mini|Vennerhaus in Oberwil im Simmental (1757) Hans Messerli senior (* Dezember 1718 in DärstettenDa er am 1. Januar 1719 in der Reformierten Kirche von Därstetten getauft wurde, ist anzunehmen, dass er in der zweiten Hälfte Dezember 1718 geboren wurde (Staatsarchiv Bern [StAB], Tauf-, Ehe- und Totenrodel Därstetten, K Därstetten 2, Bd. B, S. 126). Neue kirchliche Vorschriften in der alten Republik Bern erforderten, dass ein Kind, das in der Stadt geboren wurde innert acht Tagen getauft werden musste, und ein Kind, das in den ländlichen Regionen geboren wurde, innert 14 Tagen getauft werden musste (Rennefahrt, 841, 875). Die Kirchenrödel von Därstetten sind seit 1591 vorhanden (vgl. Rubi, 66).; † 21. April 1806 in Nidfluh in der Gemeinde DärstettenStAB, Totenrodel Därstetten, K Därstetten 9, Bd. C, S. 51.) war ein Niedersimmentaler Zimmermeister, dessen Häuser zu den bedeutendsten Baudenkmälern des Kantons Bern zählen. Einzelne Messerli-Häuser erscheinen im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung und können auf dem Simmentaler Hausweg besichtigt werden.
Junge Jahre Messerli wurde als ältestes Kind und einziger Sohn des Benedikt Messerli (1692–1746) und der Anna Messerli geb. Ziörjen (1679–1737) geboren. Der Vater sowie der Grossvater – Hans Messerli senior (1658–1710) – lassen sich durch Niedersimmentaler Bauinschriften ebenfalls als Zimmermeister nachweisen.Grossvater Hans Messerli wurde mit Stephan Mettler, Niklaus Frey, Anton Abbühl und Michael Bähler 1693 als Bauleute in der Antiqua-Inschrift des durch Bauherrn Jakob Ueltschi in der Bäuert Balzenberg errichteten Hauses erwähnt. Der noch im alten Heimatort Oberwil im Simmental geborene Urgrossvater Peter Messerli (* 1615) liess sich nach seiner 1644 dort geschlossenen Ehe mit Magdalena Ueltschi in der Gemeinde Därstetten nieder. Dort wurden ihre sechs Töchter und die beiden Söhne geboren.
Das 1739 in der Bäuert Nidfluh durch Michael Teuscher (1703–1784) neu gebaute Haus trägt die Inschrift: „Zimmer Meister waren Bendicht Messerli und sein Sohn [Hans]“. Der Bauherr wurde ein Jahr später Schwager des bekannten Niedersimmentaler Zimmermeisters, der nach Familientradition das Haus seiner Lehrjahre später zum Wohnsitz machte.Stiftung und Talmuseum Agensteinhaus, mit Unterstützung der Denkmalpflege des Kantons Bern, Hrsg.: Hans Messerli (1718–1806) und die Simmentaler Zimmermannskunst im 18. Jahrhundert, Text: Adeline Zumstein [Agensteinhaus/Zumstein], Wimmis, 2012, 6-7.
Der junge Zimmermann Hans Messerli vermählte sich am 8. März 1740 in Zweisimmen mit der zehn Jahre älteren Anna Elisabeth Teuscher (1708–1775).StAB, Eherodel Zweisimmen, K Zweisimmen 5, Bd. V, S. 313. Gleichzeitig haben Matthias Durian and Barbara Ziörjen, beide aus der Bäuert Mannried bei Zweisimmen, geheiratet. Anna Elisabeth Messerli geb. Teuscher war das jüngste Kind der sieben Töchtern und vier Söhnen des Schulmeisters Johannes Teuscher und der Anna Teuscher geb. Jutzeler († 1746). Sie wurden Eltern von zwei Kindern: Hans Messerli junior (1742–1814), unverheiratet, und Anna Messerli (1750–1750).Die angebliche Taufe eines zweiten Sohnes 1752 lässt sich nicht nachweisen (vgl. Rubi, 66).
Meisterwerke Knuttihaus (1756) mini|Das „Knuttihaus“ z’Moos in der Bäuert Zwischenbächen in Därstetten Zwischen 1739 (als Messerli mit seinem Vater namentlich erwähnt wurde) und 1756 ist kein Nachweis von Zimmermeister Hans Messerli bekannt. Dafür trägt das sogenannte „Knuttihaus“ z’Moos, nicht weit von der Kirche Därstetten, die Inschrift Messerlis. Gebaut wurde das „Prestigeobjekt“ 1756 im Auftrag von Johannes Knutti (1695–1781) und Anna Barbara Knutti geb. Kübli (1707–1791) sowie deren Sohn Christian Knutti (1726–1796) und Schwiegertochter Anna Knutti geb. Ueltschi (1732–1768).Agensteinhaus/Zumstein, 12. Zusammen mit dem prächtigen Bau und der einzigartigen, 1760 von Anton Schwaller in der sogenannten „Sonntagsstube“ ausgeführten Malerei, ist das „Knuttihaus“ eines der bedeutendsten Baudenkmäler des Kantons Bern.
