Gerd Fricke (auch Gert Fricke, eigentlich Gustav Heinrich Julius Fricke; * 10. August 1890 in Halle an der Saale; † 15. Dezember 1968 in Schäftlarn) war ein deutscher Hörspielregisseur, Hörspielsprecher, Hörfunkmoderator und Schauspieler.
Leben und Wirken Der Sohn des Technikers Heinrich Fricke und seiner Frau Bertha, geb. Lundberg,Stadtarchiv Halle, Geburtsregister Standesamt Halle, Nr. 2375/1890 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). absolvierte die Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin unter Leitung von Max Reinhardt. Anschließend begann er zunächst eine Karriere als Theaterschauspieler. Das Deutsche Bühnenjahrbuch verzeichnet in seinen entsprechenden Jahrgängen folgende Stationen seiner Laufbahn: 1916–1917: Königliches Deutsches Landes-Theater und Neues Deutsches Theater, Prag 1918: Stadttheater Essen 1919: Königliches Hoftheater Dresden 1920–1921: Volksbühne Berlin (Theater am Bülowplatz) 1922: Schlosspark Theater, Berlin-Steglitz 1923: Stadttheater Stralsund 1924–1925: Neues Theater (Frankfurt am Main) 1928: Theater in der Klosterstraße und Volksbühne Berlin, Berlin 1929: Neues Theater am Zoo, Berlin
Bereits im Jahre 1924, als er in Frankfurt am Main auf der Bühne stand, kam er als Sprecher zum dortigen Südwestdeutschen Rundfunkdienst AG (SÜWRAG), dem Vorläufer des Hessischen Rundfunks. Als seine ersten Auftritte in einem Sendespiel, wie die Hörspiele damals noch genannt wurden, verzeichnet die ARD-Hörspieldatenbank Arthur Schnitzlers Abschiedssouper und Frage an das Schicksal aus dem Anatol-Zyklus mit Fricke in der Hauptrolle. Die Produktionen wurden am 16. September und 1. Oktober 1924 live ohne Aufzeichnung gesendet. Als erste Regiearbeit ist eine Adaption von Goethes Theaterstück Stella vom 19. März 1925 beim Frankfurter Sender nachgewiesen.
Wenige Jahre später ging er zum Deutschlandsender nach Berlin, wo er zunächst ebenfalls als Sprecher und Regisseur, später dann auch als Oberspielleiter tätig war. Zu seinen großen Erfolgen in dieser Zeit zählen Josef Martin Bauers Das tote Herz, Hans Rothes Verwehte Spuren, Ludwig Tügels Treue, Günter Eichs Weizenkantate und Alfred Karraschs Winke, bunter Wimpel.
In seiner Funktion als Oberspielleiter nahm er Kontakt zu vielen Autoren auf, um sie für das Genre Hörspiel zu gewinnen. Dadurch hatte er maßgeblichen Anteil am Erfolg dieser Kunstform gehabt.
Daneben konzipierte er eine Reihe von legendär gewordenen Unterhaltungssendungen, die er auch selber moderierte, wie beispielsweise Guten Morgen lieber Hörer!, Olle Kamellen, Beliebte Kapellen und Sonntagsmorgen ohne Sorgen. Einen großen Erfolg hatte er mit seiner Weihnachtssendung Heut soll keiner einsam sein, die er am Heiligen Abend ab 23:00 Uhr gemeinsam mit Barnabás von Géczy gestaltete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er einen schweren Start, da seine Karriere zunächst nicht richtig in Gang kommen wollte. Erste Sendungen machte er beim Bayerischen Rundfunk und gelegentlich beim HR in Frankfurt. Dann wechselte er zum Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. Dort entwickelte er Sendungen wie Die Fahrt ins Blaue und Meine Freunde – Deine Freunde.
Eine kleine Sensation war Anfang der 1950er Jahre die Sendereihe Vom Hundertsten ins Tausendste. Er verließ dafür die Funkhausstudios und besuchte die Menschen in ihren Heimen, die er erzählen ließ, so wie sie sich einen Abend zusammenfanden. Zu den Prominenten zählten unter anderen der Schriftsteller Walther von Hollander, der Bühnenkünstler Waldemar Staegemann und der langjährige Oberbürgermeister von Ulm Emil Schwamberger.
Für den Nordwestdeutschen Rundfunk Hamburg entwickelte er 1952 die Hörspielreihe Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Geschildert wurden Kriminalfälle aus dem täglichen Leben. Am Schluss jeder Folge fand eine Diskussionsrunde mit einigen Hörern statt, in der das Für und Wider des Urteils erörtert wurde. Die Reihe umfasste 79 Folgen, bei denen Gerd Fricke jeweils die Regie führte. Die letzte Folge wurde am 14. Mai 1956 urgesendet.
In der Folgezeit sind bis 1961 noch mehrere Hörspielproduktionen u. a. beim Südwestfunk und beim SR nachgewiesen, bei denen er als Sprecher tätig war.
