Die Entwicklung des Busverkehrs im Jülicher Land hat im Verlauf des 20. Jahrhunderts mehrere voneinander unabhängige Teilnetze verschiedener Betreiber hervorgebracht, die durch die Bildung der Omnibusverkehrsgemeinschaft Bahn/Post 1971, den Beitritt des Kreises Düren zum Aachener Verkehrsverbund (AVV) 1979 und der Fusion von Post- und Bahnbusdiensten 1983 organisatorisch immer weiter zusammengewachsen sind. Seit der Übernahme der Bahnstrecke Jülich–Düren durch die Dürener Kreisbahn (DKB) im Jahr 1993 ist der Busverkehr weitgehend auf die Rurtalbahn als nord-südliches ÖPNV-Rückgrat im Kreis Düren ausgerichtet. Weitere Anpassungen gab es 2002 durch die Reaktivierung der Bahnstrecke Jülich – Linnich sowie in jüngerer Zeit durch Bestrebungen, die Anbindung des außerhalb der Stadt gelegenen Forschungszentrums Jülich sowie die innerstädtische Erschließung zu verbessern.
mini|Die zentrale Jülicher Haltestelle Neues Rathaus bildete über Jahrzehnte den Schnittpunkt zwischen verschiedenen Betreibern und Netzen – links ein Bus der KFA im Werksverkehr Anfang der 1980er Jahre
Heutiges Netz
Jülich ist mit seinem Umland durch eine ganze Reihe von Buslinien verbunden, die seit 1979 zum AVV gehören. Fast alle Linien beginnen oder enden in Jülich. Die Grundstruktur des Liniennetzes hat sich seit den 1950er Jahren nur wenig verändert. Insbesondere befahren seit 1964 nahezu sämtliche Linien innerhalb Jülichs einen Kernabschnitt, der sich als südliche Tangente zum Innenstadtbereich von der Haltestelle Walramplatz (ehem. Busbahnhof) am Hexenturm über die zentral gelegene Haltestelle Neues Rathaus bis zum Bahnhof erstreckt. Westlich beziehungsweise östlich dieses Kernabschnitts verzweigen sich die Linien dann zu ihren Zielen (Stand Jahresfahrplan 2020):
Linie Richtung über Betreiber Entstehung Anmerkungen Abfahrten ab Jülich Mo–Fr Sa So Bürgerbus Jülich Stadtgebiet-Rundkurs Rurtalbus eingeführt 2. November 2015 Betrieb durch Bürgerbus-Verein mit Unterstützung der Rurtalbus 6 3/– – N 1 (von Düren) Linienweg nach Bedarf Rurtalbus Nachtbus (eingeführt 2001) nur in Wochenend-Nächten, fährt nur von Düren in Richtung Jülich und hält nur zum Aussteigen, in Düren Zuganschluss aus Köln (Fr: 3× an) (3× an) – SB 20 Aachen durchgehend Autobahn 44 Rurtalbus Schnellbus (eingeführt Ende 2014) nur im Berufsverkehr, fast alle Fahrten von/bis Forschungszentrum, in Jülich meist auch über FH, aber nur teilweise über Bahnhof 5 – –SB 70TitzMerschRurtalbusSchnellbus (Eingeführt 2020) - - 6 Eschweiler Aldenhoven – Dürwiß ASEAG am Wochenende nur zwischen Aldenhoven und Eschweiler, über viele Jahre fuhren Auftragsbusse der Fa. Taeter (Aachen) 11 – –216DürenKirchberg – Schophoven – Merken – Hoven – BirkesdorfRurtalbusam Wochenende nur zwischen Schophoven und Düren - - 