mini|hochkant|Das bin ich selbst Rahel Szalit-Marcus (geboren als Rahel Marcus 3. Juli 1892 in Telschi oder Chjenty (?), Gouvernement Kowno, Russisches KaiserreichDer Geburtsort ist unsicher; sowohl für „Chjenty“ als auch für die Schreibweise „Ischgenty“ fehlt eine Identifizierung des Siedlungsnamens für den Bezirk Kaunas. Möglicherweise Šančiai. Als Geburtsjahr wird auch 1894 angegeben; der Vorname war immer Rahel mit h, siehe Unterschrift auf Selbstporträt ; gestorben 1942 im Vernichtungslager Auschwitz) war eine Malerin und Graphikerin in München, Berlin und Paris.

Leben Rahel Marcus wuchs in einer jüdischen Familie bei Kaunas in Russisch-Litauen auf, später in Łódź in Russisch-Polen.Sabine Koller: Mentshelekh un stsenes. 2012, S. 207–231, besonders S. 208–210, mit einigen biographischen Angaben (und einigen unbelegten Vermutungen) Die häusliche Umgangssprache war wahrscheinlich Jiddisch. Ihre Eltern förderten ihre künstlerischen Ambitionen.

Deutschland 1911 kam Rahel Marcus an die Münchener Kunstakademie. Dort traf sie auf die ebenfalls aus Łódź stammenden Maler Henri Epstein und Marcel Słodki sowie auf expressionistische Malerei. Sie studierte auch in Paris und London. Rahel heiratete den Schauspieler Julius Szalit. Dieser trennte sich von ihr 1916, nachdem sie eine Beziehung zu dem Maler Iser Weinberg hatte.

Seit 1916 lebte Rahel Szalit in Berlin, wo sie sich der Malergruppe Berliner Secession anschloss und ab 1918 bei der Novembergruppe aktiv wurde. Sie besuchte auch häufig das Romanische Café. 1919 starb ihr ehemaliger Mann in München durch Suizid.28. August 1919 in München; siehe Deutsches Bühnenjahrbuch, 1920 (1919?), S. 164; Alfred Kerr schrieb am 31. August darüber, er hatte gerade die Nachricht aus München bekommen. Er beschreibt auch eine Begegnung mit Szalit 1918 In den frühen 1920er Jahren illustrierte Rahel Szalit einige Bücher von jiddischen und anderen Autoren. 1928 wohnte sie in Berlin-Charlottenburg in der Stübbenstraße 3.; siehe auch andere Jahre im alphabetischen Namensverzeichnis Rahel Szalit war ab 1929 Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen und war an deren Ausstellungen 1929, 1931 und 1932 beteiligt.Rahel Szalit-Marcus Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 Sie stellte auch in Zürich 1929 und in Frankfurt am Main in Sammelausstellungen aus.Jüdische Künstler unserer Zeit, Ausstellung im Salon Henri Brendle, Katalog, Zürich 1929

Emigration und Tod 1933 emigrierte Rahel Szalit nach Paris. Dort malte sie weiter. Sie verkehrte häufiger im Künstler-Café du Dôme. Am 16. Juli 1942 wurde Rahel Szalit-Marcus durch die französische Polizei inhaftiert.Rahel Szalit-Marcus Artistes juifs de l’École de Paris, mit Angaben zu ihrem Aufenthalt in Frankreich Am 19. August wurde sie mit dem Transport Nr. 21 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Es ist unbekannt, ob sie auf dem Transport oder im Lager starb.

Künstlerisches Schaffen Berliner Zeit mini|hochkant|Illustration zu Mentshelekh un stsenes (1922)

Rachel Szalit-Marcus malte in Berlin zunächst Landschaften und Straßenszenen, wie eine Winterimpression und ein Blick auf die Leipziger Straße.

Ab etwa 1920 illustrierte sie jiddische Bücher von Mendele Moicher Sforim und Shalom Aleichem, sowie Werke von Chaim Nachman Bialik, Heinrich Heine, und weiteren Autoren der Weltliteratur.