Vennerhaus (1757) mini|Das „Vennerhaus“ auf dem Bühl in der Bäuert Bunschen in Oberwil im Simmental „Zimmermeister Hans Messerli“ figurierte 1757 unter den Bauleuten, welche das sogenannte „Vennerhaus“ auf dem Bühl in der Bäuert Bunschen in der Gemeinde Oberwil i.S. im Auftrag des Landesvenners Jakob Joneli (1718–1761) und Margaretha Joneli geb. Regez (1724–1760) und deren Tochter Anna Joneli [verheiratet Eschler] (1751–1817) bauten.Irrtümlicherweise wird Anna Joneli als „einziges Kind“ des Landesvenners bezeichnet (Rubi, 69). Ihre drei Geschwister sind im Kindesalter verstorben: Margaretha Joneli (1745–1752), Jakob Joneli jun. (1748–1750) und Elsbeth Joneli (1755–1757). Einer der Zimmermannsgesellen, welcher ebenfalls am „Vennerhaus“ geholfen hat, war Johannes Bühler junior (1726–1798), seit 1754 Ehemann der Magdalena Bühler geb. Messerli (1720–1789), einer jüngeren Schwester Messerlis.Agensteinhaus/Zumstein, 14. mini|links|Inschrift „ein Listiger Kopf“ am „Vennerhaus“ Der „listige Kopf“, der in der „Vennerhaus“-Inschrift an der Stockschwelle (Rähm) erwähnt wird, bezieht sich nicht auf Zimmermeister Hans Messerli. „Einzigartig für das ganze [Berner] Oberland“ ist die Tatsache, dass zwei Mahler am „Vennerhaus“ mit folgenden, „persiflierenden“ Spruch verewigt sindAffolter, Heinrich Christoph: Die Bauernhäuser des Kantons Bern. Band I: Das Berner Oberland [Affolter] (Basel, 1990), 391, sowie 587, Anmerkung 576.: „Dem Mahler Allenbach als einem arme Tropf, der Meister Amrein der Als ein Listiger Kopf gar wohl behilflich war mit mahlen und die Farb Reiben so das Er Endlich wird die Meisterschaft wohl haben“.Der hier abgeschriebene Text der Inschrift entspricht getreu dem Spruch wie er (wohl seit der Restauration 1971) an der Stockschwelle zu lesen ist (im Gegensatz zu den zwei unterschiedlichen Abschriften bei Affolter, 512, und 587, Anmerkung 576; eine andere Version im Bauinventar der Gemeinde Oberwil im Simmental, Büel, Nr. 201, welche offenbar von der Webseite der Gemeinde übernommen wurde; sowie eine weitere Version bei Rubi, 83). Affolter nennt Stefan Allenbach als der am Oberwiler „Vennerhaus“ beteiligte Maler. Der Malermeister Amrein lässt sich bisher leider nicht näher identifizieren.Affolter: 391, 515. Bereits 1737 signierte Stefan Allenbach die Stubenmalerei im Bodenhaus Nr. 1429 in Adelboden (Affolter, 452-453). Trotz der Einzigartigkeit, dass die Inschrift der Beteiligung zweier Maler am grossen Messerli-Bau in Oberwil i.S. belegt ist, wird lediglich der Name des Stefan Allenbach an der Tafel des Simmentaler Hausweges erwähnt, die am „Vennerhaus“ angebracht ist. Ein Maler namens Christoph Allenbach lässt sich nicht nachweisen (vgl. Agensteinhaus/Zumstein, 14).
Am Argel (1759) mini|Das Haus am Argel in der Bäuert Zwischenbächen in Därstetten Im Jahre 1759 erteilten zwei ledige Schwestern – Magdalena Mani (1724–1803) und Salome Mani (1726–1790) – Zimmermeister Messerli den Auftrag, ihr neues Haus „am Argel“ in der Bäuert Zwischenbächen der Gemeinde Därstetten zu errichten. Auch dieses Meisterwerk Messerlis gilt als eines der wertvollsten Baudenkmäler des Kantons Bern.Agensteinhaus/Zumstein, 17-18. Im Jahr 1760 – im gleichen Jahr, als die Stubenmalerei im neuen „Argel“-Haus durchgeführt wird – lässt sich Salome Mani mit Dragoner Johannes Rebmann (1730–1784) aus Schwenden im Diemtigtal vermählen. Er entstammt einer der bedeutendsten Viehzüchter-Dynastien des Berner Oberlandes. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, denn seine Grossmutter war eine Schwester des Vaters der Argel-Schwestern. Bereits im Jahre 1752 gehört Johannes Rebmann gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Schwägerin – Jakob Rebmann senior (1728–1783) und Margaretha Rebmann geb. Regez (* 1726) – zur Bauherrschaft des Bauernhauses (und späteren Gasthofes) „Thiermatti“ in Schwenden. Jakob Rebmann-Regez ist Patenkind der Anna Barbara Knutti geb. Kübli (1707–1791), eine der Stifterinnen des prächtigen „Knuttihauses“ z’Moos.
