Kröpelin ist eine amtsfreie Kleinstadt und ein GrundzentrumRegionales Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock 2011 - Zentralorte und perspektivische Entwicklung, Planungsregion MMR, abgerufen am 12. Juli 2015 im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland).
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt zwischen den Hansestädten Wismar und Rostock und mit bis zu 80 m ü. NHN für die Nähe zur ca. 12 km entfernten Ostsee ungewöhnlich hoch. Grund dafür ist der sich zwischen Kühlungsborn an der Küste und Kröpelin erstreckende waldreiche Höhenzug der Kühlung, der im Diedrichshagener Berg eine Höhe von 129,7 m ü. NHN erreicht.
Stadtgliederung Zu Kröpelin gehören folgende Ortsteile:Hauptsatzung der Stadt Kröpelin
Nachbargemeinden Umgeben wird Kröpelin von den Nachbargemeinden Kühlungsborn und Wittenbeck im Norden, Steffenshagen und Reddelich im Nordosten, Retschow im Osten, Satow im Süden, Carinerland im Südwesten, Biendorf im Westen sowie Bastorf im Nordwesten.
Geschichte mini|hochkant|Stadtkirche mini|Fachwerkhaus am Markt Name und Wappen Der Ortsname ist slawischen Ursprungs („crepelita“ – Wachtelfeld oder „crepelice“ – Wachtelort). Die Namensherleitung über den Begriff Krüppel ist Volksetymologie. Das Wappen ist ein redendes Wappen, dem nicht die Sprachwurzel zugrunde liegt, sondern die bildhafte Umsetzung des Stadtnamens.
Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1177 als Crapelin. Das Kirchdorf wurde als Doberaner Klosterbesitz 1186 ausgewiesen. Aus einem deutschen Dorf bei der alten slawischen Siedlung entstand eine in Ost-West-Richtung ausgerichtete regelmäßige Stadtanlage. In einer Schenkungsurkunde des Fürsten Heinrich Borwin III. wurde Kröpelin erstmals am 25. August 1250 als Stadt (oppidum) bezeichnet. Die Verleihung des lübischen Stadtrechts wird für das Jahr davor, also 1249, angenommen. Daher entschied man sich, die runden Stadtjubiläen jeweils ein Jahr zuvor zu feiern, so 1999 die 750-Jahr-Feier.
Kröpelin wurde eine Landstadt in Mecklenburg und war bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten. Die Stadtkirche stammt mit dem Chor aus dem 13., dem Langhaus aus dem 14. und dem Turm aus dem 15. Jahrhundert. Das Turm-Obergeschoss und der Turmhelm wurden 1883 errichtet.
Seit dem 19. Jahrhundert Zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich Juden in Kröpelin an, die sich 1821 in den Kahlwiesen einen eigenen Friedhof anlegten. Beim Novemberpogrom 1938 wurde dieser von den Nazis geschändet und verfiel danach, bis seine Reste später als Gedenkort mit einem Gedenkstein versehen wurden, der an die jüdischen Opfer des Faschismus in der Shoa erinnert.
Von 1952 bis 2011 gehörte Kröpelin zum Kreis Bad Doberan (bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–2011 im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit 2011 liegt die Stadt im Landkreis Rostock.
Innenstadt und Rathaus wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 gründlich saniert.
Bis zum 13. Juni 2004 war die Stadt Mitglied und Sitz des Amtes Kröpelin.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Brusow und Detershagen eingegliedert. Altenhagen, Jennewitz und Schmadebeck kamen am 13. Juni 2004 hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 4431 1995 4331 2000 4211 2005 5029 2010 4745 2015 4787 Jahr Einwohner 2020 4789 2021 4811 2022 4834 2023 4825 2024 4899
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl 2005 ist auf die Eingemeindung von drei Orten im Jahr 2004 zurückzuführen.
