Göttelborn () ist ein Ortsteil der Gemeinde Quierschied im Saarland und liegt zwölf Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Nachbargemeinden Illingen Merchweiler Heusweiler

Geschichte

Göttelborns Ursprünge Die Ursprünge liegen noch immer im Dunkeln. Mehrere leider verschollene archäologische Funde auf und um das heutige Göttelborner Gelände lassen jedoch darauf schließen, dass die Göttelborner Höhe bereits in frühgeschichtlicher Zeit bewohnt war. So wurde in einem Steinzeitheiligtum in Dudweiler ein großes Göttelborner Quarzitgeröll als Schalenstein gefunden.

Göttelborn in der Kelten- und Römerzeit rechts|Römerstraßen in und um Göttelborn Während der Römerzeit verliefen nachweislich zwei Römerstraßen durch Göttelborn: Die erste führte von Malstatt über Von der Heydt, Holz, Wahlschied und Göttelborn nach Merchweiler, wo im Ortsteil Wemmetsweiler auch Überreste einer römischen Villa entdeckt worden sind. Eine weitere Römerstraße verlief von Völklingen-Luisenthal über Püttlingen-Ritterstraße, Riegelsberg, Holz und Wahlschied über die Göttelborner Höhe nach Illingen.

Im Jahre 1850 wurde von dem Saarbrücker Historiker Friedrich Schröder außerdem die These aufgestellt, dass eine Römerstraße, von Landsweiler/Lebach kommend, zur Göttelborner Höhe führte. Als Beweis für diese These nannte er die Funde römischer Graburnen im Bereich von Mangelhausen sowie keltische Hügelgräber bei Steinertshaus und auf der Göttelborner Höhe. Schröder berichtet darüber hinaus von einem weiteren Historiker namens Philipp Schmidt, der von Kupferringen berichtet, die in einem Hügelgrab in Steinertshaus gefunden wurden. Auf der Göttelborner Höhe seien ähnliche Ringe gefunden worden. Als das sogenannte Boussard-Haus (Ecke Hauptstraße/Uchtelfanger Straße, heute Gasthaus Alt Göttelborn) um 1860 abbrannte, wurde beim Wiederaufbau des Hauses im Erdreich unterhalb des Gebäudes ein menschliches Skelett, ein Silberknopf mit Pferdekopf und eine Bronzespange gefunden.

Bewiesen ist inzwischen, dass eine Römerstraße von Losheim über Niederlosheim, Wahlen, Hüttersdorf, Primsweiler, Lebach und Landsweiler nach Saarbrücken führte, wobei der genaue Verlauf ab Landsweiler unklar ist. Wenn man diese Linie über Wiesbach, wo eine römische Villa stand, und über Habach, durch das von Westen nach Osten eine Römerstraße (von Schwalbach über den Vicus Wareswald bei Tholey nach Osenbach/Oberthal) führte, verlängert, landet man in Göttelborn. Da von Göttelborn aus eine Straße nach Saarbrücken führte, ist es also wahrscheinlich, dass sich in Göttelborn drei Römerstraßen kreuzten.

1700 bis 1800 links|miniatur|Matzenbauershaus. Das Haus wurde 1947 abgerissen Die Geschichte des Ortes Göttelborn ist eng mit der Geschichte des Bergbaus auf dem Gebiet des heutigen Ortes verbunden. So lässt das Quierschieder Jahrgeding aus dem Jahr 1446 erstmals auf Kohlengräberei im Kohlbachtal schließen. Im Jahre 1717 gab es in Quierschied eine erste Privatgrube. Vereinzelte Nachrichten über Steinkohlenbergbau im Bereich Göttelborns stammen aus der Zeit nach 1770.

Auf einer alten Grenzkarte aus dem Jahre 1735 taucht der Name Gödelborn zum ersten Mal auf, ein weiteres Dokument zur Klärung des Göttelborner Alters ist eine Grundstücksschenkungsurkunde des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken an den Waldhüter Mathias Bauer. Dieser stellte ihm das Land kostenlos zur Verfügung, so dass sich Mathias Bauer dort ein Haus bauen konnte, das sogenannte Matzbauershaus.

23 Jahre später, 1758, wurde das erste Gebäude auf heutigem Göttelborner Gelände, das Quierschieder Jägerhaus, zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Zwei Jahre später, 1760, wurden zwei so genannte Thorhäuser, die Thomashütte und das Matzbauershaus errichtet. Bis die Göttelbrunner Hütte als weiteres Thorhaus 1795 erbaut wurde, vergingen 35 Jahre. Die früh verwitwete Tochter von Mathias Bauer heiratete um 1800 den aus der Normandie stammenden Francois Cilian Boussard (urkundlich fälschlich Pouchard (1806)), der auch in die jagd- und forstlichen Aufgaben seines Vorgängers eintrat. Sie bewohnten das Matzenbauershaus bis zu ihrem Tode. Die erste familiäre Ansiedlung war vollzogen. Noch heute wohnen deren Nachfahren im Ort.

