Die Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA war eine deutsche Bank mit Sitz in Köln. Sie wurde 1789 als Privatbank gegründet und gehörte Angehörigen der Familie von Oppenheim. Bis zum Verkauf der Bank durch die Familie im Oktober 2009 an die Deutsche Bank für 1,3 Milliarden Euro war Sal. Oppenheim mit einer Bilanzsumme von 41,4 Milliarden Euro und über 150 Milliarden Euro an verwalteten Vermögen das größte unabhängige Bankhaus Europas. Seit Oktober 2009 war sie eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank. Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit bis 2018 war die Vermögensverwaltung. Am 27. Oktober 2017 kündigte die Deutsche Bank an, Sal. Oppenheim aufzugeben und die verbliebenen Kunden sowie Teile des Geschäfts in die Deutsche Bank zu integrieren. Der aktive Geschäftsbetrieb wurde zum 30. Juni 2018 eingestellt. Die Nicht-Kern-Geschäftstätigkeiten wurden in der rechtlichen Einheit Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA fortgeführt. 2019 verschmolzen diese und die Deutsche Oppenheim Family Office AG zu einer Gesellschaft, die unter letzterem Namen firmiert.
Geschichte Gründung mini|hochkant|April 1817: Das Unternehmen Farina gegenüber zieht auf ihren Frankfurter Kommissionär Wechsel über 20.000 fl. Order Sal. Oppenheim jun. & Co. mini|hochkant|Brief von Sal. Oppenheim an Johann Maria Farina, 2. Mai 1832 mini|hochkant|Sal. Oppenheims Aufstellung für Farina, 2. Mai 1832
Der damals 17-jährige Salomon Oppenheim junior gründete die Bank 1789 als Kommissions- und Wechselhaus in Bonn zusammen mit dem einflussreichen Bankier und Silberhändler Samuel Wolff, der 90.000 Taler Kapital in das Geschäft einbrachte. Oppenheim handelte mit Waren, tauschte ausländische Sorten und vergab Kredite. Am 7. Mai 1793 trat Salomon Oppenheim erstmals als Gläubiger eines Wechsels über 300 Taler gegenüber den Bonner Eheleuten Schön in Erscheinung, was als erster Beleg für die Bankgeschäfte anzusehen ist.Ulrich Viehöver: Die Einflussreichen. 2006, S. 251 (books.google.de).
1798 setzten die französischen Revolutionstruppen unter Napoleon den Kurfürsten des Kurfürstentums Köln ab, dessen Hauptstadt Bonn war. In Köln und allen von ihnen annektierten linksrheinischen Gebieten führten die Franzosen die Religionsfreiheit ein. Damit konnten sich erstmals seit 400 Jahren Juden in Köln niederlassen. Daraufhin zog Oppenheim zum damals bedeutenden Bankenplatz Köln um, wo unter anderen das Bankhaus J. H. Stein (1790) und der A. Schaaffhausen’sche Bankverein (seit 1791) ihren Sitz hatten. Als Salomon Oppenheim 1828 verstarb, führte seine Witwe Therese die Geschäfte mit ihren Söhnen Simon und Abraham Oppenheim fort. Abraham heiratete 1834 Charlotte Beyfus, eine Enkelin von Mayer Amschel Rothschild, der das Bankhaus der Rothschilds gegründet hatte.Dieter Ziegler: Großbürger und Unternehmer: Die deutsche Wirtschaftselite im 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35682-X, S. 127, Fn. 26 (books.google.de).
Gebäude Erstes Domizil in Köln bildete zwischen 1801 und 1808 das vom Weinessigfabrikanten G. J. Hahn gemietete Gebäude Am Hof Nr. 2122 (heute Nr. 16).Michael Stürmer, Gabriele Teichmann, Wilhelm Treue: Wägen und Wagen: Sal. Oppenheim jr. & Cie. Geschichte einer Bank und einer Familie. 1989, S. 139. Salomon Oppenheim erwarb im Januar 1808 das 1780 für Bankier Jakob Pelzer im klassizistischen Stil erbaute Patrizierhaus Große Budengasse Nr. 8 („Große Büttengasse“ Nr. 2103, später Nr. 8–10)Franz Steiner Verlag GmbH: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. Band 9, 1964, S. 175. vom ehemaligen Bürgermeister Freiherr Franz Jakob von Hilgers. Der hier 1904 errichtete Neubau blieb bis zum ersten Bombenangriff 1942 erhalten, wurde dann am 16./17. März 1943 schwerer beschädigt und am 29. Juni 1943 total zerstört. Als Provisorium diente zwischen Juni 1945 und Oktober 1953 das Haus An den Dominikanern Nr. 2, im Oktober 1953 bezog die Bank das sechsgeschossige natursteinverkleidete Gebäude von Fritz August Breuhaus de Groot in Unter Sachsenhausen Nr. 4. Im September 2018 erwarben die Momeni Immobilien und HanseMerkur Versicherungsgruppe diesen Nachkriegsstammsitz und planten den endgültigen Auszug, der sich zu diesem Zeitpunkt in Abwicklung befindenden Altgesellschaft, bis zum Jahr 2020.Standort seit 231 Jahren – Oppenheim Stammhaus in Kölner Altstadt verkauft. In: Kölnische Rundschau. 25. September 2018, abgerufen am 6. Oktober 2018.
