mini|Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee im Dezember 2013

Die Moschee Rābiʿa al-ʿAdawiyya (), nach der ägyptisch-Arabischen Aussprache auch Moschee der Rabaa El-Adaweya, liegt am nördlichen Rand des Kairoer Stadtteils Nasr City. Sie wurde nach der Heiligen Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaysiyya benannt, einer Sufi-Mystikerin des 8. Jahrhunderts. Der Ort wurde 2013 Schauplatz des nach ihm benannten Massakers.

Lage mini|Lage der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee als Zentrum der Antiputschproteste von 2013 im Osten Kairos Die Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee befindet sich in Nasr-City (Nasr zu Deutsch „der Sieg“), einem östlich gelegenen Stadtteil Kairos, der als schachbrettmusterartig angelegte Satellitenstadt mit breit angelegten Straßen die größte Konzentration militärischer Einrichtungen und subventionierten Wohnraums für Militärangehörige in Kairo aufweist, darunter (Stand: 2007) das Verteidigungsministerium, das Hauptquartier der Armee, die Militärakademie, der Sitz der Geheimpolizei, verschiedene Offiziersclubs, Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes sowie mehrere im Besitz des Militärs befindliche Hotels., der Überblick, 03/2007, Seite 90, von Mona Abaza, archiviert vom Original. An der Nasrstraße befindet sich das Grab von Anwar Sadat und der anlässlich der Verluste im Jom-Kippur-Krieg errichtete Pyramidenbogen des Denkmals des Unbekannten Soldaten. In Nasr-City befinden sich mit dem Hauptsitz des ägyptischen Geheimdienstes auch die berüchtigten unterirdischen Gefängnisse, wo die Muslimbrüder nach dem Putsch vom 3. Juli 2013 viele ihrer Anhänger in Haft vermuteten., Zeit Online, 7. Dezember 2013, von Paul Nehf, archiviert vom Original.

Die Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee selbst steht in der Mitte des nach ihr benannten Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Platzes und ist von Wohn- und Regierungsgebäuden umgeben, einschließlich eines Militärstützpunktes im nordöstlichen Quadranten des Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Platzes, des Straßenverkehrsamtgebäudes des Innenministeriums im östlichen Teil der Nasrstraße und eines Gebäudes des Verteidigungsministeriums an der südwestlichen Ecke des Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Platzes. (englisch; PDF: 3,42 MB), Human Rights Watch, 12. August 2014, Seite 33, archiviert vom Original.

Der Platz und damit die Moschee liegt auf dem Schnittpunkt der Nasrstraße, einer die Innenstadt mit dem internationalen Flughafen Kairos verbindenden Hauptverkehrsader, mit der Tayaranstraße.

Geschichte

In der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee fand die Bestattungsfeier für Staatspräsident Anwar Sadat statt, (engl.) der bei einer auf der breiten Nasr-Straße im Jahr 1981 stattfindenden Militärparade durch ein Attentat radikalislamistischer Offiziere getötet wurde.

Im Jahr 2004 fand in der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee die Bestattungsfeier für Ma'mun al-Hudaybi Banna, Oberhaupt der Muslimbruderschaft, vor 25.000 Trauergästen statt.

Seit Ende Juni 2013 war der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Platz mit der Moschee der wichtigste Aufmarschplatz der Muslimbrüder., Spiegel Online, [ohne Datum], archiviert vom Original; Abbildung eingebettet in: , Spiegel Online, 16. August 2013, von Ulrike Putz, archiviert vom Original. Im Vorfeld des Militärputsches vom 3. Juli 2013 unter Führung des späteren ägyptischen Staatspräsidenten Abd al-Fattah as-Sisi gegen die erste frei gewählte ägyptische Regierung des Muslimbruders Mohammed Mursi wurde auf einem Treffen der Islamischen Allianz, einer Koalition islamistischer politischer Parteien unter Führung der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei (FJP), ein Sit-in an der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee angekündigt, die ein traditioneller Treffpunkt für Mursi-Unterstützer war. „Unbefristeten Demonstrationen“ unter offizieller Teilnahme der FJP begannen am 28. Juni unter dem Titel „Legitimität ist eine Rote Linie“, während Demonstrationen gegen Mursi und seine Politik am Tahrir-Platz starteten. (englisch). Ahram Online, 28. Juni 2013, von Osman El Sharnoubi, archiviert vom Original. (englisch; PDF), Nazra for Feminist Studies, 10. September 2013, archiviert vom Original. Islamistische Persönlichkeiten und Anhänger der Muslimbruderschaft versammelten sich zu Tausenden für die Freitagsgebete am 28. Juni um die Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee und verkündeten das Sit-in in Solidarität mit dem gewählten Präsidenten und seiner demokratischen Legitimität.

