mini|hochkant=1.2|Strandkorb auf Langeoog mini|Strandkörbe auf Borkum Ein Strandkorb ist ein spezielles Sitz- und Ruhemöbel für den Strand. Er besteht aus einem zweiteiligen Holzgestell mit Korbgeflecht. Sein oberes Element bildet eine halbrund gewölbte, überdachte Sitznische. Durch seine Auskleidung mit wetterfestem Stoff schützt er bei Strandaufenthalten vor Wind, Sonne, Regen und Sandflug. Ausziehbare Fußkästen, Markisen und Klapptischchen bieten dem Nutzer einigen Komfort.

Beschreibung mini|Funktionen eines Strandkorbs mini|Typ Platte, Ahlbeck (2008) Das Standardmodell eines Strandkorbs ist ein Zweisitzer und hat seine Form und Bauweise seit etwa 1910 nur unwesentlich verändert. Es ist etwa 160 Zentimeter hoch, 120 Zentimeter breit, 70 bis 80 Kilogramm schwer und besteht aus vier Grundelementen: Der Bock, der die Basis bildet, ist meist aus Kiefer oder Fichte gefertigt, manchmal auch aus Birkenmultiplex- oder Schichtholzplatten, afrikanischem Iroko oder asiatischem Teak, und gegen Witterungseinflüsse behandelt.Thomas Immisch, Christian Langer (Hrsg.): Der Strandkorb: Ein Welterfolg aus Mecklenburg-Vorpommern. Rostock 2008, S. 40. Am Bock verschraubt sind die beiden Seitenteile, jeweils außen mit Tragegriffen versehen. Die Haube, wie das in ein Dach übergehende Rückenteil genannt wird, ist in zwei bis drei Metallschlaufen rückwärtig am Bock eingehängt, sie bleibt damit beweglich und kann in vier oder fünf Arretierungen nach hinten verstellt werden. Seitenteile und Haube haben ein hölzernes, mit Flechtwerk ausgefülltes Gestell. 95 Prozent der Strandkörbe sind aus Kunststoffstreifen geflochten; wurde Naturmaterial verwendet, ist dies in der Regel aus Asien importiertes lackiertes Rohrbast aus Bambus oder Rattan. In sehr seltenen Fällen ist ein Korb noch traditionell aus Weide gearbeitet.Moritz Holfelder: Das Buch vom Strandkorb. Husum 1996, S. 80.

Ausgekleidet wird der Allwettersitz mit imprägniertem Markisenstoff oder PVC-Folie, die Sitzfläche ist mit Schaumstoff oder Kokosmatte gefüllt. Zur Ausstattung des Grundmodells gehören ausziehbare und gepolsterte Fußkästen, ein oder zwei an Drahtbügeln aufgehängte Seitentischchen, die in einer ausgefrästen Nut einzurasten sind, Armlehnen und an der Dachkante eine abklappbare Sonnenmarkise. Auch eine quergespannte Schnur im oberen Übergang der Rückenlehne zum Verdeck ist fast allen Modellen zu eigen; sie dient dem Aufhängen von Handtüchern oder Textilien. Das Flechtwerk ist gemeinhin weiß oder naturfarben, verwendet werden aber auch andere, oft sonnige oder leuchtende Farben. Bunter ist die Auskleidung, gestreifte Stoffmuster sind beliebt, ebenso auf saisonale Moden zurückgreifende Designs. Zudem verfügen Mietkörbe über Holzgitter, mit denen die Sitznischen bei Nichtgebrauch verschlossen werden und die es dem Nutzer ermöglichen, sein Backbeermus bei Abwesenheit oder über Nacht am Strand zu lassen.

Strandkörbe anderer Größen, vom Einsitzer bis Fünfsitzer, und mit zusätzlichen Ausstattungen, wie einem aufklappbaren Sitz und integriertem verschließbarem Fach, Fußrasten mit Stauraum, großen, abnehmbaren Tischen, drehbarem Untergestell mit Kugelkranzlager, eingenähten Seitentaschen, die man auch Lektüretaschen nennt, werden ebenfalls produziert, gehen aber meist auf Sonderbestellungen zurück. Mit der ihnen nachgesagten Mischung aus „Dekadenz und norddeutschem Pragmatismus“Thomas Immisch, Christian Langer (Hrsg.): Der Strandkorb: Ein Welterfolg aus Mecklenburg-Vorpommern. Rostock 2008, S. 10. erfreuen sie sich zunehmender Beliebtheit als Garten- oder Terrassenmöbel im Inland, sie sind dann oft mit Rollen und Schutzhüllen ausgestattet. Für diesen Gebrauch und zu einem entsprechenden Preis fertigen die Hersteller auch sogenannte Luxusvarianten mit eingebauter Heizung, Bar, Kühlschrank oder Musikanlage.

