mini|Südlicher Eingangsbereich des Millerntor-Stadions mit steinernem Vereinswappen (2011) mini|Südlicher Eingangsbereich des Millerntor-Stadions nach dem Neubau der Südkurve (2009)
Der Fußball-Club St. Pauli von 1910 e. V., kurz FC St. Pauli, ist ein Mehrspartensportverein aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli. Als Gründungsdatum gilt der 15. Mai 1910; die Vereinsfarben sind Braun und Weiß.
Der Verein hat 25 Abteilungen in unterschiedlichen Disziplinen des Leistungs- und Breitensports. Die bekannteste und mitgliederstärkste aktive Abteilung ist die Fußballabteilung, deren erste Herrenmannschaft nach zwei Saisonen (2024/25, 2025/26) in der Bundesliga ab der Saison 2026/27 erneut in der 2. Bundesliga spielt. Ihre Spielstätte ist das Millerntor-Stadion auf dem Heiligengeistfeld in der Nähe der Reeperbahn, weshalb die Spieler mitunter als „Kiezkicker“ bezeichnet werden.
Abteilungen des Vereins Abteilung Fördernde Mitglieder (AFM) Basketball Beachvolleyball Blindenfußball Bowling Boxsport Darts – Dart-Piraten Freizeitsport – Zusammenschluss aus den Sportarten Floorball, Fußball Freestyle, Line Dance, Skateboard, Squash, Stuntscooter, Subbuteo, Teqball und Ultimate Frisbee Fußball (Frauen und Mädchen / Männer und Integration: FC Lampedusa) Futsal Handball Kegeln Marathon – FC St. Pauli Marathon Pipe Band – FC St. Pauli Pipes & Drums RadsportFC St. Pauli von 1910 e. V. – Abteilung Radsport Roller Derby – St. Pauli Roller Derby Rugby Schach Schiedsrichter Segeln Tischfußball Tischtennis Tor- und Goalball Triathlon
Mit seinen 55.340 Mitgliedern (Stand: 1. Februar 2026) gehört der FC St. Pauli zu den 20 größten Sportvereinen Deutschlands. Alle Abteilungen – mit Ausnahme von Profifußballern und AFM (nur passive Mitglieder) – besitzen als gemeinsames satzungsmäßiges Organ den Amateurvorstand, der den Interessen der aktiven Amateure Gehör verschaffen soll.
Geschichte der Fußballabteilung Der FC St. Pauli war bis ins Jahr 1924 die Fußballabteilung (Spiel- und Sportabteilung) des Hamburg-St. Pauli Turnverein 1862 (gegründet am 1. Mai 1862 durch eine Fusion des MTV in Hamburg – Gründungsdatum 7. September 1852 – mit dem TV in St. Pauli und vor dem Dammthore – Gründungsdatum 7. September 1860). Offiziell gegründet wurde der FC St. Pauli am 15. Mai 1910, aber erst 1924 im Zuge der reinlichen Scheidung zwischen Turn- und Sportvereinen als selbstständiger Klub in das Vereinsregister eingetragen. Seine Vereinsfarben sind Braun und Weiß. Der FC St. Pauli e. V. ist seit dem 25. Mai 1925 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Hamburg eingetragen.§ 1 Abs. 2 Satz 1 der Vereinssatzung.
Die Anfänge Lange vor der Gründung der Spiel-Abteilung des Hamburg-St. Pauli TV wurde „auf St. Pauli" bereits Fußball gespielt. Ab der ersten Saison 1895/96 fanden auf dem Heiligengeistfeld regelmäßig Punktspiele des Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes statt, da der einzige andere Platz auf der kleinen Exerzierweide in Altona meist nicht ausreichte. Im Jahr 1900 trug der FC Victoria 1895 dort seine Heimspiele aus. Auch der FC Alemannia 1896 spielte auf dem Heiligengeistfeld und nahm für einige Jahre den Zusatz „St. Pauli“ in seinen Vereinsnamen auf. Durch den Bau eigener Plätze wurde das Feld Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr für Punktspiele benötigt.
Im Jahr 1900 wurde der nur wenige Jahre bestehende FC St. Pauli 1900 gegründet, der einem unabhängigen Verband angehörte.
Im November 1906 wurden die Mitglieder des Hamburg St. Pauli TV 1862 zur Gründung einer Abteilung aufgerufen, in der insbesondere das Fußballspiel betrieben werden sollte. Erst im Frühjahr 1907 meldeten sich genug Mitglieder, um eine Mannschaft bilden zu können. Bis zum Sommer wurden, soweit bekannt, nur zwei Freundschaftsspiele ausgetragen.
