mini|hochkant=1.4|Gutskirche Melkof Die Gutskirche Melkof ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude im Ortsteil Melkof der Gemeinde Vellahn im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. In den Jahren 1868/70 errichtet gehört sie heute zum Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.
Geschichte Schon um 1230MUB I. (1863), S. 362, Nr. 375, (Digitalisat). gehörte Melkof zum Kirchspiel Vellahn und blieb es bis 1870. Melkof besaß bis dahin eine kleine aus Granit errichtete Kapelle ohne Turm.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordostdeutschland. Band II., Verlag Ernst Wasmuth, Berlin 1906 S. 295.
Nach dem Tod von Julius von der Decken stiftete seine Witwe Anna Hedwig von der Decken im Jahr 1868 zum Gedenken an ihren Mann eine Gutskirche mit Gruftanbau, die in unmittelbarer Nähe des Herrenhauses errichtet werden sollte.Christiane Schillig: Melkof statt Kilimandscharo: eine Gutskirche zu Ehren Julius von der Deckens in Vellahn. In: Monumente, Band 22, Nr. 4, S. 36–37. Die Planung des spätklassizistischen Sakralbaues übernahm der bekannte Schweriner Hofbaurat Hermann Willebrand.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, S. 340, ISBN 3-422-03081-6. Mit der Grundsteinlegung am 16. Juni 1868Anlässlich des ersten Todestages von Julius von der Decken. begannen die umfangreichen Bauarbeiten, welche mit der Weihe der Kirche am 12. Juni 1870, dem ersten Sonntag nach Pfingsten (Trinitatis), ihren feierlichen Abschluss fanden.
Die heute zu sehende Kombination aus dem 1888 erbauten Gründerzeit Herrenhaus und dem klassizistischen Putzbau der Gutskirche von 1870 ist in Norddeutschland sehr selten. Erwähnenswert ist allerdings, dass sich der Kirchbau an dem im klassizistischen Baustil errichteten Vorgängerbau des heutigen Herrenhauses orientierte. Beide Einzelbauten bildeten ein stimmiges Ensemble.
Die von der Familie von der Decken gestiftete Gutskirche wird heute als evangelische Dorfkirche genutzt.
Pfarre Melkhof/Melkof Die Melkhofer Pfarre wurde im Jahr 1870 errichtet. Zur neuen Pfarrei gehörten nunmehr die Güter Melkof, Jesow und Langenheide, welche vorher in Vellahn eingepfarrt waren. Auch für das Wohlergehen des neuen Pastors war gesorgt, ihm wurde das von der Gutsherrschaft gestiftete und 1870 erbaute Pfarrhaus übergeben.
Am Tag der Einweihung der Kirche wurde Kandidat der Theologie Robert Stoehr aus Peitz, nach vorgängiger Solitair-Präsentation und Ordination, zum Prediger bestellt. Pastor Stoehr verblieb bis April 1872 in Melkhof. Das Pfarramt wurde dann von Pastor Gustav Postler bekleidet, einem Mitglied der Gesellschaft für Musikforschung,Monatshefte für Musikgeschichte. Nr. 1, 14. Jahrgang, Gesellschaft für Musikforschung (Hrsg.), Berlin 1882, Mitgliederliste, S. 14. bis auch er im Dezember 1883 anderweitig versetzt wurde. Erst im März 1884 wurde der Güstrower Gymnasiallehrer Schoop zum Pastor in Melkhof berufen. Im April 1894 verließ Pastor Schoop die Pfarre Melkof, an seine Stelle trat der Gülzer Hilfsprediger Hoyer. Die Melkofer Gemeinde wählte ihn am 29. April 1894 mit Stimmenmehrheit zum neuen Prediger. Pastor Friedrich Hoyer diente bis zum 1. Oktober 1910 in der Gemeinde.LHAS Bestand: (5.12-7/1) 8086, Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium für Unterricht, Kunst, geistliche und Medizinalangelegenheiten: Emeritierung der Geistlichen der Pfarre zu: Melkof, Laufzeit: 1909–1910. Im selben Jahr wurde die Verwaltung der Pfarre Melkof Pastor Karl Timm aus Pritzier übertragen.
