British Eagle International Airlines (im Außenauftritt British Eagle) war eine britische Fluggesellschaft, die im Jahr 1968 Insolvenz angemeldet hat. Das Unternehmen war ursprünglich im Jahr 1948 als Eagle Aviation gegründet worden und firmierte anschließend unter den Namen Eagle Airways und Cunard Eagle Airways. Die Gesellschaft führte neben Linienflügen und Frachttransporten auch zivile sowie militärische Charterdienste durch.
Geschichte Eagle Aviation (1948 bis 1953) mini|250px|Eagle-Aviation-Gründer Harold Bamberg (Mitte) auf dem Blackbushe Airport im Jahr 2012 Die Gesellschaft wurde am 14. April 1948 von dem ehemaligen RAF-Piloten Harold Bamberg unter dem Namen Eagle Aviation als Frachtfluggesellschaft gegründet, um Obst aus dem Mittelmeerraum nach Großbritannien zu importieren.The History of Eagle Aviation Ltd. 1948-1953 Anfangs war das Unternehmen auf dem Militärflugplatz Bovingdon in Hertfordshire ansässig.Home of the Eagle, Eagle Bases in the UK Der Flugbetrieb begann am 9. Mai 1948 zwischen Bovingdon und Verona (Italien) mit einem zum Transporter umgebauten Bombenflugzeug des Typs Handley Page Halifax, welches Bamberg von der Air Freight übernommen hatte. Als die Westalliierten im selben Jahr zusätzliche Flugzeuge für die Berliner Luftbrücke benötigten, konnte er erstmals einen militärischen Chartervertrag mit der Royal Air Force abschließen. Am 9. Oktober 1948 wurde eine zweite Halifax erworben. Beide Maschinen kamen im selben Monat vom Fliegerhorst Wunstorf auf Versorgungsflügen nach West-Berlin zum Einsatz. Ende 1948 erhielt die Gesellschaft zwei weitere Halifax und verlegte danach ihre Einsatzbasis auf den Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel. Nach Einstellung der Luftbrücke wurde der RAF-Stützpunkt Aldermaston in Berkshire zum neuen Heimatflugplatz des Unternehmens.
Im Jahr 1949 übernahm Eagle Aviation drei Avro York von der British Overseas Airways Corporation (BOAC), die eine wahlweise Beförderung von Fracht oder von bis zu 46 Passagieren ermöglichten.Flight International, 5. Januar 1950 Die Maschinen kamen überwiegend auf zivilen Schwerlasttransporten sowie im Auftrag der RAF auf militärischen Verbindungsflügen nach Singapur, Kenia und in den Nahen Osten zum Einsatz. Als im August 1949 die auf dem Flughafen Tollerton beheimatete Blue-Line Airways in Konkurs ging, übernahm Eagle Aviation den Großteil ihrer aus Auster Autocrat, Avro Anson, Douglas DC-3 und Percival Proctor bestehenden Flotte. Die staatliche British European Airways (BEA) beauftragte die Gesellschaft danach mit der Wiedereröffnung des Liniendienstes zwischen Nottingham/Tollerton und Jersey.Airlines of the British Isles since 1919, Maurice J Wickstead, 2014 Zeitgleich führte Eagle Aviation erste touristische Charterflüge für britische Reiseveranstalter in den Mittelmeerraum durch und verlegte nach der Schließung der RAF-Basis Aldermaston im April 1950 ihren Betrieb auf den Flughafen Luton. Im Sommer 1950 setzte die Gesellschaft unter anderem eine Douglas DC-3 im Wet-Lease für (die erste) Air Malta auf deren Linienstrecken von Valletta nach Catania, Kairo und Rom ein.Flight International, 31. August 1950 Daneben wurden Frachtaufträge für BOAC geflogen. Im September 1950 übernahm das Unternehmen die in Nottingham/Tollerton ansässige Trent Valley Aviation mitsamt ihren Maschinen der Typen De Havilland DH.89 Dragon Rapide und Douglas DC-3. Nach dem Unfall der letzten verbliebenen Halifax kamen ab November 1950 auf den Langstreckenflügen nur noch Avro York zum Einsatz. Drei weitere Maschinen dieses Typs wurden hierzu aus dem Bestand der argentinischen Flota Aerea Mercante Argentina erworben. Im Jahr 1951 konnte Eagle Aviation langfristige Kontrakte mit der RAF abschließen und beförderte anschließend regelmäßig Militärpersonal zu den britischen Stützpunkten in Übersee.Flight International, 10. Oktober 1952Flight International, 8. Januar 1952
