Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der österreichischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Die österreichische Mannschaft konnte sich 2008, 2016, 2021 und 2024 qualifizieren, wobei sie 2008 zusammen mit der Schweiz als Co-Gastgeber automatisch qualifiziert war. Der größten Erfolge sind das Erreichen der Achtelfinale 2021 und 2024. In der ewigen EM-Tabelle liegt Österreich auf Platz 18.
Übersicht
Österreich nahm an allen EM-Qualifikationen teil.
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1960 Frankreich nicht qualifiziert Im Viertelfinale an Frankreich gescheitert. 1964 Spanien nicht qualifiziert Im Achtelfinale an Irland gescheitert, das sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1968 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Vizeeuropameister Sowjetunion gescheitert. 1972 Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Titelverteidiger Italien gescheitert, der sich aber auch nicht qualifizieren konnte. 1976 Jugoslawien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Wales gescheitert, das sich aber auch nicht qualifizieren konnte. 1980 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Vizeeuropameister Belgien gescheitert. 1984 Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Titelverteidiger Deutschland gescheitert. 1988 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Vizeeuropameister Spanien gescheitert. 1992 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an Jugoslawien und dem späteren Europameister Dänemark gescheitert, der statt Jugoslawien zur EM fahren durfte. 1996 England nicht qualifiziert In der Qualifikation an Portugal und Irland gescheitert, das sich aber auch nicht qualifizieren konnte. 2000 Niederlande und Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Spanien und Israel gescheitert, das sich aber auch nicht qualifizieren konnte. 2004 Portugal nicht qualifiziert In der Qualifikation an Tschechien und der Niederlande gescheitert. 2008 Österreich und Schweiz Vorrunde Kroatien, Polen, Deutschland 13. Josef Hickersberger Als Co-Gastgeber automatisch qualifiziert. Ohne Sieg ausgeschieden. 2012 Polen und Ukraine nicht qualifiziert In der Qualifikation an Deutschland und der Türkei gescheitert, die sich aber auch nicht qualifizieren konnte. 2016 Frankreich Vorrunde Ungarn, Portugal, Island 22. Als Gruppenletzter ausgeschieden 2021 Europa Achtelfinale Italien 12. Österreich hatte sich nicht als Ausrichter von Spielen beworben. Als Gruppenzweiter vorzeitig qualifiziert. Bei der Endrunde trafen die Österreicher auf die Niederlande, die Ukraine und Nordmazedonien, das sich über die Playoffs qualifizierte. Mit zwei Siegen und einer Niederlage wurde das Achtelfinale erreicht, das in der Verlängerung gegen den späteren Europameister Italien verloren wurde. 2024 Deutschland Achtelfinale Türkei 9. Österreich konnte sich als Gruppenzweiter hinter Belgien vor Schweden, Aserbaidschan und Estland qualifizieren. Gegner bei der Endrunde waren in der Gruppenphase Frankreich, die Niederlande und Polen, das sich im März 2024 über Play-off-Pfad A noch qualifizieren konnte.
Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 An der ersten Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, wollten auch die Österreicher teilnehmen. Dazu mussten sie im Achtelfinale gegen Norwegen antreten. Am 20. Mai 1959 bestritten sie, von Karl Decker trainiert, in Oslo ihr erstes EM-Qualifikationsspiel und gewannen durch ein Tor von Erich Hof mit 1:0. Im Rückspiel vier Monate später in Wien gewannen sie dann mit 5:2, wobei Hof zwei weitere Tore gelangen, darunter das 1:0 bereits in der dritten Minute.Österreich 5-2 Norwegen Österreich scheiterte dann im Viertelfinale am WM-Dritten Frankreich, der dann die Endrunde ausrichten durfte und Vierter wurde.
