mini|x210px|Haus am Hagdorn in Hilden
Das Haus Hagdorn stand bis 1980 in Hilden an der Benrather Straße 1.
Das Gehöft „am Hagdorn“ Mittelalter bis Reformation Die Namengebung „am Hagdorn“ hat daran angeknüpft, dass das Gehöft von einer Weißdornhecke umgeben war, die das Dorf im Westen zur Itter hin begrenzte. Das Gehöft und das Haus „am Hagdorn“ gehören zu den geschichtsträchtigsten Siedlungsplätzen in Hilden.
Der Name taucht zuerst in dem 1530 angelegten Lager- und Erbrentenbuch des Hildener Lehnsträgers Wilhelm Quade auf, in dem „dat :Smeittengutt an dem Haedoern“ erwähnt wird. In den folgenden Jahrzehnten begegnet uns die Schreibweise „am (ahm) Haldorn (Haldorne)“, bis von 1597 an sich die Form „am (ahm) Hagdorn“ durchsetzte.
Das Haus wurde bewohnt:
1554 von Henrich am Haldorne verheiratet mit Nesa im Haen; ab 1563 von Wilhelm im Haen und seinem Sohn; ab 1579 Thoenis ahm Haldorn; 1592 Rutger ahm Haldorn; 1597 bis 1600 Caspar ahm Hagdorn, Caspar ahm Hagdorn und seine Ehefrau Coen (Kunigunde) verzichteten am 17. April 1600 zugunsten von Dietherich Schmit ahm Iser auf Haus und Hof.
Reformation bis Vorindustrielle Zeit In den Jahren 1611–1614 erwarb der Landwirt, Schöffe, Gerichtsschreiber und Schultheiß in Hilden Anton zu den Hülsen (Hüls, Hulsius) (1575–1640) das am westlichen Rande des Dorfes gelegene Haus und Gut „am Hagdorn“. Er erkor es fortan zu seinem Domizil. Verheiratet war er (schon vor dem 20. September 1593) mit der ursprünglich katholischen Katharina von Venne († 1628), die er zum Übertritt zur reformierten Konfession veranlasste. Anton zu den Hülsen starb 1640. In ihm verloren die Anhänger der Reformation in Hilden einen ihrer tatkräftigsten Vorkämpfer.
mini|x210px|Antonius Hulsius
Ihre fünf Kinder waren: 1) der evangelisch-reformierte Geschichtsschreiber Heinrich (Henricus) Hüls (* 1593 in Hilden; † 17. Oktober 1673 in Hilden). 2) Wilhelm Hüls (* 8. September 1598 in Hilden; † 6. April 1659 in Wesel). Er wurde reformierter Theologe, Präses und Schriftsteller, ab 1628 Pfarrer in Wesel. 3) Adolf Hüls (* um 1605; † vor 1633). 4) Antonius Hüls (* 1615 in Hilden; † 27. Februar 1685 in Leiden), Anton Hüls der Jüngere genannt. Antonius Hüls, der spätere deutsche Philologe und reformierte Theologie-Professor an der Universität Leiden, heiratete im Januar 1645 in Den Haag Agnes Elisabeth Rumpf und hatte mit ihr 10 Kinder, wovon ihn nur 4 Söhne überlebten. 5) Gudgen Judith (* um 1610; † nach 1665).
Von da an blieb das Haus und Gut „am Hagdorn“ ein Jahrhundert lang Hülsenscher Besitz und – ähnlich wie das von den Hoffs bewohnte „Haus auf der Bech“ – ein Bollwerk des Calvinismus in Hilden. Im Haus „am Hagdorn“ fand am 21. und 22. April 1654 die Tagung der 84. bergischen Provinzialsynode statt.
Nach dem Friedensschluss des Dreißigjährigen Krieges von 1648, der in den deutschen Landen das „cuius regio, eius religio“ zum Staatsgrundsatz erhoben hatte, erstarkten auch in den jülich-bergischen Herzogtümern jene Kräfte, die auf eine Gegenreformation hinarbeiteten. In den Kirchspielen Hilden und Haan, deren Einwohner sich überwiegend dem Calvinismus zugewandt hatten, wurden die gegenreformatorischen Tendenzen noch durch den Umstand verstärkt, dass in beiden Gemeinden der Erzbischof von Köln Grundherr war. So kam es, dass die einheimischen Familien, die bisher ohne Ausnahme die Anwärter für das Schultheißenamt und den Gerichtsschreiberdienst gestellt hatten, allmählich ganz davon ausgeschlossen wurden. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass die begabtesten Kinder Hildener Familien abwandern und dort ihr Glück versuchen mussten, wo es für sie diese Hindernisse nicht gab. Im Jahre 1668 hatte Antonius Hüls, Prediger zu Breda seine Erbanteile an dem Hagdorner Gut an seinen Bruder Heinrich (Henricus) zu den Hülsen verkauft.
