mini|Die ersten in Österreich verlegten Stolper­steine von Gunter Demnig, St. Georgen bei Salzburg 1997

Die Stolper-, Gedenk- und Erinnerungssteine in Österreich werden einerseits durch den Künstler Gunter Demnig, andererseits durch fünf Wiener Initiativen und eine aus St. Pölten gefertigt und verlegt.

Konzept Die überwiegend in Gehsteigen eingelassenen, in Wien auch an Hausfassaden angebrachten Gedenktafeln erinnern an „mindestens 110.000 Österreicher und Österreicherinnen“, die „der Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime zum Opfer“ fielen – sie wurden als Juden, als Roma und Sinti, als Homosexuelle oder aufgrund ihrer geistigen oder körperlichen Behinderungen ermordet, „sie starben wegen ihrer Widerstandsaktivitäten oder weil sie den Normen des NS-Staates nicht entsprachen“.Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Die Namen der österreichischen Opfer politischer Verfolgung durch das NS-Regime erstmals erfasst, abgerufen am 12. Mai 2015

Demnigs Stolpersteine wurden bislang in sieben Bundesländern verlegt, erstmals 1997 auf Initiative von Andreas Maislinger in St. Georgen bei Salzburg. Der damalige Bürgermeister von St. Georgen, Friedrich Amerhauser, war der erste Bürgermeister weltweit, der eine behördliche Genehmigung für die Verlegung von Stolpersteinen ausstellte.

Bislang hat Gunter Demnig in sieben österreichischen Bundesländern Stolpersteine verlegt:

In Wien wurden bislang keine Stolpersteine von Demnig verlegt, hingegen teilen sich die fünf Initiativen Steine der Erinnerung, Erinnern für die Zukunft, Steine des Gedenkens, Steine der Erinnerung Josefstadt und Steine der Erinnerung in Liesing die Aufgabe der Erinnerungsarbeit. Demnig selbst sieht die Wiener Steine der Erinnerung als Plagiat.

Im Bundesland Burgenland sowie in vier Wiener Gemeindebezirken (Simmering, Meidling, Hietzing und Donaustadt) sind bislang keine Verlegungen von Stolper- oder Gedenksteinen bekannt.

Kärnten mini|hochkant=0.9|Demnig verlegt einen Stolperstein in Klagenfurt

Die Stolpersteine in Klagenfurt sind überwiegend Bürgern und Bürgerinnen gewidmet, denen von den Nationalsozialisten jüdische Herkunft zugeschrieben wurde, sowie Widerstandskämpfern sozialistischer und kommunistischer Provenienz. Darüber hinaus wurde auch ein Stein für eine psychiatrische Patientin verlegt, die in der Tötungsanstalt Hartheim ums Leben gebracht wurde. Für den einzigen gewürdigten Kärntner Slowenen, Anton Falle, wurden (am 4. Juli 2014) zwei Stolpersteine, einer in deutscher und einer in slowenischer Sprache, verlegt.

Kärnten ErstverlegungAnzahl Stolpersteine letzte Verlegung / Belege Fotos Liste Klagenfurt am Wörthersee 39 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Klagenfurt 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Kärnten Wolfsberg 6 Sechs Stolpersteine erinnern an jüdische Familien aus NS-Zeit; Stolpersteinverlegung am 9. November 2021 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Wolfsberg 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Kärnten

Niederösterreich

Oberösterreich

Die Verlegungen im Bezirk Braunau erfolgten aufgrund von Recherchen und Initiativen der Historiker Florian Schwanninger und Andreas Maislinger. Auffallend an der Verteilung der Opfergruppen ist im Fall Oberösterreichs, dass zunächst nur sieben der 31 verlegten Steine die größte Opfergruppe betreffen, Menschen jüdischen Glaubens oder Herkunft: drei jüdische Frauen aus Wels und vier Mitglieder der Familie Baumann in Aigen im Mühlkreis. Mittlerweile sind etwa in Steyr mehrere Stolpersteine für Mitmenschen jüdischer Herkunft dazugekommen.https://www.steyrerstolpersteine.at/ Darüber hinaus wurden Opfer aus politischen Gründen, eine Reihe von ermordeten Roma und Sinti, eine Zeugin Jehovas und drei Vertreter des katholischen Widerstands gewürdigt, darunter der später seliggesprochene Franz Jägerstätter.