Politik Stadtvertretung mini|Rathaus Die Stadtvertretung von Kröpelin besteht aus 17 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,0 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählergemeinschaft Kröpelin (FWG) 28,0 % 5 40,0 % 7 CDU 38,4 % 6 34,8 % 6 SPD 15,1 % 3 9,8 % 2 Einzelbewerber Roman Briesemeister – – 5,3 % 1 Die Linke 12,2 % 2 5,1 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 6,3 % 1 2,5 % – Einzelbewerberin Susanne Pfennig – – 1,5 % – Einzelbewerber Paul Kutzbach – – 1,1 % – Insgesamt 100 % 17 100 % 17
Bürgermeister 1785–1827: Daniel Konrad Heinrich CieseGrete Grewolls: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern. Das Personenlexikon. Hinstorff Verlag, Rostock 2011, ISBN 978-3-356-01301-6, S. 86 1827–1833: Konrad August Ackermann 1833–1850: Andreas Burchard Röper 1850–1852: Julius Störzel 1852–1855: Johann August Friedrich Otto Schultz 1855–1872: Ludwig Karrig 1872–1878: Ludwig August Theodor Busch 1879: Adolf Weltzin 1879–1900: Rudolf Karl August Louis Schmidt (kommissarisch) 1899–1900: Lange 1900–1935: Friedrich Pfenningsdorf 1935–1945: Hans Kähler 1945: Alex Michaels 1945: Karl Hillgraf 1945–1946: Hans Bülow 1946–1948: Hans Nünke 1948–1949: Erich Raabe 1949–1952: Martin Ziggel 1952–1954: Horst Didzus 1954–1957: Siedler 1957–1974: Hans Kickbusch 1974–1990: Franz Zielinski 1990–1999: Karl-Heinz Schwarck (SPD) 1999–2008: Paul Schlutow 2008–2014: Hubertus Wunschik (Grüne) seit 2017: Thomas Gutteck (parteilos)
Gutteck wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Februar 2017 ohne Gegenkandidat mit 90,6 % der gültigen Stimmen gewählt. In: Ostsee-Zeitung, 27. Februar 2017. Am 9. Juni 2024 wurde er mit 81,9 % der gültigen Stimmen (wieder ohne Gegenkandidat) für weitere sieben Jahre in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024
Wappen Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin festgelegt und unter der Nr. 66 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Am 24. März 1997 beschloss die Stadtvertretung, das heutige Wappen einzuführen, das am 8. Juni 1999 durch das Innenministerium genehmigt wurde.
Das Wappen wurde von dem Weimarer Michael Zapfe neu gezeichnet und in Details farblich geändert.
Flagge mini|Flagge der Stadt Kröpelin Die Flagge der Stadt Kröpelin ist quer zur Längsachse des Flaggentuchs gestreift von Blau, Weiß und Blau. Die blauen Streifen nehmen je ein Fünftel, der weiße Streifen nimmt drei Fünftel der Länge des Flaggentuchs ein. In der Mitte des weißen Streifens – fünf Neuntel der Länge desselben einnehmend – liegt das Stadtwappen. Die Länge des Flaggenstücks verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.
Städtepartnerschaften Seit 1990 besteht eine Partnerschaft mit den niedersächsischen Gemeinden Hude und Schwarmstedt sowie mit der französischen Stadt Arnage, einem südlichen Vorort von Le Mans im Département Sarthe. 2003 wurde eine Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Włoszakowice im Powiat Leszczyński geschlossen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Blick vom Markt auf die Mühle Bauwerke
Stadtkirche Kröpelin, gotische Backsteinkirche mit zweijochigem Chor aus dem 13. Jahrhundert und einschiffigem dreijochigen Langhaus aus dem 14. Jahrhundert. Der Turm aus dem 15. Jahrhundert erhielt 1883 ein neues Obergeschoss und einen Turmhelm. Das Bronze-Taufbecken wird auf das Jahr 1508 datiert, die barocke Kanzel auf 1786, die neugotische Altarwand auf 1857 und die Orgel auf 1845. „Versenkbare“ Windmühle von 1904 in Kröpelin. Wenn man mit dem Auto vom Markt in Kröpelin in Richtung Bad Doberan fährt, entsteht der Eindruck, die Galerieholländer-Windmühle verschwinde in den Boden und tauche dann wegen des Wechsels von Hügel und Senke wieder auf. Erdholländermühle von 1876 (nördlich davon) ohne Flügel und Windrose, als Wohnung genutzt Herrenhaus Wichmannsdorf, bis 2007 saniert (Architekt: Paul Korff).
