mini|Das Fest der Freude (2025) mini|Alexander Van der Bellen beim Fest der Freude 2016

Das Fest der Freude findet alljährlich anlässlich des Jubiläums der Befreiung Österreichs vom NS-Regime am 8. Mai am Wiener Heldenplatz statt. Bevölkerung, Zeitzeugen und die Spitzen des Staates feiern mit einem Festkonzert der Wiener Symphoniker die Wiedererrichtung der Republik Österreich. Das Fest der Freude wird seit dem Jahr 2013 vom Mauthausen Komitee Österreich veranstaltet, von rund 15.000 Leuten besucht und wurde 2015 erstmals live im Fernsehen (ORF III) übertragen.

Anlass, Ausrichtung und Interpreten Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht erfolgte am 7. Mai 1945 und trat am 8. Mai um 23:01 Uhr MEZ in Kraft. Damit war auch die Republik Österreich befreit und in den Grenzen von 1918 wiederhergestellt. Obwohl die sowjetischen Truppen die Schlacht um Wien bereits am 13. April 1945 gewonnen hatten und obwohl die österreichische Unabhängigkeit am 27. April deklariert und eine neue österreichische Staatsregierung am 29. April 1945 etabliert wurde, stellt der 8. Mai den endgültigen Tag der Befreiung Österreichs vom NS-Regime dar.

Seit 2013 veranstaltet daher die Bundesregierung anlässlich des Jahrestages der endgültigen Niederlage des Nationalsozialismus ein Festkonzert der Wiener Symphoniker als „Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit in Österreich“ am Heldenplatz.Peter Mayr: Symphoniker gegen „Totengedenken“ der Burschenschafter, In: Der Standard, 9. April 2013.Wiener Zeitung: Fest der Freude: Beethoven statt Burschenschafter am 8. Mai., 9. Mai 2013. Diese Feierlichkeit erfreute sich der spontanen Zustimmung der Bevölkerung. 2013 erschienen rund 10.000 Besucher, im Jahr 2014 wurde das Fest der Freude von 12.000 Zuhörern besucht., Der Standard, 8. Mai 2014, 22:16 Uhr. 2015 waren es rund 15.000.

Zentraler Bestandteil des Festes der Freude ist die Rede eines Zeitzeugen, einer Zeitzeugin. 2013 war dies Käthe Sasso, eine Überlebende des KZ Ravensbrück und eines Todesmarsches. 2014 sprach Aba Szulim Lewit, ein Überlebender der Konzentrationslager Płaszów und Mauthausen.Israelitische Kultusgemeinde Wien: , abgerufen am 9. Mai 2015. 2015 wurde Helga Emperger eingeladen, die als 16-Jährige vom NS-Regime verhaftet wurde und deren Mutter von den Nationalsozialisten durch das Fallbeil hingerichtet wurde. 2016 sprach Daniel Chanoch, der aus einer Familie in Litauen stammt und als Kind fünf Konzentrationslager überlebte. Seine Eltern und seine Schwester wurden von den Nationalsozialisten ermordet.Ursula Raberger: Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust: Im Gespräch mit Dani Chanoch, Neuwal, 27. Januar 2014, abgerufen am 9. Mai 2016.

Die Wahl der Künstler für das Festkonzert berücksichtigt u. a. sowohl die Alliierten als auch die Opfernationen des Nationalsozialismus. Dirigent der ersten beiden Feste war der Franzose Bertrand de Billy. 2013 sang die russische Koloratursopranistin Julia Novikova, 2014 sangen die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva und der polnische Tenor Piotr Beczała, 2015 der ungarische Bass Gábor Bretz.Fest der Freude – Trailer auf YouTube. 2016 dirigierte Christoph von Dohnányi Arnold Schönbergs Ein Überlebender aus Warschau (Sprecher: Thomas Hampson), der Männerchor des Wiener Singvereins stimmte das Schma Jisrael an.