219 Forschungszentrum nicht über Jülich Rurtalbus Shuttlebus (eingeführt Ende 2014) pendelt zwischen Rurtalbahn-Haltepunkt Forschungszentrum und eigentlichem Werksgelände 44 – – 220 Aachen Aldenhoven – Hoengen – Mariadorf – A 44 Rurtalbus Vorkriegs-Postbuslinie, später Ersatz für Bahnlinie nach Aachen-Nord 1975–1991 ASEAG-Linie 11, dann BVR-Linie 111, SB11. inzwischen an Werktagen viele Fahrten von/bis Forschungszentrum verlängert. 28 14 7 223 Daubenrath (Huchem-Stammeln) Rurtalbus Als Ersatz für Bahnlinie nach Düren vorgesehen seit 1993 nur noch wenige Fahrten, aus der zur Bahnstrecke parallelen Bahnbuslinie Jülich – Düren entstanden 1 – – 238 Düren Niederzier Rurtalbus Vorkriegs-Postbuslinie Mo–Fr einige Fahrten nicht über Jülich Bahnhof 19 12 4 270 Titz Fachhochschule – Mersch Rurtalbus (Vorkriegs-Postbuslinie nach Erkelenz) bis 1978 nach Düsseldorf, bis 1989 nach Grevenbroich, dann tagebaubedingt bis 1994 nach Hochneukirch Bhf., bis Ende 2002 nach Hottorf, Mo–Fr drei Fahrten erst ab Jülich Bahnhof statt Walramplatz 14 3 – 279 Linnich Koslar – Merzenhausen – Rurdorf Rurtalbus Vorkriegs-Postbuslinie bis 1984 nach Aachen, bis 1994 nach Würselen-Bardenberg, bis Ende 2002 nach Baesweiler 18 4 – 281 Aldenhoven Koslar – Merzenhausen – Ederen – Freialdenhoven Rurtalbus Ersatz für Jülicher Kreisbahn bis 2002 einzelne Fahrten über Puffendorf. Ab 2020 von Freialdenhoven nach Aldenhoven 3 2 – 284 Jackerath Welldorf – Rödingen – Ameln – Titz Rurtalbus Ersatz für Bahnlinie nach Mönchengladbach bis 1994 nach Hochneukirch Bhf., Jülich Walramplatz wird inzwischen nur noch im Schülerverkehr angefahren, in Rödingen Anschluss an RVK-Linie 963 nach Köln-Weiden 16 3 – 294 Weisweiler Kirchberg – Schophoven – Merken – Lamersdorf – Frenz Rurtalbus Ersatz für Bahnlinie nach Stolberg bis 2002 über Inden, tagebaubedingt ab Ende 2003 über Pier – Lucherberg, ab Ende 2013 über Schophoven – Merken, etwa die Hälfte aller Fahrten (samstags: alle) enden in Schophoven, dort Anschluss an DKB-Linie 216 nach Merken – Düren 11 –
mini|Kurz vor Mitternacht wartet in Düren der DKB-Nachtbus auf Fahrgäste aus dem Zug aus Köln, 2015 Betreiber der Jülicher Buslinien sind heute die Rurtalbus, die Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG (ASEAG) und der Verein Bürgerbus Jülich e. V. Die früheren Postbuslinien der Kraftpost wurden im AVV-Gebiet zum 1. August 1983 in das Bahnbus-Liniennetz integriert. BVR Busverkehr Rheinland ist ein regionaler Nachfolgebetrieb des Geschäftsbereichs Bahnbus der Deutschen Bundesbahn und gehört zu DB Regio. Während des Bestehens der RVE Regionalverkehr Euregio Maas-Rhein GmbH, also von Anfang 2002 bis August 2017, wurden die Jülicher BVR-Linien vom RVE betrieben, einer lokalen 100%igen Tochter des BVR mit Sitz in Aachen.
