Die Anarchie der Produktion ist eine These des Marxismus, dass im Kapitalismus Regellosigkeit und Wirrnis der Produktionsverhältnisse systematische Probleme seien. Walter Reese-Schäfer: Klassiker der politischen Ideengeschichte: Von Platon bis Marx. Oldenburg 2011 S. 194

In Folge des Privateigentums an Produktionsmitteln entscheidet jeder Eigentümer, was und wie viel er produziert. Dadurch sei die Steuerung der Produktion Beliebigkeiten des Marktes unterworfen und ökonomische Probleme entstünden. Die Folge seien Nichtauslastung und Vergeudung von Kapital, verschwendete Arbeit und die Vernichtung von Produkten, sowie Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen.

Auch die Versuche, die Anarchie durch bessere Organisation zu bekämpfen, wie etwa durch Kartelle oder den Monopolkapitalismus, seien zum Scheitern verurteilt, weil sie die Anarchie der Produktion noch verstärkten. Als Konsequenz wird von den Marxisten eine Zentralverwaltungswirtschaft gefordert. Günter Könke: Organisierter Kapitalismus, Sozialdemokratie und Staat. Steiner 1987 S. 54

Ernest Mandel formuliert, dass die „private Aneignung des gesellschaftlichen Mehrprodukts“ über „den anarchischen Charakter der kapitalistischen Produktion“ bestimme.Ernest Mandel: Marxistische Wirtschaftstheorie I. Band, Frankfurt am Main 1972, S. 202 (Hervorhebung im Original).

Gesetz der planmäßigen proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft Im Sozialismus tritt an die Stelle der Anarchie und Konkurrenz der Produktion das sozialistische „Gesetz der planmäßigen proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft“. Dieses erfordert die optimale Verteilung der Produktionsmittel und Arbeitskräfte auf die einzelnen Produktionszweige, die Einhaltung der Proportionalität zwischen Produktion und Konsumtion sowie zwischen Akkumulation und Konsumtion. Dabei wird ein großer Kostenaufwand eingespart und die gesamte Produktion zu einem wirtschaftlicheren Ganzen vereinigt.Hans-Georg Belz: Marxismus-Leninismus. Ein Leitfaden durch die Marxistisch-Leninistische Philosophie · Soziologie · Ökonomie. Bremen 1962, S. 60.

Anastas Mikojan schrieb 1954, dass die sozialistische Planwirtschaft, zur Erfüllung dieses Gesetzes, es ermögliche, ohne Umwege die Nachfrage zu berechnen und die Produktion dementsprechend zu entwickeln. Darin äußere sich die übergroße Überlegenheit der sozialistischen Wirtschaftsordnung.Belz: Marxismus-Leninismus. S. 314.

Einzelnachweise

Kategorie:Marxistischer Begriff