mini|Peter und Irene Ludwig (links) mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau und dem Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger mit Ehefrau Annemarie Burger Peter Ludwig (* 9. Juli 1925 in Koblenz; † 22. Juli 1996 in Aachen) war ein deutscher Kunstmäzen, Kunstsammler und Unternehmer.

Leben mini|Grab von Irene und Peter Ludwig in St. Aldegund (2020) Der Sohn eines Juristen und einer Tochter der Industriellen-Familie Klöckner besuchte in Koblenz das damalige Kaiserin-Augusta-Gymnasium und machte 1943 das Kriegs-Abitur. Nach Wehrdienst und amerikanischer Kriegsgefangenschaft studierte er ab 1946 an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz Kunstgeschichte, Archäologie, Geschichte und Philosophie. Er wurde dort bei Friedrich Gerke promoviert mit einer Dissertation über Das Menschenbild Picassos als Ausdruck eines generationsbedingten Lebensgefühls.

Eine der ersten Museumspersonen, mit denen Ludwig zusammenarbeitete, war Hermann Schnitzler, der Direktor des Museums Schnütgen, der dem Studenten auch die Augen für Picasso geöffnet hatte.Bude 1993, S. 56 f.

1951 heiratete Peter Ludwig Irene Monheim, mit der ihn das Interesse an der Kunst verband. Er trat in die Firma Leonard Monheim ein (Trumpf Schokolade, Lindt, Mauxion) und baute die Firma, die später in Ludwig Schokolade umbenannt wurde, zu einem in den 1970er und 1980er Jahren führenden deutschen Unternehmen in dieser Branche aus.

Peter Ludwig erlag nach einer fulminanten Blinddarmentzündung postoperativ am 22. Juli 1996 einem Herzinfarkt. Er wurde in der Gruft der Alten Kirche St. Bartholomäus von Sankt Aldegund, unterhalb des von den Ludwigs der Kirche als ewige Leihgabe wieder zurückgestifteten Renaissancealtars, beigesetzt.Die Bergkirche von St. Aldegund und ihr Vorsteher, Peter Ludwig zum 5. Todestag gewidmet, von Edwin Breiden (Autor), In: Heimatjahrbuch Kreis Cochem-Zell, S. 101 ff.

Museumsgründungen und Stiftung Bereits seit 1952 gehörte Ludwig dem Club Aachener Casino an und wurde 1957 schließlich auch Vorsitzender des Museumsvereins Aachen und nahm die Zusammenarbeit mit Museen in Köln und Aachen auf. Es folgten Mitarbeit in verschiedenen weiteren Museumsvereinen, Schenkungen an und Gründungen von Museen und anderen Institutionen:

1970: Neue Galerie – Sammlung Ludwig, Aachen 1976: Museum Ludwig, Köln 1977: Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen 1981: Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien 1981: Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Basel 1983: Ludwig Institut für Kunst der DDR, Oberhausen 1989: Haus Ludwig, Saarlouis 1989: Ludwig Museum Budapest Museum of Contemporary Art, Budapest 1991: Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen 1992: Ludwig Museum im Deutschherrenhaus, Koblenz 1994: Fundación Ludwig de Cuba, Havanna 1994: Sammlung Ludwig, Bamberg 1995: Museum Ludwig im Russischen Museum, Sankt Petersburg 1996: Ludwig Museum für Internationale Kunst, Peking 1998: Ludwig Galerie Schloss Oberhausen, Oberhausen

Die Kunstsammlungen von Peter Ludwig sind heute auf neunzehn Museen in fünf Ländern verteilt. Seine Witwe Irene errichtete die Peter und Irene Ludwig Stiftung, die aus der Ludwig Stiftung für Kunst und internationale Verständigung GmbH hervorging.

Kritik Kritische Stimmen zum Einfluss des Ehepaars Ludwig auf die Politik der Stiftung und die Ausrichtung des Museum Ludwig sowie auf die Museumslandschaft in NRW generell, aber auch zu den finanziellen Verflechtungen zwischen der Monheim AG und der Ludwig-Stiftung, stammen unter anderem vom Künstler Hans Haacke, der sie in seiner Arbeit Der Pralinenmeister (1981) zu Wort kommen lässt.Hans Haacke. Nach allen Regeln der Kunst. Neue Gesellschaft für bildende Kunst (NGBK), Berlin/Bern 1984 (Ausstellungskatalog).

