Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der portugiesischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften und den Qualifikationen dazu. Die portugiesische Mannschaft konnte sich erstmals 1984 für die Endrunde qualifizierten und ist seit 1996, als das Teilnehmerfeld auf 16 aufgestockt wurde, Stammgast bei der Endrunde. Portugal konnte 2016 erstmals den Titel gewinnen und erreichte zudem 2004 als Gastgeber das Finale, verlor dieses aber gegen Außenseiter Griechenland.

Übersicht Portugal ist die einzige Mannschaft, die bei gelungener Qualifikation für die Endrunde bisher immer die Gruppenphase überstand und in die K.-o.-Runde einzog. Mit Cristiano Ronaldo (2012 und 2021) stellte Portugal zweimal einen der besten Torschützen einer Europameisterschaft sowie den Rekordspieler (30 Spiele) und Rekordtorschützen (14 Tore).

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960 nicht qualifiziert – – im Viertelfinale am späteren Vizeeuropameister Jugoslawien gescheitert 1964 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation nach Entscheidungsspiel in Rom an Bulgarien gescheitert, das aber die Endrunde auch nicht erreichte 1968 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation erneut an Bulgarien gescheitert, das aber wieder die Endrunde nicht erreichte 1972 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation am späteren Dritten Belgien gescheitert 1976 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation am späteren Europameister Tschechoslowakei gescheitert 1980 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation am späteren Vizeeuropameister Belgien gescheitert 1984 Halbfinale – Fernando CabritaNiederlage nach Verlängerung gegen den späteren Europameister 1988 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an Italien gescheitert 1992 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an Titelverteidiger Niederlande gescheitert 1996 Viertelfinale – António Oliveira Niederlage gegen den späteren Finalisten 2000 Halbfinale – Humberto Coelho Niederlage durch Golden Goal per Strafstoß gegen den späteren Europameister 2004 Finale 2. Platz erste Finalteilnahme 2008 Viertelfinale – Niederlage gegen den späteren Finalisten 2012 Halbfinale – Paulo BentoNiederlage im Elfmeterschießen gegen den späteren Europameister 2016 FinaleEuropameister Fernando SantosMit drei Remis gegen Island, Österreich und Ungarn erreichte Portugal das Achtelfinale und durch ein Tor in der Verlängerung gegen Kroatien das Viertelfinale. 2:0-Sieg gegen Wales im Halbfinale und Endspielsieg gegen Gastgeber Frankreich 1:0 n. V. 2021 Europa Achtelfinale Fernando Santos Portugal qualifizierte sich am letzten Gruppenspieltag. Bei der Endrunde trafen die Portugiesen auf Deutschland, Weltmeister Frankreich und den Playoff-Sieger Ungarn und holten 4 Punkte aus 3 Spielen, qualifizierten sich als einer der vier besten Gruppendritten und verloren im Achtelfinale 0:1 gegen Belgien. 2024 ViertelfinaleFrankreich Portugal qualifizierte sich als einzige Mannschaft mit zehn Siegen. Qualifikationsopfer waren die Slowakei, Luxemburg, Island, Bosnien & Herzegowina sowie Liechtenstein. Bei der Endrunde trafen die Portugiesen in der Gruppenphase auf Tschechien, die Türkei und Georgien, den Sieger des Play-off-Pfads C. Im Achtelfinale setzten sie sich im Elfmeterschießen gegen Slowenien durch, das sie im Viertelfinale verloren.

Endrunden mit vier Teilnehmern 1960–1976 EM 1960 Für die Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, hatte auch der portugiesische Verband seine Nationalmannschaft gemeldet. Am 21. Juni 1959 bestritten die von José Maria Antunes trainierten Portugiesen in Ost-Berlin gegen die DDR ihr erstes EM-Qualifikationsspiel und gewannen mit 2:0, wobei Matateu das erste Qualifikationstor für die Portugiesen schoss.DDR 0-2 Portugal Das Rückspiel in Porto wurde mit 3:2 gewonnen und damit das Viertelfinale erreicht. In diesem trafen sie auf Jugoslawien und gewannen zwar das Heimspiel mit 2:1, verloren aber das Rückspiel mit 1:5. Damit war Portugal ausgeschieden, Jugoslawien erreichte bei der Endrunde das Finale, verlor dies aber gegen die UdSSR.