Einer der verlegten Steine – der einzige von St. Johann am Walde – ist aus ungeklärten Gründen zumindest seit August 2015 nicht auffindbar.

In der Landeshauptstadt Linz wurden keine Stolpersteine verlegt. Eine Jury entschied 2019 für Stele mit Klingelknöpfen.

Oberösterreich ErstverlegungAnzahl Stolpersteine letzte Verlegung / Belege Fotos Liste Aigen-Schlägl 4 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Aigen-Schlägl 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich Altheim 1 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Altheim 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich Braunau am Inn 4 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Braunau am Inn 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich Hackenbuch 1 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Moosdorf 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich Hochburg-Ach 1 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Hochburg-Ach 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich Maria Schmolln 1 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Maria Schmolln 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich Steyr 11 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Steyr 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich#Steyr St. Johann am Walde 1 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich St. Radegund 1 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in St. Radegund 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich St. Veit im Innkreis 1 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in St. Veit im Innkreis 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich Wels 6 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Wels 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich#Wels Weng im Innkreis 1 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Weng im Innkreis 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich#Weng im Innkreis Weyer 8 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Haigermoos 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Oberösterreich#Weyer

Salzburg

Steiermark In Graz betreibt der Verein für Gedenkkultur die Verlegung von Stolpersteinen durch Demnig. Der Verein wurde Ende 2012 von Sabine Maurer (Vorsitzende des Grazer Komitees für christlich-jüdische Zusammenarbeit) und Daniela Grabe (Gemeinderätin, Grüne) gegründet und betreibt eine Website, die die persönliche Geschichte der Betroffenen textlich und die Verlegungen fotografisch dokumentiert.Graz: "Stolpersteine" erinnern an NS-Opfer, diepresse.com, 29. Juli 2013, abgerufen am 27. Jänner 2016.

Die ersten Verlegungen erfolgten am 27. Juli 2013, weitere ebenfalls jeweils an einem Julitag der Folgejahre 2014 und 2015. Die Verlegungen erfolgen im Einvernehmen und in der Regel mit baulicher Vorbereitung durch den öffentlichen Straßenerhalter durch Öffnen des Straßenbelags, also Einschnitt oder Bohrung in Asphaltbeton oder einer Pflasterungsplatte oder Herausnahme kleinerer Pflasterungssteine. Für jede Person wird ein eigener Stein verlegt. Die Steine eines Elternpaars liegen in der Regel in Leserichtung nebeneinander, die von Kindern darunter. An einer Adresse wurden für 2 Familien mit insgesamt 8 Betroffenen die Steine entsprechend gruppiert. Die Leserichtung der Steine ist mal so, dass man als Leser zum Haus hingewandt steht oder in einer Gehrichtung des Gehsteigs.

Im Februar 2015 wurden an und neben mehreren der – kupferhaltigen – Messingplatten der Steine blaugrüne Verfärbungen festgestellt. Diese Farbe ist typisch für Kupferionen und -salze. Als Ursache wurde in den Medien chemischer Angriff durch Streusalz (Natriumchlorid, selten Calciumchlorid) und Säureangriff mit Vandalismus-Absicht diskutiert, die Polizei nahm Proben, reinigte und ermittelte.NS-Gedenksteine in Graz beschädigt, orf.at, 13. Februar 2015, abgerufen am 27. Jänner 2016.Vandalismus? Wirbel um Naziopfer-Gedenksteine, kleinezeitung.at, 12. Februar 2015, abgerufen am 27. Jänner 2016.

