mini|hochkant|Margarete Schilling (2021) Margarete Schilling (* 4. Juli 1932 in Jena als Margarete Gertrud Fischerhttp://lccn.loc.gov/n84087899) ist eine deutsche Autorin und Expertin für Glocken und Carillons. Aufgrund ihrer Tätigkeit als Autorin, Herausgeberin und Ausstellungs-Kuratorin seit 1977 gilt sie unter Fachleuten als Grande Dame der Glocken über Deutschland hinaus. Sie ist in Apolda zuhause. Im Jahr 2023 wurde sie „für ihren großen Einsatz im Dienste der Glockenstadt Apolda“ mit dem Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Leben Jena Als Kind erlebte sie die Bombenangriffe auf Jena; frühzeitig verstarb die Mutter, der Vater war in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Nach Abschluss von Schule und Lehre als Handelskaufmann in Jena folgte ein Praktikum bei Carl Zeiss, wo sie erstmals für einen Prospekt des Unternehmens professionell fotografiert wurde – als vermeintliche Laborantin. Daraus entwickelte sich ihre gelegentliche, mehr als 20 Jahre dauernde „Nebenbei-Laufbahn“ als Mannequin, die sie auch ins Ausland führte: Sie modelte für Kleider, Schmuck, Frisuren und Hüte. Auch studierte sie als Gasthörerin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Psychologie, Philosophie und Englisch.

Parallel arbeitete sie als freiberufliche Lektorin und Korrektorin, so für den damals in Jena beheimateten Urania Verlag, den Gustav Fischer Verlag Jena und dessen Biologische Rundschau sowie für den Greifenverlag in Rudolstadt.Vorlagen

Apolda Mitte der 1960er Jahre lernte sie Peter Schilling (1930–2001) kennen und zog mit der Heirat 1966 nach Apolda. Mit Unterstützung ihres Ehemannes und ihres Schwiegervaters Franz Schilling (1897–1977) wuchs sie nun in das Glockenguss-Familienunternehmen hinein und war an vielen Projekten beteiligt.

Ihre Kenntnisse vertiefte sie in Kursen an der Volkshochschule (Pädagogik) und im langjährigen Kontakt mit dem Künstler und Kunstpädagogen Horst Jährling in den Bereichen Vergleichende Kunstgeschichte und Malerei.

1972 wurde die Glockengießerei Schilling enteignet und als volkseigener Betrieb unter dem Namen „VEB Apoldaer Glockengießerei“ weitergeführt; Peter Schilling wurde formal Betriebsdirektor, Margarete Schilling Technischer Direktor. Doch 1976 konnten die Eheleute die zunehmend selbstzerstörerische Betriebsführung seitens der SED-Machthaber weder länger kompensieren noch tolerieren. Sie sahen sich veranlasst, ihr einstiges Unternehmen zu verlassen. Sie setzten die Familientradition außerhalb fort und arbeiteten als freiberufliche Künstler weiter, projektierten Glocken, Glockenspiele und Spieleinrichtungen, die von weit entfernten Werkstätten gefertigt wurden. Sie verfassten Glocken-Gutachten und erstellten auf Kirchtürmen Klanganalysen.

Die letzte gemeinsam geplante und erschaffene Glocke des Ehepaars Schilling entstand für die Dorfkirche Gelmeroda: Die Glocke wurde im Jahr 1999 öffentlich auf dem Markt von Weimar von der Glockengießerei Rudolf Perner aus Passau gegossen. Den Glockenschmuck schuf Horst Jährling.

Damit ging die Jahrhunderte alte Ära der Glockengießer-Dynastie Schilling aus Apolda zu Ende, deren Chronistin Margarete Schilling als letzte Zeitzeugin ist. Zahlreiche Schilling-Glocken und -Carillons beweisen bis heute mit eindrucksvollem Klang sowohl in Deutschland als auch in Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Finnland, Griechenland, Indien, Island, Israel (Jerusalem), Japan, Norwegen, Österreich, Russland, der Schweiz und den USA diese Handwerkskunst aus Thüringen.

Tätigkeit als Autorin 1977 trat Margarete Schilling erstmals als Autorin mit Das Glockengeläut des Magdeburger Klosters „Unser Lieben Frauen“ in Erscheinung. 1982 legte sie – vor allem dank beharrlicher Anfragen des Greifenverlags Rudolstadt – ihr Buch Glocken und Glockenspiele vor (veröffentlicht in Rudolstadt 1982 und 1986 sowie in der Bundesrepublik Deutschland in Rheda-Wiedenbrück 1982), das sich als Bestseller erwies.

Margarete Schillings drei meistverbreitete Bücher sind Glocken und Glockenspiele sowie die beiden Bildbände Glocken - Gestalt, Klang und Zier (Dresden und München 1988)Inhaltsverzeichnis zum Buch Glocken - Gestalt, Klang und Zier und Kunst, Erz und Klang - die Werke der Glockengießerfamilien Ulrich und Schilling vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Berlin 1992).