In der Saison 1907/08 fanden einige Freundschaftspartien statt – überwiegend gegen Nichtverbandsvereine oder Reservemannschaften innerhalb der Hamburger Stadtgrenzen. Von den elf Treffen konnten sieben gewonnen werden. Die Folgesaison sah die Bildung einer zweiten Mannschaft vor, auch diese bestritt nur Freundschaftsspiele. Insgesamt sollen beide Mannschaften rund ein Dutzend Begegnungen ausgetragen haben, wobei die Bilanz ausgeglichener ausfällt.
Die Saison 1909/10 begann mit Gesellschaftsspielen, bis im Herbst 1909 die Spiel-Abteilung des Hamburg-St. Pauli TV in den Norddeutschen Fußball-Verband (NFV) aufgenommen wurde. Die erste Mannschaft wurde für die Rückrunde der 3a-Klasse im Bezirk III (Hamburg/Altona) zugeteilt, in der sich fast ausschließlich die dritten Teams der Klubs aus der höchsten Spielklasse befanden. Die Teilnahme erfolgte außer Konkurrenz, so wie es für später gemeldete Mannschaften üblich war. Der Punktspielauftakt am 30. Januar 1910 gegen die dritte Mannschaft des SC Germania 1887 endete mit einem 2:0-Sieg, obwohl der TV nur mit zehn Spielern angetreten war. Weniger glücklich verlief die Punktspielpremiere für die zweite Mannschaft, die der 3b-Klasse zugeteilt war; die erste Partie bei der IV. Mannschaft des Eimsbütteler TV am 6. Februar 1910 endete mit einer 1:12-Niederlage.
Erstmals verließ der TV in dieser Saison auch die Hamburger Stadtgrenzen. Er trug dabei Freundschaftsspiele in Cuxhaven und in Dänemark aus, die allesamt mit Niederlagen endeten. Am 22. April 1910, nach dreijährigem Bestehen der Abteilung und 18 Tage vor dem offiziellen Gründungsdatum, verfügte der Hamburg-St. Pauli TV bereits über vier Mannschaften und die fünfte wurde gebildet. Insgesamt wurden 28 Spiele ausgetragen, wobei sechs Siegen 20 Niederlagen gegenüberstanden.
Im Ligabetrieb Für die Saison 1910/11 wurde die erste Mannschaft der neu gebildeten 1c-Klasse – also der 3. Liga – zugeteilt, in der sich keine Reservemannschaften befanden. Neben der zweiten Mannschaft nahmen auch erstmals die dritte und vierte Garnitur an den Meisterschaftsspielen teil. Das angestrebte Ziel, der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse, wurde im ersten Jahr knapp verpasst. Die Leistungen stagnierten und ein Abwärtstrend setzte ein. Gute Spieler verließen den Verein und schlossen sich anderen Klubs an. Extrem groß war der Verlust Ende Dezember 1912, als von den knapp 230 gemeldeten Spielern 57 den Verein am selben Tag verließen. Vor dem Ersten Weltkrieg entstand mit der St. Pauli SpVgg eine lokale Konkurrenz, die ungefähr zum gleichen Zeitpunkt ihren Spielbetrieb wie der Hamburg-St. Pauli TV aufnahm.
Im Laufe des Ersten Weltkrieges gelang dem TV der Sprung in die zweite Spielklasse. Da diese 1915 in zwei Staffeln (West und Ost) geteilt wurde und andere Klubs sich wegen Spielermangels von Meisterschaftsspielen zurückziehen mussten, konnten die Turner dank der Vizemeisterschaft in der 1c-Klasse aufrücken.Das war nicht „zu Beginn“ des Krieges, denn 1914/15 spielte die Mannschaft noch in der 1c-Klasse, vgl. Neue Hamburger Zeitung vom 7. März 1915, Seite 4 (Spielansetzungen) 1915/16 wurde der Hamburg-St. Pauli TV Meister seiner Staffel. Für die Teilnahme an der Relegationsrunde wurde für den 7. Mai 1916 ein Entscheidungsspiel auf dem Victoria-Sportplatz an der Hoheluft gegen den SC Concordia 1907 angesetzt. Die Concorden hatten die Meisterschaft ihrer Staffel gewonnen; alle 20 Punktspiele wurden siegreich beendet mit einem Torsaldo von 155:13. Zur Pause führte der TV überraschend mit 1:0, musste sich am Ende mit 1:4 beugen.