Pariser Zeit In Paris malte Rahel-Szalit-Marcus (Kinder-)Porträts, Blumenstücke und Stillleben. Ihre Arbeit dort wird dem Stil der École de Paris der 1930er Jahre zugerechnet.

Ihr Atelier wurde bei ihrer Verhaftung 1942 geplündert und vernichtet.

Erhaltene Werke Von ihren Radierungen und Lithographien sind einige Exemplare erhalten, unter anderem in der Sammlung Gruber in Wittenberg, sowie in den Buchausgaben. Daneben gibt es bisher nur ein erhaltenes Ölgemälde und ein Aquarell.Rachel Szalit-Marcus Artnet

Werke (Auswahl) Grafiken Buchillustrationen mini|hochkant|Buchtitel zu Das Krokodil (1921) Es sind alle bekannten Bücher mit Illustrationen von ihr angegeben. Fjodor Dostojewski: Das Krokodil: ein äusserst sonderbarer Vorfall oder Was in der Passage passierte. Übertragen von Edith Ziegler; mit 12 Original-Lithografien. Kiepenheuer, Potsdam 1921. Fischke der Krumme. Mappe mit 16 Lithographien auf Bütten und einer Einleitung von Julius Elias. Propyläen, Berlin 1922. (nach Text von Mendele Moicher Sforim)Rahel Szalit-Marcus Jüdisches Museum Berlin Mentshelekh un stsenes : zekhtsn tseykhenungen tsu Sholem-Aleykhems verk Motl Peyse dem khazns yingl. Bagleytvort von Bal-Makhshoves. Klal-Farlag, Berlin 1922. (Menschchen und Szenen für das Buch „Motl Peyse“ von Scholem Alejchem) Illustrationen von Rahel Szalit-Marcus und Solomon Gerschow zu Scholem Alejchem Derfner, AusstellungSabine Koller: Mentshelekh un stsenes. Rahel Szalit-Marcus illustriert Sholem Aleichem. In: Jiddistik heute. 2012, S. 207–231 (PDF); die deutsche Schreibweise wäre Mentschelech un szenes (Menschchen und Szenen) Heinrich Heine: Hebräische Melodien. Mit zwölf Lithographien; herausgegeben und eingeleitet von Hugo Bieber. Für die literarische Vereinigung Hesperus, Berlin 1923. Leo Tolstoy: Die Kreutzersonate. Mit 7 Original-Lithographien von R. Szalit-Markus. Sebastian Löwenbuck Akademischer Verlag Berlin, 1922 Charles Dickens: Londoner Bilder. Aus dem Englischen von Ernst Sander. Mit Steinzeichnungen von Rahel Szalit-Marcus und Hans Heinrich Tillgner. Berlin 1923. Chaim Nachman Bialik, Ketina Kol-Bo (קטְינא כּל בּו Kleines Allerlei). Rimon, Berlin 1923 (hebräisch), KinderbuchKetina Kol-Bo mit Titelblatt (bunt)Ketina Kol-Bo WorldCat, mit einigen Bibliotheksnachweisen Nachman Breslover: Sipurei Ma'asiyot (סיפּורי מעשׂיות, Geschichten). Gesammelt von Moshe Kleynman. Rimon, Berlin 1923 (hebräisch)Koller, 2012, S. 210; das Buch ist bibliographisch bisher nicht nachweisbar (kein Eintrag bei WorldCat, Börsenblatt digital), wahrscheinlich auch wegen der hebräischen Schrift; (es ist aber nicht Martin Buber: Die Geschichten des Rabbi Nachman, 1911, mit einigen Neuauflagen (deutsch)) Claude Tillier: Mein Onkel Benjamin. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag, Berlin 1927WorldCat (?) Martin Buber: Kinderbuch. Nicht feststellbarKoller, 2012, S. 210; in der älteren Literatur war ein solcher Titel angegeben, er ist aber nirgends bibliographisch zu finden, möglicherweise war es eine jiddische oder hebräische Ausgabe?

