mini|Triftern von Osten mini|hochkant|Die Pfarrkirche St. Stephanus Triftern ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn.
Geografie Geografische Lage Triftern liegt im Isar-Inn-Hügelland am Altbach in einem kleinen Seitental der Rott etwa sieben Kilometer südöstlich der Kreisstadt Pfarrkirchen, zwölf Kilometer südwestlich von Bad Birnbach, 28 km westlich von Pocking, 17 km nördlich von Simbach bzw. 18 km von Braunau sowie 20 km östlich von Eggenfelden. Die nächstgelegene Bahnstation ist der fünf Kilometer entfernte Haltepunkt Anzenkirchen an der Bahnstrecke Passau–Neumarkt-Sankt Veit.
Gemeindegliederung
Es gibt 95 Gemeindeteile:
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Zahlreiche Funde aus der Steinzeit und der Bronzezeit verweisen auf eine vorgeschichtliche Besiedelung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Truftara während der Regierungszeit des Bischofs Reginhar von Passau (818–838). Der Name wird von althochdeutsch trufteren (hin- und herschwingen) abgeleitet und findet sich im Wort Trift (Holztransport). Nach Truftrin, Truftiren, Truftern, Trüftern und Trifftern ist Triftern erst ab 1797 bezeugt.
Das Marktrecht wurde dem Ort 1388 verliehen. Der Nachweis hierüber ist ein Giltverzeichnis von 1388, das als Urkunde den Nachweis über die Markterhebung bringt. Am 25. April 1486 erhielt der Markt Triftern von Herzog Georg dem Reichen das Wappenrecht. Der Markt gehörte zum Rentamt Landshut und zum Landgericht Pfarrkirchen des Kurfürstentums Bayern. Triftern besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten. Im Jahr 1806 wurde dem Markt die Justizgewalt genommen. Triftern bildete einen eigenen Steuerdistrikt. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. 1860 wurde die Wiedereinführung der magistratischen Verfassung erlaubt.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden in den Markt Triftern am 1. Januar 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Lengsham, Voglarn und Wiesing, am 1. Januar 1972 Anzenkirchen eingegliedert. Am 1. Januar 1976 kamen Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Ulbering hinzu. Neukirchen bei Pfarrkirchen folgte am 1. Mai 1978.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 4987 auf 5248 um 261 Einwohner bzw. um 5,2 %. 1961: 5175 Einwohner 1970: 5075 Einwohner 1987: 5012 Einwohner 1991: 5148 Einwohner 1995: 5250 Einwohner 2000: 5375 Einwohner 2005: 5415 Einwohner 2010: 5208 Einwohner 2015: 5235 Einwohner 2020: 5234 Einwohner
Hochwasser 2016 Nach anhaltenden Regenfällen schwoll der kleine Altbach am 31. Mai 2016 zu einem 200 Meter breiten reißenden Fluss an, setzte den Ortskern unter Wasser und machte etliche Straßen unpassierbar. Zufahrtsstraßen und Brücken waren überschwemmt, und Eingeschlossene wurden mit Hubschraubern gerettet. Der Landkreis Rottal-Inn rief den Katastrophenfall aus.Reportage aus Triftern spiegel.de, 2. Juni 2016.
Politik Bürgermeister Bürgermeisterin: Edith Lirsch (ÖDP) Bürgermeister: Hermann Ertl (WG Anzenkirchen) Bürgermeister: Josef Hasmann (WG Neukirchen)
Marktgemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2008 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: +Partei/Liste202020142008%SitzeSitzeSitzeCSU14,20365Wählergemeinschaft Anzenkirchen (WGA)23,40544ödp17,20343Wählergemeinschaft Umland Voglarn-Lengsham-Wiesing (WGU)20,40434Wählergemeinschaft Neukirchen (WGN)20,10434Freie Wähler4,701––
Wappen
Sehenswürdigkeiten Pfarrkirche St. Stephan Der spätgotische, einschiffige Bau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhielt 1860/61 zwei Seitenschiffe. Die Kuppel des Westturms stammt aus dem Jahr 1741. Die Ausstattung der Kirche ist neugotisch. Ein Rotmarmorgrabmal für Leo von Lenberg zu Triftern entstand etwa 1520. mini|hochkant=1.8|Markt und Schloss Triftern nach einem Stich von Michael Wening, 1723
Ehemaliges Schloss Triftern Von den Bauten rund um die Pfarrkirche blieben ein dreigeschossiger Bau des 16. Jahrhunderts und das vom 17. bis zum 19. Jahrhundert entstandene Weiherhaus mit Krüppelwalmdach erhalten.
Kaser Steinstube Die Kaser Steinstube, in einem Waldstück zwischen Unterpaikertsham, Voglarn und Osten gelegen (), ist eine Ansammlung größerer Gesteinsblöcke, die sich über mehr als 100 Meter Länge und bis zu 20 Meter Breite erstreckt. Es handelt sich dabei um einen Blockstrom, der im Laufe des Quartärs am Westrand der Hochfläche, die sich südöstlich von Triftern ausdehnt, entstand. Das dort anstehende, harte miozäne Quarzkonglomerat der Oberen Süßwassermolasse verwitterte zu Blöcken, die durch Bodenfließen hangabwärts Richtung Westen transportiert wurden.
Der Blockstrom ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) als geowissenschaftlich wertvolles Geotop (Geotop-Nummer: 277R001) und Naturdenkmal ausgewiesen. Es wurde auch vom LfU mit dem offiziellen Gütesiegel Bayerns schönste Geotope ausgezeichnet.
Baudenkmäler
Bildung und Erziehung Graf Lenberger Grund- und Mittelschule Triftern Kindergarten St. Stephan Triftern Freifrau Fleissner von Wostrowitz-Kindergarten in Anzenkirchen Gemeindebücherei, hervorgegangen aus der vormaligen Pfarrbücherei
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde
Maurus III. Wimmer (1715–1773), Benediktiner Martin Steiner (1864–1950), Gutsbesitzer und erster bayerischer Landwirtschaftsminister Max Matheis (1894–1984), Heimatschriftsteller Albert Weggartner (1905–1979), Politiker (BP, CSU) Oda Scheibelhuber (* 1951), Politikerin (CDU) Hans Rechenmacher (* 1962), römisch-katholischer Theologe und Hochschullehrer Christian Grimm (* 1949), Jurist und Schriftsteller Volkmar Steininger (* 1970), Autor
Personen in Verbindung mit der Gemeinde
Barbara Engleder (* 1982), Sportschützin und Olympiasiegerin 2016, wohnt in Triftern Bernd Stöcker (* 1952), Bildhauer, Plastiker und Grafiker
Weblinks
Markt Triftern Markt Triftern im Historischen Atlas von Bayern (PDF; 1,24 MB) Panorama-Fotografie Kaser Steinstuben
Einzelnachweise Bayerisches Landesamt für Umwelt, Geotop Blockstrom "Kaser Steinstube" SW von Voglarn (abgerufen am 9. Dezember 2017). Bayerns schönste Geotope, Blockstrom Kaser Steinstuben (abgerufen am 9. Dezember 2017)
Kategorie:Ort im Landkreis Rottal-Inn Kategorie:Ersterwähnung im 9. Jahrhundert Kategorie:Markt in Niederbayern Kategorie:Gemeindegründung 1818