Das Kloster Heilsbronn (lateinisch Abbatia Fons Salutis) ist eine ehemalige Abtei der Zisterzienser in Heilsbronn in Franken. Von 1297 bis 1625 war das Münster die Grablege der Fränkischen Hohenzollern. Heute beherbergen die Gebäude u. a. das Religionspädagogische Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
Geschichte mini|Münster, Kirchenschiff und Hauptaltar Bischof Otto I. von Bamberg stiftete das Kloster 1132 bei Ansbach im Bistum Eichstätt. Heilsbronn war die zweite Tochtergründung der Zisterzienserabtei Ebrach, aus welcher der erste Mönchskonvent kam. 1139 bestätigte Papst Innozenz II. Heilsbronn als bischöflich-bambergisches Eigenkloster, später stand es zeitweise unter kaiserlichem Schutz. Vögte des Hochstifts Bamberg und zugleich Vögte von Heilsbronn waren bis zu ihrem Aussterben die Grafen von Abenberg, deren Hauskloster Heilsbronn wurde. Großzügige Schenkungen der Abenberger und eigene Erwerbungen führten zu umfangreichem Besitz, der bis in das Maintal in und bei Würzburg (etwa im LeinachtalChristine Demel u. a.: Die Einkünfte des Klosters Heilsbronn (Diöz. Eichstädt) in Unterleinach 1335–1536. In: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 371f) und in das Nördlinger Ries reichte und am Ausgang des Mittelalters in sieben Ämtern organisiert war. Mehr als 40 Abenberger wurden in einer Grabkapelle des Münsters bestattet. Ihre Ländereien, darunter die Burg Abenberg und die Cadolzburg, fielen durch Heirat 1236 an die fränkischen Hohenzollern, die damaligen Burggrafen von Nürnberg (siehe auch Konrad IV.). Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Abtei allmählich Zollerischer Landstand. 1297 wurde Burggraf Friedrich III. als erster Hohenzoller in der Chorgruft des Heilsbronner Münsters bestattet. Bemühungen des Klosters um die Reichsunmittelbarkeit waren nicht erfolgreich. Unter einer Reihe fähiger Äbte erlangte die Abtei aber in wissenschaftlich-kultureller und in politischer Hinsicht eine beachtliche Stellung, so dass der Abt im Jahr 1439 das Recht zum Gebrauch der Pontifikalien erhielt. Besonders im 14. Jahrhundert wurde das Kloster ein Ausgangspunkt der Mystik, wobei der Heilsbronner Zisterziensermönch Konrad von Brundelsheim hervortrat, zudem bestanden enge Verbindungen zum Eichstätter Bischof Philipp von Rathsamhausen, einem namhaften Vertreter der Zisterziensermystik. Auch das rege Skriptorium, der bedeutende Bestand an Inkunabeln in der Klosterbibliothek und die hervorragende Buchbinderei der Abtei zeigen die Bedeutung der Heilsbronner Zisterze.
Der Besitz der Abtei umfasste in seiner Blütezeit rund 300 Städte und Dörfer zwischen Würzburg und Kelheim, Nördlingen im Ries und Hirschau in der Oberpfalz, die durch sechs Propsteien verwaltet wurden. Zum Klosterbesitz gehörte auch der Heilsbronner Hof in Nürnberg. In Nördlingen besaß das Kloster Heilsbronn das Patronat über das Herrgottskloster Nördlingen. Dank der klugen Wirtschaftsführung der Zisterzienser konnte das Kloster bald von der Eigenbedarfsdeckung auch zur Versorgung weiter Gebiete Frankens übergehen. Die erwirtschafteten Geldmittel wurden zum Kauf von Büchern und für das auswärtige Studium der Mönche verwendet. Neben vielfältigen geistigen Anregungen wirkten vor allem in der Kirchenmusik starke Impulse von der Abtei auf die Region.Christine Riedl-Valder: Heilsbronn.
