Plénée-Jugon () ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Côtes-d’Armor in der Region Bretagne. Sie gehört zum Arrondissement Saint-Brieuc und zum Kanton Plénée-Jugon (bis 2015: Kanton Jugon-les-Lacs). Die Einwohner werden Plénéens und Plénéennes genannt.

Geografie Plénée-Jugon liegt etwa 60 Kilometer nordwestlich von Rennes und etwa 27 Kilometer westsüdwestlich von Dinan. Das Gemeindegebiet wird vom Fluss Arguenon und seinem Zufluss Quiloury durchquert. Umgeben wird Plénée-Jugon von den Nachbargemeinden Plestan und Tramain im Norden, Dolo im Osten und Nordosten, Sévignac im Osten und Südosten, Rouillac im Süden und Südosten, Langourla im Süden, Le Gouray im Südwesten, Penguily im Westen sowie La Malhoure im Nordwesten.

Durch die Gemeinde führt die Route nationale 12. Der Bahnhof, nahe der Gemeinde Dolo, liegt an der Bahnstrecke Paris–Brest.

Geschichte Internierungslager Château de Villeneuve Eine in Frankreich lange Zeit verdrängte Geschichte war die der Ausgrenzung jener Menschen, die hier als Nomaden (Nomades), Zigeuner (Tsiganes) oder Manouches bezeichnet wurden und werden.Nomades, Tsiganes und Manouches sind im Französischen auch aktuell benutzte Begriffe für Menschen, die im Deutschen zumeist als Sinti und Roma bezeichnet werden. Siehe hierzu auch: Marie-Christine Hubert: Frankreich auf der Webseite des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma. Diese Ausgrenzung begann spätestens mit einem Gesetz von 1912, dem in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen weitere Verwaltungsmaßnahmen zur Reglementierung des Alltagslebens und zur Überwachung folgten.Henriette Asséo: Une mémoire française: Les Tsiganes pendant la Seconde Guerre mondiale, 1939–1946. Zu der Historikerin Henriette Asséo siehe den gleichlautenden Artikel in der französischsprachigen Wikipedia: :fr:Henriette Asséo.

Am 6. April 1940 verfügte Albert Lebrun, der Präsident der französischen Republik, in einem Dekret die Isolierung von Nomaden an besonderen Orten unter Polizeiaufsicht.Ouest-France: Des Tziganes internés dans un camp à Montsûrs, ouest-france.fr, 27. Mai 2014 Begründet wurde dies mit einem angeblichen Risiko, das in Kriegszeiten von „Nomaden“ ausgehe. Im Zuge des Vorrückens der deutschen Wehrmacht kam es dann in der zweiten Hälfte des Jahres 1940 zur Zwangsvertreibung der Sinti und Roma aus dem Elsass, und am 4. Oktober 1940 ordnete der Oberbefehlshaber des Heeres schließlich die zwangsweise „Überführung“ von Sinti und Roma in „Sammellager“ an.Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma: Entstehung des Lagers Saliers

In der Folge wurden in Frankreich etwa 30 Zentren geschaffen, von denen 25 ausschließlich für Sinti und Roma reserviert waren.Einen Überblick über diese Lager gibt Marie-Christine Hubert: Die internierung in Frankreich 1940–1946 Eines dieser Zentren existierte laut Hubert von Oktober bis November 1940 in Plénée-Jugon, wo „alle Zigeuner der Côtes-du-Nord […] im beschlagnahmten Château de Villeneuve […] zusammengetrieben“ wurden.„Tous les Tsiganes des Côtes-du Nord ont été rassemblés au château de Villeneuve à Plénée-Jugon, réquisitionné.“ (Ligue des droits de l'Homme: LE CAMP D’INTERNEMENT DE TSIGANES DE PLÉNÉE-JUGON) Die Einrichtung des Lagers erfolgte aufgrund eines Befehls der deutschen Feldkommandantur 748 in Saint-Brieuc vom 18. Oktober 1940.Kopie des Befehls auf der Webseite der Ligue des droits de l'Homme Am 25. Oktober 1940 heißt es in einem Bericht der Gendarmerie Nationale in Saint-Brieuc, dass bei der Suche nach einem geeigneten Ort die Wahl auf das Château de Villeneuve gefallen sei. Über dessen Zustand heißt es:

Am 29. Oktober 1940 ordnete der Präfekt rückwirkend zum 1. Oktober an, dass es keine Bewegungsfreiheit mehr für Nomaden im Departement gebe und ein Lager für diesen Personenkreis im Château de Villeneuve einzureichen sei. Er bezog sich dabei ausdrücklich auf die bis in das Jahr 1912 zurückreichenden gesetzlichen Grundlagen zur Ausgrenzung der Nomaden.Anordnung des Präfekten der Côtes-du-Nord vom 29. Oktober 1940, zitiert nach der Webseite der Ligue des droits de l'Homme ()

Von der Internierung waren etwa 50 Personen betroffen darunter „fünf verhaftete Kinder oder Jugendliche[, die] ab dem 11. November 1940 in die öffentliche Schule von Langouhèdre in Plénée-Jugon gebracht wurden, während die kleineren Kinder bei ihren Eltern im Lager blieben“. Über das weitere Schicksal der Internierten ist bekannt:

Am 12. November 2010 wurde an der Rue de la République in Plénée-Jugon eine Stele zum Gedenken an die 1940 im Château de Villeneuve internierten Sinti und Roma eingeweiht.Le Télégramme: Plénée-Jugon. Une stèle dédiée aux Tsiganes internés

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2012 2020 Einwohner 2561 2526 2464 2291 2235 2265 2386 2436 2434 Quelle: INSEE

Sehenswürdigkeiten Allée couverte de La Roche aux Fées de la Brousse, seit 1970 als Monument historique klassifiziert Menhire von Saint-Mirel, seit 1963 als Monument historique klassifiziert Pfarrkirche St-Pierre mit Turm aus dem 15. Jahrhundert Kloster Notre-Dame von Boquen, ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, 1137 von Olivier II. gegründet, seit 1938 als Monument historique klassifiziert Schloss La Moussaye Schlossruine Saint-Riveul, erbaut 1728 Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Plénée-Jugon

Gemeindepartnerschaft Es besteht eine Partnerschaft mit der nigrischen Gemeinde Ingall über den Gemeindeverband.

Literatur Le Patrimoine des Communes des Côtes-d’Armor. Band 1. Flohic Editions, Paris 1998, ISBN 2-84234-017-5, S. 445–454.

Weblinks

Marie-Christine Hubert: Die internierung in Frankreich 1940–1946, veröffentlicht im Rahmen des Project Education of Roma Children in Europe (rm.coe.int) Marie-Christine Hubert: 1940–1946, l’internement des Tsiganes en France. In: Hommes & Migrations, n°1188-1189, Juin-juillet 1995, S. 31–37 (persee.fr) Ligue des droits de l’Homme: Le camp d'internement des nomades de Plénée-Jugon 1940 : le camp d’internement des Tziganes de Plénée-Jugon sorti de l’oubli (PDF; 2,0 MB), Journal No 16 der Association Les Bistrots de vie du pays briochin. Le Télégramme (nur teilweise zugängliche Zeitungsartikel): Plénée-Jugon. Sur les traces d'un camp pour Tsiganes, 20. Februar 2010. Plénée-Jugon. Une stèle dédiée aux Tsiganes internés, 13. November 2010.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Bretagne