EM 1964 Vier Jahre später wollten dann mehr Mannschaften als 1960 teilnahmen, daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. In der Vorrunde trafen die Portugiesen auf Bulgarien. Mit Benfica Lissabon stellte Portugal damals die beste europäische Mannschaft, die 1961 und 1962 die Nachfolge von Real Madrid als Europapokalsieger der Landesmeister angetreten hatte. Dabei hatte Benficas Kapitän José Águas 1961 allein 11 Tore erzielt, aber am 17. Mai 1962 sein letztes Länderspiel bestritten. Mit dem 20-jährigen Eusébio stand aber ein Nachfolger in den Startlöchern, der beim 1:3 in Bulgarien auch die zwischenzeitliche 1:0-Führung erzielte.Bulgarien 3-1 Portugal Nach einem 3:1 im Rückspiel gab es ein Entscheidungsspiel in Rom, das Bulgarien mit 1:0 gewann. Portugal war damit ausgeschieden, qualifizierte sich aber zwei Jahre später erstmals für die WM 1966, bei der Eusébio Torschützenkönig und Portugal Dritter wurde.

EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Der nun von José Gomes De Silva trainierte WM-Dritte Portugal musste wieder gegen Bulgarien sowie die nordischen Nachbarn Schweden und Norwegen antreten. Portugal konnte nicht an die Leistungen bei der WM anknüpfen und gewann nur die beiden Spiele gegen Norwegen. Gegen die beiden anderen Gegner gab es je ein Remis und eine Niederlage. Eusébio, der in allen sechs Spielen zum Einsatz kam, erzielte nur zwei Tore. Damit waren die Portugiesen nur Zweiter hinter den Bulgaren, die kein Spiel in der Gruppenphase verloren, aber im Viertelfinale an Italien scheiterten. Italien durfte dann die Endrunde ausrichten und wurde Europameister. Da Silva blieb zunächst im Amt, seinem Nachfolger José Maria Antunes gelang es in seiner 3. Amtszeit aber nicht, die Portugiesen zur WM 1970 zu führen, und so endete seine letzte Amtszeit vor der nächsten EM-Qualifikation.

EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnten sich die nun wieder von José Gomes da Silva trainierten Portugiesen auch nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Belgien, Schottland und Dänemark gewannen sie zwar diesmal drei Spiele, am letzten Spieltag verspielten sie aber durch ein 1:1 gegen Belgien den Gruppensieg. Damit endete da Silvas letzte Amtszeit als Nationaltrainer. Seinem Nachfolger José Augusto misslang dann die Qualifikation für die WM 1974. Die Belgier schalteten überraschend im Viertelfinale Titelverteidiger Italien aus und durften die Endrunde ausrichten, bei der sie Dritter wurden.

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen, die Portugiesen konnten sich wieder nicht qualifizieren. Trainiert wurden sie nun von José Maria Pedroto, der nach der verpassten Qualifikation für die WM 1974, nach der auch Eusébio im Oktober 1973 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war, das Amt übernommen hatte. Gegner waren die Tschechoslowakei, England und Zypern gegen das die einzige Siege gelangen. Damit wurde nur der dritte Platz belegt. Die Tschechoslowakei erreichte dann auch die EM-Endrunde, wo sie zuerst im Halbfinale Vizeweltmeister Niederlande ausschaltete und dann im Finale gegen Titelverteidiger und Weltmeister Deutschland durch Elfmeterschießen den Titel gewann.