1919 gelang der angestrebte Aufstieg in die höchste Spielklasse, die 1a-Klasse hieß (und in der Presse meist schlicht „A-Klasse“ genannt wurde); sie umfasste nun 13 Vereine, da sich einige Spielgemeinschaften nach dem Kriegsende wieder aufgelöst hatten. In einer einfachen Runde endeten die Turner auf dem letzten Platz. Nur der Vorletzte, die SpVgg 1903 Blankenese, konnte mit 2:1 geschlagen werden; die restlichen elf Begegnungen gingen verloren. Die höchste Niederlage wurde mit 0:9 gegen den SC Victoria registriert, im allerersten Punktduell beider Klubs. Nach Beendigung der Einfachrunde wurde die Tabelle geteilt. Der TV spielte in der vermeintlichen Abstiegsrunde, belegte bei sieben teilnehmenden Mannschaften den sechsten Platz und wäre somit gleich wieder abgestiegen; wegen einer Spielklassenreform wurde das gegenstandslos, denn die A-Klasse wurde nun als 2. Liga – unterhalb der wieder eingeführten regionalen Liga des NFV – fortgesetzt.
An (nominell) lokaler Konkurrenz erstarkte der St. Pauli SV 1901, im Volksmund St. Pauli Sport genannt.Spielort war „Tiefenstaaken“ in Lokstedt, zu der Zeit außerhalb Hamburgs; insofern handelte es sich nicht um lokale Konkurrenz. Seinen Namen hatte der Verein durch die Fusion des FC Blücher (vormals Britannia) mit zwei anderen Klubs erhalten, unter denen sich die oben genannte St. Pauli SpVgg. befand Gegründet wurde dieser Verein als FC Britannia, nach Kriegsbeginn erst in FC Blücher, später nach einer Fusion in St. Pauli SV umbenannt und für Jahre erfolgreicher als der FC. Heute heißt er, nach weiteren Zusammenschlüssen, Grün-Weiß Eimsbüttel.
Im Nationalsozialismus In den Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich der FC St. Pauli zu einer sogenannten „Fahrstuhlmannschaft“, die ständig zwischen der erstklassigen Gauliga Nordmark bzw. Gauliga Hamburg und der zweitklassigen Fußball-Bezirksklasse Groß-Hamburg hin- und her pendelte. Da (mit vorübergehenden Ausnahmen) kein Trainer eingestellt wurde, konnte auch das oft vorhandene spielerische Potential nicht weiterentwickelt werden.
Das FC-St.-Pauli-Museum arbeitet seit Anfang 2023 an der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte des Vereins. Dabei rekonstruiert es die Biografien ehemaliger jüdischer Mitglieder, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden, sowie die von Mitgliedern, die Teil des NS-Systems waren. Viele jüdische Sportler, die jahrzehntelang Mitglieder des Vereins waren, gerieten in Vergessenheit. Im Rahmen des Projekts FC St. Pauli vor 1945 werden diese Geschichten nun wieder ans Licht gebracht.
Historisch war der FC St. Pauli ein „Mitläuferverein”, der vom NS-System profitierte. In den Sportzeitungen der 1920er und frühen 1930er Jahre wurde der Klub für seine vorbildliche Jugendarbeit gelobt, bei der ausschließlich deutsche Spieler aus der eigenen Jugend gefördert wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Nach 1945 gelang es einem „Wunderteam“, wie es rückblickend oft genannt wird, sich für Jahre unter den norddeutschen Spitzenmannschaften zu etablieren. Zentrale Figur war Karl Miller, seit seiner Zeit beim Dresdner SC. Spieler wie Walter Dzur, Heinz Hempel, Heiner Schaffer und weitere Dresdner kamen zum FC und wurden zu Leitfiguren, Hempel später auch zum langjährigen Trainer. Gelegentlich gastierte Helmut Schön im Team; aus Berlin kamen Hans Appel und der Torwart Willi Thiele, 1946 als Trainer Hans Sauerwein dazu. Gefördert wurden Verein und Spieler durch den Vater Millers, den Metzger Karl Miller senior.Carsten Harms: Als St. Paulis „Wunderelf“ für Furore sorgte (Hamburger Abendblatt, 28. April 2017, abgerufen am 22. August 2024). In jenen Jahren verstärkte sich die – nun auch sportliche – Rivalität mit dem HSV aus dem „feinen“ Stadtteil Rothenbaum, dem man 1946/47 erstmals den Meistertitel in Hamburg abnahm. In der Oberliga Nord waren beide Klubs in den Anfangsjahren auf Augenhöhe. 1947 allerdings hatte den FC die Nichtteilnahme an der Zonenmeisterschaft Sympathien und einen möglichen großen Erfolg gekostet. Berühmt sind heute Fotos vom Sommer 1948, als sich die Mannschaft während der Berlin-Blockade zu Fuß mit Handwagen den Weg zum Meisterschaftsspiel gegen Union Oberschöneweide bahnen musste. Im folgenden Jahr wurde der FC Vertragsspielerverein.
mini|Szene der Partie Holstein – FC St. Pauli am 29. April 1967; Endstand 1:1