Am 8. Januar 1715 ging das Gut „für etwa 3300 Taler“ an den zu Haan ansässigen Wilhelm Schlechtenthal über. Welche Gründe den Haaner Ankäufer zum Erwerb des Gutes bewogen hatten, wissen wir nicht. Jedenfalls scheint er es bald wieder veräußert zu haben, denn bereits in der Hildener Steuerliste von 1724/25 begegnet uns als neuer Eigentümer Johann Wülffing. Als wenige Jahre danach, am 8. Januar 1731, die Hildener und Haaner Einwohner zu einer Erbhuldigung antraten, waren in der Huldigungsliste für das Hagdorner Gut „Witwe Cölsch ahm Hagdorn und ihr damals noch unmündiger Sohn Johannes Abraham (* ~1720)“ eingetragen. Er studierte von 1739 bis 1740 an der Universität Duisburg.
Die Erbin Anna Maria Cölsch am Hagdorn war verheiratet mit Theodor Bongard (auch Bongardt, Bungart) dem Älteren (getauft 23. Juni 1709 in Hilden; † 6. Februar 1759 in Solingen), einem Sohn von David Bongard (* 19. April 1667 in Mettmann; † 3. Dezember 1736 in Hilden) und Elisabeth Klein (getauft 5. Februar 1674 in Mettmann; † 9. August 1712 in Hilden). In den Steuerlisten von 1777/83 begegnen uns als Steuerpflichtige „Wilhelm Cölsch Erben am Hagdorn, Witwe Bongardt“.
Theodor Bongards des Älteren Bruder, Johann Wilhelm Bongard (* um 1715 in Hilden; † 16. Juli 1781 in Amsterdam), ging als Kaufmann nach Amsterdam. Er nannte sich dort Joan Willem Bongard. Er gelangte dort zu Wohlstand. Er blieb aber Hilden verbunden und schenkte 1766 der reformierten Gemeinde in Hilden zur Errichtung eines Armenhauses „die nötigen Geldmittel von 1200 Reichstalern“. Dieses imposante Fachwerkhaus „Kückeshaus“ mit Keller steht heute noch an der Ecke Eisengasse 2 und Schwanenstraße 12 und ist ein Baudenkmal.
Nach dem Tod von Theodor Bongard dem Älteren ging das Gut „am Hagdorn“ an seinen in Amsterdam lebenden Bruder Joan Willem.
Der Sohn Theodor Bongards des Älteren, Theodor Bongard der Jüngere (am 5. Juni 1759 evangelisch-reformiert getauft in Hilden; † 8. Mai 1834 in Hilden), erwarb das Gut „am Hagdorn“ von seinem Onkel Joan Willem käuflich. Später gingen Theodor Bongard der Jüngere und dessen Bruder Johann Wilhelm der Jüngere (getauft am 26. Dezember 1752 in Hilden) nach Amsterdam und übernahmen dort die Geschäfte ihres Onkels Joan Willem. Johann Wilhelm engagierte sich wie viele andere wohlhabende Amsterdamer auch in der Gesellschaft Felix Meritis, deren Gebäude heute noch an der Keizersgracht zu finden ist.
„Haus Hagdorn“ mit Türmchen Vorindustrielle Zeit Theodor Bongard der Jüngere kehrte nach Hilden zurück und ließ zwischen 1820 und 1830 als erstes Steinhaus in Hilden das „Haus Hagdorn“ mit seinem verspielten Türmchen neu errichten. Ihm gehörte seit 1. März 1810 auch das ehemalige Rittergut Horst. Er war in Hilden mit Anna Gertrud Leven zu Hummelster (getauft 18. November 1780 in Hilden; † 27. Mai 1821 in Hilden) liiert und heiratete sie am 26. Juni 1815.
Deren Tochter Anna Elisabeth Bongard-Horst (getauft am 12. Juli 1806 in Hilden; † 11. Januar 1875 in Düsseldorf) heiratete am 23. November 1828 Karl Reichsfreiherr von Maercken zu Geerath (* 25. Juli 1799 in Ratingen; † 19. Oktober 1877 in Köln). Die Familie bewohnte 1840 mit den drei Kindern Auguste (* 26. August 1828), Egolf (* 15. November 1830 in Hilden; † 20. Juni 1894 in Niederspay), Erwine (* 30. April 1832 in Hilden; † 17. April 1909 in Siegburg), sowie einem Hauslehrer, einer Lehrerin, einer Köchin, einer Aufwärterin, einem Diener, einem Gärtner und einer Magd das Haus Hagdorn. Sie erbten 1834 von Theodor Bongard dem Jüngeren das Rittergut Horst und Haus Hagdorn. Bereits im Jahre 1839 hatte Karl Freiherr von Maercken das von seinem Schwiegervater Theodor Bongard dem Jüngeren ererbte Rittergut Horst an Friedrich Spieker verkauft.