mini|hochkant|Gebäude Hauptstraße 5 mit Stadtbibliothek, Stadtmuseum und Ostrockmuseum mini|hochkant|Galerie-Holländerwindmühle Kultur Stadtbibliothek, Stadtmuseum, im Juli 2015 eröffnetes Ostrockmuseum, Hauptstraße 5 Dorfrock in Schmadebeck (seit 1996 jährlich), bei dem vor allem bekannte Ostrock-Bands auftreten
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Im am westlichen Ortseingang der Stadt Kröpelin gelegenen Gewerbegebiet sind mehrere Betriebe der Bereiche Dienstleistungen (Tourismus) und Produktion (metallverarbeitendes Gewerbe) tätig. Für Menschen mit Behinderungen wurden ca. 170 Arbeitsplätze in den Kröpeliner Werkstätten geschaffen. Weiterhin spielt die Landwirtschaft traditionell eine gewichtige Rolle. So existiert unter anderem eine Milchviehanlage in Ortsrandlage. Die Betriebe in Kröpelin sind ausschließlich mittelständische und Einzelunternehmen.
Sendeanlage
Nördlich des Ortsteils Diedrichshagen bei 54°6'23" nördlicher Breite und 11°45'58" östlicher Länge befindet sich eine Sendeanlage der Deutschen Telekom AG. Als Antennenträger kommt ein 97 Meter hoher, abgespannter Stahlfachwerkmast zum Einsatz. Es werden die folgenden Programme abgestrahlt:
Sendername Frequenz ERP NDR 1 MV 94,3 MHz 0,2 kW N-Joy 103,7 MHz 5 kW
Verkehr Kröpelin liegt an der Bundesstraße 105 (Rostock–Wismar), an den Landesstraßen L 11 (Kühlungsborn–Kröpelin–Bützow) und L 122 nach Rerik. 15 Kilometer südlich der Stadt befindet sich die gleichnamige Anschlussstelle Kröpelin an der Ostseeautobahn A 20.
Der Ort verfügt über einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Wismar–Rostock. Er wird von der Regionalbahnlinie RB 11 (Wismar–Rostock–Tessin) bedient.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Johann Heinrich Reinecke (1755–1839), Jurist Conrad August Ackermann (1791–1861), 1827 bis 1833 Bürgermeister; Jurist, Schriftsteller und Freimaurer Johann Gottfried Tiedemann (1803–1850), Buchdrucker Christoph Hävernick (1810–1845), Theologe Johann Gustav Gildemeister (1812–1890), Orientalist, geboren in Klein-Siemen Carl August Ackermann (1829–1913), Polizeirat und Herausgeber Carl Malchin (1838–1923), Maler Heinrich Klenz (1860–1925), Literaturwissenschaftler Helmuth Borck (1863–1933), Mediziner Wilhelm Lesenberg (1885–1914), Kunsthistoriker Wilhelm Selke (1893–1945), Gewerkschafter Manfred Oeming (* 1955), Theologe
Mit Kröpelin verbundene Persönlichkeiten Walter Schmidt (1858–1925), Jurist, Gerichtsassessor in Kröpelin Friedrich Pfenningsdorf (1870–1945), Bürgermeister von Kröpelin Irmfried Liebscher (1901–1973), deutscher Keramiker, lebte ab 1946 in Kröpelin Christofer Hameister (* 1994), Rundfunk- und Fernsehmoderator
Literatur Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich, Handbuch zur Stadtentwicklung im Nationalsozialismus, Edition Temmen, Hrsg. Institut für Zeitgeschichte München, Bremen 2011, S. 240ff.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Rostock
Kategorie:Ersterwähnung 1177 Kategorie:Stadt in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1249