Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der niederländischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Die niederländische Mannschaft konnte einmal den Titel gewinnen und lag vor der EM 2024 in der ewigen Bestenliste, nachdem sich die Niederländer für 2016 nicht qualifizieren konnten, auf dem sechsten Platz. Zusammen mit Belgien richteten die Niederländer 2000 die erste von zwei Ländern organisierte EM-Endrunde aus.

Übersicht Die Niederlande nahmen erstmals an der Qualifikation zur EM 1964 teil, scheiterten aber im Achtelfinale an Luxemburg. Erstmals gelang die Qualifikation für die Endrunde 1976 und danach mit Ausnahme von 1984 und 2016 für alle folgenden Endrunden.

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1960 Frankreich nicht teilgenommen 1964 Spanien nicht qualifiziert Im Achtelfinale an Luxemburg gescheitert. 1968 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Ungarn gescheitert, das sich aber ebenfalls nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1972 Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Vizeeuropameister Jugoslawien gescheitert, das sich aber ebenfalls nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1976 Jugoslawien Spiel um Platz 3 Jugoslawien Dritter George Knobel Im Halbfinale am späteren Europameister Tschechoslowakei in der Verlängerung gescheitert. 1980 Italien Vorrunde Griechenland, Deutschland, Tschechoslowakei 5. Jan Zwartkruis Nach je einem Sieg, einer Niederlage (gegen den späteren Europameister Deutschland) und einem Remis aufgrund der schlechteren Tordifferenz als Gruppendritter ausgeschieden 1984 Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation aufgrund der weniger erzielten Tore am späteren Vizeeuropameister Spanien gescheitert. 1988 BR Deutschland Finale UdSSR Europameister Rinus Michels Erster Titel für die Elftal. 1992 Schweden Halbfinale Dänemark 3. Rinus Michels Im Elfmeterschießen am späteren Europameister gescheitert. 1996 England Viertelfinale Frankreich 8. Guus Hiddink Im Elfmeterschießen gescheitert. 2000 Niederlande und Belgien Halbfinale Italien 3. Frank Rijkaard Im Elfmeterschießen gescheitert. 2004 Portugal Halbfinale Portugal 4. Dick Advocaat Erstes gewonnenes Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Schweden 2008 Österreich und Schweiz Viertelfinale Russland 5. Marco van Basten Niederlage in der Verlängerung. 2012 Polen und Ukraine Vorrunde Dänemark, Deutschland, Portugal 15. Bert van Marwijk Schlechteste Turnierbilanz in der Geschichte der Elftal – als amtierender Vize-Weltmeister mit drei Niederlagen in der Vorrunde ausgeschieden. Bert van Marwijk trat in der Folge als Bondscoach zurück. 2016 Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Tschechien, Island und der Türkei gescheitert. 2021 Europa Achtelfinale Tschechien 9. Frank de Boer Die Niederlande stellten mit der Amsterdam Arena eine Spielstätte für drei Gruppenspiele und ein Achtelfinalspiel, mussten sich aber qualifizieren, was am vorletzten Spieltag gelang. Sie konnten in der Gruppenphase alle Spiele in Amsterdam bestreiten und gewannen dort gegen Österreich, die Ukraine sowie Nordmazedonien, das sich über die Playoffs qualifizierte. Dabei erzielten sie die meisten Tore aller Teilnehmer. 2024 Deutschland Halbfinale England 3. Ronald Koeman Als Gruppenzweiter hinter Frankreich, vor Griechenland, Irland und Gibraltar qualifiziert. Gruppengegner bei der Endrunde waren wieder Frankreich, Österreich und Polen, eine Mannschaft, das sich im Februar über Play-off-Pfad A noch qualifizieren konnte. Im Achtelfinale wurde Rumänien mit 3:0 bezwungen. Gegner im Viertelfinale war die Türkei, gegen die mit 2:1 gewonnen wurde.

Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 Für die Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, hatte der KNVB seine Nationalmannschaft nicht gemeldet.