In den 1920er Jahren trat er auch in einigen Stummfilmen und ab Mitte der 1950er Jahre in verschiedenen Fernsehfilmen auf.
Von 1921 bis zur Scheidung 1929 war Fricke mit der Schauspielerin Erna Reigbert verheiratet.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Charlottenburg III, Nr. 4/1921 (online auf Ancestry, kostenpflichtig).Neue Künstlerehen. In: Berliner Börsen-Zeitung. 12. Januar 1921, S. 4. 1934 heiratete er die Sekretärin Irene Kürschner; diese Ehe wurde 1948 geschieden.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Friedenau, Nr. 568/1934 (Erstregister, online auf Ancestry, kostenpflichtig).Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Friedenau, Nr. 568/1934 (Zweitregister, online auf Ancestry, kostenpflichtig). Gerd Fricke lebte zuletzt im Evangelischen Altenpflegeheim Schäftlarn, wo er 1968 starb.Gemeindearchiv Schäftlarn, Sterberegister Standesamt Schäftlarn, Nr. 60/1968.
Filmografie (Auswahl) 1921: Verlogene Moral – Regie: Hanns Kobe 1921: Die Geierwally – Regie: Ewald André Dupont 1922: Die Dame und der Landstreicher – Regie: Alfred Halm 1922: Zwei Welten – Regie: Richard Löwenbein 1926: Derby – Regie: Max Reichmann 1927: Violantha – Regie: Carl Froelich 1953: Im Banne der Guarneri – Regie: Fritz Schröder-Jahn (Fernsehfilm) 1956: Schatten in der 3. Avenue – Regie: Peter Beauvais (Fernsehfilm) 1957: Ihr 106. Geburtstag – Regie: Hannes Tannert (Fernsehfilm) 1960: Die Irre von Chaillot – Regie: Harry Buckwitz (Fernsehfilm) 1963: Den Tod in der Hand – Regie: Fritz Umgelter (Fernsehfilm)
Theater Schauspieler 1920: Friedrich Schiller: Kabale und Liebe (Ferdinand) – Regie: Johannes Klaudius (Volksbühne Theater am Bülowplatz Berlin) 1920: Hans José Rehfisch: Das Paradies – Regie: Heinz Goldberg (Neues Volkstheater Berlin) 1920: August Strindberg: Ostern (Benjamin) – Regie: Hans Brahm (Neues Volkstheater Berlin) 1921: William Shakespeare: Komödie der Irrungen (Antipholus von Ephesus) – Regie: Jürgen Fehling (Volksbühne Theater am Bülowplatz Berlin) 1921: George Bernard Shaw: Kapitän Brassbounds Bekehrung – Regie: Jürgen Fehling (Volksbühne Theater am Bülowplatz Berlin) 1922: Franz Grillparzer: Des Meeres und der Liebe Wellen (Leander) – Regie: Robert Forsch (Schlosspark Theater Berlin) 1922: Dietzenschmidt: Die Nächte des Bruder Vitalis (Bruder Vitalis) – Regie: Arthur Hellmer (Neues Theater in Frankfurt am Main) 1923: Gerhart Hauptmann: Der arme Heinrich – Regie: Paul Kolkwitz (Hohentwiel-Festspiele) 1923: Joachim von der Goltz: Vater und Sohn – Regie: ? (Neues Theater Berlin) 1925: Friedrich Raff: Die Expedition ins Innere – Regie: Jo Lherman (Theater in der Klosterstraße Berlin) 1926: Albert Kehm, Martin Frehsee: Als ich noch im Flügelkleide – Regie: Robert Pirk (Theater in der Klosterstraße Berlin) 1926: Hermann Sudermann: Die Schmetterlingsschlacht – Regie: ? (Theater in der Klosterstraße Berlin) 1926: Marcel Achard: Marlboro zieht in den Krieg (Leutnant Drei) – Regie: Erwin Kalser (Volksbühne Theater am Bülowplatz Berlin) 1926: Ernst Bacmeister: Andreas und die Königin (Andreas) – Regie: Heinz Ludwig (Lessingtheater Berlin) 1926: Joseph von Eichendorff: Der Freier (Junger Graf) – Regie: Otto Zoff (Volksbühne Theater am Bülow Platz Berlin im Theater am Schiffbauerdamm) 1927: Carl Laufs: Ein toller Einfall – Regie: Paul Marr (Theater in der Kommandantenstraße Berlin) 1928: Hermann Ungar: Der rote General – Regie: Erich Engel (Theater in der Königgrätzer Straße Berlin) 1929: Hans José Rehfisch: Der Frauenarzt – Regie: Heinz Goldberg (Theater in der Klosterstraße Berlin) 1944: Hans von Wentzel, Johanna von Wentzel: 360 Frauen – Regie: Hermann Albert Schroeder (Volksbühne Theater in der Saarlandstraße)
Regisseur 1938: Eberhard Foerster: Die Frau nach Maß (Volksbühne Theater in der Saarlandstraße)
