Helmut „Helli“ Wagner (* 19. März 1939 in Telfs) ist ein österreichischer Allround-Alpinist, Extremkletterer und Bergführer.
Biografie Der Allround-Alpinist und Extrembergsteiger begann bereits als Vierzehnjähriger mit ersten Klettertouren auf die Hochwand und Hohe Munde in den Mieminger Bergen. Schon nach wenigen Jahren bewältigte er die Schüsselkarspitze im Wettersteingebirge im VI. Schwierigkeitsgrad. In seiner näheren Umgebung – Mieminger Berge, Wetterstein, Karwendel, Kalkkögel, Wilder Kaiser, Stubaier, Ötztaler und Zillertaler Alpen – sammelte er viel Erfahrung in Fels und Eis. 1956 wurde er Mitglied der Telfer Klettergilde, dort fand er in Helmut Baldauf einen Seilgefährten und Freund. Mit 18 Jahren wurde er Mitglied im Innsbrucker Alpin Klub „Die Karwendler“. im von Hans Föger; abgerufen am 2. April 2015, 17:51Messner, Rudatis, Varale 1974, S. 112 u. 155
Trotz der damaligen bescheidenen Mobilität und Ausrüstung eignete er sich die notwendige Klettertechnik und Kenntnis in behelfsmäßiger Bergrettungstechnik erfolgreich an. 1959 kam er auf Einladung der École nationale des sports de montagne (ENSA) für 14 Tage nach Chamonix.; abgerufen am 2. April 2015, 18:28 Schon in den 1960er-Jahren zählte Helmut Wagner zu den „stärksten Tiroler Spitzenalpinisten“.Auffermann 2012, S. 167
1961 erhielt Wagner beim Hauptverein des Österreichischen Alpenvereins eine Anstellung zur Kontrolle und bedarfsgerechten Ausstattung der 450 Schutzhütten des ÖAV und DAV mit Bergrettungsgerät. Von Bregenz bis Wien besuchte er alle 450 Schutzhütten und bestieg dabei zahlreiche Gipfel. Gleichzeitig war Wagner sieben Jahre ehrenamtlicher Landesausbildungsleiter des Österreichischen Bergrettungsdienstes Tirol. 1970 erhielt er das Bergführer-Diplom.Auffermann 2010, S. 189
Als Bergsteiger, Berg- und Skiführer bestieg Helmut Wagner sämtliche Viertausender der Alpen und alle namhaften Wände in den höchsten Schwierigkeitsgraden wie den Walkerpfeiler an der Grandes-Jorasses-Nordwand, die Matterhorn-Nordwand oder den Frêney-Pfeiler am Mont Blanc. In den Zillertaler-Alpen gelang ihm mit 210 cm langen Tourenskiern die 1. Ski-Befahrung der nahezu 1000 Meter hohen und bis zu 60 Grad steilen Hochferner-Nordwand.
Unter schwierigsten Wetterbedingungen schaffte er zusammen mit Rolf Walter die 1. Winter-Begehung der Laliderer-Nordverschneidung und der Direkten Laliderer-Nordwand im Jänner 1964. Wagner hat sich dabei auf die schwierigen Winterbegehungen spezialisiert. Weitere große Touren dieser Zeit umfassen Grandes Jorasses – Walkerpfeiler, Matterhorn-Nordwand sowie Montblanc – Frêneypfeiler.Auffermann, Kammerlander 2014, S. 259 Einen besonderen Gipfelsieg konnte Wagner im Himalaya verzeichnen: Gemeinsam mit Peter Vogler und Gerhard Baur bestieg er 1975 den Kangchendzönga-Westgipfel Yalung-Kang () im Rahmen einer Expedition des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins.Sturm 1975, S. 45 u. 127
1977 gründete Helmut Wagner die Bergsteigerschule Wetterstein. In seiner zehnjährigen Tätigkeit als Bergführer durchstieg er weiterhin große Alpenwände und vervollständigte somit seine Sammlung aller 4000er-Massive in den Alpen.Auffermann 2010, S. 190
2019 veröffentlichte Helmut Wagner seine Biografie Berge. Mein Leben. Es berichtet über die jüngere Tiroler Alpingeschichte und gibt Einblick in das Bergsteiger-Leben des Autors. Im Buch behandelt er das Tabuthema „Doping am Berg“.
Helmut Wagner lebt mit seiner Frau Dora in Telfs in Tirol, Österreich.