EM 1964 Vier Jahre später wollten dann auch die Niederländer teilnehmen und da mehr Mannschaften als 1960 teilnahmen, wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. In der Vorrunde trafen die seit 1957 von Elek Schwartz trainierten Niederländer auf die Schweiz. Nach einem 3:1 im Hinspiel, bei dem Anthonie van der Linden das erste EM-Qualifikationstor für die Niederländer erzielte,Niederlande 3-1 Schweiz und einem 1:1 im Rückspiel standen sie im Achtelfinale gegen Luxemburg, das auf sein Heimrecht verzichtete. Hier endete das Hinspiel in Amsterdam nur 1:1, das Rückspiel in Rotterdam verloren sie dann überraschend mit 1:2. Luxemburg scheiterte im Viertelfinale an Dänemark nach einem Entscheidungsspiel in Amsterdam. Schwartz blieb zunächst im Amt, wechselte aber im Mai 1964 zu Benfica Lissabon.

EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Die Niederländer mussten gegen Ungarn, Dänemark und die DDR antreten. Die nun vom Deutschen Georg Keßler trainierten Niederländer blieben in den Heimspielen ungeschlagen, konnten allerdings nur gegen Dänemark und die DDR gewinnen, verloren aber alle Auswärtsspiele. Damit reichte es nur zum dritten Platz. Gruppensieger Ungarn scheiterte im Viertelfinale an der Sowjetunion. Am 7. September 1966, im ersten Qualifikationsspiel, wurde gegen Ungarn in Rotterdam ein 19-jähriger Spieler namens Johan Cruyff erstmals in einem Länderspiel eingesetzt, der sogleich sein erstes Länderspieltor erzielte und acht Jahre später zu einem der Stars der WM 1974 werden sollte.Niederlande 2-2 Ungarn Da Cruyff in seinem zweiten Länderspiel und damit als erster niederländischer Spieler in einem Länderspiel des Feldes verwiesen wurde und vom Verband mit einer einjährigen Sperre belegt wurde, durfte er erst am 13. September 1967 gegen die DDR wieder eingesetzt werden. Bereits in der zweiten Minute erzielte er den 1:0-Siegtreffer, konnte aber beim letzten Spiel in Dänemark die 2:3-Niederlage nicht verhindern. Keßler behielt zunächst das Amt des Bondscoach, wechselte aber Anfang 1970 zu Sparta Rotterdam.

EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnten sich die nun von František Fadrhonc trainierten Niederländer auch noch nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Jugoslawien, wieder der DDR und Luxemburg, das als einzige Mannschaft der Gruppe kein Spiel gewann, wurde die Qualifikation durch Niederlagen in der DDR und Jugoslawien verpasst. Johan Cruyff kam nur in den Spielen gegen Luxemburg (2 Tore beim 6:0 und 3 Tore beim 8:0) und die DDR (kein Tor beim 3:2) zum Einsatz. Am Ende hatten die Niederländer zwar – auch dank Cruyff – die meisten Tore erzielt, aber der zweite Platz reichte nicht. Auch diesmal scheiterte der Gruppensieger (Jugoslawien) im Viertelfinale an der Sowjetunion. Fadrhonc blieb im Amt und konnte sich mit der Mannschaft für die WM 1974 qualifizieren. Mit Rinus Michels wurde er dann aber einem Supervisor untergeordnet.

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen, die Niederländer konnten sich nach dem zweiten Platz bei der WM, die sie erstmals seit 1938 wieder erreicht hatten, nun auch für die EM-Endrunde qualifizieren. Trainiert wurden sie nun von Georg Knobel, der nach der WM 1974 das Amt des Bondscoach übernommen hatte. Dabei setzten sie sich gegen Italien und den WM-Dritten Polen sowie Finnland dank der mehr erzielten Tore vor Polen durch. Im Viertelfinale wurde der Nachbar Belgien mit 5:0 und 2:1 ausgeschaltet.