Die Kirche Langhaus mini|hochkant=0.6|Eingang mit Vorhalle Die einschiffige Kirche in Melkof ist ein Putzbau, äußerlich im spätklassizistischen Baustil errichtet mit Stilelementen des Historismus. Als Gutskirche errichtet, mit rechteckigem Langhaus und einem westlich vorgesetzten rechteckigen Turm. Das Langhaus ist mit Eckpilastern, Gesims, Frieselementen und profilierten Fensterrahmungen schmuckvoll gestaltet, die sich in ihrer Ausarbeitung an antiken Bauformen orientieren. Hier wird die umfassende Wiederbelebung historisierender Elemente deutlich. Bemerkenswert sind auch die gequaderten Putzflächen des Sockelgeschosses, die das Vorhandensein von Werksteinen imitieren sollten; das Sockelgesims begründet hier den oberen Abschluss. Die Verputzung des Baues ist detailreich ausgeführt worden. Mit schmuckvollen Rosetten und Eierstab-Ornament sind zudem die Kapitelle der Eckpilaster verziert. Vier hohe profilierte Fenster mit gestelzten Rundbögen, beidseitig der Längsseiten des Langhauses, unterstreichen das schmuckvolle Erscheinungsbild des Langhauses. Diese Fenster sind mit teils buntfarbiger Verglasung und unterschiedlichen Verbleiungsmustern versehen. Unterhalb dieser Fenster sind jeweils zwei kleine von Pilastern gegliederte hochrechteckige Fenster angeordnet. Den oberen Abschluss des Langhauses bildet das flache Satteldach, welches mit Schiefer bedeckt ist. Erwähnenswert ist auch das bekrönende Giebelkreuz des Ostgiebels.
An die Ostseite des Langhauses schließt sich außerdem ein polygonaler eingezogener Gruftanbau an, welcher über die den Altar flankierenden Zugänge begehbar ist. Eine an der Südseite vorgesetzte kleine Kapelle im neogotischen Stil ist heute nicht mehr vorhanden.Auf Bildern und Postkarten um 1900 noch ersichtlich.
Turm mini|hochkant=0.6|Der Turm Ein Kirchturm hat keine theologische Bedeutung, vielmehr dient er der Repräsentation und der Erfüllung funktioneller Aufgaben.Joseph Sauer: Die Symbolik eines Kirchengebäudes und seiner Ausstattung in der Auffassung des Mittelalters. Hedersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1902, S. 140–155.
Die Kirche Melkof besitzt einen westlich vorgesetzten Turm, der im Jahr 1999 umfassend saniert wurde. Ausladendes, die Geschosse begrenzendes Gesims und die Frieselemente unterstreichen sein schmuckvolles äußeres Erscheinungsbild. Die Eckbereiche des Turmes sind zudem mit gequaderten Ecklisenen und Eckpilastern versehen. Bemerkenswert sind das hohe rundbogige Fenster der Westseite und die darüberliegende Glockenstube mit ihren drei Schallöffnungen. Im dritten Obergeschoss finden sich hingegen kleine Rundbogenfenster, welche von Pilastern und kassettierten Flächen flankiert werden.
Ein auf der Westseite befindlicher rundbogiger Zugang wurde mit einer stark auskragenden Verdachung versehen, die von Pilastern und Kämpfern getragen wird. Dieser Durchgang bildet die Vorhalle, von ihr aus erschließt sich das Langhaus.
Der dreigeschossige Turm schließt mit einem sechsseitigen pyramidal geformten und schieferbedeckten Spitzhelm nach oben ab. Turmkugel und Wetterhahn bilden hier die Bekrönung.
Turmuhr Wie die meisten Kirchtürme, so hat auch dieser eine Turmuhr. Sie befindet sich in Höhe des dritten Obergeschosses.
Die Uhr mit Schlagwerk stammt aus dem Jahr 1870 und wurde in der Berliner Groß-Uhrmacherei E. MöllingerWerkstatt in der Zimmerstraße Nr. 88. gefertigt. 2013 konnte das 1870 gebaute und nicht mehr funktionsfähige Uhrwerk, dank der Unterstützung der Stiftung Kirchturmuhren in Not, fachgerecht restauriert werden. Im Zuge dieser Restaurierung erhielt das Uhrwerk einen elektrisch betriebenen Aufzug. Der sonst notwendige wöchentliche manuelle Aufzug ist nunmehr nicht mehr notwendig. Außerdem ersetzten die Uhrmacher die fehlenden Zeiger, die seither wieder die Uhrzeit in alle vier Himmelsrichtungen anzeigen.
