mini|Die Flagge der englischen Ostindien-Kompanie 1600–1707 mini|Flagge 1707–1801Die Anzahl der Streifen variiert in historischen Darstellungen, die Form mit 13 Streifen kam erst nach der Gründung der Provinz Georgia 1732 auf. mini|Flagge 1801–1858 mini|Wertseite X-Cashmünze der East India Company von 1808 mini|Wappenseite der X-Cashmünze, East India Company, Jahr 1808 Die Britische Ostindien-Kompanie (, BEIC), bis 1707 English East India Company (EIC), war eine von 1600 bis 1874 bestehende Kaufmannsgesellschaft für den Indienhandel, die nach dem Sieg über den Nawab von Bengalen in der Schlacht bei Plassey 1757 zum bestimmenden Machtfaktor in Indien aufstieg und die fast 200-jährige britische Kolonialherrschaft über das Land begründete.

Die BEIC entstand als erste von mehreren europäischen Ostindien-Kompanien, als Königin Elisabeth I. am 31. Dezember 1600 einer Gruppe reicher Londoner Kaufleute ein Privileg ausstellte. Dieses gestand den Governors and Company of merchants of London trading to the East-Indies das Recht zu, auf 15 Jahre den gesamten englischen Handel zwischen dem Kap der Guten Hoffnung im Westen und der Magellanstraße im Osten, also im gesamten Bereich des Indischen und des Pazifischen Ozeans abzuwickeln. Sie erhielt ein Siegel, konnte ihren Gouverneur und die 24 Direktoren selbst wählen und durfte sich selbst Korporationsgesetze („by-laws“) geben.

Zunächst rüstete die Gesellschaft mit 72.000 Pfund Sterling fünf Schiffe aus, die unter der Führung von Kapitän James Lancaster am 5. Juni 1602 bei Aceh auf Sumatra landeten. 1604 und 1610 folgten weitere Expeditionen dieser Art. Eine Gesandtschaft an den Großmogul Jahangir erwirkte das Recht, Handelsstationen an der Westküste von Vorderindien einzurichten. Dieses Recht konnte die Kompanie aber erst nach dem Sieg über die widerstrebenden Portugiesen im Jahre 1612 wahrnehmen. In Madras und Hugli konnte sie erst 1640 Fuß fassen, da sie dort auf die Gegenwehr der konkurrierenden Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) traf.

Karl II. bestätigte am 3. April 1661 die früheren Privilegien und verlieh der Kompanie auch die Zivilgerichtsbarkeit, die Militärgewalt und das Recht, mit den „Ungläubigen“ in Indien Krieg zu führen und Frieden zu schließen. Zudem belehnte er die Kompanie mit der Stadt Bombay, die er als Mitgift seiner portugiesischen Ehefrau Katharina erhalten hatte. Karls Nachfolger Jakob II. verlieh ihr das Recht, Festungen zu bauen, Truppen auszuheben und Münzen zu schlagen, um sie der VOC gleichzustellen. 1694 wurden die Privilegien erneut bestätigt, jedoch nur unter großen Protesten der vom Monopol ausgeschlossenen Kaufmannschaft im Londoner Parlament. Auf zunehmende Kritik stießen auch die drückenden Herrschaftspraktiken der Kompanie in ihren indischen Besitzungen. Die englische Regierung erteilte deshalb 1698 einer Konkurrenzgesellschaft die gleichen Rechte wie der „Company of Merchants“. Diese war daher gezwungen, sich 1708 mit ihrer Konkurrentin zur „United East-India Company“ zusammenzuschließen. Danach blühten die Geschäfte der Gesellschaft in nie gekanntem Ausmaß auf. Sie gewann zusehends an Einfluss auf die politischen Verhältnisse in Indien und wurde nach Plassey 1757 zu deren dominierendem Faktor.

Die Verwaltung teilte sich in dieser Zeit in die Präsidentschaft Bengalen, die Präsidentschaft Bombay und die Präsidentschaft Madras. Mit Warren Hastings wurde 1773 zum ersten Mal ein Generalgouverneur von Ostindien ernannt.Percival Spear: A History of India, Bd. 2. 5. Auflage, Penguin, Harmondsworth 1973, S. 89.

