mini|Jean-Charles Chenu
Jean-Charles Chenu (* 30. August 1808 in Metz; † 12. November 1879 in Paris) war ein französischer Zoologe. Er war vor allem als Malakologe und Mammaloge aktiv.
Leben und Wirken Nachdem Chenu die Schule in Metz besucht hatte, begann er dort ein Medizinstudium, das er in Straßburg und Paris fortsetzte. Als Militärarzt diente er bei der Eroberung Algeriens in den Jahren 1829/30.Émile Deyrolle, S. 159. Bei seiner Rückkehr nach Frankreich tobte dort eine Choleraepidemie, von der auch der Polizeipräfekt Gabriel Delessert (1786–1858) betroffen war, dessen Leben Chenu rettete. Delesserts Bruder Benjamin Delessert besaß eine prächtige naturhistorische Sammlung, deren Kurator Chenu schließlich wurde. Zu dieser Zeit veröffentlichte er erste naturhistorische Werke. So publizierte er über das Muschelkabinett von Benjamin Delessert, welches unter dem Namen Notice sur le musée conchyliologique de M. le Baron Benjamin Delessert erschien.Émile Deyrolle, S. 159.
Im Jahr 1845 übersetzte er Natural History of British Shells von Edward Donovan (1768–1837), The Universal Conchologist von Thomas Martyn und American conchology von Thomas Say ins Französische.
Es folgte 1847 mit Lecons élémentaires d'histoire naturelle ein Lehrbuch über die Naturgeschichte mit einer speziellen Abhandlung über die Conchologie. Gleichzeitig publizierte er mit Illustrations conchyliologiques viele Muscheltafeln, die mit Illustrationen von Jean-Gabriel Prêtre, August Goldfuß, Émile-René Ménard (1862–1930), Thiolat und anderen in mehreren Lieferungen bis ins Jahr 1858 erschienen.
Unter Chenus Federführung erschien eine 23-bändige Enzyklopädie der Naturgeschichte (Zoologie). Zu deren Mitarbeitern zählten unter anderem Eugène Anselme Sébastien Léon Desmarest (1816–1889) (z. B. Ringelwürmer, Raubtiere, Käfer, Krustentiere, Muscheln, Zoophyten, Dickhäuter, Wiederkäuer, Zahnlose, Wale, Beuteltiere, Kloakentiere, Reptilien, Fische, Nager), Aristide Dupuis (1823–1883) (z. B. Botanik), Marc Athanase Parfait Œillet Des Murs (1804–1894) (z. B. Vögel) und Pierre Hippolyte Lucas (1814–1899) (z. B. Schmetterlinge).Ergibt sich aus dem jeweiligen Titelblatt des Bandes hier zu finden. Zusammen mit Des Murs und Jules Verreaux veröffentlichte er ein mehrbändiges Lehrbuch über die Vögel.Leçons élémentaires sur l'histoire naturelle des oiseaux (1862).
Von Chenu stammt unter anderem die Erstbeschreibung der Gießkannenmuschel Verpa philippinensis.Penicillidae
Chenu publizierte aber nicht nur im naturhistorischen Bereich. Für den Bericht, den er 1865 über das Gesundheitswesen der Armee in den Ostgebieten von 1854 bis 1856 verfasste, wurde er mit dem grande prix de statistique ausgezeichnet, den er der Académie française spendete. Weitere Publikationen widmete er der Militärhygiene und -medizin während der Kriege Frankreichs in Italien, China und Mexiko
Im Jahr 1872 bekam er einen Schlaganfall. Er wurde im März 1879 ins Hôtel des Invalides eingeliefert, in dem er auch verstarb.
Mitgliedschaften und Ehrungen Im Jahr 1839 wurde Chenu von Félix Édouard Guérin-Méneville als Mitglied Nummer 168 der Société Cuvierienne vorgestellt.Société cuviérienne, S. 64. 1864 gründete er die Société de secours aux blessés militaires und wurde 1870 Direktor der Ambulanz der Gesellschaft. Per Dekret wurde er am 15. Juli 1871 zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt.Dossier: LH/517/41 bei Leonore
Dedikationsnamen César Auguste Récluz beschrieb 1842 die Miesmuschelart Gregariella chenui zu seinen Ehren.César Auguste Récluz, S. 305. Die von Hippolyte Crosse 1857 beschriebe Art Conus chenuiHippolyte Crosse, S. 381. wird heute als Synonym für Conus ferrugineus Hwass in Bruguière, 1792 betrachtet. Félix Édouard Guérin-Méneville ehrte ihn in der Augenfalterart Ypthima chenui.Félix Édouard Guérin-Méneville (1843), S. 77, Tafel 21, Figur 2 und 2a. Benoît Philibert Perroud und Xavier Montrouzier nannten 1864 eine neue Kurzflüglerart Diplostictus chenui.Benoît Philibert Perroud u. a., S. 86–88.
Schriften
Encyclopédie d'histoire naturelle ou Traité complet de cette science d'après les travaux des naturalistes les plus éminents, accompagné des Tables alphabétiques des noms vulgaires et scientifiques de tous les animaux décrits et figurés dans cette encyclopédie, dressées par Desmarests, Paris: Didot, 23 Bände, 1850 bis 1861
Literatur
Weblinks
Biographie an der Universität Bordeaux mit Informationen zu seiner Enzyklopädie der Naturgeschichte
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Malakologe Kategorie:Mitglied der Société Cuvierienne Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Kommandeur) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1808 Kategorie:Gestorben 1879 Kategorie:Mann