Unterschieden wird vor allem zwischen einer Ostseeform mit abgerundeten, geschwungenen Seitenteilen und einer gebogenen Haube und einer Nordseeform mit geraden Seiten und kantig wirkendem Oberteil. In der Regel handelt es sich bei beiden Bauweisen um Halblieger, die bis zu einem Winkel von 55 Grad nach hinten verstellt werden können. Nordseekörbe gibt es manchmal auch als Liegermodelle, die sich bis zu 90 Grad absenken lassen. Eine Weiterentwicklung ist der Syltkorb, dessen Haube man über einen mechanisch aufwändigen Federzug stufenlos bewegen kann. Da der Ostseekorb als klassische Form gilt und gefälliger wirkt, ist er weiter verbreitet, doch findet man an den Stränden von Nord- und Ostsee jeweils beide Formen. Seltener und teilweise mit Kultstatus bedacht sind Strandkörbe in der Bauweise der DDR-Produktion. Sie sind nicht geflochten, vielmehr bestehen ihre Hauben aus gebogenen Phenolharzplatten und ihre Seitenteile aus ebenen Spanplatten, was ihnen in einem Wortspiel die Bezeichnung Typ Platte einbrachte. Von diesen gelten die durch die PGH Bau in Rehna hergestellten Rehnaer, die vollständig zerlegbar sind, als besonders ausgeklügelt. Aufgrund ihrer Herkunft findet man sie vor allem an den Stränden Mecklenburg-Vorpommerns.

Geschichte Die Herstellung von geflochtenen Weidensesseln mit hochgezogenem Rückenteil und halbrund nach vorne gebogenen Seiten ist im europäischen Korbmacher-Handwerk seit Ende des 16. Jahrhunderts überliefert. Schriftliche Nachweise der überdeckten Stühle finden sich in den Zunftordnungen von Hamburg (1595), Lübeck (1611), Bremen (1648) und Köln (1773).Moritz Holfelder: Das Buch vom Strandkorb. Husum 1996, S. 26. Die Möbel dienten vor allem dem Schutz vor Zugluft in großen und kalten Wohnräumen und Fluren. Ihr Gebrauch ist bekannt in Bürger- und Bauernhäusern in den Niederlanden und in Deutschland, im 18. Jahrhundert auch in Schlössern in England, Schottland und Irland.

Darstellungen überdeckter Stühle finden sich in einigen Gemälden der niederländischen Maler Willem van Herp (1614–1677) und Jacob Jordaens (1593–1678), zum Beispiel in den bäuerlichen Dielen bei Satyr und Reisender oder Satyr beim Bauern oder auf dem Bild Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen, das das flämische Bürgertum beim Tafeln und Musizieren zeigt. In diesen häuslichen Szenen des 17. Jahrhunderts sitzen zumeist ältere Frauen in den geschützten Körben. Auch das Gemälde Großvater im Korbstuhl von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1829) aus dem Jahr 1811 bildet einen halbgeschlossenen Weidensessel ab, dessen Untergestell aus Holz gefertigt und dessen Aufbau ausgeflochten wurde.

Ob überdeckte Stühle vor 1870 außerhalb von Häusern genutzt wurden, ist nicht bekannt, verwiesen wird in der Literatur nur auf die große Ähnlichkeit mit den Strandstühlen, die am Ende des 19. Jahrhunderts in holländischen und deutschen Seebädern populär wurden.Moritz Holfelder: Das Buch vom Strandkorb. Husum 1996, S. 23.

