindern.
Am vierten Tag erreichten sie Venedig und schnell verbreitete sich die Nachricht über die Vorgehensweise des Patriarchen. Die Kardinäle, die hier ihren Wohnsitz hatten und Anhänger von Alexander III. waren, freuten sich sehr über diese Vorgehensweise. Da sich die Venezianer sehr über die Vorgehensweise wunderten, verbreitete Burchard das Gerücht, der Kaiser habe dies absichtlich befohlen, um die Gegenpartei in Versuchung zu führen. Damit hoffte Burchard das Missgeschick des Kaisers den Venezianern wenigstens für einige Zeit verbergen zu können.
Danach trat Ulrich in Begleitung des Herzogs Heinrich von Kärnten und Burchards zur See seine Rückkehr nach Aquileia an. Unterwegs änderten sie ihren Reiseplan. Ulrich und Burchard steuerten durch die Sümpfe auf Treviso zu. Der Herzog aber ließ sich in einem kleinen Nachen von vier Matrosen rudern, während sein Gefolge auf einem stark gebauten Schiff fuhr. Als er zu den Mündungen des Tagliamento kam, wurde er mitsamt dem leicht gebauten Boot von den außerordentlich angeschwollenen Fluten begraben. Burchard wich aber dem Patriarchen nicht von der Seite und konnte ihn endlich dazu bringen, dem Gegenpapst Viktor IV. die Erklärung seines Gehorsams zuzuschicken. Darüber hinaus erteilte Ulrich seinen Vasallen den Befehl, sich zu dem vom Kaiser verlangten Kriegszug zu stellen.RI IV,2,2 n. 1007, regesta-imperii.de, abgerufen am 4. Juni 2015.
Kampf um Grado Dem jungen Patriarchen kam die Heeresfolge, die er dem Kaiser leisten musste, teuer zu stehen. Die Venezianer hatten sich auf die Seite von Papst Alexander III. gestellt und sollten deshalb die Rache von Kaiser Friedrich I. spüren. Friedrich befahl 1162 Verona, Ferrara und Padua von der einen Seite die venezianischen Besitzungen anzugreifen, während Ulrich und der Adel von Friaul die Insel Grado zurückerobern sollten, das die Venezianer zuvor dem Patriarchat Aquileia entrissen hatten. Der Patriarch von Grado, Enrico Dandolo, sah sich gezwungen nach Venedig zu fliehen.Edward Muir: Civic Ritual in Renaissance Venice. Princeton University Press, 1981, ISBN 978-0-691-10200-9, S. 16 (books.google.com). Der Doge Vitale Michiel II. antwortete mit Macht und sandte eine schlagkräftige Flotte nach Grado. Ulrich II. wurde zusammen mit 12 Domherren und 700 friaulischen Edelleuten durch die Venezianer gefangen genommen, während viele Fliehende verfolgt, getötet und das Land ringsum verwüstet wurde.James H. Johnson: Venice Incognito: Masks in the Serene Republic. University of California Press, 2011, ISBN 978-0-520-26771-8, S. 36 (books.google.com).
Siegreich kehrten die Venezianer heim und steckten den Patriarchen Ulrich II. und die friaulischen Edelleute in das Gefängnis. Deren Freilassung ging ein schmachvoller Vertrag voraus, in dem sich der Patriarch von Aquileia verpflichten musste, jährlich am „giovedi grasso“ (Schmutziger Donnerstag) 12 fette Schweine und 12 große Brote als Tribut an die Republik Venedig zu liefern.Andr. Danduli Chronicon ap. Muratori Script. Rer. Ital. vol. XII. S. 288
In den folgenden Jahren wurden die Tiere bei einem öffentlichen Fest geschlachtet, um den Sieg des Dogen Vitale Michiel II. über Ulrich II. von Treffen im Jahre 1162 zu feiern. Aus diesem Fest entwickelte sich der venezianische Karneval.Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig. Bd. I. Gotha 1905, 1920, Stuttgart 1934. Darmstadt 1964, 2. Neudruck der Ausgabe Aalen 1986, Reprint o. O. und o. J. (2010) S. 251.