Hörspiele (Auswahl) Als Regisseur 1924: Johann Wolfgang von Goethe: Stella (2 Ausstrahlungen; auch Sprecher) 1925: Alexander Puschkin: Der steinerne Gast 1925: Lukian von Samosata: Ikaromenippus oder Die Luftreise 1925: Lukian von Samosata: Der Hahn oder Der Traum des Schusters 1925: Lukian von Samosata: Die Fahrt über den Styx oder Der Tyrann 1925: Johann Wolfgang von Goethe: Egmont (auch Sprecher) 1925: Nikolai Gogol: Der Revisor (auch Sprecher) 1925: Rudolf Presber, Georges Courteline: Fiat Justitia! Oder die verrutschte Augenbinde 1925: Johann Wolfgang von Goethe: Die Mitschuldigen 1925: Bjørnstjerne Bjørnson: Die Neuvermählten 1925: Pius Alexander Wolff: Preciosa 1925: Friedrich Lienhard: Der Fremde (auch Sprecher der Titelrolle) 1925: Heinrich von Kleist: Prinz Friedrich von Homburg 1925: William Shakespeare: Der Sturm 1936: Günter Eich: Weizenkantate 1936: Hans Rothe: Verwehte Spuren 1937: Günter Eich: Radium 1952: Hans Rothe: Verwehte Spuren
Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück (79-teilige Sendereihe) 1952: Ernst Buchholz: Mord oder Selbstmord 1952: Ernst Buchholz: Tumult beim Fußball 1952: Ernst Buchholz: Der 13. März 1952: Ernst Buchholz: Eulenspiegel vor Gericht 1952: Ernst Buchholz: Am Wege 1952: Ernst Buchholz: Das geheimnisvolle Wertpaket 1952: Ernst Buchholz: Die Rose am falschen Ort 1952: Gerhart Herrmann Mostar: Vater und Sohn 1952: Gerhart Herrmann Mostar: § 170 c 1952: Gerhart Herrmann Mostar: Moral im Dienst 1952: Gerhart Herrmann Mostar: Kann Wahrheit beleidigen 1952: Gerhart Herrmann Mostar: Der Ankläger wird zum Verteidiger 1952: Margarethe Herold: Alfred auf Trümmern 1952: Margarethe Herold: Der Orgeldieb 1952: Gerhart Herrmann Mostar: Der weiße Magier 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Angst vor dem Vater 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Einsamer alter Mann 1953: Margarethe Herold: Das Geheimnis der dunklen Limousine 1953: Margarethe Herold: Der Kuß in der Gartenlaube 1953: Margarethe Herold: Der schöne Erasmus 1953: Wilfried Schlie: Operationsschwester Gerda 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Zehn Sekunden Jähzorn 1953: Erich Brautlacht: Das Abschiedsmahl 1953: Margarethe Herold: Das Gewehr auf dem Schrank 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Der Verkehrsunfall 1953: Georg Krönich: Das Geständnis 1953: Margarethe Herold: Die Angst des Walter Reimers 1953: Margarethe Herold: Die erschlichene Wohnung 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Franzl macht Dummheiten 1953: Margarethe Herold: Der feine Kavalier 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Kindesentführung 1953: Margarethe Herold: Der verschwundene Ring 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Ferndiagnose 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Leichter Junge – schwerer Diebstahl 1954: Gerhart Herrmann Mostar: Der große Bruder 1954: Ernst Buchholz: Die feindlichen Nachbarn 1954: Gerhart Herrmann Mostar: Der Schlaftrunk 1954: Margarethe Herold: Der Mann ohne Zeugnis 1954: Franz Josef Pootmann: Mord an einer Toten 1954: Margarethe Herold: Die Tonne mit den Fröschen 1954: Erich Brautlacht: Männertreu postlagernd 1954: Gerhart Herrmann Mostar: Strafsache Rudolf Winkler 1954: Alexander Sternberg: ... fällt unter Bigamie 1954: Alexander Sternberg: Ein klarer Fall 1954: Ernst Buchholz: Das Recht am eigenen Bild 1954: Alexander Sternberg: 1,9 pro mille 1954: Erich Brautlacht: Die verhängnisvollen Strahlen 1954: Alexander Sternberg: Im Affekt 1954: Gerhart Herrmann Mostar: Der Ehrenmann und die Diebin 1954: Alexander Sternberg: Vorbestraft 1954: Erich Brautlacht: Kuppelei 1954: Alexander Sternberg: Der Fahrradkauf 1954: Alexander Sternberg: Nächtlicher Besuch 1954: Willy Kleemann: Ein falscher Zwanziger 1954: Gerhart Herrmann Mostar: Mein Sohn taugt nichts 1955: Willy Kleemann: Nur vier Kilometer bis zum Dorf 1955: Alexander Sternberg: Gesetz und Gerechtigkeit 1955: Alexander Sternberg: Tragödie des Vertrauens (Geständig) 1955: Alexander Sternberg: Bewußtseinsstörung? 1955: Willy Kleemann: Recht oder Rache