EM 1964 Vier Jahre später wollten dann mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen, daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. Österreich erhielt aber ein Freilos und war damit direkt für das Achtelfinale qualifiziert. Dort trafen sie auf Irland und nach einem torlosen Remis im Heimspiel wurde in Dublin mit 2:3 verloren. Nach zwei weiteren verlorenen Spielen endete die Amtszeit von Karl Decker. Irland scheiterte dann im Viertelfinale an Spanien, das danach die Endrunde ausrichten durfte und Europameister wurde.
EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Österreich musste gegen Vizeeuropameister Sowjetunion, Griechenland und Finnland antreten. Österreich ging in die Qualifikation unter Teamchef Eduard Frühwirth, dessen Amtszeit aber nach dem ersten Qualifikationsspiel, einem torlosen Remis in Finnland und zwei Niederlagen in Freundschaftsspielen endete. Aber unter seinen Nachfolgern Erwin Alge und Hans Pesser konnten nur die Heimspiele gegen Finnland und die UdSSR gewonnen werden, sie verloren aber in Griechenland und der Sowjetunion. Damit hatten sie schon vor dem letzten Heimspiel gegen Griechenland keine Chance mehr, sich zu qualifizieren. Dieses Spiel wurde dann auch wegen Zuschauerausschreitungen in der 86. Minute beim Stand von 1:1 abgebrochen. Das Ergebnis wurde von der UEFA annulliert, spielte aber auch auf den Ausgang der Qualifikation keine Rolle mehr. Gruppensieger Sowjetunion, der nur das Spiel in Österreich verloren hatte aber alle anderen gewann, erreichte dann auch die Endrunde und wurde da Vierter. Alge und Pesser blieben zunächst im Amt, kurz nach Beginn der WM-Qualifikation 1970 übernahm dann aber Leopold Šťastný das Amt.
EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnte sich Österreich auch nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Titelverteidiger und Vizeweltmeister Italien, Irland und Schweden verloren sie die ersten beiden Spiele (1:2 gegen Italien und 0:1 in Schweden). Danach folgten zwar drei Siege und ein 2:2 in Italien, da Italien aber kein Spiel verlor, wurde Österreich nur Zweiter. Gruppensieger Italien scheiterte dann überraschend im Viertelfinale an Belgien, das die Endrunde danach ausrichten durfte und Dritter wurde.
EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Die Österreicher trafen in der Gruppenphase der Qualifikation auf Wales, Ungarn und Luxemburg. Österreich startete mit einem 2:1 gegen Wales und mit einem 2:1 in Luxemburg, erreichte dann im Heimspiel gegen Ungarn nur ein 0:0 und verlor das Rückspiel in Ungarn. Damit endete auch die Amtszeit von Leopold Šťastný als Teamchef. Zunächst trainierte Branko Elsner die Mannschaft. Nach einem 6:2 gegen Luxemburg wurde dann in Wales mit 0:1 verloren und damit der Gruppensieg verpasst. Damit endete auch Elsners Amtszeit als Teamchef. Sein Nachfolger Helmut Senekowitsch führte Österreich zur WM nach Argentinien, trat aber nach dem Wunder von Córdoba zurück. Gruppensieger Wales scheiterte im Viertelfinale an Jugoslawien, das dann die Endrunde ausrichten durfte, aber trotz Heimvorteil nur Vierter wurde.
Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, trafen die nun von Karl Stotz trainierten Österreicher auf Belgien, Norwegen, Portugal und Schottland. Österreich verspielte die Qualifikation durch ein 1:1 am vorletzten Spieltag in Schottland und hatte damit einen Punkt weniger als Gruppensieger Belgien, das in Schottland am letzten Spieltag mit 3:1 gewann. Belgien fuhr zur EM und erreichte das Finale, verlor dieses aber gegen Deutschland. Stotz blieb im Amt und mit ihm gelang die Qualifikation für die WM 1982. Allerdings wurde er anschließend vom ÖFB-Präsidenten Karl Sekanina ausgebootet.