Nachdem die britische Regierung die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen hatte, dass private Unternehmen planmäßige Dienste auf solchen Strecken anbieten durften, die noch nicht von den staatlichen Fluggesellschaften BOAC und BEA beflogen wurden, verlegte Eagle Aviation im Jahr 1952 ihre Heimatbasis auf den Flughafen Blackbushe und eröffnete dort unter dem Namen Eagle Aircraft Services ein Wartungszentrum, in dem auch Maschinen anderer Gesellschaften überholt wurden. Im Herbst 1952 stellte das Unternehmen die ersten zwei Verkehrsflugzeuge des Typs Vickers Viking in Dienst. Parallel dazu wurden alle fünf Avro Yorks an Skyways verkauft, wodurch Eagle Aviation nur noch Kurzstreckenflugzeuge besaß.Flight International, 28. November 1952
Eagle Airways (1953 bis 1960) mini|250px|Eagle Airways führte ab 1953 Linienflüge mit Maschinen des Typs Vickers Viking durch Am 6. Juni 1953 eröffnete Eagle Aviation ihre erste Linienstrecke vom Flughafen Blackbushe über München nach Belgrad.Flight International, 12. Juni 1953 Ab dem 1. Juli 1953 führte die Gesellschaft ihre Liniendienste im Außenauftritt als Eagle Airways durch, während die Charter- und Militärflüge zunächst weiterhin unter dem Namen Eagle Aviation erfolgten. Noch im selben Jahr wurden planmäßige Verbindungen nach Aalborg und Göteborg aufgenommen.Flight International, 6. November 1953 Das Unternehmen stellte anschließend eine große Zahl gebraucht erworbener Vickers Viking in Dienst, die auch auf den zivilen und militärischen Charterflügen zum Einsatz kamen. Weil sich die Kabinenausstattungen der zivil und militärisch genutzten Vikings voneinander unterschieden, trugen sie firmenintern die Bezeichnungen Mayfair und Troopmaster.The History of Eagle Airways 1953-1960
Anfang 1955 bestand die Flotte der Gesellschaft aus zehn Vickers Viking und zwei Douglas DC-3. Zu dieser Zeit bot Eagle Airways Linienflüge von Blackbushe nach Belgrad, Innsbruck und Luxemburg an. Zudem wurden München und Wien planmäßig von Manchester sowie von Birmingham aus angeflogen. Das Unternehmen führte daneben saisonale Charterdienste zu weiteren europäischen Zielen durch, unter anderem nach Pisa, Turin, Valencia, Mallorca und Korsika.Flight International, 11. März 1955 Obwohl der Linienverkehr defizitär war und durch Einnahmen aus den zivilen und militärischen Charterflügen ausgeglichen werden musste, eröffnete das Unternehmen in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre weitere Linienrouten nach Basel, Bergen, Dinard, Frankfurt, Hamburg, Kopenhagen, La Baule, Ostende, Palma de Mallorca, Pisa, Rimini sowie eine erste nationale Verbindung von Blackbushe zur Kanalinsel Jersey.Eagle Airways, Flugplan 1958 Im Jahr 1959 wurde erstmals ein Gewinn im Linienbetrieb erzielt.Fly me, I'm Freddie! Roger Eglin, 1980
Der Gouverneur von Bermuda stellte dem Unternehmen Anfang 1957 Streckenrechte zwischen dem britischen Überseegebiet und New York in Aussicht, obwohl die BOAC-Tochter British West Indian Airways diese Route parallel bediente. Hierzu gründete Harold Bamberg am 26. Juli 1957 die in Hamilton ansässige Tochtergesellschaft Eagle Airways Bermuda, die ihren Betrieb am 1. Mai 1958 mit einer werksneuen Vickers Viscount 805 vom Flughafen Kindley Field zum Idlewild Airport aufnahm. Die Linienflüge waren insbesondere bei US-amerikanischen Urlaubern beliebt und erreichten eine hohe Auslastung. Weil die Tickets in US-Dollar bezahlt wurden, gelangte das Unternehmen an Devisen und konnte im August 1958 den Kauf einer fast werksneuen Douglas DC-6 finanzieren; eine zweite DC-6 wurde einen Monat später in Dienst gestellt. Eagle Airways war die erste britische Fluggesellschaft, die diesen Typ einsetzte. Im März 1959 eröffnete die bermudische Gesellschaft weitere Routen vom Flughafen Kindley Field nach Baltimore, Washington und Montreal (Kanada).Flight International, 19. April 1959
