Škoda () wurde 1859 als Maschinenbauunternehmen gegründet und entwickelte sich zu einem diversifizierten Mischkonzern. Škoda hatte seinen Sitz in Pilsen (Plzeň) in Böhmen.

Der ursprüngliche Konzern Škoda wurde nach der Samtenen Revolution 1993 privatisiert. Dabei wurden mehrere Sparten in selbstständige Unternehmen ausgegliedert und verkauft. Einige von ihnen führen Škoda weiter im Namen. Ein bestehen gebliebener Unternehmensteil ist heute nur noch in der Sparte Verkehrstechnik aktiv und firmiert unter dem Namen Škoda Transportation a.s. Der heutige Automobilhersteller Škoda Auto wurde 1925 als Laurin & Klement vom Maschinenbauer übernommen und erhielt so auch seinen Namen. Diese Automobilsparte wurde kurz darauf, im Jahr 1930, als Tochterunternehmen ausgegliedert. Namensgeber war der Unternehmer und Ingenieur Emil von Škoda.

Geschichte mini|links|Aktie über 200 Kronen der Skodawerke AG vom 1. Februar 1900 mini|434.1100, erste von Škoda gebaute Lokomotive mini|Oberleitungsbus des Typs Škoda 9Tr in Eberswalde mini|Das „London Eye“ mit Drehachsen und Stützen von Škoda mini|Straßenbahnwagen Škoda 16 T in Breslau Ernst Graf von Waldstein gründete das Werk 1859 und produzierte mit über 100 Angestellten Einrichtungen für Zuckerfabriken, Brauereien und Bergwerke, sowie Kessel, Dampfmaschinen, Brücken und diverse Eisenbahneinrichtungen. 1866 wurde Emil von Škoda leitender Ingenieur und kaufte im Juni 1869 Graf Waldstein den Betrieb ab. Emil von Škoda modernisierte das Werk gründlich, 1871 wurde es um eine neue Gießerei erweitert, 1872 um eine neue Maschinenbauhalle, 1882 um eine Schmiede und 1886 um ein neues Stahlwerk. 1876 wurde die erste Auslandsvertretung in Kiew eröffnet, wohin Škoda hauptsächlich Zuckerfabriken lieferte. Neben Zuckerfabriken, Brauereien oder Dampfmaschinen orientierte sich Škoda immer mehr hin zur Rüstungstechnik. Ab 1886 wurden in Pilsen Kanonentürme für Schlachtschiffe hergestellt, drei Jahre später die zugehörigen Kanonen. Ab den 1880er Jahren befasste sich Škoda mit dem Brückenbau. Ab 1890 arbeitete eine neue Rüstungsabteilung, für die 1896 ein neues Werk erbaut wurde. 1899 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, Emil von Škoda behielt die Aktienmehrheit. Am 8. August 1900 starb Emil von Škoda bei einer Zugreise in den Kurort Bad Gastein. Zu dieser Zeit arbeiteten im Betrieb 3211 Arbeiter und um die 250 Verwaltungsangestellte. Vgl. auch Dr. Paul: Die Skodawerke in Pilsen. In: Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereines. Nr. 38, 1907, S. 665–670 (Digitalisat).

Zu den besonderen Leistungen der Jahrhundertwende gehören Komponenten für das Niagara-Kraftwerk, für Schleusen des Sueskanals, für französische und deutsche Handelsschiffe sowie für japanische, russische und südamerikanische Schlachtschiffe. Škoda spezialisierte sich immer mehr auf Rüstungstechnik. Andere Geschäftsfelder wurden in die dafür übernommene Prager Maschinenbau AG (Spojené strojírny, früher Škoda, Ruston, Bromovský, Ringhoffer) ausgegliedert. Škoda wurde so zum reinen Stahl- und Rüstungskonzern. Das Werk stieg zur größten Waffenschmiede der habsburgischen Monarchie Österreich-Ungarn auf. Es produzierte unter anderem Kanonen aller Größen, bis hin zu Bordkanonen der k.u.k. Marine und Mörsern im Kaliber 420 mm. Škoda erprobte selbst neue Geschütze in der k.u.k. Artillerie-Schießschule in Hajmáskér (bei Veszprém). In den Jahren 1914 bis 1918 lieferte das Werk 12.693 Kanonen an die österreichisch-ungarische Armee. 1914 arbeiteten bei Škoda etwa 10.000 Angestellte, 1917 waren es schon 32.000. Im Mai 1917 kam es zu einem schweren Unfall in der Munitionsfabrik im Pilsner Stadtteil Bolevec, bei dem über 200 Menschen ums Leben kamen.