Landesherrlich gehörte Göttelborn mit einigen umliegenden Dörfern bis Ende des 18. Jahrhunderts zur Herrschaft Illingen, die reichsritterschaftlicher Besitz einer Seitenlinie Freiherren von Kerpen war und ursprünglich ein Lehen der Grafen von Nassau-Saarbrücken war. Nach der Einnahme der Region durch französische Revolutionstruppen (1794) gehörte Göttelborn von 1798 bis 1814 zum französischen Département de la Sarre und war dem Kanton Ottweiler zugeordnet.Georg Bärsch: Beschreibung des Regierungs-Bezirks Trier, Band 2, Lintz, 1846, S. 57 (Google Books)

1800 bis 1900

Nach der Niederlage Napoleons wurde die Region auf dem Wiener Kongress (1815) dem Königreich Preußen zugeordnet. Unter der preußischen Verwaltung gehörte die Gemeinde von 1816 an zum Kreis Ottweiler im Regierungsbezirk Trier und wurde von der Bürgermeisterei Uchtelfangen verwaltet.

Im Jahre 1830 wurde das älteste heute noch existierende Haus in Göttelborn errichtet (Ecke Uchtelfanger Straße/Im Birkenstück). Im Jahre 1848 ordnete das Topographisch-statistisch-historische Lexikon von Deutschland Göttelborn dem Kreis Saarbrücken im Regierungsbezirk Trier zu. Es wurden lediglich eine Waldhütte mit zwei Einwohnern im Kirchspiele Heusweiler gezählt. Im Jahre 1851 wurden bei der Anlegung des Katasters 37 Häuser erfasst. Im Jahre 1857 lebten in Göttelborn 50 Familien; darunter befanden sich 28 Tagelöhner, elf Bergleute, vier Ackerer, drei Kohlenbrenner, zwei Glasmacher, ein Küfer und ein Förster. Im Jahre 1882 werden alle Häuser nummeriert von 169–237. In der Beschreibung des Regierungs-Bezirkes Trier wurde die Kreiszugehörigkeit Göttelborns angezeigt. Während Göttelborn in den Jahren 1814 und 1815 zum Kreis Ottweiler gehörte, war es nun dem Kreis Saarbrücken zugeordnet. Die zuständige Bürgermeisterei blieb die von Heusweiler. Im Jahre 1884 fanden erste Kohleschürfungen im Bereich des heutigen Göttelborns statt – die Geburtsstunde einer Industrie, die jahrzehntelang alle Bereiche des Lebens der Menschen in und um Göttelborn beeinflusst hat. Im Jahre 1884 erfolgte der Anhieb der Grube Göttelborn, Kaiser Friedrich III. schenkte Göttelborn-Merchweiler eine Schule.

Am 1. August 1886 genehmigte die königlich-preußische Regierung durch einen hohen Ministerialerlass die Errichtung einer neuen Flammkohlengrube in Göttelborn. Im gleichen Jahr beauftragte man den Steiger Gerben von der Grube Itzenplitz, Grundstücke im Nordhang des Göttelborner Höhenzuges zu erwerben. Allerdings taten sich dabei Schwierigkeiten auf, so dass nach Verhandlungen mit der Forstverwaltung sowie einer Generalbefahrung der Örtlichkeiten am 25. April 1887 das heutige Gelände am Südhang der Göttelborner Höhe erworben wurde. Am 9. Mai 1887 wurden zwei einfallende Strecken im Flöz Eilert (benannt nach dem Geheimen Bergrat Karl-Friedrich Eilert) angehauen. Bereits im Juli des Jahres 1887 wurde mit dem Abteufen der Schächte I und II begonnen. Im selben Jahr wurde auch die Bergwerksinspektion X (zu der auch die Gruben Quierschied und Dilsburg gehörten) gegründet. Im Jahre 1891 wurde die Kaffeeküche der Grube Göttelborn eingerichtet, die in geänderter Form bis heute besteht. Die Wasserversorgung des Ortes wurde 1892 durch die Grube realisiert. Ein Jahr später, 1893, wurde im Ortsteil Göttelborn-Merchweiler eine zweite Schule errichtet. Im gleichen Jahr wurde die Grube Göttelborn nach einer leichten Schlagwetterexplosion, bei der drei Bergleute verletzt wurden, zur Schlagwettergrube erklärt. Zwischen 1888 und 1912 wurden durch die Königlich-Preußische Grubenverwaltung Werkswohnungen errichtet. Am 26. April 1897 ereignete sich im Flöz Beus eine Schlagwetterexplosion, bei der vier Bergleute starben.