Programm und Mitwirkende JahrOrchester, DirigentSänger, Solisten, ModerationMusikRedner2013Wiener SymphonikerBertrand de BillyJulia Novikova SopranKatharina Stemberger ModerationLudwig van Beethoven SiebenteJacques OffenbachJohann StraussKäthe Sasso ZeitzeuginWerner Faymann BundeskanzlerMichael Spindelegger Vizekanzler2014Wiener SymphonikerBertrand de BillySonya Yoncheva SopranPiotr Beczała TenorAnton Sorokow ViolineKatharina Stemberger ModerationPaul Dukas FanfareLudwig van Beethoven FünfteJules Massenet aus Thais, Hérodiade, WertherCharles Gounod aus FaustWilli Mernyi MKÖAba Lewit ZeitzeugeBarbara Prammer Nationalratspräsidentin2015Wiener SymphonikerSingverein der Gesellschaft der Musikfreunde in WienJohannes Prinz ChorleitungPhilippe JordanMichaela Kaune SopranAnke Vondung MezzosopranBurkhard Fritz TenorGábor Bretz BassKatharina Stemberger ModerationLeoš Janáček SinfoniettaLudwig van Beethoven NeunteWilli Mernyi MKÖAndreas Mailath-Pokorny Kulturstadtrat von WienMaria Vassilakou Vizebürgermeisterin von WienReinhold Mitterlehner VizekanzlerWerner Faymann BundeskanzlerHelga Emperger ZeitzeuginHeinz Fischer Bundespräsident2016Wiener SymphonikerSingverein der Gesellschaft der Musikfreunde in WienJohannes Prinz ChorleitungChristoph von DohnányiThomas Hampson SprecherKatharina Stemberger ModerationArnold Schoenberg A Survivor from WarsawLudwig van Beethoven EroicaWilli Mernyi MKÖSonja Wehsely Stadträtin von WienMaria Vassilakou Vizebürgermeisterin von WienWolfgang Sobotka InnenministerSabine Oberhauser GesundheitsministerinDaniel Chanoch Zeitzeuge2017Wiener SymphonikerÁdám FischerEmmanuel Tjeknavorian ViolineCamilla Nylund SopranKatharina Stemberger ModerationKurt Schwertsik Hier und JetztLudwig van Beethoven Egmont-OuvertüreFelix Mendelssohn Bartholdy Violinkonzert e-Moll, op. 64Ludwig van Beethoven Ah perfido!, 3. Leonoren-OuvertüreWilli Mernyi MKÖChristian Kern BundeskanzlerReinhold Mitterlehner VizekanzlerMaria Vassilakou Vizebürgermeisterin von WienAndreas Mailath-Pokorny Kulturstadtrat von WienLucia Heilman Zeitzeugin2018Wiener SymphonikerKonzertchor WienLahav ShaniJulian Rachlin ViolineKatharina Stemberger ModerationKurt Schwertsik Hier und JetztErnest Bloch "Baal Shem" oder "Three Pictures of Chassidic Life"Leonard Bernstein Chichester PsalmsPjotr Iljitsch Tschaikowski Sätze 2 und 3 des ViolinkonzertsLeonard Bernstein II. WaltzWilli Mernyi MKÖWolfgang Sobotka NationalratspräsidentRudolf Gelbard Überlebender des Holocaust2019Wiener SymphonikerEva OllikainenConchita GesangPekka Kuusisto ViolineKatharina Stemberger ModerationAaron Copland Fanfare aus der Symphonie Nr. 3Maurice Ravel La ValseDmitri Schostakowitsch Symphonie Nr. 10, 2. SatzArvo Pärt Fratres Erich Wolfgang Korngold Mariettas Lied aus der Oper Die tote Stadt op. 12Gustav Mahler Symphonie Nr. 5, 5. SatzLudwig van BeethovenOde an die FreudeWilli Mernyi MKÖAlexander Van der Bellen BundespräsidentShaul Spielmann Überlebender des Holocaust2022 Wiener SymphonikerLahav Shani Chen Reiss SopranKatharina Stemberger Moderation Sergei Rachmaninow Prélude cis-MollRichard Strauss Morgen (Lied)Sergei Rachmaninow Symphonie Nr. 2, 3. SatzKrzysztof Penderecki CiacconaSergei Rachmaninow VokaliseAntonín Dvořák Aus der neuen Welt, 4. SatzLudwig van Beethoven Ode an die Freude Willi Mernyi MKÖAlexander Van der Bellen BundespräsidentErika Freeman Überlebende des Holocaust2023 Wiener SymphonikerMark Mast Konstantin Wecker, Jo BarnikelKatharina Stemberger Moderation Solo zu zweitLudwig van Beethoven Ode an die Freude Willi Mernyi MKÖAlexander Van der Bellen BundespräsidentAnna Hackl Zeitzeugin