Ulrich II. wendet sich Papst Alexander III. zu Mit dem Jahre 1163 wird deutlich, dass Ulrich II. sich vom Kaiser und dem von ihm anerkannten Papst Viktor IV. losgesagt hatte, denn auf dem Tag zu Würzburg, der von Friedrich I. auf Ostern ausgeschrieben worden war, erschienen weder Ulrich noch einer seiner Stellvertreter.
Als Friedrich I. Ende Oktober 1163 wieder nach Italien kam, hatte sich Ulrich an dessen Hof in Lodi eingefunden und begleitete dort im November 1163 Kaiser Friedrich I., Papst Viktor IV. und den Abt von Cluny, als die Gebeine des seligen Bassianuszeno.org in feierlicher Prozession von Alt-Lodi nach Neu-Lodi übertragen wurden.Otto Morena ap. Murator. Script. Rex Ital. Band VI. S. 1121.
Als am 20. April 1164 Papst Viktor IV. verstarb und schon vier Tage später, abermals in ungesetzlicher Weise, ein neuer Gegenpapst, Paschalis III., aufgestellt wurde, sagte sich Ulrich von dem Schisma los. Er fand jedoch im Domkapitel bis ca. 1170 heftigen Widerstand gegen diese Entscheidung.
Auch Kaiser Friedrich I., war mit dieser Ernennung des neuen Gegenpapstes unzufrieden, die gegen seinen Willen vorgenommen wurde. Ulrich und der Bischof von Concordia erschienen bei Erzbischof Eberhard und eröffneten ihm, es sei der Wille des Kaisers, dass der Zwiespalt der Kirche friedlich beigelegt werden solle.
Ulrich II. wird als Patriarch von Papst Alexander III. bestätigt Erst um 1169 erhielt Ulrich die Bestätigung seiner Wahl durch Papst Alexander III. Darüber hinaus erhielt er später noch die Würde eines päpstlichen Legaten.
Ulrich II. als Bindeglied zwischen Kaiser Friedrich I. und Papst Alexander III. Nach der Schlacht von Legnano am 29. Mai 1176 versuchte sich Kaiser Friedrich I. mit Papst Alexander III. auszusöhnen. Alexander III. erklärte sich zum Abschluss eines Friedens bereit, wenn auch König Wilhelm von Sizilien, der griechische Kaiser und der Bund der Lombarden in den Friedensvertrag mit aufgenommen werden würden, und deren Vertreter auch an den Friedensverhandlungen teilnehmen würden. Friedrichs Gesandte stimmten diesem Vorschlag zu.
Der Friede und die Einigkeit der Kirche sollte auf einem feierlichen Konzil, in Gegenwart von Papst Alexander III. und Friedrich I. verkündet werden. Friedrich befahl Ulrich diesem Konzil beizuwohnen und möglichst bereits vorher nach Ravenna kommen solle, da Friedrich seinen verständigen Rat benötige.Undatierter Brief Kaiser Friedrichs I. an den Patriarchen Ulrich bei Pez. Cod. Dipl. I. I. p. 415 CXLV Nr. 19.
In einem weiteren Schreiben eröffnete Kaiser Friedrich dem Patriarchen, dass das Konzil an Maria Lichtmess in Ravenna gehalten werde. Er forderte Ulrich auf, in Begleitung seiner Prälaten dorthin zu kommen.l. c. p. 414 Nr. 18. Diese wiederholte schriftliche Aufforderung, sollte Erzbischof Wichmann von Magdeburg auch noch mündlich überbringen.Undatierter Brief des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg bei Pez. i. c. p. 434 Nr. 160. Wichmann wollte persönlich nach Venedig kommen, war aber auf der Reise dahin durch Meeresstürme daran gehindert worden und kehrte nach Ravenna zurück. Deshalb eröffnete er dem Patriarchen schriftlich, dass dem Kaiser Ulrichs Ankunft sehr erwünscht wäre, um mit ihm über die Angelegenheit der Kirche sich zu benehmen. Deshalb wünsche der Kaiser ihn bei Ravenna irgendwo am Meere zu treffen.