Weil BOAC keine Flüge zwischen London und Bermuda anbot, gewährte das Überseegebiet dem Tochterunternehmen bereits am 15. September 1958 Linienrechte nach Großbritannien. Die Genehmigung der britischen Regierung wurde ein Jahr später erteilt, woraufhin Eagle Airways Bermuda ab dem 13. Dezember 1959 mit einer gemieteten Douglas DC-6 der Muttergesellschaft transatlantische Flüge nach London aufnehmen konnte.Flight International, 29. Januar 1960, Seiten 147–149 Eagle Airways wurde damit auf den Nordatlantikrouten zu einer Konkurrentin der BOAC. Obwohl die britische Gesellschaft keine eigenen Streckenrechte besaß, konnte sie über das bermudische Tochterunternehmen Verbindungen von London in die USA und nach Kanada anbieten, wobei der Flughafen Kindley Field als Drehkreuz diente. Nach Gründung einer weiteren Tochtergesellschaft in Nassau nahm Eagle Airways im Frühjahr 1960 auch planmäßige Dienste von London über Bermuda zu den Bahamas auf. Hierzu wurde eine erste Bristol Britannia von Cubana geleast. Zudem erhielt das auf den Bahamas ansässige Tochterunternehmen im Januar 1960 Streckenrechte nach Miami.Flight International, 29. Januar 1960, Seiten 161–162 Die Linienflüge weckten das Interesse der Reederei Cunard Steamship Company, die seit Jahren einen stetigen Passagierrückgang im transatlantischen Schiffsverkehr verzeichnete und daher eine Beteiligung an einer Fluggesellschaft anstrebte.
Cunard Eagle Airways (1960 bis 1963) mini|250px|Eine Bristol Britannia in Farben der Cunard Eagle Airways auf dem Heathrow Airport Als Harold Bamberg Anfang 1960 einen Investor suchte, um die Flotte zu modernisieren und den Ausbau des Unternehmens vorantreiben zu können, beteiligte sich die Cunard Steamship Company mit 60 Prozent an der Fluggesellschaft, die daraufhin am 19. April 1960 zur Cunard Eagle Airways umfirmiert wurde.Leisure Airlines of Europe, K. Vomhof, 2001 Nach der Übernahme blieb Bamberg als Geschäftsführer tätig und hielt weiterhin eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen. Zeitgleich wurde der Blackbushe Airport geschlossen, woraufhin die operative Basis auf den Flughafen London-Heathrow verlegt werden musste.
Nachdem Großbritannien im Jahr 1960 mit dem Air Transport Licensing Board (ATLB) ein neues Instrument zur Vergabe von Streckenrechten geschaffen hatte, beantragte Cunard Eagle Airways eine Genehmigung für Direktflüge zwischen London und New York.The Regulation of Air Transport, K. M. Gwilliam, 2007 Als das britische Transportministerium zusicherte, dass die Linienrechte erteilt werden würden, orderte die Gesellschaft am 21. März 1961 zwei werksneue Boeing 707-400 mit einer Kaufoption für ein drittes Flugzeug.Cunard Queens, Cunard Eagle Airways Die staatliche Fluggesellschaft BOAC protestierte gegen die Vergabe und legte Widerspruch ein, woraufhin Cunard Eagle Airways die genehmigten Streckenrechte noch vor Auslieferung der bestellten Flugzeuge wieder entzogen wurden. Aufgrund der verfahrenen Situation nahm die Geschäftsleitung der Reederei Cunard Ende 1961 vertrauliche Gespräche mit BOAC auf, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erörtern. Hieraus ging im Juni 1962 die Fluggesellschaft BOAC-Cunard hervor. An diesem Joint-Venture war die Cunard Steamship Company mit 30 Prozent und BOAC mit 70 Prozent beteiligt.