Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der polnischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Die polnische Mannschaft konnte sich nur viermal qualifizieren und nahm zudem einmal als automatisch qualifizierter Co-Gastgeber teil. In der ewigen Bestenliste liegt Polen auf dem 18. Platz.
Übersicht Polen nahm an allen EM-Qualifikationen teil. Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1960 Frankreich nicht qualifiziert Im Achtelfinale an Spanien gescheitert, das sich dann weigerte im Viertelfinale gegen den späteren Sieger UdSSR zu spielen. 1964 Spanien nicht qualifiziert In der Vorrunde an Nordirland gescheitert, das sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1968 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich gescheitert, das sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1972 Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Europameister Deutschland gescheitert. 1976 Jugoslawien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Vizeweltmeister Niederlande gescheitert. 1980 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation wieder an Vizeweltmeister Niederlande gescheitert. 1984 Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Portugal gescheitert. 1988 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Europameister Niederlande gescheitert. 1992 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an England gescheitert. 1996 England nicht qualifiziert In der Qualifikation an Rumänien, Frankreich gescheitert. 2000 Niederlande und Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schweden und England gescheitert. 2004 Portugal nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schweden und Lettland gescheitert. 2008 Österreich und Schweiz Vorrunde Kroatien, Österreich, Deutschland 14.* Leo Beenhakker Ohne Sieg ausgeschieden. 2012 Polen und Ukraine Vorrunde Griechenland, Russland, Tschechien 14.* Franciszek Smuda Als Co-Gastgeber automatisch qualifiziert. Ohne Sieg ausgeschieden. 2016 Frankreich Viertelfinale Portugal 7.* Adam Nawałka Durch Siege gegen Nordirland und die Ukraine sowie ein Remis gegen Weltmeister Deutschland erreichte Polen als Gruppenzweiter erstmals die K.-o.-Runde. Aus im Viertelfinale durch Elfmeterschießen gegen den späteren Europameister. 2021 Europa Vorrunde Slowakei, Spanien, Schweden 21.* Am 13. Oktober 2019 als dritte Mannschaft vorzeitig qualifiziert. Als Gruppenletzter bei der Endrunde ausgeschieden. 2024 Deutschland Vorrunde Niederlande, Österreich, Frankreich 23.* Michał Probierz Durch den Sieg im Elfmeterschießen im Play-off-Finale gegen Wales qualifiziert.
Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 An der ersten Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, wollten auch die Polen teilnehmen. Dazu mussten sie im Achtelfinale gegen Spanien antreten. Am 28. Juni 1959 bestritten sie, von Czesław Krug trainiert, in Chorzów ihr erstes EM-Qualifikationsspiel. Ernest Pohl brachte die Polen in der 34. Minute in Führung. Alfredo Di Stéfano und Luis Suárez konnten aber mit je zwei Toren das Spiel drehen. Lucjan Brychczy gelang dann nur noch eine Ergebnisverbesserung.Polen 2-4 Spanien Im Rückspiel verloren sie dann mit 0:3. Spanien weigerte sich dann aber, im Viertelfinale gegen die UdSSR zu spielen, die damit kampflos die Endrunde erreichte und erster Europapokalsieger der Nationen wurde.
EM 1964 Vier Jahre später wollten dann mehr Mannschaften als 1960 teilnahmen, daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. Polen musste gegen Nordirland antreten und verlor zweimal mit 0:2. Nordirland scheiterte dann im Viertelfinale am späteren Europameister Spanien.
EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Polen musste sich gegen die Nachbarn Belgien, Frankreich und Luxemburg qualifizieren. Polen, nun von Klaus Masseli trainiert, gewann am 2. Oktober 1966 gegen Luxemburg erstmals ein EM-Qualifikationsspiel (4:0). Danach übernahm aber Antoni Brzeżańczyk den Trainerposten für ein Spiel (1:2 gegen Frankreich). Unter Michał Matyas gaben sie dann als einzige Mannschaft beim torlosen Remis in Luxemburg einen Punkt an die Luxemburger ab. Zwar gewannen sie beide Spiele gegen Belgien, durch die beiden Niederlagen gegen Frankreich wurde aber hinter den punktgleichen Belgiern nur der dritte Platz erreicht, da diese ein Tor mehr geschossen hatten. Gruppensieger Frankreich scheiterte im Viertelfinale dann an Jugoslawien, das bei der Endrunde in Italien Zweiter wurde.
EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnten sich die Polen, die seit 1971 von Kazimierz Górski trainiert wurden, auch nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit der Bundesrepublik Deutschland, der Türkei und Albanien verloren sie das Heimspiel gegen Deutschland und in der Türkei, gewannen nur die anderen beiden Heimspiele und erreichten in den anderen beiden Auswärtsspielen nur Unentschieden. Damit waren sie als Zweiter ausgeschieden. Gruppensieger Deutschland erreichte die Endrunde in Belgien und gewann erstmals den Titel. Polen konnte dann unter Górski aber drei Monate nach der EM-Endrunde die olympische Goldmedaille gewinnen, wobei der Großteil der Spieler schon in der EM-Qualifikation eingesetzt worden war, da diese als Staatsamateure auch bei den olympischen Spielen startberechtigt waren. Danach gelang dann nach 36 Jahren wieder die WM-Qualifikation und Polen wurde zu einer der großen Überraschungen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974.
EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Nach dem Achtungserfolg bei der WM 1974, bei der Polen mit sehenswertem Offensivfußball Dritter geworden war, wollte sich die Mannschaft auch erstmals für die EM-Endrunde qualifizieren. In der Gruppenphase der Qualifikation trafen sie auf den Vizeweltmeister Niederlande sowie Italien, das sie bei der WM in der Gruppenphase ausgeschaltet hatten und Finnland. Polen verlor auch diesmal nicht gegen Italien, beide trennten sich zweimal torlos, und war am Ende punktgleich mit den Niederländern. Aber die Niederländer hatten zwar mehr Gegentore kassiert, aber auch deutlich mehr Tore geschossen. Damit war Polen als Zweiter ausgeschieden, die Niederländer erreichten die Endrunde in Jugoslawien und wurden dort Dritter. Polen erreichte immerhin bei den Olympischen Spielen 1976 erneut das Finale, verlor dieses aber gegen die DDR. Danach trat Kazimierz Górski zurück und sein Assistent Jacek Gmoch übernahm das Amt des Nationaltrainers, der aber nach dem Aus in der zweiten Finalrunde der WM 1978 zurücktrat.
Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, trafen die nun von Ryszard Kulesza trainierten Polen wieder auf Vizeweltmeister Niederlande sowie die DDR, die Schweiz und Island. Polen verlor nur in der DDR, kassierte die wenigsten Gegentore und bot den Niederländern lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Gruppensieg, verspielte diesen aber durch ein 1:1 im letzten Spiel in Amsterdam nach 1:0-Führung.Niederlande 1-1 Polen Die Niederländer hatten damit einen Punkt mehr, scheiterten bei der EM-Endrunde aber in der Gruppenphase am späteren Europameister Deutschland.
EM 1984 In der Qualifikation vier Jahre später traf Polen, das seit Ende 1980 von Antoni Piechniczek trainiert wurde, nach dem erneuten dritten Platz bei der WM 1982 auf Portugal, die Sowjetunion und Finnland. Polen gewann nur das erste Spiel in Finnland, erreichte noch zwei Remis gegen Finnland und die UdSSR, verlor aber drei Spiele und wurde abgeschlagen nur Dritter. Portugal fuhr erstmals zur EM-Endrunde, wo die Mannschaft im Halbfinale an Gastgeber Frankreich scheiterte. Piechniczek blieb im Amt und führte Polen zur WM 1986, trat aber nach dem Achtelfinalaus gegen Brasilien zurück.