Steiermark ErstverlegungAnzahl Stolpersteine letzte Verlegung / Belege Fotos Liste Bruck an der Mur 4 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Bruck an der Mur 24px|verweis=Liste der Stolpersteine im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag#Bruck an der Mur Frohnleiten 10 meinbezirk.at: 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Frohnleiten 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Frohnleiten Graz 220 + Stolperschwelle 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Graz 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Graz Kindberg 2 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Kindberg 24px|verweis=Liste der Stolpersteine im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag#Kindberg Köflach 3 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Köflach 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Köflach Leoben 24 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Leoben 24px|verweis=Liste der Stolpersteine in Leoben Ramsau am Dachstein 1 meinbezirk.at: 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Ramsau am Dachstein 24px|verweis=Liste der Stolpersteine im Bezirk Liezen#Ramsau am Dachstein Sankt Ruprecht an der Raab 1 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in St. Ruprecht an der Raab 24px|verweis=Liste der Stolpersteine im Bezirk Weiz#St. Ruprecht an der Raab Schladming 13 meinbezirk.at: 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Schladming 24px|verweis=Liste der Stolpersteine im Bezirk Liezen#Schladming Sinabelkirchen 2 16px|verweis=:commons:Category:Stolpersteine in Sinabelkirchen 24px|verweis=Liste der Stolpersteine im Bezirk Weiz#Sinabelkirchen

Ein Stein (für Josef Scharfstein, verlegt 2016) ist im Zuge einer Fernwärmeaufgrabung abhandengekommen und wurde am 27. Jänner 2017 nachverlegt. Gezählt als verlegt wird hier nur 1 Stein.

Für 3 Personen wurden je 2 Steine an unterschiedlichen Orten verlegt.

Für die erblindete Irene Ransburg wurden 2 Steine beim Odilien-Institut verlegt, einer davon in Blindenschrift, erstmals in Europa.

Ein Titelstein über 27 Steine für 27 Schüler der Oeverseeschule wurde verlegt.

Am 22. Oktober 2020 wurde eine Stolperschwelle erstmals in Österreich in Graz am Lager Liebenau verlegt.

Schriftzug auf Gehsteigen Ein anderes Kunstobjekt aus 2013, zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome, vermittelt auf Gehsteigen in Graz ebenfalls nationalsozialistisch motivierte Gewalt, nämlich den Übergriff auf den Rabbiner David Herzog, der 1938 nachts als 70-Jähriger von jungen Männern aus der Wohnung geholt, zur brennenden Synagoge getrieben und dabei misshandelt wurde. Auf ebendiesem Weg entlang der Gehsteige von Radetzkystraße (Nr. 8) und -brücke, Grieskai, Rosenkranzgasse, Kleegasse, Brückenkopfgasse und Griesplatz (Nord) wurde von der Künstlerin Catrin Bolt ein Schriftband aus schwarzen Helvetica-Großbuchstaben mit 16 cm Höhe über 750 Meter Länge gemalt, das beim Entlanggehen – in Schreibrichtung – zum Mitlesen seines persönlichen Berichts einlädt. Flüssigeres Erfassen des Inhalts der Worte des Rabbiners wird durch Rollen auf Inline-Skates möglich; auch in diesem Fall ist es gut den Kopf etwas schräg nach links zu neigen. Da der Schriftzug eher nahe an Hauswänden oder den fahrbahnseitigen Gehsteigrändern liegt, unterliegt er weniger dem Abrieb durch die Schuhe der Gehenden und hat sich mehr als 2 Jahre überwiegend lesbar erhalten. 2015 wurde beschlossen, das temporär angelegte Projekt von Kunst im öffentlichen Raum, nicht durch Nachmalen aufzufrischen.Denise Prügger: Schriftband als Gedenken für Rabbiner David Herzog, meinbezirk.at, 29. Oktober 2013, abgerufen am 27. Jänner 2016. – Video (07:45)Jacqueline Winkler: Geschichte wird wieder sichtbar gemacht, annenpost.at, 7. November 2013, abgerufen am 27. Jänner 2016. – Lageplan. Im Laufe der Jahre wurde die Farbe unter den Schuhen der Gehenden abgewetzt. Ende 2018 fehlt die Schrift über weite Strecken mit kleinen Überbleibsel dazwischen. Nur am Grieskai ist 2021 noch eine längere Strecke lesbar.

Catrin Bolt erneuerte vom 17.–20. Oktober 2021 in Teamarbeit mit 3–4 Mitwirkenden den Lauftext in gleicher Form und Platzierung, wiederum mittels selbstklebender Schablone. Erstmals verwendete sie jedoch 2-K-Markierplastik, das – mit feinem Quarzsand gefüllt – in einer Schichtdicke von etwa 1 Millimeter aufgespachelt wurde.