Die Geschichte des Schiffbaus umfasst die technischen und organisatorischen Entwicklungen bezüglich der Planung, des Baus und der Reparatur von Schiffen von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Spätestens mit der Notwendigkeit für Menschengruppen, sich im Rahmen der Nahrungssuche oder auf der Suche nach Lebensraum, Wasser über längere Strecken überqueren zu müssen, erfand der Mensch entsprechende Transportmittel. Es wird angenommen, dass Homo sapiens bereits vor über 50.000 Jahren Wasserfahrzeuge entwickelte.Robert G. Bednarik: Zur Seefahrt im Paläolithikum. In: Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift, Band 49, Nr. 3, 2008, S. 257–270; ifrao.com (PDF; 1,0 MB).Robert G. Bednarik: The origin of navigation and language. In: The Artefact, Band 20, 1997, S. 16–56. Aber bereits vorher, zur Überwindung des Roten Meeres, waren Wasserfahrzeuge erforderlich.Robin Dennell, Michael D. Petraglia: The dispersal of Homo sapiens across southern Asia: how early, how often, how complex? In: Quaternary Science Reviews. Band 47, 2012, S. 15–22. Sogar noch früher muss Homo erectus Entfernungen von über 20 km über Wasser zurückgelegt haben, um zur Sunda-Insel Flores zu gelangen, die nie auf dem Landweg erreichbar war und wo dennoch Homo floresiensis lebte.Robert G. Bednarik: Seafaring in the Pleistocene. In: Cambridge Archaeological Journal, Band 13, Nr. 1, April 2003, S. 41–66, doi:10.1017/S0959774303000039. Ungeachtet der Überwindung trennender Meere wurden bei der Ausbreitung des Menschen immer wieder auch sehr große und teilweise zum Schwimmen zu kalte Flüsse überwunden, die mindestens den zielgerichteten Einsatz von Treibgut nahelegen.V. V. Pitulko, P. A. Nikolsky, E. Yu. Girya, A. E. Basilyan, V. E. Tumskoy, S. A. Koulakov, S. N. Astakhov, E. Yu. Pavlova, M. A. Anisimov: The Yana RHS Site: Humans in the Arctic before the Last Glacial Maximum. In: Science. Band 303, Nr. 5654, Januar 2004, S. 52–56, doi:10.1126/science.1085219.

Das erste nachweisbare Fahrzeug muss jedoch auf circa 6500 v. Chr. datiert werden. Zunächst waren diese Fahrzeuge einfache behauene Baumstämme, später wurden diese immer weiter fortentwickelt, eine Grenze hinsichtlich der Größe war aufgrund der Eigenschaften des Baumaterials Holz zunächst mit den Klippern erreicht. Erst mit der Nutzung von Stahl konnten dann größere Schiffe gebaut werden, die, wie z. B. die Containerschiffe der UASC A18-Klasse, heute bis zu 400 m Länge gebaut werden.

Schiffe sind heute das wichtigste Transportmittel für Massengut. Stückgut wird dabei heutzutage vor allem in Containern auf Containerschiffen transportiert. Das bisher größte je gebaute Schiff der Welt ist das Kranschiff Pieter Schelte mit einer Vermessung von 403.342 BRZ (Bruttoraumzahl). In: Lloyd’s Register Bericht, 1/2015, Titel und S. 4–7 (englisch)

Seit spätestens den 1960er Jahren sieht sich die Passagierschifffahrt zunehmend einem Konkurrenzkampf mit dem Flugverkehr gegenüber und verlagerte sich aus diesem Grund vom reinen Transportmittel vermehrt hin zum Verkehrsmittel, insbesondere im Bereich Erlebnisreisen/Kreuzfahrten. Diese Verlagerung findet auch ihren Ausdruck in der Form, wie die genutzten Schiffe gebaut werden.

Anfänge Als frühe Wasserfahrzeuge werden nicht Einbäume diskutiert, sondern vielmehr Flöße; Paläoanthropologen gehen in Südostasien von Bambusflößen aus.Robert G. Bednarik: Der Beginn der Seefahrt. In: Almogaren, Band 30, 1999, S. 13–34. Doch bleibt der Nachweis indirekt, da man bisher weder archäologische Hinweise auf Schiffe noch Darstellungen aus dieser Zeit kennt.

Vor mindestens 50.000 Jahren (vgl. Die Besiedlung Australiens über Südasien) ist der moderne Mensch nach Australien eingewandert. Dank niedrigerem Meeresspiegel gab es damals zwar kürzere Seewege von Asien nach Australien als heute, über dem Timorgraben mussten aber mehr als 100 km Ozean überquert werden. Dafür waren hochseetaugliche Wasserfahrzeuge nötig. Außerdem war die logistische Leistung erforderlich, Trinkwasser für eine Reise von über 100 km an Bord zu halten. Zum Dritten war ein aktiver Antrieb erforderlich wie Schwimmen oder Paddelbewegungen, da Treibgut die andere Küste verfehlt hätte. Zusätzlich zum Antrieb war auch eine Form der Richtungsfindung (Navigation) erforderlich, da sich die Zielküste jenseits des Horizontes befand.