EM 1988 Für die Europameisterschaft in Deutschland wollte sich Polen, nun von Wojciech Łazarek trainiert, gegen die Niederlande, Ungarn, Griechenland und Zypern qualifizieren. Polen gab aber als einzige Mannschaft gegen Zypern einen Punkt ab und hatte am Ende ebenso wie die Ungarn ein ausgeglichenes Punktekonto. Dies reichte aber nur zum vierten Platz. Die Niederländer, die sich zwei Jahre zuvor nicht für die WM qualifiziert hatten, setzten sich ungeschlagen mit sechs Siegen und zwei Remis durch und gewannen bei der EM erstmals den Titel. Łazarek blieb zunächst im Amt, nachdem die Qualifikation zur WM 1990 auch nicht positiv verlief, wurde er in der laufenden Qualifikation von Andrzej Strejlau abgelöst.
EM 1992 In der Qualifikation für die EM 1992 traf Polen auf England, Irland und die Türkei. Polen verloren zwar nur das erste Spiel in England, konnte aber nur gegen die Türkei beide Spiele gewinnen, die auch alle anderen Spiele verlor. Da die Engländer kein Spiel verloren, hatten sie am Ende einen Punkt mehr als Irland sowie zwei mehr als Polen und fuhren zur EM-Endrunde, bei der sie aber in der Vorrunde ausschieden. Strejlau blieb erst einmal im Amt, nach der missglückten Qualifikation für die WM 1994 war aber auch seine Amtszeit beendet.
Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 Für die EM 1996, die erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde, mussten sich die Polen gegen Rumänien, Frankreich und Israel sowie die Slowakei und Aserbaidschan, die erstmals teilnahmen, qualifizieren. Polen ging in die Qualifikation mit Henryk Apostel als Nationaltrainer, gewann nur die Heimspiele gegen Aserbaidschan, Israel und die Slowakei, spielt viermal remis und verlor drei Spiele. Als Vierter hatten sie mit der Entscheidung um den Gruppensieg nichts zu tun. Rumänien wurde Gruppensieger, Frankreich erreichte als sechstbester Gruppenzweiter ebenfalls die Endrunde, wo beide in der Gruppenphase erneut aufeinander trafen. Apostels Amtszeit endete damit.
EM 2000 Für die EM 2000 musste sich Polen, das nun von Janusz Wójcik trainiert wurde, gegen Schweden, England, Bulgarien und Luxemburg qualifizieren. Polen gewann nur gegen Bulgarien und Luxemburg, war am Ende aber punktgleich mit England, hatte aber sowohl den direkten Vergleich verloren als auch die schlechtere Tordifferenz. Damit schieden sie als Gruppendritter aus. Schweden als Gruppensieger und England über die Playoffspiele der Gruppenzweiten gegen Schottland fuhren zur EM, scheiterten dort aber beide in der Gruppenphase. Wójciks Amtszeit endete damit, sein Nachfolger Jerzy Engel führte Polen dann zur WM 2002, nach dem Vorrundenaus bei der WM wurde Engel durch Zbigniew Boniek ersetzt, der aber bereits nach nur fünf Spielen als Trainer zurücktrat.
EM 2004 In der Qualifikation für die EM in Portugal trafen die nun von Paweł Janas trainierten Polen wieder auf Schweden sowie Lettland, Ungarn und San Marino. Polen konnte von den Heimspielen nur das Spiel gegen San Marino gewinnen, das alle acht Spiele verlor. Zwar gelangen Auswärtssiege in Lettland, San Marino und Ungarn, das reichte aber nur zum dritten Platz. Schweden qualifizierte sich als Gruppensieger direkt, Lettland überraschend über die Playoffs gegen die Türkei. Bei der Endrunde spielten beide aber keine große Rolle. Janas blieb im Amt, erhielt eine neue Chance und konnte sich mit Polen für die WM im Nachbarland Deutschland qualifizieren, nach dem Aus in der Vorrunde wurde er aber durch den niederländischen Trainer Leo Beenhakker ersetzt.
EM 2008 mini|Startaufstellungen im ersten EM-Spiel der Polen