Eine Besonderheit des Liniennetzes im Kreis Düren sind seit 2001 die anfangs vier, inzwischen fünf Nachtbuslinien der DKB: Diese haben keinen festen Linienweg, sondern fahren je nach aktuellem Bedarf spätabends von Düren aus in zahlreiche Orte im Kreisgebiet. Hierbei bedient die Linie N 1 im Wesentlichen die Ortschaften entlang der Rurtalbahn-Strecke bis Jülich sowie die Orte entlang der Buslinie 238 Düren – Niederzier – Jülich. Die anderen Nachtlinien bedienen andere Himmelsrichtungen; Orte nördlich von Jülich werden nicht angefahren. Die Nachtbusse kosten unabhängig vom benutzten Fahrschein einen Zuschlag von 1,50 Euro pro Person. Sie sind fahrplanmäßig abgestimmt auf die Züge aus Richtung Köln und starten am Bahnhof Düren in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag um 23.50 Uhr, 0.50 Uhr und 2.00 Uhr. Jeweils drei Minuten später fahren die Nachtbusse vom zentralen Dürener Kaiserplatz ab; über den weiteren Verlauf der Fahrt entscheidet der Fahrer, daher hält der Nachtbus danach nur noch zum Aussteigen.
Historische Entwicklung Vorherrschen des Postbusses bis zum Zweiten Weltkrieg mini|Bis in die 1980er Jahre spielten Postbusse eine wesentliche Rolle im Busverkehr des Jülicher Landes – hier ein Museums-Postbus von 1925 Am 14. Dezember 1911 wurde mit der Bahnstrecke Jülich – Linnich – Baal die fünfte von Jülich ausgehende Bahnlinie eröffnet. Am selben Tag stand, wie 50 Jahre später ein Chronist berichtet, „der letzte Linnicher Omnibus vor dem Bahnhof, bekränzt und mit einem Schild behangen: ‚Lebt wohl, ich fahr’ nicht mehr!‘ – Damit fiel der letzte Jülicher Postwagen dem neuen Reiseverkehr zum Opfer; auch im Kreise Erkelenz wurden diese Postlinien eingestellt.“Josef Rahier: Vor 50 Jahren – Erster Eisenbahnzug von Jülich nach Dalheim, abgedruckt im Heimatkalender 1961 des Kreises Jülich sowie in der Monographie „Jülich, die alte Eisenbahnerstadt“ des Eisenbahn-Amateur Klub Jülich (2. Auflage, 1986) auf S. 36. Doch nach dem Ersten Weltkrieg wurde das im Raum Jülich zwischenzeitlich nur aus einem vergleichsweise dichten Eisenbahnnetz bestehende öffentliche Nahverkehrsangebot mit neuen Postbuslinien weiter verdichtet. So verkehrten beispielsweise 1927 pro Tag drei Postbus-Paare zwischen Jülich und Köln.
Schon in den 1930er Jahren hatte die Reichspost zur Ergänzung des Eisenbahnnetzes mehrere Linien eingerichtet, die vor allem den Orten ohne Bahnstation einen öffentlichen Nahverkehrsanschluss bieten sollte. So verkehrten im Sommerfahrplan 1939 von Jülich aus Postbusse nach Erkelenz, nach Köln (über Elsdorf), nach Rödingen (über Steinstraß), nach Düren (über Niederzier), nach Aachen (über Aldenhoven – Hoengen) und nach Aachen (über Koslar – Linnich – Alsdorf). Am stärksten befahren war die Linie nach Köln mit immerhin fünf täglichen Fahrtenpaaren zuzüglich zwei Fahrtenpaaren Elsdorf – Köln. Auch nach Erkelenz verkehrten werktags fünf Fahrtenpaare, sonntags allerdings nur drei. Alle anderen Linien wurden von Jülich aus mit maximal drei Fahrtenpaaren pro Werktag bedient. Endpunkt in Jülich war überwiegend der Bahnhof, lediglich die beiden Aachener Linien endeten an der Post.Kraftpost-Kursbuch Sommer 1939, Reprint, Ritzau KG, Pürgen 1982.