Rheinprovinz Preußens mini|Sitz von Sal. Oppenheim Jr. & Cie., Pempelforter Straße 11, Düsseldorf-Pempelfort
Die Bank finanzierte seit den 1820er Jahren insbesondere die Rheinschifffahrt und später auch die Entwicklung des Eisenbahnwesens sowie die Industrialisierung der Rheinprovinz und des Ruhrgebiets. Daran beteiligten sich auch andere Banken des Kölner Bankwesens.
Bereits im Jahre 1810 stieg Oppenheim zur zweitgrößten Bank in Köln nach A. Schaaffhausen auf, ab September 1816 firmierte sie als „Sal. Oppenheim jr. & Cie.“ Oppenheim vollzog zusammen mit dem Berliner Bankhaus Mendelssohn & Co. den Transfer der französischen Kriegsreparationen (265 Millionen Franken) an Preußen, den der Aachener Kongress im November 1818 beschloss. Ebenfalls 1818 erfolgte die Mitgründung der Rheinschifffahrts-Assekuranz (Vorläuferin der Agrippina-Versicherung), am 3. Oktober 1825 die Mitgründung der „Preußisch-Rheinischen Dampfschifffahrtsgesellschaft“ (Vorläuferin der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt)Gabriele Oepen-Domschky: Kölner Wirtschaftsbürger im deutschen Kaiserreich. 2003, S. 150. und einer Beteiligung von 25 %. Das Bankhaus Oppenheim wirkte an Konsortien der Kölner Privatbanken mit, die sich abwechselnd aus Deichmann & Co., A. Schaaffhausen’scher Bankverein, Bankhaus J. H. Stein, Herstatt und Bankhaus A. Levy & Co. zusammensetzten und maßgeblich die rheinisch-westfälische Schwerindustrie finanzierten.Frauke Geiken: Freya von Moltke. 2011, S. 15 (books.google.de). Sie hatten erheblichen Anteil an der Emission von Industrieanleihen und Aktien.Klaus A. Donaubauer: Privatbankiers und Bankenkonzentration in Deutschland von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1932. 1988, S. 41. 1836 gründete Oppenheim die erste Tochtergesellschaft in Amsterdam als „Gebr. Oppenheim & Co.“ (bestand bis 1856), am 9. Juni 1837 folgte die Gründung der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, am 16. Juli 1839 nahm die Colonia-Versicherung ihren Geschäftsbetrieb auf. Dadurch begann die Entwicklung Kölns zum bedeutenden Versicherungsstandort. Am 18. Dezember 1843 erhielt die von Oppenheim mit gegründete Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft ihre Konzession, im April 1846 entstand die weltweit erste reine Rückversicherung mit der Kölnischen Rück, am 27. September 1853 gab es die Konzession für die Concordia Kölnische Lebensversicherung. 1853 beteiligte sich Oppenheim an der Gründung der Darmstädter Bank für Handel und Industrie und 1870 an der Gründung der Centralboden.
Nach dem Tod Therese Oppenheims (1842) führten die beiden Söhne das Unternehmen weiter. Die beiden Söhne von Abraham Oppenheim, Eduard und Albert von Oppenheim, konvertierten 1858 und 1859 vom Judentum zum Christentum. Dies ermöglichte ihnen die Einheirat in bedeutende christliche Kölner Unternehmerfamilien. Oppenheim investierte auch in kulturpolitische Vorhaben in Köln. Eduard von Oppenheim half 1859 bei der Gründungsfinanzierung des Kölner Zoos und 1863 bei der Flora, 1869 gründete er das Gestüt Schlenderhan und erwarb 1870 das Schloss Schlenderhan für 170.000 Taler.Morten Reitmayer: Bankiers im Kaiserreich, 1999, S. 155 (books.google.de). Abraham Oppenheim stiftete die Synagoge Glockengasse, die am 29. August 1861 eingeweiht wurde.Massimo Ferrari Zumbini: Die Wurzeln des Bösen. Gründerjahre des Antisemitismus: Von der Bismarckzeit zu Hitler. Klostermann, 2003, ISBN 3-465-03222-5, S. 51 (books.google.de). König Wilhelm I. erhob ihn 1868 als ersten jüdischen Unternehmer Preußens in den Freiherrnstand, um seine unternehmerischen Verdienste zu ehren.Kai Drewes: Jüdischer Adel. Nobilitierungen von Juden im Europa des 19. Jahrhunderts. Campus, 2013, ISBN 3-593-39775-7, S. 208 (books.google.de).