Erst 1784 wurde die Kompanie durch das Indien-Gesetz der Regierung Pitt unter die Aufsicht einer staatlichen Kontrollbehörde gestellt. Diese fungierte als Ministerialabteilung und beaufsichtigte die Anstellung der höheren Beamten, Richter und Heerführer der Kompanie. In Handelsangelegenheiten behielt die BEIC jedoch vorerst ihre alte Selbstständigkeit. 1813 verlor sie ihre Sonderrechte auf den Handel, behielt aber die oberste Gewalt in den bürgerlichen und militärischen Angelegenheiten. Zunehmende Aufstände, zuletzt derjenige der Sipahi 1857, führten dazu, dass das britische Parlament die Rechte der Kompanie durch den Government of India Act vom 2. August 1858 auf die Krone übertrug. Die letzte Sitzung der Direktoren fand am 30. August 1858 statt. 1874 wurde sie endgültig aufgelöst.

Bedeutung Von ihrem Hauptquartier in der Leadenhall Street in London organisierte sie die Gründung der britischen Kolonie Indien. Im Jahr 1718 erhielt die Gesellschaft ein kaiserliches Dekret vom Mogulkaiser in Indien, der sie von der Zahlung von Zöllen in Bengalen befreite. Dadurch erhielt sie einen bedeutenden Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten und expandierte stark, zumal Indiens Anteil am Welthandel damals etwa 27 Prozent betrug.Shashi Tharoor: Zeit der Finsternis: Das Britische Empire in Indien. Berlin 2024, S. 8.

Ein entscheidender Sieg durch Sir Robert Clive in der Schlacht bei Plassey 1757 ließ die Britische Ostindien-Kompanie auch zu einem militärischen Machtfaktor werden. Bis zum Jahr 1760 konnten die Franzosen weitgehend aus Indien vertrieben werden. Nur an der Küste verblieben einige französische Handelsniederlassungen, so auch Pondicherry. Das reiche Bengalen fiel vollständig an England.

Die Kompanie hatte auch Interessen entlang der Routen von Großbritannien nach Indien. Schon 1620 versuchte die Kompanie, die Gegend um den Tafelberg im heutigen Südafrika zu beanspruchen. Später besetzte und beherrschte sie St. Helena. Ebenso wurden Niederlassungen in Hongkong und Singapur etabliert. Die Kompanie engagierte William Kidd, um gegen die Piraterie vorzugehen. Ebenfalls erweiterte sie die Teeproduktion in Indien. Ein anderes denkwürdiges Ereignis in der Kompaniegeschichte war die Bewachung des Gefangenen Napoleon Bonaparte auf St. Helena. Auch bildeten ihre Waren den Gegenstand der Boston Tea Party in der Kolonie Amerika.

Die Flagge der Britischen Ostindien-Kompanie soll als Vorlage für die US-Flagge Stars and Stripes gedient haben. Die britische Flagge stammt aus den Gründungsjahren im 17. Jahrhundert, Stars and Stripes wurde 1777 geschaffen.

Die Werften der Ostindien-Kompanie dienten als Vorbild für diejenigen in Sankt Petersburg, Teile ihrer Verwaltung sind in der indischen Bürokratie erhalten geblieben und ihre Gesellschaftsstruktur war das erfolgreichste Modell einer Aktiengesellschaft.

Die Tributforderungen von Managern der Kompanie an das Schatzamt in Bengalen trugen zur großen Hungersnot 1770 bis 1773 bei, die Millionen von Menschenleben forderte.

Geschichte Die Gründungsjahre Die Gesellschaft wurde als The Governor and Company of Merchants of London Trading into the East Indies von einer Gruppe unternehmungslustiger und einflussreicher Geschäftsmänner gegründet, die einen königlichen Freibrief mit einem exklusiven Recht (Monopol) des Indienhandels für eine Dauer von 15 Jahren erhielt. Die Kompanie hatte 125 Anteilseigner und ein Grundkapital von 72.000 Pfund. Anfänglich konnte sie jedoch die niederländische Kontrolle über den Gewürzhandel kaum erschüttern. Auch gelang es ihr zunächst nicht, einen dauerhaften Stützpunkt in Indien zu errichten. Schließlich erreichten ihre Schiffe Indien und legten in Surat an. Dort wurde dann auch 1608 ein Handelsstützpunkt errichtet. In den folgenden zwei Jahren konnte sie ihr erstes Handelskontor in Machilipatnam an der Koromandelküste in der Bucht von Bengalen aufbauen. Die hohen Gewinne, die von der Kompanie in Indien gemeldet wurden, veranlassten König James I., auch anderen britischen Handelsgesellschaften Lizenzen zu erteilen. Doch 1609 erneuerte er den Freibrief der Kompanie für unbestimmte Zeit, mit der Einschränkung, dass der Freibrief nach drei aufeinanderfolgenden Jahren ohne Gewinne außer Kraft treten würde. Verhandlungen mit der Niederländischen Ostindien-Kompanie über einen Zusammenschluss beider Gesellschaften scheiterten 1615.Giles Milton: Muskatnuß und Musketen. Europas Wettlauf nach Ostindien. Zsolnay, Wien 2001, ISBN 3-552-05151-1, S. 313.