Glocken In der Glockenstube des Turmes befinden sich zwei englische Gussstahlglocken (Ø 37″), die im Jahr 1869 in Sheffield in der Glockengießerei von Vickers Ltd. (Naylor, Vickers & Co) gegossen wurden. Im Gegensatz zu den traditionellen Bronzeglocken waren die Gussstahlglocken kostengünstiger und von geringerem Gewicht. Erwähnenswert ist, dass noch eine dritte Glocke im Auftrag der Gutsherrschaften in Sheffield gegossen wurde, welche von gleichem Durchmesser war.
Die Glocken tragen die schlichte Umschrift: SHEFFIELD 1869.
Farbgestaltung Im Zuge der Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten erhielten Kirche und Gruftanbau einen grau-ockrigen Anstrich, welcher der bauzeitlichen Farbgestaltung entspricht.
Umfeldgestaltung Die umgebende Grünanlage war Teil der gepflegten Parkanlage des Herrenhauses. Angelegte Wege wurden von Rhododendron und anderen Ziergehölzen flankiert und führten direkt zum herrschaftlichen Anwesen. Auch die den Kirchbau rahmenden mächtigen Eichenbäume sind bemerkenswert. Eine Stieleiche ist als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Weitere Naturdenkmale auf dem Kirchhof sind eine Baumgruppe aus zehn Eiben sowie eine Sicheltanne.
Innenausstattung und Ausgestaltung Bei Betrachtung der Ausgestaltung des Innenbereiches finden sich kannelierte Pilasterschäfte, verzierte Pilasterkapitelle und Gesimse von unterschiedlicher Ausprägung sowie Frieselemente. Die Inneneinrichtung wird von den klaren geometrischen Formen des Klassizismus dominiert. In Kombination mit den Einrichtungselementen des Historismus ergibt sich ein schmuckvolles aber dennoch dezentes Erscheinungsbild.
Die Holzdecke weicht stilistisch von der Einrichtung ab, sie wurde im Stil der Tudorgotik errichtet, welche den Übergang vom gotischen Stil zur Renaissance darstellt. Bemerkenswert sind hier die Hängezapfen an der Balkenkonstruktion, in Form von Blütenkelchen.
Altar mini|hochkant=0.6|Neobarock Altar Der Altar wurde im Stil des Neobarocks errichtet. Zwei aus grauem Stuckmarmor gefertigte korinthische Säulen tragen das Gebälk und den gesprengten Volutengiebel. Im Zentrum des Giebels ist die Gloriole, in ihr das Dreieck als Zeichen der Trinität. Die Gloriole wird von schmuckvollen Wolken- und Wogenbändern gerahmt bzw. durchstoßen, die symbolisch die Begrenzung des Kosmos darstellen. Zudem flankieren fein gearbeitete Engelsfiguren die von Wogenbändern eingefasste Gloriole, sie ruhen auf den seitlich begrenzenden Volutenelementen des Gebälkes.
Im Altarblatt findet sich die bildliche Darstellung der Auferstehung Christi (Mt 28.1), geschaffen im Jahr 1869 vom Berliner Kunstmaler Johann Wilhelm Schütze.Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern, Deutscher Kunstverlag, Neubearbeitung, München/Berlin 2000, S. 340. Die Darstellung zeigt Christus mit Kreuzstab und Siegesfahne, umgeben vom Glorienschein am Kopfe, flankiert vom Engel des Herrn und den römischen Soldaten.
Das Altarblatt wird außerdem von figürlichen Darstellungen der Maria und Maria Magdalena flankiert, die auf schmuckvoll verzierten Volutenkonsolen ruhen.
Eine hölzerne verzierte Altarschranke umrahmt den Altartisch.
Über dem Altar, an der dahinterliegenden Ostwand, ist das Christusmonogramm mit dem Alpha und Omega bildlich dargestellt.
Ausmalung Für die farbliche Gestaltung der Zierelemente kam strahlendes Weiß zur Anwendung. Die Flächen hingegen wurden mit einem Beige-Farbton überdeckt. Im Kontrast dazu stehen die Dekormalereien der Flächenbereiche, welche in einem rötlich-braunen Farbton gehalten sind.
Klare geometrische Formen dominieren auch die Innenraumbemalung. Hier sind insbesondere die Ausmalungen in den Flächen der von Pilastern gegliederten Innenwände anzumerken.
Gestühl und Inneneinrichtung Die umlaufend angeordneten Emporen sind aus hellem Holz gefertigt und mit hochwertiger Holzimitation überfasst. Tragende Holzsäulen werden zudem durch verzierte Kapitelle bekrönt.