Parallele Entwicklung mehrerer Netze in der Nachkriegszeit
mini|Ein Bahnbus der Linie D 23 Düren – Jülich im jahrzehntelang gültigen weinroten Farbschema durchfährt eines der kurvenreichen rheinischen Dörfer, 1991. Die Busfahrt dauerte von Bahnhof zu Bahnhof mehr als doppelt so lang wie eine Fahrt mit dem Zug. In der unmittelbaren Nachkriegszeit beantragte die Reichsbahndirektion Köln am 8. September 1948 eine Konzession für eine „Kom=Linie“ (Kraftomnibus-Linie) Aachen – Jülich – Köln, über die aber lange Zeit nicht entschieden wurde. Währenddessen stellte die Firma Taeter & Ziemons aus Aachen-Brand am 20. November 1948 den Antrag, einen durchgehenden „Kom-Linienverkehr“ Aachen – Jülich – Köln – Bonn aufzubauen.Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Bestand BR 1016 (Regierung Aachen), Bestellsignatur BR 1058 Nr. 1035. Die Fa. Taeter sah hierzu drei Fahrtenpaare pro Tag mit Opel-Blitz-Omnibussen oder Büssing-Trambussen vor sowie eine spätere Verlängerung von/nach „Bildchen (belgischer Grenzübergang) / Vaals (holländischer Grenzübergang)“. Sie gab an, diesen Antrag bereits Anfang 1947 gestellt, damals aber kurzfristig zurückgezogen zu haben. Nach Einholen zahlreicher Stellungnahmen hat das Verkehrsministerium NRW diesen Antrag am 28. Februar 1950 abgelehnt; hierbei hat es mitgeteilt, dass auf dieser Relation bereits diverse Angebote bestehen, unter anderem auch eine Buslinie Aachen – Jülich – Düsseldorf, die gemeinsam von der Eisenbahndirektion Köln, der Rheinischen Bahngesellschaft AG aus Düsseldorf und der Aachener Straßenbahn betrieben wird und insgesamt 6 Fahrtenpaare aufweist (2 von jedem der Unternehmen). Diese wurde allerdings spätestens Ende der 1950er-Jahre in Jülich geteilt und an die Bundespost als Betreiber übergeben.
Immerhin zwei Jahrzehnte lang hielt jeden Sommer mehr oder weniger täglich eine internationale Fernbuslinie der als DB-Tochter gegründeten Deutschen Touring in Jülich. Die Linie wurde zwischen 1951 und 1953 eingerichtet und verkehrte von Frankfurt über Wiesbaden, Rüdesheim, Koblenz, Bonn, Köln, Düsseldorf, Jülich, Aachen, Brüssel bis nach Oostende (589 km), wo Anschluss an die Nachtfähre nach Dover und somit auch nach London bestand. 1971/72 verschwand der Halt Jülich aus dem Fahrplan, obwohl der Umweg über Düsseldorf zunächst beibehalten wurde; später wurde sie von Köln ganz ohne Halt bis Brüssel geführt.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich schon bald die Konkurrenz des aufkommenden Pkws bemerkbar, so dass die Bundesbahn begann, schwach ausgelastete Züge, insbesondere am Wochenende, durch Bahnbusse zu ersetzen sowie ihre Schienenstrecken durch mehr oder weniger parallel verlaufende Buslinien zu ergänzen. Hierdurch entstand eine separate Gruppe von Linien, die in Jülich zunächst auch nicht an der Post, sondern am Markt oder am Bahnhof endeten, während die Postbuslinien seit dem Krieg überwiegend die Post als Fahrtziel hatten. So enthält beispielsweise das Amtliche Bahnbus-Kursbuch vom Sommer 1954 neben der erwähnten Gemeinschaftslinie 1245 (Aachen – Düsseldorf) folgende Jülich berührende Bahnbuslinien: 1245 a: Düren – Jülich – Linnich – Lindern – Heinsberg (circa 5 Buspaare)