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals am 11. September 2022 war in Apolda Premiere des Buchs „Franz Peter Schilling – Der letzte Glockengießermeister der berühmtem Glockengießerfamilie“ von Margarete Schilling (90). Ihr Sohn Dietmar Hauser stellte in der Alten Glockengießerei das faktenreiche und hochwertig gestaltete Werk den 180 Interessierten vor.Apolda: Perspektiven für alte Glockengießerei und ein erfolgreicher Denkmaltag, Thüringer Allgemeine Apolda, 13. September 2022

Ehrungen Am 25. Mai 2024 wurde Margarete Schilling die Ehre zuteil, sich in das Goldene Buch ihrer Heimatstadt Apolda eintragen zu dürfen. mini|hochkant|Margarete Schilling mit ihrem Bundesverdienstkreuz, überreicht von Bodo Ramelow im Reithaus Weimar am 21. Juni 2023 Am 21. Juni 2023 erhielt Margarete Schilling „für ihren großen Einsatz im Dienste der Glockenstadt Apolda“ das Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Zitat

Am 6. Dezember 2019 würdigte die Sparkassenstiftung Weimar – Weimarer Land Margarete Schilling mit ihrem Bürgerpreis 2019 in der Kategorie Lebenswerk. Die Stiftung ehrt damit Persönlichkeiten, die „schon seit Jahrzehnten bürgerschaftlich aktiv [sind]. Ihr Einsatz und ihre Erfahrung sind in hohem Maße wertvoll für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. (…) Voraussetzung ist, dass die entsprechende Person bereits seit mindestens 25 Jahren ehrenamtlich tätig ist und damit das Engagement einen großen Teil des eigenen Lebens geprägt hat.“ Die Auszeichnung wurde ihr bei der Festveranstaltung auf Schloss Blankenhain verliehen – die Laudatio hielt die Landrätin des Landkreises Weimarer Land, Christiane Schmidt-Rose (CDU).https://www.sparkassenstiftungen.de/index.php?id=4278&tx_ttnews%5Btt_news%5D=3418&cHash=ead6e530e5ace63e12611e985f965fbe

Margarete Schilling wurde 2015 vom Verein Deutsches Glockenmuseum e. V.https://glockenmuseum.de/kolloquium/23-kolloquium-zur-glockenkunde-2015-3/ zum Ehrenmitglied ernannt.Margarete Schilling: 50 Jahre Zwischenstopp in Apolda. Autobiographie, Apolda 2016, Seite 262 Zum 21. Apoldaer Bornfest am 11. Mai 2015 wurde Margarete Schilling zur Brunnenmeisterin 2015–2016 ernannt. Mit diesem Ehrenamt ist die Pflanzung eines Baumesin diesem Fall der „Baum des Jahres 2015“, ein Feldahorn in Apoldas „Allee der Brunnenmeister“ verbunden.„Aktuelle Nachrichten aus Apolda“ auf https://www.apolda.de - abgerufen am 15. Mai 2015 Margarete Schilling wurde 2012 von der Deutschen Glockenspielvereinigung e. V.http://www.glockenspielvereinigung.de/ zum Ehrenmitglied ernannt.Margarete Schilling: 50 Jahre Zwischenstopp in Apolda. Autobiographie, Apolda 2016, Seite 256 2011 wurde sie vom Landrat und Kreisheimatpfleger mit dem Kreisheimatpflegepreis geehrt.Margarete Schilling: 50 Jahre Zwischenstopp in Apolda. Autobiographie, Apolda 2016, Seite 217 Anlässlich ihres 75. Geburtstags wurde Margarete Schilling von der Initiative „Apoldaer Weltglockengeläut“ am 4. Juli 2007 „in würdigender Anerkennung ihres Lebenswerkes, insbesondere ihrer Verdienste um die weltweite Glockenkultur“ mit dem Ehrentitel „Apoldaer Weltglockenkönigin honoris causa“ ausgezeichnet.Vorlage Im Jahr 2000 wurden Peter und Margarete Schilling mit der „Medaille für besondere Verdienste um die Stadt Apolda“ ausgezeichnet. Peter und Margarete Schilling wurden für ihr 1987 übergebenes Glockenspiel im Französischen Dom mit dem Goethe-Preis der Stadt Berlin geehrt.Margarete Schilling: Kunst, Erz und Klang, Berlin 1992, Seiten 210–211 Am 7. Oktober 1986 erhielt Margarete Schilling die Kurt-Barthel-Medaille vom Rat des Bezirkes Erfurt „für besondere Verdienste und vorbildliche Initiativen bei der Entwicklung des geistig-kulturellen Lebens in der Deutschen Demokratischen Republik“.Margarete Schilling: 50 Jahre Zwischenstopp in Apolda. Autobiographie, Apolda 2016, Seite 75 Am 7. Oktober 1974 ehrte die Stadt Magdeburg sie mit ihrer Gedenkmünze in Bronze „in Anerkennung und Würdigung für vorbildliche Arbeit im Wettbewerb ‚Schöner unsere Heimatstadt Magdeburg - macht alle mit‘“.Margarete Schilling: 50 Jahre Zwischenstopp in Apolda. Autobiographie, Apolda 2016, Seite 86