Nach dem Militärputsch vom 3. Juli 2013 wurde die nur wenige Kilometer vom Präsidentenpalast entfernte Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee mit der Verkündung des unbefristeten Sit-ins zum Zentrum der Proteste gemacht. (englisch; PDF: 3,42 MB), Human Rights Watch, 12. August 2014, Seite 31, archiviert vom Original., Spiegel Online, 27. Juli 2013, archiviert vom Original. Um die Moschee bildete sich innerhalb einer Woche eine ausgedehnte Zeltstadt, in der über mehrere Monate hinweg Zehntausende Putschgegner kampierten und die Rückkehr des vom Militär gestürzten Staatspräsidenten forderten. (englisch). The Guardian, 22. Februar 2014, von Patrick Kingsley, archiviert vom Original. Am 5. Juli 2013, als die Sicherheitskräfte der Putschisten laut Human Rights Watch in einer „außergerichtlichen Massenhinrichtung“ fünf Demonstranten töteten, (englisch). Cairo Institute for Human Rights Studies, 10. Dezember 2013, archiviert vom Original. (englisch). Human Rights Watch, 10. Dezember 2013, archiviert vom Original. (englisch). Reuters Edition U.S., 10. Dezember 2013, von Tom Perry, archiviert vom Original. trat der aufgrund einer Behauptung der Militärführung inhaftiert geglaubte Vorsitzende der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, auf dem Gelände rund um die Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee mit einem Aufruf an die dort versammelten Menschen auf, mit der Demonstration bei der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee den demokratischen Prozess zu verteidigen, bis Mursi wieder als Präsident eingesetzt sei., euronews, 5. Juli 2013, archiviert vom Original. Der Tagesspiegel, 5. Juli 2013, von Martin Gehlen, archiviert vom Original. In der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee war eine Event-Halle zu einem Medienzentrum für die Demonstranten umfunktioniert worden. (englisch). al-monitor.com, 1. August 2013, von Maged Atef, archiviert vom Original. Originalartikel erschienen als: "اقرا المقال الأصلي باللغة العربية".

Aus dem Gebetsraum des Hofs der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee heraus wurde das für die Behandlung von Verwundungen und für die Durchführung einfacher Operationen ausgestattete Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Krankenhaus der Demonstranten betrieben, in dem Anfang August 2013 nach Angaben eines Arztes 20 in Schichten arbeitende Ärzte 40 Betten versorgten, nachdem Ärzte bereits Anfang Juli auf dem Gelände der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee ein provisorisches Feldlhospital mit sechs Betten Zur Behandlung einfacher Krankheiten wie Grippe und Hitzschlag eingerichtet hatten. Während der Massentötung auf dem Gelände der Republikanischen Garde in Kairo vom 8. Juli 2013, bei der laut Human Rights Watch Sicherheitskräfte der Putschisten das Feuer auf eine Gruppe friedlich demonstrierender Mursi-Unterstützer eröffneten und in einer „außergerichtlichen Massenhinrichtung“ mindestens 61 Demonstranten töteten, wurden dann über 150 getötete und verwundete Demonstranten zur Versorgung zum darauf nicht ausgelegten Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Feldhospital an der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee gebracht. (englisch). The Guardian, 18. Juli 2013, von Patrick Kingsley (und Guardian Graphics), archiviert vom Original. (englisch). The Guardian, 18. Juli 2013, von Patrick Kingsley (Videobearbeitung: Leah Green), archiviert vom Original.

Am 27. Juli 2013 griffen Sicherheitskräfte des Putschregimes eine Demonstration von Mursi-Unterstützern des Protestcamps auf der Nasr-Straße in der Nähe der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee an und töteten mindestens 95 Menschen in einer von Human Rights Watch als „außergerichtliche Massenhinrichtung“ bezeichneten Aktion, die das „schlimmste staatlich geführte Massaker im Land seit dem Sturz Husni Mubaraks“ (Patrick Kingsley/The Guardian) darstellte. (englisch; PDF: 3,42 MB), Human Rights Watch, 12. August 2014, S. 13, archiviert vom Original. (englisch). The Guardian, 27. Juli 2013, von Patrick Kingsley, archiviert vom Original. (englisch). Asharq al-Awsat, 27. Juli 2013, archiviert vom Original. Dabei handelte es sich um das zweite Massaker der Sicherheitskräfte an Mursi-Unterstützern innerhalb von zwei Wochen. Noch am selben Tag berichtete ein BBC-Reporter vor Ort von der Rābiʿa-al-ʿAdawiyya-Moschee als „Epizentrum der Krise“., BBC News, 27. Juli 2013, archiviert vom Original. Teilweise wurde die Massentötung vom 27. Juli bereits als „Rābiʿa-Massaker“ bezeichnet, (englisch). The Daily Beast, 29. Juli 2013, von Sophia Jones, archiviert vom Original. das jedoch von der zweieinhalb Wochen später erfolgten und auch von internationalen Menschenrechtsorganisationen „Rābiʿa-Massaker“ genannten Massentötung von Demonstranten durch die Sicherheitskräfte zu unterscheiden ist.