Zur Zeit des Bauernkriegs mussten die Mönche, gezwungen von dem Markgrafen Kasimir, ihren Habit durch ein schwarzes Priestergewand ersetzen. Infolge des politischen Druckes und aufgrund interner Spaltungen im Mönchskonvent fiel die Zisterzienserabtei allmählich der neuen Glaubensrichtung anheim.Lexikon für Theologie und Kirche. 1. Auflage, Band 4, Sp. 900. Der Heilsbronner Prior Johann Schopper gehörte dem die Reformation umsetzenden Visitationsausschuss in Ansbach an, bevor er Abt des Klosters wurde.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950. (Neuauflage 1978 anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978.) S. 194. 1524 schloss sich der Konvent mehrheitlich der lutherischen Reformation an und bestand bis 1578 fort. Die Abtei blieb noch mehr als 50 Jahre als evangelisches Kloster wie viele andere reformierte Klöster mit nachfolgend 8 evangelischen Äbten (Nr. 29–36) als solches erhalten. Das zunehmend verfallene Kloster wurde erst aufgelöst, nachdem der letzte Zisterzienserabt Melchior Wunder 1578 gestorben war. Die 1530 von Abt Johannes Schopper gegründete Klosterschule wandelte man 1582 in ein protestantisches Gymnasium, die sogenannte Fürstenschule um, die 1737 mit dem Gymnasium Carolinum in Ansbach vereinigt wurde. Einer der ersten Absolventen der neu gegründeten Schule war der spätere Gelehrte Friedrich Taubmann.
Markgraf Georg der Fromme Ansbach säkularisierte und veräußerte einen Teil des Klosterguts in der Absicht, damit die Schulden seines Fürstentums zu tilgen. Das restliche Klostervermögen kam unter eine gesonderte markgräfliche Klosterverwaltung und wurde beim Übergang an das Königreich Bayern dem Staatsvermögen zugeschlagen.
Nachdem im Dreißigjährigen Krieg 1631 marodierende Soldateska des Feldmarschalls Tilly die Gräber der Hohenzollern geschändet und geplündert hatte, bestimmte Markgraf Albrecht II. die Ansbacher Pfarrkirche St. Johannis zur neuen Grablege.
1741 ging die Verwaltung des Grundbesitzes in dem brandenburg-ansbachischen Oberamt Heilsbronn auf. Dieses bestand aus dem Klosterverwalteramt Heilsbronn, Verwalteramt Merkendorf, Verwalteramt Waizendorf und Pflegamt Nördlingen im Ries. 1750 wurde das Oberamt Heilsbronn in das Oberamt Windsbach integriert.
Die Klosterbibliothek ging in den Jahren 1748 und 1770 in den Besitz der Universität Erlangen über.Klosterbibliothek Heilsbronn Website der Universität Erlangen-Nürnberg Ihr Bestand wurde digitalisiert und steht Online zur Verfügung.Die Handschriften der Klosterbibliothek Heilsbronn auf Website der Universität Erlangen-Nürnberg
Das Kloster heute Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das 1578 aufgehobene ehemalige Zisterzienserkloster in Heilsbronn an die evangelische Kirchengemeinde. Seit 2006 gab es Pläne, die zisterziensische Tradition an diesem Ort wieder aufleben zu lassen. Der frühere Heilsbronner Gemeindepfarrer Paul Geißendörfer initiierte die Wiederbelebung des Jakobsweges zwischen Rothenburg o. d. Tauber und die „Gemeinschaft Evangelischer Zisterziensererben in Deutschland“. Am 30. November 2007 erfolgte die Eröffnung des evangelischen Konvents Heilsbronn. Es gehört zur Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland, die seit 1993 besteht und ihren Sitz ebenfalls in Heilsbronn hat.
Gebäude und Ausstattung mini|hochkant|Grundriss der Klosterkirche
Klosterkirche Die Klosterkirche wurde 1132 bis 1139 als romanische Basilika nach Hirsauer Schema errichtet, aber bald gotisch umgestaltet und erweitert. Das Mittelschiff, das nördliche Seitenschiff, Teile des Querschiffs und der Choranlage sind vom romanischen Bau noch erhalten.Pablo de la Riestra: Kunstdenkmäler in Bayern. Franken. Regensburg. Oberpfalz. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, S. 25. am südlichen Querarm befindet sich die sogenannte Heideckerkapelle, ein um 1200 erbauter romanischer Sandsteinquaderbau mit gerundetem Chörlein.