Weitere Grafiken miniatur|Selbstporträt (um 1925?) Das bin ich selbst, Zeichnung, [um 1920?] Die Straße, Lithographie, 1922 Tartarin (Ritt auf dem Kamel), Lithographie, in: Die Schaffenden, IV. Jahrgang, 3. Mappe, Blatt 5, Euphorion-Verlag, 1923, 125 Exemplare (nach Alphonse Daudet, Tartarin von Tarascon) Grafik zu König der Schnorrer von Israel ZangwillKoller, 2012, S. 210, nach älterer Literatur; das Buch erschien nur 1897 und 1909 in deutscher Sprache (und dann später); es muss sich also um eine gesonderte Grafik handeln (oder eine jiddische oder hebräische Ausgabe?), Erhalt ist ungewiss Selbstporträt, Zeichnung, [um 1925?] Johannes R. Becher, Zeichnung, 1928Die neue Bücherschau, 6. 1928, H. 10, Oktober , Erhalt ungewiss

Weitere Werke mini|Die Dorfmusikanten (Les musiciens du village), 1920

Leipziger Straße, 1919/1920, Ölgemälde, verschollenKarl Schwarz: Rahel Szalit-Marcus. In: Ost und West. Heft 3–4, 1920, S. 74–77, hier S. 74/75 Digitalisat, mit Abbildung Die Dorfmusikanten (Les musiciens du village), 1920, Öl auf Leinwand, einziges erhaltenes GemäldeMusicians in the street Mutual Art Jean Digne, Sylvie Buisson: Montparnasse déporté. 2005, Ausstellungskatalog, mit Erwähnung Landschaft (Paysage) (nach 1933?), erhaltenRachel Szalit-Marcus Artnet

Literatur

Monographien Kerry Wallach: Traces of a Jewish Artist. The Lost Life and Work of Rahel Szalit. Pennsylvania State University Press, 2024 (Auszüge), grundlegende Biographie

Aufsätze in Sammelbänden und Zeitschriften Sabine Koller: Mentshelekh un stsenes. Rahel Szalit-Marcus illustriert Sholem Aleichem. In: Marion Aptroot, Efrat Gal-Ed, Roland Gruschka, Simon Neuberg (Hrsg.): Jiddistik heute. Dup, Düsseldorf 2012, S. 207–231 ( PDF); ausführliche Darstellung Jean Digne, Sylvie Buisson: Montparnasse déporté: artistes d’Europe. Ausstellungskatalog. Musée du Montparnasse, Paris 2005 Karl Schwarz: Rahel Szalit-Marcus. In: Ost und West. Heft 3–4, 1920, S. 74–77. Digitalisat

Lexikonartikel

Adrian M. Darmon: Around Jewish Art: A Dictionary of Painters, Sculptors, and Photographers. Carnot, Chatou 2003, S. 206 (Text). Joseph Walk: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1933. 1988. S. 362 Elisheva Cohen: Szalit-Marcus, Rachel. In: Encyclopaedia Judaica. Band 15, 1972, Sp. 656 (Text).

Hersh Fenster: Undzere farpaynikte kinstler, 1951, S. 231–235 (jiddisch), mit 4 Grafiken, einem Foto und einigen biographischen Angaben aus Frankreich Auszüge

Salomon Wininger: Szalit, Rachel. In: Große jüdische National-Biographie. Band 6, Czernowitz 1925, S. 74.

Weblinks

Biographische Angaben Rahel Szalit-Marcus Artistes juifs de l’École de Paris (französisch), mit einzigem Foto, (wahrscheinlich nach Fenster 1951) Rachel Szalit-Marcus Jewish Virtual Library (Encyclopaedia Judaica, 1972, englisch) Biographie auf der Webseite der Sammlung Die Kunst der Verschollenen Generation

Werke Rachel Szalit-Marcus Artnet Rahel Szalit-Marcus Invaluable Rahel Szalit-Marcus Jüdisches Museum Berlin Rahel Szalit Jüdisches Historisches Institut Warschau

Weitere Links Rahel Szalit Marcus, Musée d’art et d’histoire du Judaïsme Center for Jewish History

Einzelnachweise

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