Linde (1766) Als in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1765 „in mithen des in dem dorf Erlenbach gestandenen und von entwelchen Haushaltungen bewohnt gewesenen Schulhause, ohnwissend wie, dergestalten Feür […]“ ausgebrochen ist, brannten 14 Häuser und 9 Scheunen abRubi, 66f., 26 Familien verloren ihr Zuhause.Stähli-Lüthi, Verena: Die Kirche von Erlenbach i.S.: Ihre Geschichte und ihre Wandmalereien. Herausgegeben vom Historischen Verein des Kantons Bern und der Kirchgemeinde Erlenbach im Simmental (Bern, 1979), 74. Beim Wiederaufbau des Dorfes 1766 war Messerli unter den zahlreichen Handwerkern dabei. mini|Die „Linde“ in Erlenbach im Simmental, 1766 von Hans Messerli sen. gebaut. Einzig die Bauinschrift des neu errichteten Gasthofes „Linde“ trägt die Inschrift mit dem Namen Messerlis.Agensteinhaus/Zumstein, 19-20. Bauherrschaft der neuen „Linde“ waren Magdalena Schneider geb. Massard (1716–1789), Witwe des Jakob Schneider III. (1719–1756), „[…] und Ihre 4 Kinder“, i. e., Magdalena Schneider (1740–1806), Susanna Schneider [verh. Eschler] (1743–1799), Anna Schneider [verh. Reber] (1752–1824) und Jakob Schneider V. (1753–1820), sowie das „Baumeister“-Ehepaar, Jakob Walthard (1724–1784) mit Ehefrau Susanna Walthard geb. Im Obersteg (1733–1818). Im Vergleich mit früheren Messerli-Bauten lassen sich aber mindestens drei der neuen Häuser im Dorf Erlenbach dem grossen Zimmermeister zuordnen.Agensteinhaus/Zumstein, 21-23. Folgende Häuser werden Messerli zugeschrieben: das dendrodatierte (1766) heutige „Talmuseum Agensteinhaus“, dessen Bauherrschaft Jakob Walthard (1711–1792) mit Ehefrau Barbara Walthard geb. Karlen verw. Regez (1718–1802) und ihrer Tochter Magdalena Regez [verh. Tschabold] (1748–1819) gebildet haben das grosse Haus mit Ründidach, das Hauptmann Johann Rudolf Grünenwald II. (1714–1791) und dessen Gemahlin, Barbara Grünenwald geb. Mani (1721–1781), bauen und lediglich mit ihren Familienwappen und Jahrgang (jedoch nicht mit Namen der Bauherrschaft) versehen liessen das wohl 1777 als Schulhaus errichtete Gebäude, in dem sich heute die Post befindet. Das imposante Haus des langjährigen Erlenbacher Obmanns Johann Rudolf Grünenwald-Mani ist als sogenanntes „Vépyhaus“ bekannt, weil es während Jahrzehnten im Besitz dieser ungarischen Adelsfamilie war.
Zumstein macht darauf aufmerksam, dass Hans Messerli junior (1742–1814) in der väterlichen Werkstatt beim Wiederaufbau in Erlenbach sowie später wahrscheinlich dabei war, auch wenn seine Tätigkeit als Zimmermann sich bisher nicht nachweisen lässt.Agensteinhaus/Zumstein, 19, 35 37-41, 46.
Späteres Leben und weitere Bauten 1757 muss Anna Elisabeth Messerli geb. Teuscher schwer krank geworden sein, denn als sie am 18. Januar 1775 in Nidfluh starb, notierte der Pfarrer Niklaus Eggemann, dass sie „[…] 18 Jahr lang contract [gelähmt] darnidergeleg[en],“ war.StAB, Totenrodel Därstetten, K Därstetten 9, Bd. C, S. 17, Nr. 1. Schon am 31. März 1775 vermählte sich der 56-jährige Hans Messerli in DärstettenStAB, Eherodel Därstetten, K Därstetten 7, Bd. C, S. 9, Nr. 3. mit der 21-jährigen Susanna Klossner (1753–1838).Messerlis zweite Ehefrau wurde als ältestes Kind und erste Tochter des David Klossner I. (1719–1779) und der Margaretha Klossner geb. von Allmen (1714–1808) in Nidfluh geboren. Sie entstammt einem seit 1692 nachweislich in der Bäuert Bächlen im Diemtigtal sesshaften Zweig des Diemtiger Geschlechts. Ob Susanna Klossner die erste Frau Messerlis gepflegt hat, ist unbekannt. Landesvenner Jakob Reber I. (1747–1824) war 1777 einer der Taufpaten des David Messerli I. (1777–1777), dem ersten Kind des Zimmermeisters und seiner zweiten Ehefrau.StAB, Taufrodel Därstetten, K Därstetten 3, Bd. C, S. 67, Nr. 14. David Messerli II. (1782–1858) wurde ihr zweiter Sohn (Rubi, 66).