1412–1433 wurde das romanische südliche Seitenschiff abgebrochen und das spätgotische Mortuarium errichtet, das bis 1800 als Grablege genutzt wurde. 1427–33 erhielt die Kirche einen Dachreiter. mini|hochkant|Sakramentshaus Der spätgotische Hauptaltar wird dem Künstlerkreis um Michael Wolgemut zugeschrieben. Seitlich im Chor befindet sich ein ebenfalls spätgotisches Sakramentshäuschen. Im Mittelschiff, das noch die Formen der Romanik zeigt, befinden sich die Grablegen mehrerer Kurfürsten von Brandenburg sowie Markgrafen von Ansbach.
Ab 1710 wurde mit Restaurierungsarbeiten am inzwischen schadhaft gewordenen Münster unter der Leitung von Gabriel de Gabrieli begonnen. Im Querschiff wurde ein Gottesdienstraum für die damals kleine evangelische Gemeinde geschaffen. Während der Bauarbeiten benutzte die Gemeinde die inzwischen nicht mehr gebrauchte Laienkirche St. Katharina (am Platz des heutigen Katharinenturms).
Nach dem Tod des letzten berufenen (21.) Predigers, Johann Ludwig Hocker (1722–46), erst Feldprediger, dann Diakonus in Crailsheim bis zu seiner Berufung an die Prädikatur in Heilsbronn, dem es nicht gelang, dem Verfall der Gebäude entgegenzuwirken und der Zeuge der Aufhebung der dortigen Fürstenschule war,Die 7 Prediger (Nr. 15 bis 21) in Heilsbronn in dieser Periode. In: Georg Muck (Hrsg.): Geschichte von Kloster Heilsbronn. Band 3, Elfter Abschnitt: Die Fürstenschule. Die Prediger in Heilsbronn. C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1880, S. 151–155 (Volltext [Wikisource]). verlor das Kloster weiter an Bedeutung. Vieles von den literarischen und artistischen Schätzen wurde weggebracht, keine fürstliche Leiche mehr dort bestattet. Nachfolger Hockers als, nun vom Markgrafen von Ansbach, berufene, Prediger waren die fünf folgenden Geistlichen: 22. Heydenreich, Hockers Nachfolger, Schwiegersohn und Lebensbeschreiber; 23. Pfisterer; 24. Johann Georg Friedrich Christian Klingsohr (um 1806Eintrag cistopedia.org. Abgerufen am 13. April 2021. bis 1824); 25. Georg Muck, Verfasser des Buches Geschichte von Kloster Heilsbronn (1879); und 26. Johann W. Scharff (königlicher Pfarrer und Distriktschulinspektor) seit 1862.Die 5 Prediger (Nr. 22 bis 26) in Heilsbronn im 18. und 19. Jahrhundert. In: Georg Muck (Hrsg.): Geschichte von Kloster Heilsbronn. Band 3, Dreizehnter Abschnitt: Heilsbronn im 18. und 19. Jahrhundert. Gerichts-, Gemeinde-, Schul- und Kirchenwesen. Die Prediger seit der Aufhebung der Fürstenschule. C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1880, S. 218–219 (Volltext [Wikisource]).
Ab 1806 war Heilsbronn bayerisch und König Ludwig I. ließ durch seinen Baumeister Friedrich von Gärtner in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die barocken Zutaten wieder entfernen, um eine Annäherung an den romanischen Zustand zu erreichen.
Veränderungen, die vor allem in der Barockzeit stattgefunden hatten, wurden auch nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig gemacht. Dabei wurde der ursprüngliche Zustand großenteils wiederhergestellt.Ralf Nestmeyer: Franken. Michael Müller, Erlangen 1999 (2), S. 74 f. Auf der Steinkanzel der ehemaligen Klosterkirche ist ein Reichsadler aus Stein abgebildet, der über den Abbildungen der Evangelisten auf einer (Welt-)Kugel steht. Heute wird er durch ein Antependium verdeckt. Der Entwurf für diese Kanzel stammt aus dem Jahr 1942, dessen Umsetzung erfolgte 1946.
Grablegen Drei markgräfliche Hochgräber aus dem Zeitraum vom 14. bis zum 17. Jahrhundert beherrschen die Achse des Mittelschiffs – das des Markgrafen Georg Friedrich des Älteren (* 1539; † 1603) mit einer Kopftafel, auf der die Aufschrift „Christliche Schlafkammer“ zu lesen ist; das des Markgrafen Joachim Ernst (* 1583; † 1625) und das der Kurfürstin Anna (* 1437; † 1512). 1625 wurde zum letzten Mal ein Angehöriger des Fürstenhauses in der Kirche beigesetzt.