Strand- und Badeinventar mini|Strandzelt in Westerland, Sylt, 1876 Die ersten deutschen Seebäder entstanden gegen Ende des 18. Jahrhunderts, an der Ostsee 1793 mit der Gründung von Heiligendamm und an der Nordsee 1797 mit der Eröffnung einer Seebadeanstalt auf Norderney. Die Entfaltung der Seebäder brachte eine Badekultur mit sich, die medizinische Hintergründe hatte und bestimmten Regelungen zur Einhaltung der Sittlichkeit unterworfen war. Diesen Entwicklungen Rechnung tragend, übernahm man aus englischen Seebädern die Ideen von Strand-Einrichtungen wie Badehütten aus Holz, Stroh oder Lehmfachwerk – regional auch Luftschnapper genannt – und insbesondere Badekarren.Horst Prignitz: Vom Badekarren zum Strandkorb. Zur Geschichte des Badewesens an der Ostseeküste. Leipzig 1977, S. 150. Mit dem gesellschaftlichen Wandel ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam den Küstenorten vermehrt eine touristische Bedeutung zu, Aufenthalte und Promenaden am Strand entwickelten ihre eigene Kultur. Neben den Strandhütten verwendete man als Schutz gegen Sonne und Wind auch Strandzelte, sowohl in Größen, in denen ganze Familien Platz fanden, als auch verkleinerte Versionen, kastenartig oder rund, für zwei bis drei Personen. Sitzgelegenheiten boten einfache Bänke oder Strandstühle.Bärbel Hedinger (Hrsg.): Saison am Strand. Badeleben an Nord- und Ostsee. Herford 1986, S. 131.

Ungeklärt ist, wann und wo die ersten überdeckten Stühle als Strandinventar genutzt wurden. Der Eintrag in einem 1871 veröffentlichten Musterbuch des Korbmachers Ernst Karl Nikolaus Freese gilt als das früheste schriftliche Dokument über einen Strandkorb. Dort ist neben einer Beispielzeichnung ein „Strandstuhl mit Überdachung aus Weiden und Peddigrohr, mit Ölfarbe lackiert“ beschrieben: „Das Dach ist mit starker Leinwand überzogen und mit Öl getränkt, damit es gegen Wind und Regen genügend Schutz bietet. Die senkrechte Höhe des Daches ist 180, Breite 65 und Tiefe oberhalb der Rückenlehne 62.“Ernst Freese: Zeichnungen für Korbmacher und Korbmöbelfabrikanten. 800 Abbildungen auf 18 Tafeln nebst erläuterndem, die genaue Maassangabe enthaltenden Texte. 3. Auflage. Ernst Homann Verlag, Kiel 1871, zitiert nach: Moritz Holfelder: Das Buch vom Strandkorb. Husum 1996, S. 34.

In einem Protokoll der Königlichen Finanz-Direktion zu Hannover findet sich unter dem Datum 25. September 1873 ein Eintrag, nach dem für die Unterhaltung von Strand- und Badeinventar auf Norderney 800 Reichstaler benötigt werden: aufgezählt sind neben den Badekutschen und Laufdielen auch Strandkörbe.Moritz Holfelder: Das Buch vom Strandkorb. Husum 1996, S. 34. Ebenfalls um die Rechnungslegung geht es bei einem Schriftstück aus dem niederländischen Staatsarchiv aus dem Jahr 1875, das eine Bestellung von 36 Ein- und 36 Zweisitzern bei Handwerkern auf Norderney dokumentiert. Bekannt ist zudem die Empfehlung eines Berliner Badearztes von 1878, der Kurgästen die Nutzung von Sitzkörben rät, „wie sie auf Norderney und in Scheveningen stehen.“Moritz Holfelder: Das Buch vom Strandkorb. Husum 1996, S. 33.

Das Erscheinungsbild der Kiepen am Meer fand einen Nachhall in Darstellungen und Reiseberichten, so beschreibt ein unbekannter Autor, nach einem Seeaufenthalt auf Norderney, in einer Ausgabe der Zeitschrift Gartenlaube von 1881 die Vergnügungsmöglichkeiten der Kurgäste:

Illustriert ist dieses Essay mit einer Grafik des Malers Franz Schreyer, die einige der benannten Korbsessel vor den Dünen von Norderney zeigt, unterhalb der Villen Knyphausen und Fresena. Das gleiche Motiv verwendete Arthur Langhammer für einen Holzstich, der in Edmund Hoefers Buch Küstenfahrten an Nord- und Ostsee ebenfalls 1881 veröffentlicht wurde. Auch mit einer 1878 datierten Darstellung vom Strand vor Scheveningen in Südholland und einer vor 1880 entstandenen Fotografie des Herrenstrands von Sylt ist die Nutzung dieser Sitzmöbel an der Nordsee dokumentiert.

Als ein weiteres frühes Zeugnis über die Verwendung gilt ein Brief Theodor Fontanes an seine Frau Emilie während eines Badeaufenthalts auf Norderney:

Bartelmanns Strandkorb mini|hochkant|Wilhelm Bartelmann (1906) mini|Strandkörbe 1898 in Misdroy mini|hochkant|Halblieger von Johann Falck, Müritz (1898)