Niederlassungen in Indien

Ihre Händler waren häufig in Zusammenstöße mit ihren niederländischen Konkurrenten im Indischen Ozean verwickelt. Vielleicht sah man die Nutzlosigkeit von Handelskriegen in fernen Gewässern ein, jedenfalls entschlossen sich die Briten, die Möglichkeiten einer dauerhaften Niederlassung auf dem indischen Festland zu erkunden. Man veranlasste die britische Regierung, eine diplomatische Initiative zu beginnen. 1615 wurde Sir Thomas Roe von James I. beauftragt, den Mogulkaiser Jahangir aufzusuchen, der 70 Prozent des Subkontinents beherrschte. Das Ziel dieser Mission war es, ein Handelsabkommen abzuschließen, das der britischen Ostindien-Kompanie exklusive Rechte geben würde, sich in Surat und anderen Gegenden niederzulassen und Kontore zu gründen. Im Gegenzug bot die Kompanie an, den Kaiser mit Waren und Luxusgütern aus Europa zu versorgen. Die Mission war überaus erfolgreich, und Jahangir übermittelte ein Schreiben an James I., in dem er schrieb:

Der Weg zum vollkommenen Monopol Expansion mini|Mogulkaiserreich um 1700

Mit derartiger Unterstützung gelang es der Kompanie bald, die Portugiesen zu übertreffen, die Niederlassungen in Goa und Bombay gegründet hatten. Ihr gelang es, Niederlassungen in Surat (Kontorgründung 1612), Madras (1639), Bombay (1668) und Kalkutta zu gründen. Im Jahr 1647 hatte die Kompanie 23 Kontore und 90 Angestellte in Indien. Die Hauptkontore wurden die Festungen Fort William in Bengalen, Fort St. George in Madras und Bombay Castle. Im Jahr 1634 erweiterte der Mogulkaiser seine Gastfreundschaft für die englischen Händler in der Region Bengalen (und im Jahr 1717 befreite einer seiner Nachfolger sie vollständig von den Zöllen für Waren). Das Kerngeschäft der Kompanie waren nun Baumwolle, Seide, Indigo-Farbstoff, Salpeter und Tee. Während der gesamten Zeit versuchte sie, in das niederländische Gewürzmonopol in der Straße von Malakka vorzudringen. Im Jahr 1711 errichtete die Kompanie eine Handelsniederlassung in Kanton, China, um mit Silber Tee einzukaufen; dies war der Beginn des britischen Chinahandels. 1657 erneuerte Oliver Cromwell den Freibrief von 1609, und veranlasste geringfügige Veränderungen in der Eigentümerstruktur der Kompanie.

Die Stellung der Kompanie wurde durch die Wiederherstellung der Monarchie in Großbritannien erhöht. Durch eine Folge von 5 Gesetzeserlässen um das Jahr 1670 stattete König Charles II. sie mit den Rechten aus, selbstständig Territorien zu erwerben, Geld zu prägen, Festungen und Truppen zu befehligen, Bündnisse einzugehen, Krieg zu erklären, Frieden zu schließen und sowohl Zivil- als auch Strafgerichtsbarkeit in den erworbenen Gebieten auszuüben. Die Kompanie, von Handelskonkurrenten, anderen imperialen Mächten und zeitweilig feindlich gesinnten einheimischen Herrschern umgeben, hatte einen wachsenden Bedarf an militärischem Schutz. Deshalb war die Freiheit, ihre militärischen Angelegenheiten selbst zu regeln, ein willkommenes Geschenk, und die Kompanie stellte ab 1680 rasch ihre eigenen Streitkräfte auf, die sie hauptsächlich aus der einheimischen Bevölkerung rekrutierte. Somit lässt sich darüber diskutieren, ob die Kompanie ab 1689 auf dem indischen Festland einen Staat darstellte, da sie weitgehend souverän war. Sie verwaltete die riesigen Gebiete von Bengalen, Madras und Bombay und verfügte über eine erhebliche militärische Schlagkraft.

Handelsmonopol