Nach Kriegsende war Škoda ein überdimensionierter und auf die Rüstungsindustrie orientierter Mammutkonzern. Die benötigten Finanzmittel zum Richtungswechsel in Richtung ziviler Industrieproduktion kamen vom französischen Rüstungskonzern Schneider & Cie. Die ersten Nachkriegsprodukte waren Lokomotiven. Es entstanden die Geschäftsfelder Lebensmittel-, Tabak-, Automobil- und Flugzeugindustrie. Škoda baute in aller Welt Zuckerfabriken, Mühlen, Brauereien, Kraftwerke, Bergwerke oder Schlachthöfe auf. 1921 fusionierte Škoda wieder mit Spojené Strojírny. In den Konzern wurden Betriebe in Hradec Králové und Prag eingegliedert, dazu kamen zwei Kohlebergwerke. Ab 1924 wurden in Lizenz Lorraine-Dietrich-Flugmotoren hergestellt. Genauso von 1924 bis 1935 der Sentinel, ein Nutzfahrzeug mit Dampfmotor. 1925 fusionierte Škoda mit dem Automobilhersteller Laurin & Klement aus Mladá Boleslav – das Werk gehört inzwischen dem Automobilhersteller Škoda Auto. Die Eingliederung des Flugzeugherstellers Avia wurde 1926 vollzogen, ab 1927 besaß Škoda mit der ČLS eine eigene Fluggesellschaft.

1930 beschäftigte der Konzern 36.000 Angestellte. Hauptanteilseigner der Škoda-Werke war in den 1930er Jahren die Anglo-Tschechoslowakische Bank, an deren Aktienkapital der tschechoslowakische Staat 25 % hielt.Alice Teichova: An Economic Background to Munich. Cambridge University Press, 1974, S. 209. Evida, abgerufen am 20. Dezember 2020. Nach der Besetzung durch das Deutsche Reich 1939 wurde die Aktienmehrheit von Škoda und den Waffenwerken Brünn von den Vereinigten Stahlwerken und der Dresdner Bank erworben und später an die Reichswerke Hermann Göring verkauft.Lutz Hachmeister: Schleyer: eine deutsche Geschichte, C.H.Beck 2004, ISBN 3-406-51863-X, Seite 195 ff.

Während des Zweiten Weltkrieges entstand 1942 die Holdinggesellschaft Waffen-Union Škoda-Brünn mit Sitz in Berlin. Allein das Werk Pilsen zählte ein Jahr vor Kriegsende 45.000 Arbeiter, im ganzen Konzern waren es um 101.000. Am 25. April 1945 wurde das Werk in Pilsen durch einen Luftangriff der USAAFhttp://www.398th.org:/ 398th Bomb Group der Eighth Air Force (Boeing B-17) stark zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Škoda wie andere wirtschaftlich bedeutende Betriebe verstaatlicht und einige Zweige des Leichtmaschinenbaus abgetrennt. Nicht mehr zum Konzern gehörte seit 1945 die Pkw-Sparte (später Škoda Auto). 1950 wurde der Konzern in sieben Unternehmen aufgeteilt. Das Pilsener Hauptwerk beschäftigte sich danach überwiegend mit Schwerindustriegütern, zuerst Dampf- und später elektrischen Lokomotiven, und Turbinen und Einrichtungen für Kraftwerke. Nach wie vor baute die Firma schlüsselfertige Industrieanlagen für das Ausland. Ab den 1950er Jahren wurde in Pilsen ein ziviles Nuklearprogramm betrieben.

mini|Pilsen aus der Vogelperspektive: Škoda befindet sich im unteren, linken Teil. Nach der Samtenen Revolution 1989 wurde der Konzern 1990 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Zuge der Entwicklungen entschied das Ministerium für Maschinenbau und Elektrotechnik im gleichen Jahr über die Ausgliederung des Betriebs für Kraftwerksbau (Závod výstavba elektráren Škoda) aus dem Konzern, der zu einem selbständigen staatlichen Unternehmen mit dem Namen „Škoda Praha“ wurde. 1993 wurde der Konzern Škoda privatisiert, damit mehrere Bereiche in Tochterunternehmen ausgegliedert. Die Aktiengesellschaft wurde 2000 zu einer Holdinggesellschaft umgewandelt.

Ende der 1990er Jahre fertigte der Konzern eine Drehachse und die Stützen für das 1998/99 gebaute Riesenrad London Eye.

Die 1993 entstandenen Tochterunternehmen ŠKODA, HUTĚ, Plzeň, s. r. o. (Hüttenwerke) und ŠKODA, KOVÁRNY, Plzeň, s.r.o. (Schmieden) gehörten zur Škoda-Holding, bis sie 2004 von der russischen OMZ-Gruppe übernommen wurden. Im Jahre 2007 wurden beide im Konsortium ŠKODA STEEL vereint und später in 'Pilsen Steel' umbenannt. Die Kernenergie-Sparte Škoda JS wurde 2007 ebenfalls an die russische OMZ-Gruppe verkauft. 2009 kaufte Doosan Heavy Industries & Construction für 450 Millionen Euro die Energiesparte Škoda Power. In der Škoda-Holding blieb ausschließlich die Sparte Fahrzeugtechnik (Schienenfahrzeuge, Oberleitungsbusse).

Das 1907 eingerichtete Škoda gehörende Forschungsinstitut wurde im Zuge der Privatisierung zur Tochtergesellschaft ŠKODA VÝZKUM s.r.o. Diese wurde 2006 an das Kernforschungsinstitut Řež verkauft und 2011 in Výzkumný a zkušební ústav Plzeň s.r.o. umbenannt.