Varia Anlässlich des Wechsels von Museumsleiterin Rena Erfurth in ihren Ruhestand Ende September 2022 veröffentlichte Margarete Schilling als persönliches Dankeschön für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit das Buch Glocken ade – Bilder o.k. mit dem Untertitel Für Rena Erfurth als Erinnerung an einige unserer Ausstellungen und Lesungen im Glocken-Museum Apolda (Format A3, mit 50 farbigen Arbeiten, Apolda 2022).Quelle: Vorlage Anfang Juli 2021 verlängerten Margarete Schilling und ihr Sohn Dietmar Hauser den Leihvertrag mit dem Museum: Nach fast 70 Jahren Leihdauer für 22 Glocken sowie umfangreiches Material rund um Glocken bleiben diese Leihgaben für mindestens 20 Jahre – also bis ins Jahr 2041 – im GlockenStadtMuseum Apolda. Den Vertrag unterzeichneten für Apolda Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand und Museumsleiterin Rena Erfurth.Apoldaer Amtsblatt, 05/2021, S. 57 Ebenfalls seit fast 70 Jahren stellt die Familie Schilling die Dauerausstellung Kulturgeschichte der Glocke kostenlos zur Verfügung.Apoldaer Amtsblatt, 05/2021, S. 57 Dank des Engagements von Margarete Schilling gehört die Stadt Apolda mit vier Stationen zur Strasse der Musik: Villa Schilling in der Auenstraße 51 mit Sonnenuhrportal und Park (Station 19), Gebäude der ehemaligen Glockengießerei Franz Schilling Söhne in der Robert-Koch-Straße / Bernhardstraße (Station 20), Stadthaus mit Glockenspiel (Station 25), GlockenStadtMuseum (Station 26)https://www.strassedermusik.de/startseite/karte_der_stationen/Martin Kappel: Wie Apolda Bestandteil der Straße der Musik wurde – Vier Tafeln mit der Aufschrift „Straße der Musik“ verweisen jetzt auf besondere Orte in der Glockenstadt von kulturell-musikalischem Interesse. Thüringer Allgemeine, Ausgabe Apolda, 7. Februar 2020, abgerufen am 12. Februar 2020

Peter Schilling Die technologische Umsetzung der Künstler-Entwürfe von Heinrich Apel für seinen Faunbrunnen in Magdeburg schuf 1975 und 1976 Peter Schilling. Die 65 Kilogramm schwere Bronze-Kirchenglocke, Markenzeichen der Band Pond und bei allen ihren Konzerten auf der Bühne präsent, fertigte nach den Angaben und Vorstellungen von Wolfgang Fuchs Apoldas letzter Glockengießermeister Peter Schilling.Quelle: Wolfgang Fuchs: Werdegang, Geschichten und Alltag eines Rockmusikers in der Ex-DDR, Beiheft zum transPONDer-CD-Album, Buschfunk 2003, ab S. 83

Familie Margarete Schilling hat einen Sohn (aus erster Ehe), zwei Enkeltöchter und zwei Urenkel.Info M.Sch.

Veröffentlichungen (Auswahl) Die ausführliche Auflistung der Publikationen von Margarete Schilling findet sich in ihrer Autobiographie 50 Jahre Zwischenstopp in Apolda (2016) auf den Seiten 296–299. Viele ihrer Veröffentlichungen sind im Glockenmuseum Apolda, im Westfälischen Glockenmuseum Gescher und im Glockenmuseum „Glockenwelt“ auf Burg Greifensteinhttps://www.burg-greifenstein.net/ zu finden.Margarete Schilling: 50 Jahre Zwischenstopp in Apolda. Autobiographie, Apolda 2016, Seite 44 Seit 2016 gehört ein Großteil ihrer Veröffentlichungen zum Bestand der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.So zum Beispiel https://d-nb.info/1108304370 und viele andere mehr

Der Glockengießermeister Heinrich Ulrich – Gießer der Petersglocke im Kölner Dom. Apolda 2021 Rauschel und Mauschel – Moritzburger Teichgeschichten. Kinderbuch, Manuskript aus den 1960er Jahren, neu illustriert von der Autorin. Apolda 2021 100 Jahre künstlerisches Notgeld aus einigen deutschen Städten. Apolda 2021