Auszeichnungen Sportehrenzeichen der Marktgemeinde Telfs Sportehrenzeichen des Landes Tirol 1978
Wichtige Touren 1958 – Erste Solo-Begehung der Scharnitzspitze (), Südwand „Spitzenstätter/Baldauf“ (VI-), Wettersteingebirge 1959 – Grand Capucin (), Ostwand „Bonatti/Ghigo“, mit Helmut Baldauf, Mont-Blanc-Gruppe 1960 – Große Zinne (), Nordwand-Direttissima (VI+), mit Helmut Baldauf, Dolomiten; Westliche Zinne (), Nordwand „Franzosen-Führe“ (VI+/A3), 15. Begehung mit Helmut Baldauf, Dolomiten 1961 – Erste Winterbegehung des Großen Bettelwurfs (), Nordwand (V), mit Walter Larcher und Ernst Knapp, Karwendel 1962 – Matterhorn (), Nordwand „Schmid-Route“, mit Helmut Baldauf, Walliser Alpen; Grandes Jorasses (), Nordwand „Walkerpfeiler“, mit Helmut Baldauf, Mont-Blanc-Gruppe 1963 – Erstbegehung der Hohen Wand (), direkte Südwand (VI+), mit Peter Konzert, Mieminger Gebirge 1964 – Erste Winterbegehung der Laliderer-Nordverschneidung (VI+), mit Rolf Walter; erste Winterbegehung der Laliderer Spitze (), direkte Nordwand, „Rebitsch/Spiegl/Rainer“ (VI), mit Rolf Walter, Karwendel; erste Schibefahrung der Nordwand Hochfernerspitze (), mit Ander Hörtnagl, Zillertaler Alpen 1967 – Erstbegehung der Scharnitzspitze (), Südwand „Telferweg“ (VI/A2), mit Sigfried Aeberli und Rudolf Estmeister, Wettersteingebirge; Aiguille du Dru (), Westwand „Magnone-Führe“ (VI-/A2), mit Hans Gasteiger, Mont-Blanc-Gruppe 1968 – Große Zinne (), Nordwand-[Direttissima (Klettern)|Superdirettissima] (VI+/A2), mit Rolf Walter, Dolomiten 1970 – Piz Cengalo (), Nordpfeiler „Cengalo-Pfeiler“ (VI-), mit Ivor Ganahl, Bergell; Les Droites (), Nordwand „Cornuau-Daville“, 5. Begehung, mit Ivor Ganahl, Mont-Blanc-Gruppe 1971 – Piz Ciavazes (), Südwand „Pit Schubert“ (VI), mit Rolf Walter, Dolomiten 1972 – Piz Badile (), Nordost-Wand (VI-), mit Siegfried Aeberli, Bergell; Aiguille Noire de Peuterey (), Westwand „Ratti/Vitali“ (VI-), mit Ivor Ganahl, Mont-Blanc-Gruppe 1973 – Cima Scotoni (), Westwand „Lacedelli/Ghedina“ (VI+), mit Ivor Ganahl, Dolomiten; Pilastro Tofana di Rozes (), Südost-Kante „Constantini/Ghedina“ (VI), mit Ivor Ganahl, Dolomiten; Civetta – Quota IGM (), Nordwest-Wand „Philipp/Flamm“ (VI), mit Herman Heinzle, Dolomiten; Torre Trieste (), Südwand „Carlesso/Sandri“ (VI+), mit Hermann Heinzle, Dolomiten; Marmolada di Rocca (), Südwand „Vinatzer/Castiglioni“ (VI), mit Hermann Heinzle, Dolomiten 1974 – Gletscherhorn (), 2. Begehung der Nordwand „Riss/Etter/Jaun“, mit Hermann Heinzle, Berner Oberland; Grand Pilier d’Angle (), 3. Begehung der Nordwand „Cechinel/Nomine“, mit Ivor Ganahl, Mont-Blanc-Gruppe; Mont Blanc (), Frêney-Zentralpfeiler „Bonington“ (VI-), mit Ivor Ganahl, Mont-Blanc-Gruppe 1975 – Kangchendzönga, 2. Begehung des Westgipfels „Yalung Kang“ (), mit Peter Vogler und Gerhard Baur, Himalaya 1978 – Eiger (), Nordost-Wand „Lauper“, mit Kurt Lyncke, Berner Oberland; 1. vollständige Begehung der Hohen Munde (), direkte Südwand, (VI), mit Manfred Abelein 1985 – Winterbegehung der Ortler Nordwand (), mit Kurt Lyncke, Ortler-Alpen 1986 – Monte Rosa – Signalkuppe (), Ostwand „Macugnaga-Wand“, mit Traudl Kraus, Walliser Alpen 1989 – Mont Blanc du Tacul (), Nordost-Flanke „Gervasutti Couloir“, mit Traudl Kraus, Mont-Blanc-Gruppe
Literatur
Helmut Wagner: Berge. Mein Leben. Biografie. Telfs Eigenverlag 2019, ISBN 978-3-200-06618-2.
Weblinks Offizielle Website von Helmut Wagner Eintrag zu Helmut Wagner im Alpinwiki
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