Die ältesten archäologischen Nachweise von Wasserfahrzeugen sind Einbaum- und Paddelfunde (Paddel von Duvensee) in Nordeuropa, die bis circa 6500 v. Chr. zurückdatiert werden können. Der älteste Nachweis eines Einbaums aus Afrika wird mit 6000 v. Chr. datiert.P. Breunig: The 8000-year-old dugout canoe from Dufuna (NE Nigeria). In: G. Pwiti, R. Soper (Hrsg.): Aspects of African archaeology. Papers from the 10th congress of the Pan African association for prehistory and related studies, University of Zimbabwe publications, Harare 1996, S. 461–468. Der älteste Nachweis eines Segels ist eine Felszeichnung in der Nubischen Wüste, die circa um 5000 v. Chr. entstand. Bis circa 3500 v. Chr. reichen Modelle aus Ägypten zurück.

Von den Ägyptern sind die ältesten größeren Schiffe direkt belegt. Sie wurden vermutlich vorwiegend für den Binnenverkehr auf dem Nil gebaut, später auch für den Seekrieg (Darstellungen von Kriegsschiffen mit Rammsporn und hochgezogenem Achtersteven auf der Insel Syros, 2800 v. Chr.) und für den Fernhandel (Pharao Sahu-Re sandte um 2500 v. Chr. Schiffe nach Syrien, Somalia und Ostafrika).

Ebenfalls aus Ägypten stammt der älteste erhaltene Schiffsfund (Cheops-Bestattungsschiff, 2650 v. Chr.), der von einer bereits ausgereiften Schiffbaukunst zeugt. Das Schiff hatte keinen Kiel und wurde mit Hilfe längs gespannter Taue in Form gehalten. Die Planken aus importiertem libanesischen Zedernholz waren ebenfalls mit Tauen vernäht.

Ein Schiffsfund in Yangshao (China) beweist, dass die Chinesen um etwa 2000 v. Chr. ebenfalls Schiffe bauen konnten und auch Querschotts schon bekannt waren.

Antike

mini|Ägyptisches Schiff (um 1422–1411 v. Chr.) mini|Schiff des Nero auf Alexandrinischer Tetradrachme (66 n. Chr.) Der älteste Nachweis für den Gebrauch von Schiffen in Mesopotamien sind Keilschrifttafeln mit Frachtbriefen für Transporte mit Flößen (Keleks), die um 1900 v. Chr. den Euphrat und Tigris hinabfuhren. Etwa 200 Jahre später unterhielten mesopotamische Stadtstaaten Handelsbeziehungen im ganzen östlichen Mittelmeer. 1200 Tonnen schwere Obelisken, die 1500 v. Chr. über den Nil transportiert wurden, zeugen von gewaltigen Transportschiffen auf dem Nil.

Der mythische kretische König Minos von Knossos soll nach HerodotHerodot, Historien 1,171 und ThukydidesThukydides, Der Peloponnesische Krieg 1,4,1 die erste Thalassokratie über große Teile des Ägäisraums ausgeübt haben. Hierin wird in der Forschung eine Erinnerung an eine Thalassokratie des minoischen Kretas in der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Chr. angenommen. Aus diesem Zeitraum stammt ein Fresko auf der Insel Thera, welches von Kriegsschiffen mit Sporn und hohen Steven zeugt. Jedoch wird in der Forschung bezweifelt, dass die Minoer tatsächlich eine Thalassokratie ausübten.siehe z. B. Philip de Souza: Piracy in the Graeco-Roman World. Cambridge University Press, Cambridge 2002, S. 15 f. ISBN 0-521-01240-6 (Paperback-Ausgabe) Um oder kurz vor 1200 v. Chr. berichtet der hethitische Großkönig Šuppiluliuma II. von einer Seeschlacht, die er erfolgreich gegen die Schiffe der „Feinde Alašijas“ (Zypern) geführt hat.CTH 121 (= KBO 12,38). Es ist damit die erste in zeitgenössischen Quellen bezeugte Seeschlacht im Mittelmeer.Tassilo Schmitt: Vom Ende des Erfolgs. Überlegungen zum Untergang der mykenischen Palastzivilisation. In: Gustav Adolf Lehmann, Dorit Engster, Alexander Nuss (Hrsg.): Von der bronzezeitlichen Geschichte zur modernen Antikenrezeption. In: Syngramma, Band 1. Universitätsverlag Göttingen 2012, S. 121 ff. Um 1180 v. Chr. (im achten Regierungsjahr von Ramses III.) findet die berühmte Seeschlacht zwischen Ramses III. und den Seevölkern statt.