Deutsches Kaiserreich Das Deutsche Kaiserreich nahm zur Finanzierung der Entwicklung des Verkehrswesens zahlreiche Anleihen auf. Zur Platzierung dieser Anleihen wurden Banken benötigt. Das Bankhaus wurde ständiges Mitglied des 1859 hierfür gegründeten Preußenkonsortiums, das ab 1867 regelmäßige Treffen organisierte. Als deutschlandweit operierendes Bankenkonsortium umfasste es 39 Mitgliedsbanken. Zu jener Zeit zählte Oppenheim zu den oberen Banken Preußens („haute banque“).Morten Reitmayer: Bankiers im Kaiserreich. 1999, S. 86. Nur zum Teil beteiligte sich die Bank auch an Anleihen für die Stadt Köln. Sal. Oppenheim war auch im Auslandsgeschäft tätig, hier vor allem im Kapitalexport – meistens in Zusammenarbeit mit der Berliner Disconto-Gesellschaft. Dazu engagierte sich die Bank auch im Kolonialgeschäft.
Am 10. Oktober 1871 beteiligte sich das Bankhaus neben Schaaffhausen an der Finanzierung der Gotthardbahn mit einer Quote von 15 % am Emissionskonsortium.Carsten Burhop: Die Kreditbanken in der Gründerzeit. 2004, S. 210 (books.google.de). Im November 1871 gründete Oppenheim mit Schaaffhausen die Antwerpener Centralbank SA, im April 1872 die deutsch-belgische La Plata Bank. 1873 saßen Vertreter von Oppenheim in 24 industriellen Aufsichtsräten,Carsten Burhop: Die Kreditbanken in der Gründerzeit. 2004, S. 18. Simon Alfred Oppenheim brachte es 1909 auf 40 Aufsichtsratsmandate.Morten Reitmayer: Bankiers im Kaiserreich, 1999, S. 134, FN 156 1873 wies Oppenheim eine ungewöhnliche Zahl von Großanlegern auf, denn elf Einleger besaßen jeweils mehr als eine Million RM. Hier liegt der Beginn des lange Zeit bei Oppenheim unbedeutend gebliebenen Private Banking. Das Bankhaus Oppenheim fungierte als Hausbank der Basalt AG, an der Oppenheim und Wilhelm Werhahn zu je 20 % beteiligt waren. Beide hielten auch Aktien der Strabag (je 33 %).
Nach dem Tod von Abraham und Simon übernahmen im Jahre 1880 deren Söhne Albert und Eduard die Bankgeschäfte. Die Bank wirkte zusammen mit anderen Banken, hier vor allem wieder die Disconto-Gesellschaft, an der Kapitalbeschaffung für Industrieunternehmen in Deutschlands Westen. So finanzierte die Bank die Entstehung oder Expansion der Union, AG für Bergbau, Eisen- und Stahl-Industrie, der Phoenix AG, der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, des Eschweiler Bergwerksvereins, der Gewerkschaft Fortuna, die 1908 mit anderen Unternehmen zur Rheinischen AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation fusionierte, und der Harpener Bergbau AG. Freundlich verbunden war Sal. Oppenheim mit den Kabelwerken Felten & Guilleaume, mit denen man gemeinsame überseeische Telegraphenunternehmen gründete. Oppenheim beteiligte sich an einem 29 Mitglieder großen Bankenkonsortium, das die Gründung der am 26. Januar 1894 entstandenen Hypothekenbank Rheinboden AG finanzierte. Nach Fehlinvestitionen in die Elektroindustrie, hier vor allem bei der Helios AG, kam es zu einer Unternehmenskrise bei Sal. Oppenheim. Die Hilfe kam nicht zuletzt von einer auf 15 Jahre begrenzte stillen Einlage der Berliner Disconto-Gesellschaft, damals der zweitgrößten Bank Deutschlands.