EM 1984 In der Qualifikation vier Jahre später traf Österreich auf Titelverteidiger und Vizeweltmeister Deutschland, Nordirland, die Türkei und Albanien. Die nun von Erich Hof, dem Schützen des ersten EM-Qualifikationstor, trainierten Österreicher erreichten im Heimspiel gegen Deutschland ein 0:0, nachdem die drei anderen Heimspiele gewonnen worden waren, und gewannen in Albanien, verloren aber die anderen Auswärtsspiele. Dadurch hatten sie am Ende zwei Punkte weniger als die punktgleichen Deutschen und Nordiren, die zwar zweimal 1:0 gegen Deutschland gewonnen hatten, aber die schlechtere Tordifferenz aufwiesen. Damit fuhren die Deutschen zur EM, scheiterten dort aber erstmals bei einem großen Turnier in der Gruppenphase. Hof blieb zunächst im Amt, aber nach den ersten Spielen in der Qualifikation für die WM 1986 übernahm erneut Branko Elsner das Amt des Teamchefs.
EM 1988 Gegner in der Qualifikation für die EM 1988 waren Vizeeuropameister Spanien, Rumänien und wieder Albanien. Österreich konnte nur beide Spiele gegen die Albaner gewinnen, dies reichte nur zum dritten Platz, womit die zweite Amtszeit von Branko Elsner endete. Sein Nachfolger wurde Josef Hickersberger. Spanien fuhr als Gruppensieger zur EM, schied aber in der Vorrunde aus.
EM 1992 In der Qualifikation für die EM 1992 traf Österreich auf Dänemark, Nordirland, Jugoslawien und die Färöer, die erstmals teilnahmen. Im ersten Qualifikationsspiel traf Österreich auf die Färöer, für die dies das erste Pflichtspiel überhaupt war, und verlor sensationell mit 0:1. Josef Hickersberger trat nach dem Spiel als Teamchef zurück. Es blieb der einzige Sieg für die Färöer, aber nicht die einzige Niederlage für die Österreicher. Denn auch unter Hickersbergers Nachfolger Alfred Riedl wurden die Leistungen nicht besser, so dass für die zwei letzten Spiele Dietmar Constantini interimsweise die Mannschaft trainierte. Nur das Rückspiel gegen die Färöer konnten sie gewinnen. Neben einem torlosen Remis gegen Nordirland blieb dies der einzige Punktgewinn. Damit waren sie, punktgleich mit den Färingern, Vorletzter in der Gruppe. Jugoslawien, das als Gruppensieger eigentlich für die EM-Endrunde qualifiziert war, wurde kurz vor dem Start der Endrunde aufgrund von UN-Sanktionen als Folge der Jugoslawienkriege ausgeschlossen und Dänemark nachnominiert. Die meisten dänischen Spieler hatten aber nach dem Saisonende der nationalen Ligen schon ihren Urlaub angetreten und reisten ohne große Vorbereitung an. Dennoch gelang den Dänen die bis dahin größte Überraschung und sie gewannen im Finale gegen Weltmeister und Rekordeuropameister Deutschland den Titel.
Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 Neben Österreich hatten sich auch England, Portugal und die Niederlande für die Ausrichtung des Turniers 1996 beworben. Da die EM erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen werden sollte und nur England die Möglichkeit bot, das Turnier in dieser Form auszurichten, erhielten die Engländer den Zuschlag. Österreich musste es daher über die sportliche Qualifikation versuchen, die nun einerseits leichter erschien, da das Teilnehmerfeld verdoppelt worden war, andererseits gab es nach den Umbrüchen im Ostblock mehr Bewerber.
In einer Gruppe mit Portugal, Nordirland, Irland, Lettland und Liechtenstein wurde aber unter Herbert Prohaska nur Platz 4 belegt. Österreich erzielte zwar wie Gruppensieger Portugal 29 Tore, durch Niederlagen in Lettland (2:3) und Nordirland (3:5) wurde aber Platz 2 verspielt. Irland und Nordirland hatten am Ende einen Punkt mehr, die Iren scheiterten dann aber im Playoffentscheidungsspiel der beiden schlechtesten Gruppenzweiten an der Niederlande.
EM 2000