Die Tochter Erwine Maria Hubertine Freiin von Maercken zu Geerath heiratete am 27. Juli 1854 in Düsseldorf Jakob Freiherr Raitz von Frentz auf Garrath (* 30. Mai 1826 in Köln; † 26. September 1884 in Koblenz) in dessen zweiter Ehe.
Haus Hagdorn als Stammsitz des Textilunternehmens Kampf & Spindler mini|x210px|Firmengründer Johann Wilhelm Kampf (1799–1875)
Als Johann Wilhelm Kampf (* 1799 in Elberfeld; † 10. August 1875 in Hilden) 1848 seine Fabrik für schwarze Halbseidenwaren von Elberfeld nach Hilden verlegte, hatte er bereits 1847 von Freiherr von Maercken das Haus Hagdorn mit schönem, altem Park erworben. Es bot ihm für Wohnung und Geschäft genügend Raum. Haus Hagdorn wurde das Hildener Stammhaus des Textilunternehmens Kampf & Spindler, später Paul-Spindler-Werke.
Die Familie seines Sohnes Ernst Wilhelm Kampf (* 4. Oktober 1830 in Elberfeld; † 27. März 1877 in Sanremo) wohnte auch im Haus Hagdorn. Emilie (* 2. August 1837) geb. Spindler, die Witwe von Ernst Wilhelm Kampf hat das Haus Hagdorn noch bis 1887 bewohnt. Sie hat es am 20. Mai 1887 an den Wülfrather Kommerzienrat Friedrich Wilhelm Herminghaus dem Älteren (* 8. April 1826 in Wülfrath; † 28. Juni 1907 in Wülfrath) verkauft. Friedrich Wilhelm Herminghaus der Ältere war in die Firma Gressard & Co. mitbestimmend eingetreten.
Dessen Sohn Friedrich Wilhelm Herminghaus der Jüngere (* 16. März 1856 in Wülfrath; † 30. Juli 1929 in Hilden) hat bis 1909 mit seiner Familie im Haus Hagdorn gewohnt. Er hat es umgestaltet. Doch sind 1898/99 als Mitbewohner auch der im Ruhestand lebende Hildener Hauptlehrer Peter Wilhelm Herrenbrück (1822–1906) und der Fabrikdirektor Hermann Jacoby nachweisbar.
Am 4. März 1908 verkauften Friedrich Wilhelm Herminghaus der Jüngere und sein Bruder Carl Hermann Herminghaus (* 12. Januar 1859 in Wülfrath; † 25. Juli 1917 in Remscheid-Lüttringhausen) den gesamten Gressardschen Besitz – darunter auch das Haus Hagdorn an Bernhard Weddigen, Teilhaber der Hofwagenfabrik Scheurer & Cie., Düsseldorf. Er war ein Verwandter der Frau Clara (1867–1948 geb. Weddigen) des Friedrich Wilhelm Herminghaus.
1911/12 diente das Haus Hagdorn August Steinfarz, dem Geschäftsführer der Weberei Gressard & Co., als Wohnung. 1911 erwarb es der jüdische Kaufmann Salomon Sigismund Kaufmann (* 13. November 1867 in Hilden; † 21. März 1935 ebenda), der es danach jahrzehntelang bewohnte. Salomon Sigismund Kaufmann war der Sohn von Jonas Kaufmann (* 25. März 1839 in Zons; † 5. April 1915 in Hilden), der hinter seinem heute noch stehenden Haus, Hilden, Mittelstraße 7–9, eine Kaffee-Großrösterei betrieb.
Haus Hagdorn während der NS-Zeit Als die Judenverfolgungen in Deutschland in der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 einen ersten Höhepunkt erreichten, hielt sich die Eigentümerin des „Hauses Hagdorn“, die Witwe Erna Kaufmann, geb. Löwenstein (* 23. Dezember 1883 in Levern; † 23. Mai 1943 in Sobibór) in Unna auf. Ihre Söhne Carl (* 24. Februar 1908 in Hilden; † 15. April 1989 in Sonoma/USA) und Werner (* 9. März 1913 in Hilden) waren bereits im Juni von den Niederlanden aus in die USA ausgewandert.