Das k.u.k. Infanterieregiment „von Rummer“ Nr. 98 war ein Regiment der Gemeinsamen Armee Österreich-Ungarns.

Geschichte Das Regiment wurde mit 1. Jänner 1883 in Josephstadt in Böhmen aufgestellt. Die Errichtung erfolgte aus je einem Bataillon der Infanterieregimenter Nr. 18, 21 und 71 sowie dem Feldjägerbataillon Nr. 39. Es ergänzte sich aus dem böhmischen Bezirk Hohenmauth.Alphons von Wrede, Anton Semek: Die Geschichte der k. u. k. Wehrmacht: Die Regimenter, Corps, Branchen und Anstalten von 1618 bis Ende des XIX. Jahrhunderts. Band I: Infanterie. S. 610. Der Regimentsstab war zunächst in Josephstadt und ab 1894 in Olmütz.

Im Zuge der 1917 in Angriff genommenen Neuorganisation der Armee wurde auch die Feldstärke des Infanterieregiments Nr. 98 im Herbst 1917 von vier auf drei Feldbataillone reduziert.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Siebter Band: Das Kriegsjahr 1918. S. 54–55. Das I. Bataillon des Regiments wurde mit anderen Bataillonen zur Aufstellung des Infanterieregiments Nr. 118 herangezogen.General Staff, War Office (Hrsg.): The Austro-Hungarian Forces in the Field (5th edition) October 1918. S. 124.

Stand Juli 1914 Unterstellt – Stab und II. bis IV. Baon: 19. Infanterie-Brigade – 10. Infanterie-Truppendivision – IX. Armeekorps Unterstellt – I. Baon: 14. Gebirgs-Brigade – 47. Infanterie-Truppendivision – XVI. Armeekorps Umgangssprachen bei Mannschaften: 68 % tschechisch – 28 % deutsch – 4 % verschiedene Ergänzungsbezirk: Hohenmauth Dislozierung: Stab, II., III. Baon: Josephsstadt – IV. Baon: Hohenmauth – I. Baon: Perzagno Kommandant: Oberst Carl Alscher Bataillonskommandanten: Oberstleutnant Simon Barza Edler von Barnhöfft (III.), Oberstleutnant Friedrich Schwaller (IV.), Major Stanislaus Nobile de Saraca (II.), Major Anton Mader (I.)Schematismus für das k.u.k. Heer und für die k.u.k. Kriegsmarine für 1914. S. 574. Deutsche Uniform – Egalisierungsfarbe: lichtdrap – Knöpfe: silberMaximilian Ehnl: Die österreichisch-ungarische Landmacht nach Aufbau, Gliederung, Friedensgarnison, Einteilung und nationaler Zusammensetzung im Sommer 1914. S. 34.

Erster Weltkrieg Das Infanterieregiment Nr. 98 mit dem II., III. und IV. Bataillon war bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Rahmen der 10. Infanterie-Truppendivision und des übergeordneten IX. Armeekorps der 4. Armee unter General der Infanterie Moritz von Auffenberg unterstellt und für den russischen Kriegsschauplatz bestimmt.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Erster Band: Das Kriegsjahr 1914. S. 75–76. Während das Regiment fast ununterbrochen der 10. Infanterie-Truppendivision unterstand, wechselten im Laufe des Krieges die Korps- und Armeezuständigkeiten der Division oder des Korps.

Schlacht in Galizien In der Schlacht von Komarów musste das Infanterieregiment Nr. 98 bei der bedrängten 39. Honvéd-Infanterie-Truppendivision aushelfen.Konrad Leppa: Die Schlacht bei Komarow. Die Kämpfe der k. u. k. 4. Armee und der russischen 5. Armee vom 26. August bis 2. September 1914. S. 255. Während der vom 26. August bis 2. September 1914 dauernden Schlacht, wurde das Regiment zersprengt und hatte 800 Ausfälle zu verzeichnen.Konrad Leppa: Die Schlacht bei Komarow. Die Kämpfe der k. u. k. 4. Armee und der russischen 5. Armee vom 26. August bis 2. September 1914. S. 283–284, S. 514. Auffenberg vermerkte später, das alle Regimenter der 10. Infanterie-Truppen-Division sich hervorragend geschlagen hätten. Bei einer Inspizierung Ende August, äußerte er sich auch über das Infanterieregiment Nr. 98 zufrieden.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 73–74. Während der Schlacht bei Rawa Ruska und dem anschließenden Rückzug an den San und weiter bis nordwestlich von Biecz in Westgalizien, unterstand das Regiment erneut der 10. Division.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Erster Band: Das Kriegsjahr 1914. S. 389.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Erster Band (Beilagen): Das Kriegsjahr 1914. Beilage 14. Nach der schweren österreichisch-ungarischen Niederlage bei Rawa Ruska mussten die Regimenter der Division durch Marschbataillone aufgefrischt werden. Mit dem Eintreffen der Reservisten und neuer, ungenügend ausgebildeter Rekruten, machten sich Desintegrationstendenzen bei den einzelnen Regimentern bemerkbar.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 75. Im Oktober-Feldzug war das Regiment im Verband des IX. Korps an der Rückeroberung von Jarosław am 11. Oktober 1914 beteiligt.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Erster Band: Das Kriegsjahr 1914. S. 392, 478. Die schlechte Versorgungslage, verursacht auch durch Nachschubschwierigkeiten auf den aufgeweichten, schlammigen Straßen, sowie die Marschleistungen führten zu disziplinären Verfallserscheinungen in der Division unter anderem durch Desertion, die durch den großer Anteil von Ersatzreservisten, Offiziersverluste und Kommunikationsprobleme zwischen deutschen Offizieren und tschechischen Mannschaften noch verstärkt wurden.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 96, 214. Nachdem der San erreicht war, wurde das Infanterieregiment Nr. 98 zunächst als Divisionsreserve zurückgehalten. Bei einem russischen Gegenangriff am 20. Oktober gelang es den Russen einen Brückenkopf am rechten Sanufer bei Radymno nördlich von Przemyśl zu bilden. Das Regiment beteiligte sich an der vergeblichen Rückeroberung des Brückenkopfes. Armeebeobachter vermerkten anhand von Meldungen und Erzählungen, dass das Infanterieregiment Nr. 98 und das Feldjägerbataillon Nr. 12 zu den verlässlichsten Einheiten gehörten, während es beim Infanterieregiment Nr. 36 und bei den Landwehrinfanterieregimentern Nr. 9 und 30 zu Auflösungserscheinungen unter anderem wegen Überlaufens zum Feind gekommen sei. Am 26. Oktober wurde die 16. Kompanie des Regiments von den Russen umzingelt und weitgehend gefangen genommen, nachdem im benachbarten Abschnitt Truppen des Landwehrinfanterieregimentes Nr. 30 sich ergeben hatten. Erst am 29. Oktober gelang es dem Regiment die verloren gegangenen Stellungen zurückzuerobern. In den Kämpfen bei Radymno am San hatte das Regiment erneut hohe Verluste zu verzeichnen.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 149–283. mini|hochkant|Gedenkstein für die während der 9. und 10. Isonzoschlacht bei Hudi Log eingesetzten tschechischen Regimenter der k.u.k. Armee