In den Jahren 2020 und 2021 fand die Veranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie online statt.

Begleitende Veranstaltungen Neben dem Österreichischen Nationalfeiertag, dem Tag, an dem der Wiederkehr des 26. Oktobers 1955 gefeiert wird, an dem die immerwährende Neutralität vom Nationalrat beschlossen wurde, entwickelt sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zunehmend zu einem Kristallisationspunkt österreichischer Identität. Neben dem Fest der Freude, dessen Organisation offiziell dem Mauthausen Komitee übertragen wurde, veranstaltet die Österreichische Bundesregierung nunmehr drei weitere Veranstaltungen.

Mahnwache des Bundesheeres mini|Mahnwache Seit 2013 findet alljährlich am 8. Mai von 7 bis 18 Uhr eine Mahnwache des österreichischen Bundesheeres vor dem Äußeren Burgtor statt. Diese Mahnwache ist ausdrücklich den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet und wird traditionell mit einem Besuch des Verteidigungsministers eingeleitet. Die durchgehende Präsenz von Bundesheer und Fest der Freude während des ganzen Tages verhindert nunmehr das Totengedenken des Wiener Korporationsringes am 8. Mai, welches ab den 1990er Jahren für heftige Kontroversen und zu Gegendemonstrationen geführt hatte.Die Presse: 8. Mai: Burschenschafter 'erfreut' über Heeres-Mahnwache, 6. Mai 2013. Darin betont Klug: „Wo in den vergangenen Jahren die Burschenschafter aufmarschiert sind, werden diesmal Soldaten zum Gedenken an die Opfer des Faschismus Wache halten. [...] Für einschlägige Gruppen darf es keinen Platz geben, schon gar nicht auf dem Heldenplatz.“

Feierstunde im Bundeskanzleramt Ebenfalls schon Tradition hat die Feierstunde am 8. Mai im Bundeskanzleramt, bei welcher ebenfalls ein Zeitzeuge spricht. im Jahr 2015 war dies der 102-jährige KZ-Überlebende Marko Feingold. Bundeskanzler Werner Faymann räumte bei diesem Anlass ein, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte zum Teil nur zögerlich erfolgt sei. Für eine „umfassende Aufarbeitung ist aber nie zu spät“, betonte er. Auch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner unterstrich die Bedeutung authentischer Informationen von Zeitzeugen. „Je länger man die Aufarbeitung nicht wahrnehme, umso mehr verblassten die Erinnerungen und würden schmerzhafte Teile weggelassen.“ORF: Mahnende Worte beim „Fest der Freude“, 8. Mai 2015. Beim Festakt 2016 sprach der Theresienstadt-Überlebende Rudolf Gelbard.

Projektionen auf dem Bundeskanzleramt Erstmals im Jahr 2015 wurden nach dem Konzert und während der folgenden Nacht Zitate aus dem Mauthausen-Schwur auf die Fassade des Bundeskanzleramtes projiziert. Rund ein Drittel der Besucher verlassen den Heldenplatz über den Ballhausplatz und viele verharrten vor den Projektionen:

Zitate

Bilder 2013

2014

2015

2016

2019

2022

Weblinks

Fest der Freude, offizielle Website

Einzelnachweise

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