Um 1000 v. Chr. errichteten die Phönizier ein Handelszentrum auf der Insel Kition (Zypern). Aus derselben Zeit stammt auch die Karstad-Bildstein-Schiffsdarstellung in Norwegen, die Wasserfahrzeuge mit Doppelsteven zeigt.

Um 800 v. Chr. – nach antiker Überlieferung 814 v. Chr. – gründeten die Phönizier Karthago und stiegen zur beherrschenden Seemacht des Mittelmeerraums auf. Im 8. Jahrhundert v. Chr. unterschieden die Phönizier deutlich zwischen dem Lastschiff („Gaulos“) und dem Kampfschiff („Hippos“).

Die Besiedlung Siziliens durch die Griechen um 750 v. Chr. zeugt von griechischer Seefahrt. Korinth wurde griechische Seemacht und führte Neuerungen, wie den Riemenausleger, in den Kriegsschiffbau ein. Die Hauptkräfte griechischer Flotten im 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. waren einreihige („Moneren“) Ruderkampfschiffe mit bis zu 50 Ruderern („Pentekoren“).

537 v. Chr. besiegten die Etrusker, die damit das erste Mal als Seefahrer nachgewiesen sind, zusammen mit den Karthagern eine griechische Flotte vor Korsika.

Durch den Sieg in der Seeschlacht bei Salamis 480 v. Chr. stieg Athen zur Seemacht auf. Die dabei verwendeten Schiffe hatten drei Ruderreihen („Triere“) und bildeten zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert v. Chr. die Hauptmacht der Kriegsflotten.

Mit dem Wachstum Athens zur Großstadt im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde es nötig, zusätzliches Getreide über den Seeweg zu beschaffen. Der Seehandel weitete sich von Luxus- auf Massengüter aus. Später war auch Rom auf Getreidelieferung über See angewiesen.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Rom Seemacht und beherrschte nach einer Reihe von Siegen über Karthago den gesamten Mittelmeerraum. Bis auf Details wie die Enterbrücke führte Rom kaum Neuerungen in den Schiffbau ein. Der antike Mittelmeerschiffbau war technisch ausgereift und hatte sein Entwicklungspotenzial erschöpft. Schiffe wurden kraweelbeplankt und rahgetakelt. Der Rumpf war mit Kiel und Spanten versteift. Vor- und Achtersteven waren hochgezogen, Kriegsschiffe waren deutlich schlanker als Handelsschiffe und führten in oder unter der Wasserlinie einen Rammsporn. Gesteuert wurden die Fahrzeuge über zwei Seitenruder.

Nachfolgeentwicklungen wie die byzantinische Dromone, die durch den Einsatz des Griechischen Feuers noch mal kampfwertgesteigert werden konnte, wurden bis ins 12. Jahrhundert gebaut, wo sie dann von den moderneren Galeeren endgültig abgelöst wurden.

In Nordeuropa entwickelten sich Boote und später Schiffe aus Einbäumen, die durch zusätzliche Plankengänge in Breite und Höhe vergrößert wurden. Erste größere Fahrzeuge besaßen einen flachen Boden und keinen Kiel und wurden in Kraweelbauweise gefertigt. Diese Entwicklung ist durch eine Reihe von Funden (Hjortspringboot, 350 v. Chr.; North-Ferriby-Schiffsfund, 150 v. Chr.; Blackfriars-Schiffsfund, New Guyse-Schiffsfund, beide 2. Jahrhundert) belegt.

Mittelalter mini|Hansekogge von 1380 im DSM Die Funde von Nydam (3. Jahrhundert) und Björke (4. Jahrhundert) markieren einen Wendepunkt im nordeuropäischen Schiffbau, da diese in Klinkerbauweise gefertigt wurden, was bis zum späten Mittelalter die vorherrschende Bauart im Nord- und Ostseeraum bleiben sollte. Während der Björkefund noch deutlich als Einbaum mit Plankengängen zu erkennen ist, bildet das Nydamschiff aufgrund seiner Größe und Bauart (hochgezogene Vor- und Achtersteven, Querspanten, genagelte Planken) einen direkten Vorläufer der Wikingerschiffe. Allerdings besitzt das Nydamschiff keinen Mastfuß und wurde daher ausschließlich gerudert.

Die Funde von Brügge (6. bis 7. Jahrhundert) und Kvalsund (7. Jahrhundert) zeigen einen Mastfuß und waren daher sowohl Ruder- als auch Segelschiffe. Diese waren bis zum späten Mittelalter einmastig und verwendeten ein großes Rahsegel. Gesteuert wurden sie über ein Seitenruder.