Logoentwicklung

Lokomotivbau mini|Lokomotive der Baureihe 475.1 mini|Mehrsystemlokomotive des Typs ČD-Baureihe 380 Die erste gebaute Lokomotive (Fabriknummer 1/1920) entstammt der österreichischen Reihe 270 und zählt zum Sammlungsbestand des Technischen Nationalmuseums in Prag. Die zuletzt als 434.1100 bezeichnete Lokomotive wird in Tschechien mehrmals jährlich für besondere Veranstaltungen eingesetzt. Mit der 534.0 wurde 1923 eine Eigenentwicklung vorgestellt. 1926 folgte die 387.0 als moderne Schnellzuglok. Aber auch Lokomotiven in Breit- und Schmalspur wurden gebaut und bis Kolumbien, Indien und China geliefert. Ab 1927 wurden auch Triebwagen gebaut. Ebenfalls ab 1927 stellte Škoda Elektrolokomotiven her. Die ČSD E 424.001 und E 424.002 waren hier die ersten Lokomotiven.

Obwohl das Werk im April 1945 durch Bombenangriffe zerstört worden war, wurden ab Juni 1945 wieder Lokomotiven repariert und im Dezember 1945 verließ die erste Neubaulok das Werk. 1958 wurde der Dampflokbau nach 3247 gebauten Lokomotiven eingestellt.

Nach 1945 war Škoda als Lieferant der Elektrolokomotiven vorgesehen, die für das Elektrifizierungsprogramm in der Tschechoslowakei benötigt wurden. Wurden 1953 für den Bau der ČSD-Baureihe E 499.0 noch Lizenzen Schweizer Hersteller benutzt, fand der Elektrolokomotivbau bei Škoda rasch einen eigenständigen Weg. Die 1974 vorgestellten Lokomotiven der ČSD-Baureihe ES 499.0 waren seinerzeit die stärksten Zweisystemlokomotiven der Welt. Im gleichen Jahr begann der Bau der Schnellfahrlokomotiven der SŽD-Baureihe ЧС200, mit der 1984 in der Sowjetunion der planmäßige Reisezugverkehr mit 200 km/h aufgenommen werden konnte. 1987 stellte Škoda mit der Baureihe 169 den Prototyp einer Lokomotive mit Drehstromantrieb vor. Lokomotiven von Škoda wurden in die Sowjetunion, Bulgarien und Polen exportiert.

In der Gegenwart produziert der heutige Konzern Škoda Transportation die Mehrsystemlokomotive des Typs 109 E. Das tschechische Eisenbahnverkehrsunternehmen České dráhy erhielt ab 2009 20 Lokomotiven dieses Typs als Reihe 380 für den grenzüberschreitenden Einsatz, die ZSSK 2013 zwei Lokomotiven (ZSSK-Baureihe 381). Seit 2005 gehört der Eisenbahn- und Triebwagen-Hersteller Vagonka Studénka zur Škoda-Holding.

2013 gaben die Deutsche Bahn und Škoda bekannt, dass ab Dezember 2016 auf den Bahnstrecken München–Treuchtlingen und Nürnberg–Ingolstadt sechs Škoda-Doppelstockzüge einschließlich der Systemlok des Typs 109E zum Einsatz kommen werden.Pressemitteilung von Škoda vom 18. Juni 2013: Mit dem Kauf im Gesamtwert von 110 Millionen Euro will sie offenbar den Wettbewerb unter ihren Lieferanten beleben.FAZ: Die Bahn fährt jetzt Skoda

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 kam die erste Lokomotive zum Einsatz. Im Laufe des Fahrplanjahrs 2021 übernahmen die Züge schrittweise alle Leistungen. Die Züge fallen seitdem immer wieder durch Defekte auf, so dass der Betrieb oft gestört ist. Als Grund werden vor allem technische Mängel seitens des Herstellers genannt.

Kraftfahrzeuge mini|Škoda Sentinel (Lkw mit Dampfantrieb)

Der Konzern fertigte noch vor der Fusion mit Laurin & Klement verschiedene Fahrzeuge in Lizenz: Škoda Sentinel (1924–1935) Škoda Hispano Suiza 25/100 PS

Waffen mini|Škoda U (50 HP) 4x4 (Austro-Daimler), 1919 г. (Zugmaschine für Artilleriegeschütze) mini|Panzerkampfwagen 35(t) Die Škoda-Werke waren als Waffenhersteller mit Entwicklung und der Produktion verschiedener Waffen tätig. Nennenswert (Einzelinformation in den Artikeln) sind:

GeschützeJiří Janoušek, Československé dělostřelectvo 1918-1939, Nakl. Corona, Prag, 2007, ISBN 978-80-86116-34-1. 47 mm kanon P.U.V. vz. 36 6,6-cm-Panzerabwehrkanone 44 Škoda 75-mm-Gebirgsgeschütz M1915 8-cm kanon vz. 30 10-cm houfnice vz. 30 10-cm-Turmhaubitze T.H. M.9 10-cm-Feldhaubitze M.14