1900 bis 2000 mini|Den verunglückten Rettungsmännern zum Gedenken Im Jahre 1920 kämpfte der Bürgerverein für ein selbstständiges Göttelborn, welches vorher aus Göttelborn-Gennweiler, Göttelborn-Wahlschied, Göttelborn-Quierschied und Göttelborn-Merchweiler bestand. Die saarländischen Gruben wurden unter französische Verwaltung gestellt. Am 5. Januar 1924 stimmte die Göttelborner Bevölkerung mit 62,78 % für die Selbstständigkeit Göttelborns (bei 86,13 % Wahlbeteiligung). Fünf Jahre später wurde Göttelborn selbstständig und der Gemeinde Quierschied angegliedert und wählte im Februar den ersten Gemeinderat. Zwischen 1925 und 1935 wurde die junge Gemeinde weiter aufgebaut, sie erhielt einen eigenen Friedhof, eine eigene Schule und eine eigene Kirche. Drei Jahre später, 1928, wurde Göttelborn eine selbstständige Pfarrei. Im Jahre 1935 wurde in Göttelborn die eigene Pfarrkirche, St. Josef, eingeweiht. Die saarländischen Gruben wurden wieder unter deutsche Verwaltung gestellt. Nach der Saarabstimmung 1935, bei der das Saarland dem Deutschen Reich angegliedert wurde, gab es keinen gewählten Gemeinderat mehr. Am 2. Januar 1941 starben fünf Göttelborner Rettungsmänner nach der Schlagwetterexplosion in der Grube Frankenholz. Gegen Ende des Krieges wurde Göttelborn bombardiert und hatte viele Tote zu beklagen. Es gab acht im Wehrdienst stehende Opfer. Es kamen drei Zivilisten beim Angriff am 13. Januar 1945, fünf Personen beim Angriff am 19. März 1945 und ein Angehöriger der HJ beim Schanzeinsatz in Waldmohr durch Tieffliegebeschuss zu Tode. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die saarländischen Gruben zunächst von der amerikanischen Kontrollkommission CONAD, danach von Frankreich verwaltet. Am 15. September 1946 fanden erste Kommunalwahlen in Göttelborn statt, Josef Monz wurde Bürgermeister. In dieser Zeit waren noch keine Parteien zugelassen. Durch Errichtung von Nissenhütten begegnete man dem Mangel an Wohnraum. Ein Exemplar zwischen Grundschule und Friedhof ist noch erhalten mini|hochkant|Nissenhütte nahe der Grundschule

Zwischen 1951 und 1957 errichten Berglehrlinge das Göttelborner Grubenstadion. Nach der zweiten Saarabstimmung am 23. Oktober 1954 werden Parteien zugelassen. Der siebte Gemeinderat des Ortes wird gewählt und Peter Schmidt wird Bürgermeister. Saarberg wird neuer Betreiber der Grube Göttelborn. Im Jahre 1958 wurde das von der Grube eingetauschte Haus (Hauptstraße 164) frei und wurde anschließend bis 1961 zum Gemeindehaus umgebaut. Am 22. Oktober 1959 wurde der Göttelborner Sendemast des Saarländischen Rundfunks auf der Göttelborner Höhe eingeweiht. Der Mast hat heute eine Höhe von 211 Metern. Ausgestrahlt wird darüber auf UKW SR1, SR2 und SR3 sowie im TV-Kanal 2 das 1. Programm der ARD. Im Jahre 1965 wurde das Feuerwehrhaus in der Josefstraße eingesegnet. Außerdem stattete am 19. Juni 1965 Willy Brandt, damals noch regierender Bürgermeister der Stadt Berlin und Kanzlerkandidat der SPD, Göttelborn einen Besuch ab und hielt eine Ansprache in der St.-Barbara-Festhalle. Ludwig Erhard, damals Bundeswirtschaftsminister in der Regierung von Kanzler Konrad Adenauer, kam am 27. Juni 1965 gemeinsam mit dem damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder ebenfalls zu einem Wahlkampftermin in die St.-Barbara-Halle. Ein Jahr später, 1966, wurde die evangelische Friedenskirche in der Hauptstraße gebaut.

mini|Neue Schule