Am 16. Juni 1976 trafen sie in Zagreb in ihrem ersten EM-Endrundenspiel auf die Tschechoslowakei, die England in der Qualifikation ausgeschaltet hatte. Da noch weitgehend der Stamm der WM erhalten geblieben war, galten sie nun neben Titelverteidiger und Weltmeister Deutschland als Favorit. Der tschechoslowakische Verteidiger Anton Ondruš erzielte aber bereits nach 20 Minuten die Führung. Die Niederländer griffen in einem mehr als harten Spiel permanent an, doch erst ein Eigentor von Ondruš in der 73. Minute brachte Oranje in die Verlängerung. Nachdem zwei Rote Karten gegen Johan Neeskens und Willem van Hanegem (dagegen stand eine Rote Karte für den Slowaken Jaroslav Pollák) die niederländische Mannschaft dezimiert hatten, erzielten die Tschechoslowaken in der 114. Minute durch ihren Stürmerstar Zdeněk Nehoda und drei Minuten später durch František Veselý die Treffer zum 3:1-Sieg. Im anschließenden Spiel um Platz 3 gegen Gastgeber Jugoslawien wurde dann Kapitän Johan Cruyff nicht eingesetzt. Diesmal konnten die Niederländer in Führung gehen, wobei Ruud Geels als erster Niederländer ein EM-Tor erzielte. Aber nach dem 2:0 in der 39. Minute mussten sie noch vor der Pause den Anschlusstreffer und in der 82. Minute den Ausgleich hinnehmen und erneut in die Verlängerung. In der 107. Minute gelang dann Geels mit seinem zweiten Tor der Siegtreffer zum 3:2. Knobel, der die Mannschaft als in sich gespalten betrachtete, hatte bereits vor dem Turnier seinen Rücktritt eingereicht. Sein Nachfolger wurde Jan Zwartkruis, der sich in den folgenden Jahren mehrmals mit Ernst Happel abwechselte, der die Mannschaft dann auch bei der WM 1978 coachte.

Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, trafen die Niederländer, die 1978 wieder das WM-Finale verloren hatten und seit 1977 ohne Johan Cruyff auskommen mussten, in der Gruppe wieder auf Polen und die DDR sowie die Schweiz und Island. Die nach der WM wieder von Jan Zwartkruis trainierten Niederländer konnten zwar beide Spiele gegen Polen nicht gewinnen (0:2 in Polen und 1:1 im Heimspiel), da die Polen aber in der DDR mit 1:2 verloren und daheim nur 1:1 gegen die DDR spielten, hatten die Niederländer am Ende einen Punkt mehr und qualifizierten sich als Gruppensieger für die Endrunde.

Bei der Endrunde fand nun erstmals eine Gruppenphase statt, bei der je 4 Mannschaften einmal gegen jede andere spielten und die beste Mannschaft jeder Gruppe direkt das Finale erreichte, während die zweitbeste Mannschaft das letztmals ausgetragene Spiel um Platz 3 bestritt. Die Niederlande traf im ersten Spiel auf EM-Neuling Griechenland und gewann durch einen von Kees Kist verwandelten Foulelfmeter mit 1:0. Im zweiten Spiel gegen Deutschland lagen sie nach 65 Minuten durch drei Tore von Klaus Allofs mit 0:3 zurück. Johnny Rep mit einem Tor durch Foulelfmeter und Willy van de Kerkhof konnten es dann zwar noch einmal spannend machen, die Niederlage aber nicht mehr abwenden. Im letzten Spiel gegen Titelverteidiger Tschechoslowakei mussten sie daher gewinnen, um noch das Spiel um Platz 3 zu erreichen, kamen aber nur zu einem 1:1. Damit standen die Tschechoslowaken aufgrund der besseren Tordifferenz – sie hatten gegen Griechenland mit 3:1 gewonnen und die EM-Finalrevanche gegen Deutschland mit 0:1 verloren – im Spiel um Platz 3 und gewannen es gegen durch Elfmeterschießen gegen Gastgeber Italien. Zwartkuis blieb zunächst bis Anfang 1981 im Amt, ihm folgten dann abwechselnd Rob Baan und Kees Rijvers.

EM 1984 Für die Europameisterschaft in Frankreich konnten sich die von Kees Rijvers trainierten Niederlande dann, für die nächsten 32 Jahre letztmals, nicht qualifizieren. In der Qualifikations-Gruppe mit Spanien, Irland, Island und Malta wurden die Spanier aufgrund der mehr erzielten Tore bei gleicher Punktzahl und Tordifferenz Gruppenerster. Mitentscheidend dafür war ein 1:1 der Niederländer im ersten Qualifikationsspiel in Island. Spanien erreichte dann in Frankreich das Finale, verlor dieses aber gegen den Gastgeber. Rijvers blieb zunächst im Amt und legte auch den Grundstein für den niederländischen EM-Titel 1988, nach dem ersten verlorenen Qualifikationsspiel zur WM 1986 endete aber seine Amtszeit als Bondscoach. Ihm folgten abwechselnd Rinus Michels und Leo Beenhakker, denen es aber auch nicht gelang, die Elftal zur WM 1986 zu führen.

EM 1988 mini|Startaufstellungen im Finale