Endrunden mit acht Teilnehmern 1980–1992 EM 1980 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, trafen die Portugiesen, die nach der verpassten Qualifikation für die 1978 von Mário Wilson trainiert wurden, auf Belgien, Österreich, Schottland und Norwegen. Portugal gewann wie die vor ihnen platzierten Belgier und Österreicher vier Spiele, verlor aber mehr, so dass durch den dritten Platz die Qualifikation verpasst wurde. Belgien erreichte bei der Endrunde überraschend das Finale, unterlag in diesem aber Deutschland, das damit als erste Mannschaft zum zweiten Mal Europameister wurde.

EM 1984 Für die Europameisterschaft in Frankreich konnte sich die Portugiesen dann erstmals qualifizieren. In die Qualifikation gingen sie nach der verpassten Qualifikation für die WM 1982 mit Otto Glória als Nationaltrainer, der die Portugiesen zur WM 1966 und dem dritten Platz geführt hatte. Gruppengegner waren die Sowjetunion, Polen und Finnland. Portugal gewann fünf Spiele und verlor nur eins, dies aber mit 0:5 in der UdSSR. Da die UdSSR aber in Polen nur ein 1:1 holte, hatten die Portugiesen nach dem 1:0 im letzten Spiel gegen die UdSSR einen Punkt mehr und waren damit für die EM-Endrunde qualifiziert. Otto Glória hatte aber zwischenzeitlich nach einem 0:4 gegen Brasilien das Handtuch geworfen. Für die letzten drei Spiele, die alle gewonnen wurden, übernahm daher Fernando Cabrita das Amt.

Bei der Endrunde trafen sie in ihrem ersten EM-Spiel auf Titelverteidiger Deutschland und erreichten ein 0:0. Im zweiten Spiel gegen den großen Nachbarn Spanien gingen sie durch das erste EM-Tor der Portugiesen, das António Sousa in der 52. Minute erzielte, mit 1:0 in Führung. Den Spaniern gelang aber 19 Minuten später der Ausgleich, bei dem es dann blieb. Im letzten Gruppenspiel gegen die ebenfalls erstmals teilnehmenden Rumänen erzielte Tamagnini Nené 14 Minuten nach seiner Einwechslung den 1:0-Siegtreffer. Damit standen sie im Halbfinale gegen Frankreich. Das bereits in der 24. Minute gefallene 1:0 für die Franzosen konnte Rui Jordão in der 74. Minute ausgleichen. Da keine weiteren Tore in der regulären Spielzeit fielen, gab es eine Verlängerung. In dieser gelang Jordão in der 98. Minute der Führungstreffer, diesen konnte Jean-François Domergue, der schon das 1:0 erzielt hatte aber 16 Minuten später ausgleichen, ehe Michel Platini eine Minute vor dem Ende mit seinem achten Turniertor der Siegtreffer für den Gastgeber gelang. Da es erstmals kein Spiel um Platz 3 gab, war die EM damit für die Portugiesen beendet und damit auch die Amtszeit von Fernando Cabrita. Frankreich gewann dann im Finale gegen Spanien erstmals einen Titel.

EM 1988 Für die Europameisterschaft in Deutschland musste sich Portugal gegen Italien, Schweden, die Schweiz und Malta, das kein Spiel gewann, qualifizieren. Portugal, das nach dem Vorrundenaus bei der WM 1986 von Ruy Seabra trainiert wurde, startete mit drei Remis, darunter ein 2:2 gegen Malta und einer Niederlage, woraufhin der Trainer gewechselt wurde, Júlio Cernadas Pereira zu seiner 3. Amtszeit kam und das erste Spiel mit 1:0 in Schweden gewonnen wurde. Mit einem 0:0 gegen die Schweiz und einem 0:3 in Italien wurden dann alle Chancen verspielt, so dass das 1:0 im letzten Spiel in Malta nichts mehr bewegen konnte. Als Dritter schieden die Portugiesen damit aus, Italien erreichte als Gruppensieger die EM und dort das Halbfinale, verlor dieses aber gegen die UdSSR, die sich damit für das Lospech im Halbfinale 20 Jahre zuvor revanchieren konnte.

EM 1992