Ehrungen und Auszeichnungen 1970: Jabach-Medaille der Stadt Köln 1972: Ernennung zum Honorarprofessor am Kunstgeschichtlichen Institut der Universität zu Köln 1975: Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln 1975: Goethe-Plakette des Landes Hessen 1975: Goldener Ring der Stadt Aachen 1977: Ritter der EhrenlegionÖsterreichische Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft abgerufen am 1. Januar 2010. 1981: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1985: Kulturpreis der Stadt Koblenz 1986: Kommandeurskreuz des dänischen Dannebrogordens 1987: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen 1988: Ernennung zum „Commandeur de la Légion d’Honneur“ 1989: Ehrenring der Stadt Wien 1989: Stern der Völkerfreundschaft 1992: Großes Verdienstkreuz (1976) mit Stern (1983) und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1994: Ehrenbürgerwürde der Stadt Aachen

Ehrendoktorwürden 1975: Universität Basel 1983: Karl-Marx-Universität zu Leipzig 1985: Kunstakademie Sofia 1987: University of Vermont, Burlington, USA 1988: Hochschule der Bildenden Künste, Budapest 1990: Universität Barcelona 1991: Kunsthochschule Havanna, Kuba 1995: Universidad de La Habana, Kuba 1995: Kunstakademie Bukarest

Porträts von Peter Ludwig Im Ludwig Forum befindet sich ein als Siebdruck gestaltetes Porträt Ludwigs im Format 100 × 100 cm von Andy Warhol aus dem Jahr 1980. 1986 begann der Bildhauer Arno Breker mit einem Porträt von Ludwig, der ihn über Monate hinweg regelmäßig in dessen Atelier besuchte, um für die Büste Modell zu sitzen. Es entstanden eine lebensgroße Fassung und eine „monumentale“ überlebensgroße Büste in Bronze. Ludwig setzte sich massiver öffentlicher Kritik aus, weil er sich von Breker porträtieren ließ. Der Museumsstifter stand jedoch unbeirrt zu Breker, dem zentralen Künstler der nationalsozialistischen Kulturpolitik, der unter anderem in Zusammenarbeit mit Albert Speer Skulpturenschmuck in Berlin geschaffen hatte. Trotz aller Turbulenzen um das Zusammenwirken von Ludwig und Breker gestaltete dieser anschließend ebenfalls eine Büste von Ludwigs Ehefrau Irene in zwei Fassungen. Bernhard Heisig porträtierte Ludwig in Öl (120 × 150 cm, um 1993).

Literatur Eduard Arens, Wilhelm Leopold Janssen: Club Aachener Casino. Druck Metz, Aachen 1964, S. 264–265. Heinz Bude: Peter Ludwig. Im Glanz der Bilder. Die Biographie des Sammlers. Bergisch Gladbach 1993. Alfons Friderichs (Hrsg.): Ludwig, Peter. In: „Persönlichkeiten des Kreises Cochem-Zell“. Kliomedia, Trier 2004, ISBN 3-89890-084-3, S. 221. Carla Cugini und Benjamin Dodenhoff, Peter und Irene Ludwig Stiftung (Hrsg.), mit Texten von Carla Cugini, Benjamin Dodenhoff, Isabel Pfeiffer-Poensgen und Regina Wyrwoll: Irene und Peter Ludwig. Einblicke in die internationalen Aktivitäten des Sammlerpaares. Regina Wyrwoll im Gespräch mit Zeitzeugen. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2023, ISBN 978-3-7533-0379-6. Ludwig: Zeitgenössische Kunst in & aus der DDR. Irene und Peter Ludwig. Zeitgenössische Kunst in & aus der DDR. Regina Wyrwoll im Gespräch mit Zeitzeugen. Hrsg. von Carla Cugini und Benjamin Dodenhoff. Mit Beiträgen von Carla Cugini, Benjamin Dodenhoff, Julius Redzinski, Carolin Scharpff-Striebich und Regina Wyrwoll. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2025, ISBN 978-3-7533-0881-4. (Open Access)

Weblinks

Offizielle Website der Peter und Irene Ludwig Stiftung

Anke Rebbert: 1925 – Geburtstag des Kunstsammlers Peter Ludwig. ZeitZeichen vom 9. Juli 2015 WDR 3 (Westdeutscher Rundfunk) Mosaik vom 9. Juli 2025: Sammler Peter Ludwig vor 100 Jahren geboren, von Berit Hempel WDR 3 (Westdeutscher Rundfunk) Resonanzen vom 9. Juli 2025: Sammler Peter Ludwig und die DDR-Kunst, von Regina Wyrwoll

Einzelnachweise

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