mini|Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn Das Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn am heutigen Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn, Niederösterreich, war eine zwischen 1966 und 1979 ausgetragene Motorsportveranstaltung. An den durchgeführten Rennen nahmen Fahrzeuge zahlreicher Rennklassen teil, darunter Interserie, Formel V, Formel Ford, Tourenwagen, Formel 2. Auch Motorradrennen fanden auf dem Kurs statt. Die Formel-2-Rennen ab der Saison 1967 zählten zur Formel-2-Europameisterschaft. Daran nahmen ehemalige Rennsportgrößen wie Niki Lauda, Jack Brabham, Jim Clark, Jochen Rindt, Jacky Ickx oder Ronnie Peterson teil. Nach dem tödlichen Unfall Jochen Rindts beim Großen Preis von Italien 1970 fand das Rennen in Langenlebarn in den Jahren 1970 und 1971 als Jochen-Rindt-Gedächtnis-Rennen statt. Ein drittes Jochen-Rindt-Memorial übersiedelte 1972 auf den Österreichring nach Spielberg. Nach siebenjähriger Unterbrechung fanden in den Jahren 1978 und 1979 weitere Rennen in Langenlebarn statt, jedoch nur noch für Motorräder.Motorsport in Österreich: Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 15. Mai 2015.
Strecke Der Militärflugplatz Tulln-Langenlebarn war unter Motorsportlern im Wiener Raum eine begehrte Lokalität für mögliche Motorsportveranstaltungen. Ähnlich dem Militärflugplatz Zeltweg (Großer Preis von Österreich) wurde eine Rennstrecke in Tulln-Langenlebarn herbeigesehnt. Nach langen Verhandlungen mit dem Bundesheer gab dieses schließlich den Flugplatz für Rundrennen frei und der Z.V. Motorrad des ÖAMTC agierte als Veranstalter des Flugplatzrennens Tulln-Langenlebarn. Eine Runde auf dem Kurs ist 2,7 Kilometer lang, wobei die Betonlandepiste, zugleich Start- und Zielgerade, 1,1 Kilometer misst. Die Mindestbreite der Rennstrecke beträgt 12 Meter. Die Verbindungsstücke vor den Hangars waren mit einem Rauhbelag versehen.
Formel-2-Rennen Saison 1967 Das Rennen im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1967 fand am 16. Juli statt und war damit erstmals Teil der Formel-2-Europameisterschaft. Aufgrund limitierter finanzieller Ressourcen seitens des Veranstalters wurden nur vier graded drivers eingeladen. Diese hauptsächlich aus der Formel 1 kommenden Fahrer nahmen rein aus finanziellen Gründen an diesen Rennen teil, da sie nicht um Meisterschaftspunkte in der Formel 2 mitfahren durften. Bei diesen vier Fahrern handelte es sich um Graham Hill, Jim Clark, Jack Brabham und Jochen Rindt. Sie reisten erst am Tag des Rennens an und hatten vor dem Rennen noch ein eineinhalb Stunden langes Nachtraining um den mit Strohballen umrandeten Kurs erstmals kennenzulernen.
Jean-Pierre Beltoise erzielte im Training am Samstag jedoch die schnellste Trainingszeit (1'05.30'') und startete am Sonntag aus der Pole-Position. Das Rennen startete um 16 Uhr. Jochen Rindt übernahm in seinem Winkelmann Brabham Rennwagen bald die Führung im Rennen und lieferte sich ein enges Rennen mit Jack Brabham, der ihn früh im Rennen überholte und die Führung übernahm. Diese konnte er aufgrund von Problemen mit der Kraftstoff-Druckleitung an seinem Brabham Fahrzeug allerdings nur für eine Runde lang halten. Dennoch lieferten sich Rindt und Brabham bis zum Schluss ein enges Rennen, das Rindt mit ca. einer Sekunde Vorsprung nach etwas unter einer Stunde Rennzeit gewann. Beltoise mit seinem Matra wurde dritter und sicherte sich seine ersten 9 Punkte für die Formel-2-Meisterschaft. Der vierte Rang war das gesamte Rennen über äußerst umkämpft und ging an Frank Gardner (Brabham) vor Jacky Ickx (Tyrrell) und Graham Hill (Lotus), der Probleme mit der Kupplung hatte. Für das Team Lotus war das Rennen trotz Hills sechstem Platz äußerst enttäuschend verlaufen. Jim Clark konnte das Rennen, mit schnellster Rennrunde (1'04.24"), nach einem Reifenschaden nicht beenden, Jackie Oliver beendete aufgrund von Problemen mit der Kraftstoffeinspritzung das Rennen mit sechs Runden Rückstand nur als 14. und Vorletzter. Von 19 gestarteten Teilnehmern erreichten 15 das Ziel. In der Formel-2-Gesamtwertung übernahm Gardner mit seinem vierten Platz die Führung vom bis dahin führenden Alan Rees, der aufgrund gesundheitlicher Probleme im hinteren Bereich des Klassements landete.Three formula two races: Langenlebarn (July 16th) In: Motor Sport, Aug. 1967, S. 10. Abgerufen am: 15. Mai 2015Offizielle Ergebnisliste Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1967 Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 15. Mai 2015. formula2.net. Abgerufen am: 15. Mai 2015.
2. Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1967 // 16. Juli 1967 – 16 Uhr // 50 Runden à 2,7 km (ges. 135 km) Position Fahrer Nummer Team Fahrzeug Zeit 1 8 Brabham BT23 54'44.40" 2 1 Brabham BT23 54'45.80" 3 17 Matra MS5 55'07.54" 4 2 Brabham BT23 55'21.79" 5 16 Matra MS7 55'23.61" 6 4 Lotus 48 55'30.65" 7 12 Lola T100 55'36.86" 8 18 Matra MS5 54'54.93" (+1 Runde) 9 19 McLaren M4A 55'27.35" (+1 Runde) 10 10 Cooper T84 55'15.66" (+2 Runden) 11 9 Brabham BT23 55'28.24" (+2 Runden) 12 15 Lotus 41C 55'12.54" (+5 Runden) 13 20 Brabham BT14 55'15.19" (+5 Runden) 14 5 Lotus 41B 54'58.71" (+6 Runden) 15 11 Cooper T82 55'41.07" (+9 Runden) DNF 14 Brabham BT10 DNF 21 Brabham BT18 DNF 6 Brabham BT23 DNF 3 Lotus 48 DNQ 22 Brabham BT9 DNQ 7 Alexis Mk 8
Fett: Fahrer mit graded Status; Fahren in Formel 1 und erhalten keine Punkte für Formel-2-Gesamtwertung
Saison 1968 Das Rennen im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1968 fand am 14. Juli statt. Im Gegensatz zur Vorjahr, wo das Rennen innerhalb von durchgefahrenen 50 Runden beendet wurde, gab es 1968 eine Änderung: es wurden zwei mal 35 Runden gefahren, wobei die Endzeiten beider Läufe zu einer Gesamtzeit addiert wurden. Der erste Lauf ist um 14:15 gestartet, der zweite um 16 Uhr. In der Formel-2-Gesamtwertung führte vor dem Rennen Beltoise (27 Punkte) klar vor Henri Pescarolo (10 Punkte).
Auch im zweiten Jahr des Formel-2-Flugplatzrennens Tulln-Langenlebarn konnte Jochen Rindt den Sieg davontragen. Er holte tags zuvor mit der schnellsten Trainingslaufzeit (1'03.27'') auch die Pole-Position. Der Sieg war insofern von Bedeutung, da sein siegreicher Winkelmann Racing Brabham BT23C erstmals in der Formel-2-Geschichte Spoiler verwendete. Rindt gewann beide Läufe souverän (auch mit schnellster Rennrunde von 1'03.20''), jeweils vor den beiden Franzosen Beltoise und Pescarolo (beide auf Matra). Kurt Ahrens (Brabham BT23C) wurde jeweils vierter. Die große Überraschung des Rennens war der Sieger der italienischen Formel-3-Meisterschaft Ernesto Brambilla. Er wurde in seinem ersten Rennen mit dem Brabham BT23 gesamt sechster. Beide Ferrari (Derek Bell und Chris Amon) hatten mit Getriebeproblemen zu kämpfen.Recent Formula Two Results – Tulln-Langenlebarn (July 14th) In: Motor Sport, Sept. 1968, S. 14. Abgerufen am: 15. Mai 2015.Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn, 14 Jul 1968 oldracingcars.com. Abgerufen am: 16. Mai 2015.Motorsport in Österreich: Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1968 Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 16. Mai 2015.
3. Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1968 // 14. Juli 1968 – 14:15 & 16 Uhr // 2×35 Runden à 2,7 km (ges. 189 km) Position Fahrer Nummer Team Fahrzeug Zeit 1 1 Brabham BT23C 1:15'24.63" 2 3 Matra MS7 1:15'57.15" 3 4 Matra MS7 1:16'18.01" 4 10 Brabham BT23C 1:16'31.38" 5 19 Lotus 48 1:17'03.22" 6 16 Brabham BT23 1:17'22.10" 7 6 Ferrari Dino 166 F2 1:17'19.49" (+1 Runde) 8 8 McLaren M4A 1:16'29.30" (+2 Runden) 9 11 Brabham BT23 1:16'48.87" (+2 Runden) 10 15 Brabham BT23C 1:15'53.24" (+4 Runden) 11 17 Lola T100 1:16'49.96" (+4 Runden) NC 5 Ferrari Dino 166 F2 62 Runden NC 18 Brabham BT23C 46 Runden NC 22 Lotus 48 42 Runden NC 20 Brabham BT23C 39 Runden NC 21 Brabham BT23C 33 Runden NC 9 McLaren M4A 19 Runden NC 14 Tecno 68 1 Runde NC 2 Brabham BT23C 1 Runde DNS 12 Brabham BT9 DNA 7 Matra MS7 DNA 5 Ferrari Dino 166 F2
Fett: Fahrer mit graded Status; Fahren in Formel 1 und erhalten keine Punkte für Formel-2-Gesamtwertung
Saison 1969 Das Rennen im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1969 fand am 13. Juli statt. Der Modus aus dem Vorjahr, mit 2×35 Runden, wurde auch in diesem Jahr beibehalten. Die Ausgangslage vor dem Rennen offenbarte ein knappes Duell in der Gesamtwertung zwischen Hubert Hahne (24 Punkte) und Johnny Servoz-Gavin (22 Punkte). Fahrer mit graded Status fuhren erneut nur um Preisgeld, nicht jedoch um Meisterschaftspunkte für die Gesamtwertung in der Formel-2-Europameisterschaft. Servoz-Gavin ging in Tulln-Langenlebarn allerdings nicht an den Start, sondern fuhr seinen Matra bei einem Rennen in den USA. Am Tag vor dem Rennen verunglückte Bill Ivy während des Trainings für den Großen Preis der DDR tödlich.
Das Training fand am Samstag, den 12. Juli 1969, in zwei Läuften statt. Das erste Training startete um 14 Uhr, das zweite um 17 Uhr. Wie im Jahr zuvor holte auch 1969 Jochen Rindt die Pole-Position mit einer Zeit von 1'02.10''. Nachdem das letztjährige Rennen eine überaus deutliche Angelegenheit für Rindt war, war das Rennen 1969 sehr viel knapper. Vor allem Jackie Stewart auf seinem Matra MS7 war in beiden Läufen nur sehr knapp hinter Rindt (der mit 1'02.0'' die schnellste Rennrunde hatte). Rindt, Stewart, Graham Hill und Peter Westbury (auf seinem privaten Brabham) lieferten sich zu Beginn des zweiten Laufs ein sehr spannendes Rennen. Die ersten drei trennten nur 0,3 (Stewart) bzw. 1,2 Sekunden (Hill). Westbury musste kurz vor Rennende aufgrund eines Motorschadens aufgeben. Rindt gewann damit alle bisherigen Rennen in Tulln-Langenlebarn. In der Gesamtwertung baute Hahne auf BMW mit seinem 7. Gesamtrang die Führung aus. Insgesamt kamen 11 Fahrer in das Endklassement.Motorsport in Österreich: Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1969 Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 16. Mai 2015.Formula two review: Langenlebarn (July 12th) In: Motor Sport, Aug. 1969, S. 18. Abgerufen am: 16. Mai 2015IV Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1969 formula2.net. Abgerufen am: 16. Mai 2015.
4. Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1969 // 13. Juli 1969 – 14:15 & 16 Uhr // 2×35 Runden à 2,86 km (ges. 200,2 km) Position Fahrer Nummer Team Fahrzeug Zeit 1 2 Lotus 59B 1:13'22.02" 2 3 Matra MS7 1:13'24.64" 3 1 Lotus 59B 1:13'42.12" 4 4 Matra MS7 1:13'59.74" 5 11 Tecno 68 1:14'33.40" 6 10 Tecno 68 1:14'45.39" 7 5 BMW 269 69 Runden 8 19 Brabham BT23C 69 Runden 9 18 Brabham BT30 64 Runden 10 21 Brabham BT23 63 Runden 11 16 De Tomaso 103 61 Runden NC 17 Tecno 69 49 Runden NC 20 Brabham BT23C 47 Runden NC 6 BMW 269 19 Runden NC 7 Matra MS7 2 Runden NC 9 Brabham BT30 1 Runde NC 12 Brabham BT23 0 Runden DNS 14 Pygmée MDB12 DNA 4 Matra MS7 DNA 15 Pygmée MDB12 DNA 22 Brabham BT23C † DNA 20 Brabham BT23C
Fett: Fahrer mit graded Status; Fahren in Formel 1 und erhalten keine Punkte für Formel-2-Gesamtwertung
Saison 1970 Überschattet war das Rennwochenende vom plötzlichen Unfalltod Jochen Rindts während des Trainings für den Großen Preis von Italien 1970 am 5. September. Das Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1970 fand nur eine Woche später statt. Ihm zu Ehren wurde das Rennen fortan auch als Jochen-Rindt-Gedächtnis-Rennen geführt.