Winterschlacht in den Karpaten Anfang November zog sich die gesamte österreichisch-ungarischen Armee Richtung Westgalizien zurück. Das Infanterieregiment Nr. 98 wurde im Verband der 3. Armee in die Karpaten zur Verteidigung der Karpatenpässe gegen die nachrückende russische 8. Armee unter General Brussilow beordert. Am 11. November 1914 langte das IX. Korps im Raum Krempna in den Niederen Beskiden an. Das Regiment wurde durch das IV. Marschbataillon aufgefrischt, die hohen Verluste der ersten Kriegsmonate konnten aber qualitativ nicht ausgeglichen werden. So wurde bei den Offizieren verstärkt auf Reserveleutnants zurückgegriffen, beim Infanterieregiment Nr. 98 waren sechs von zwölf Kompaniekommandanten Reserveoffiziere. Am 20. November befahl Armeekommandant Boroévic dem IX. Korps vorzurücken, um die andrängenden Russen aufzuhalten.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 291–295. Der Angriff scheiterte drei Tage später im Zuge einer russischen Gegenoffensive und brachte dem Korps hohe Verluste ein, die insbesondere durch Zerfallsprozesse gekennzeichnet waren. Das Infanterieregiment Nr. 98 hatte mit 100 Ausfällen noch die geringsten Verluste zu verzeichnen. Der Gesamtzustand der Truppe war durch die Kämpfe und die mehrtägigen Aufenthalte im Freien bei Schnee und Kälte allerdings sehr erschöpft. Am 28. November begann der Rückzug der Division zunächst nach Alsópagony und am Tag darauf nach Bartfeld, das aber ebenfalls vor den nachrückenden Russen aufgegeben werden musste.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 302–311.

Im Verlauf der Schlacht bei Limanowa–Lapanow konnte das von General Rudolf Králíček übernommene IX. Korps am 12. Dezember die Linie Ropa - Ropica Polska - Sękowa und am 14. Dezember Gromnik einnehmen. Der Vorstoß war erneut mit zahlreichen Ausfällen verbunden. Am 19. Dezember erschöpfte sich der Angriff mit dem Erreichen des Raumes von Joniny und Ryglice. In der anschließenden russischen Gegenoffensive wurde die 10. Infanterietruppendivision bis zum 21. Dezember fast vollständig aufgerieben und bis Szerny zurückgedrängt.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 313–314. Sie wies Ende Dezember 1914 nur noch 600 gefechtsbereite Soldaten auf.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Zweiter Band: Das Kriegsjahr 1915 Erster Teil. S. 70, 100. Am 26. Dezember wurde die Division retabliert und mit den V. Marschbataillonen praktisch neu aufgestellt. Von Anfang Jänner 1915 an lag Division in der Dauerstellung an der Straße Gorlice – Grybów.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 315. Seit Kriegsbeginn hatte das Infanterieregiment Nr. 98 114 Offiziere und 8080 Mannschaften an Gefallenen, Verwundeten, Erkrankten, Vermissten und Gefangenen verloren. Ausfälle konnten qualitativ nicht mehr kompensiert werden. Ende Jänner 1915 waren von den Mannschaften des Regiments nur noch 29 % in Friedenszeiten ausgebildet worden.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 322–323. Der neue Divisionskommandeur General Artur von Mecenseffy zeigte sich im Februar dennoch zufrieden über den Gefechtsstand des Regiments, im Gegensatz zu anderen Regimentern seiner Division.Christian E. Reiter: Zur Problematik des tschechischen «Verrates» im Ersten Weltkrieg: die k. u. k. 10. Infanterie-Truppendivision 1914/15. S. 327.